Ihr Warenkorb ist noch leer.

Hefte

Die Themenhefte der Zeitschrift «Geistige Welt» können Sie online kostenlos lesen.
Themen
Geistige Folgen von Drogen- und Alkoholmissbrauch – Wie in der göttlichen Welt süchtige Verstorbene therapiert werden – Wunden der Seele
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 1/2017 zum Thema Drogen und Süchte
Geistige Welt 1/2017
Drogen und Süchte
Beschreibung

Stirbt ein Mensch, der im Leben einer Sucht verfallen war, so ist diese nach dem Tode nicht überwunden. Die Seele hat noch dasselbe Verlangen nach jenen Suchtmitteln wie im menschlichen Kleide. Denn das unreine Od dieser Stoffe, das den irdischen Körper geschädigt hat, wird beim Tode – bei der Trennung von Körper und Geist – vom Geistesleib angezogen. Nun kommt es darauf an, ob die Geisterwelt Gottes bereit ist, einem solchen kranken Heimgekehrten ihre Dienste zu erweisen.
Die drei Vorträge dieses Themenheftes geben Auskunft über die nachtodlichen Folgen einer Drogen- oder Alkoholsucht und erklären anhand von konkreten Fallbeispielen, wie in der jenseitigen Welt suchtkranke Geistwesen therapiert werden. Geister Gottes haben Einblick in die Wesensart des Einzelnen und erkennen, was für ihn heilvoll ist. Während sie den einen hart anfassen müssen, dürfen sie einem andern liebevoller und verständnisvoller begegnen und ihm helfen, das von den Suchtmitteln getrübte Od aus seinem Geistkörper zu entfernen.

Themenheft 1/2017: Drogen und Süchte

Inhalt
Geistige Folgen von Drogen- und Alkoholmissbrauch

Josef, 7. November 1973

Geistige Folgen von Drogen- und Alkoholmissbrauch

Stirbt ein Mensch, der im Leben einer Sucht verfallen war, so ist diese nach dem Tode nicht überwunden. Die Seele hat noch dasselbe Verlangen nach jenen Mitteln wie im menschlichen Kleide. Geistlehrer Josef erklärt in diesem Vortrag, wie die göttliche Welt solche kranken Heimgekommenen entwöhnt und therapiert.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, heute will ich von solchen Wesen sprechen, die in ihrem menschlichen Leben an Süchten gelitten haben, und da möchte ich nun auch von diesen Drogensüchtigen oder von einem drogensüchtigen jüngeren Menschen reden, der in seinem Rausch gestorben ist. Für euch Menschen kann das Sterben eines solchen Menschen eine Befreiung sein. Man glaubt dann, er wäre befreit von diesen Süchten und, wie ihr es so sagt, es wäre ihm gut ergangen, dass er sterben konnte. Menschen brauchen sich also mit solch einem kranken Menschen nicht mehr weiter zu plagen. Es ist aber nicht so; man soll nicht glauben, dass das Unheil mit dem Tode überwunden wäre.

Ich erzähle euch jetzt von einem solchen jungen Menschen, der diesen Süchten verfallen war und daran gestorben ist. In der Geisteswelt erwacht, war er sich nicht bewusst, dass er gestorben war; er befand sich in einem sogenannten Delirium. Es kamen dann aber Wesenheiten zu ihm hin, machten ihn aufmerksam, dass er gestorben und dass es jetzt aus sei mit diesem Laster. Davon konnte dieser Betreffende aber noch keine Notiz nehmen. Dieses muss ich erklären, besonders für die Freunde, die von den geistigen Gesetzen zu wenig Kenntnisse haben: Die Seele ist es, die empfindet; sie hat in sich auch nach dem Tode dasselbe Verlangen wie im menschlichen Kleide. In der Seele sind die Erinnerungen, in ihr ist das Verlangen, die Sehnsucht. Das alles ist Inhalt der Seele; sie empfindet, und aus diesem Grunde sind diese Süchte nicht überwunden. So verlangt ein solcher Heimgegangener noch im gleichen Masse nach diesem Stoffe, wie ihr es nennt. Er ist unglücklich, sehr unglücklich.

Geistige Wesen haben ihn in eine Sphäre gebracht; dort gibt man ihm die Gelegenheit, oder es wäre die Gelegenheit vorhanden, dass er einmal diesen Rausch ausschläft. Man ist bereit, ihm geistigerseits Medikamente zu geben, um ihn in einen normalen geistigen Schlaf zu bringen. Solche Heimgekehrten aber weigern sich, etwas anderes zu nehmen als das, was sie als Mensch verlangt haben. Sie können auch gleich den Unterschied feststellen und wissen also gleich, dass man ihnen diese Mittel nicht mehr verabreicht und man sie sozusagen entwöhnen möchte. Dies erkennen sie gleich, obwohl sie sich nicht bewusst sind, dass sie wirklich gestorben sind. So werden sie unruhig und haben das Verlangen, unter ihresgleichen zu sein oder unter ihresgleichen zu kommen. Die geistige Welt steht dem nicht machtlos gegenüber, aber sie greift zunächst nicht im Besonderen ein. Man gibt einem jeden Gelegenheit, selbst zu entscheiden, ob er willig ist, diese unangenehme Angelegenheit zu überwinden, oder ob er wirklich schwach ist, sodass die Geisteswelt erkennt, dass er nichts fertigbringt und alle guten Ratschläge nichts nützen. So lässt man sie, wie viele andere Geistwesen ja auch, aus jenen Orten entweichen, wo man sie in der geistigen Welt hingeführt hat. Da sie ja noch so menschlich fühlen und denken, werden sie wie ein Magnet von der Erde und den Menschen angezogen.

Erst jetzt, wenn ein solcher Kranker auf der Erde unter seinesgleichen kommt, stellt er fest, dass er keinen irdischen Leib mehr hat. Er fängt ja an, mit den andern zu reden, fordert sie auf, ihm solche Mittel zu geben. Und da muss er nun die Feststellung machen, dass die ja keine Notiz davon nehmen. Dann wird es ihm eben klar, dass er doch gestorben ist. Aber er gibt sich nicht zufrieden mit dem neuen Zustand, sondern er will in einen neuen Rausch hineinkommen. Das ist sein Verlangen, denn seine Seele, seine Gefühle sind – das darf man wohl sagen – vergiftet worden; sie sind erfüllt von diesem niederen, unreinen Od. Daher ist ihm kein besseres, höheres Denken möglich, als eben diesem Laster zu frönen. So sucht ein solcher jene Menschen auf und geht in ihre Nähe, die gerade auch in einem solchen Drogenrausch sind. Und ich will es euch erklären, wie verstorbene Süchtige es machen oder wie dieser Betreffende es gemacht hat, denn ich durfte solche Dinge beobachten.

Dieser Betreffende, der nun sein neues Leben nicht annehmen wollte, hat sich an die Seite eines solchen Menschen gelegt, der im grössten Drogenrausch war, und hat so selbst davon genossen. Dieses geschieht auf folgende Weise: Indem ein solch belastetes oder krankes Wesen sich an einen Menschen heranmacht, der in derselben Sucht lebt und in diesem Rausche ist, vermag es das unreine Od, das aus dem Menschen strömt, einzuatmen; denn diese Seele ist eben imstande, den Geruch aufzunehmen. Dieses Wesen geht nun ganz eng an den Menschen heran, legt sich ganz eng an seine Seite, um von seinem Atem einzusaugen, den Duft von seinen Kleidern einzunehmen. Denn dieser Mensch, der da in seinem Rausche liegt, ist voll von unreinem Od, eingehüllt in eine dunkle Wolke unreinen Odes. Denn dieses [Rauschmittel] ist etwas Krankhaftes, etwas Niederes, also etwas, was düsteres und unreines Od herausbringt. Somit kann jetzt dieses Geistwesen noch davon profitieren, nicht nur allein vom Atem des Menschen und von seinen Händen – von seiner Haut sozusagen –, die ja diesen Stoff ausströmen, sondern auch die Kleider sind erfüllt davon. Ihr wisst: Wenn ihr in einem Raume seid, wo viele Menschen rauchen und trinken, wird sich dieser widerliche Geruch auch an eure Kleider heften. Das ist auch bei diesem Menschen der Fall, der diese Stoffe eingenommen hat: Er ist voll und erfüllt von diesem unreinen Od. So profitiert nun dieses noch süchtige Geistwesen davon und fühlt sich dabei zufrieden. Und so geht dieser Betreffende vom einen zum andern.

Er weiss aber auch, dass er darum ringen muss, solche Stoffe oder Mittel meinetwegen zu bekommen. Als geistiges Wesen hat er nun mehr Übersicht über das Tun und Handeln der Menschen; er kann also die Wege sehen, die offen sind, wo solche Mittel durchgehen oder solche Stoffe gehandelt werden. So führt er schon eine belastende Tätigkeit aus, indem er Menschen dazu veranlasst, sie führt, sie inspiriert, sie begleitet zu diesen Menschen hin und versucht, Hindernisse aus dem Weg zu räumen – da er alles Interesse daran hat, dass der Mensch in diesem Rausche bleibt. So muss er auch mithelfen, die Wege zu ebnen, damit dieser zu diesem Stoff kommt. Das ist also auch eine Tätigkeit, und so wird ein solcher Mensch Werkzeug eines solchen süchtigen, unreinen geistigen Wesens. Man sagt doch, dass Gleiches Gleiches anzieht, und das ist nun in diesem Falle so. Ein solches süchtiges geistiges Wesen hat nur an solchen Menschen Interesse, folgt nur solchen, die ebenfalls dieser Sucht frönen. Und so finden eben die hier lebenden Menschen von diesen Geistwesen sozusagen noch Unterstützung.

Die Göttlichen erkennen nun das alles, was da gehandhabt wird, und sie lassen keinen aus dem Auge, auch dieses Geistwesen nicht. Sie liessen ihm den freien Willen, wie es im Allgemeinen geschieht. Man lässt solchen eine gewisse Zeit zu ihrer freien Verfügung, dann gibt es ein Einschreiten, denn die Gotteswelt ist ja interessiert am geistigen Aufstieg, und sie kann nicht einfach zusehen, wie ein solches krankes Wesen sich noch mehr belastet. Man lässt ihm eine gewisse Zeit, dann gibt es ein Eingreifen. Und das will ich euch erklären, dass dieses noch viel schmerzhafter ist als eine Entwöhnung als Mensch. Wenn die Geisteswelt Gottes eingreift, dann wird sie so eingreifen, dass sie einen Erfolg sehen kann. Sie weiss, dass sie auch viel Geduld aufzubringen hat. So wie es für den Menschen schmerzhaft und unangenehm ist, sich von diesem oder einem anderen Laster zu entwöhnen, so ist es noch viel schmerzhafter für das geistige Wesen. Die Geister Gottes wollen nun einen Gewinn, und sie führen diesen kranken Geist in die Läuterung. So muss nun manch irdischer Ort beansprucht werden: Diese Betreffenden müssen oft dort hingeführt werden, wo Menschen leben und wirken, und zu dem, was zu ihrem Besitz und zu ihrer Welt gehört, denn ihr Denken ist ja noch ganz auf das Menschliche ausgerichtet.

So will ich euch nun erzählen, was die Engelswelt mit einem solchen tat. Sie holte diesen betreffenden Geist und entfloh mit ihm mitten aufs Meer hinaus. Sie legte ihn auf die Wellen, und dieser Geist glaubte doch, die Wellen würden ihn verschlingen. Er fühlte sich doch mehr als Mensch denn als Geist; er war mit dem Irdischen noch so sehr verbunden. Diese göttlichen Wesen sprachen nicht viel mit ihm. Alles ging so schnell, und man erklärte ihm: “Du wirst so lange hier verweilen müssen, bis wir erkennen, dass eine Gesundung deiner Seele stattfindet.” Nun ruft ein solcher um Hilfe und bittet, man möge ihn doch nicht verlassen. Er sieht das stürmische Meer und wird von den Wellen hin und her getragen und glaubt nun, dass er ganz bestimmt verschlungen werde. Er versucht sich einerseits aufzurichten, um zu stehen, und es gelingt ihm sogar. Er kann sich auf diesem Wasser sogar hin und her bewegen, er kann laufen auf diesen Wellen. Obwohl er dieses kann, ist er in den grössten Ängsten; denn dieses Meer ist so gewaltig, und die Wellen scheinen oft so gross und gewaltig auf ihn zuzukommen – und doch ertrinkt er nicht. Er hat aber das Gefühl, dass er hin und her gerissen wird. Er lebt in grosser Angst und ruft ständig um Hilfe. Es kommt keine Hilfe. Seine Angst ist nun so gross, sie übernimmt ihn voll und ganz, dass er vergisst, dass er ja eigentlich ein solches Laster hat. Er denkt nicht mehr an dieses Laster. Er will nur noch leben und ruft ständig, man möge ihm beistehen. In grosser Angst lebt er. Und diese Angst, in der er leben muss, ist für seine Seele eine heilende Kraft.

Ich will dazu eine Erklärung geben. Ihr wisst im Allgemeinen, dass geistige Wesen doch die irdische Materie durchdringen können, so zum Beispiel jede Mauer. Sie können auch auf dem Wasser hin und her laufen. Ich erinnere euch an Christus. Er ging doch auch auf den Wassern hin und her (Joh. 6, 19). Und wie war das möglich? Er hatte dazu sein menschliches Od, das in verdichteter Weise doch auch an ihm war, in geistiges, in feinstoffliches Od umgewandelt. Sein irdisches Od wurde also für kurze Zeit überwunden. Die Kraft des geistigen Odes, das er hatte, war so stark, dass es ihm ermöglichte, dieses gebundene irdische Od vorübergehend aufzuheben oder aufzulösen. Vergeistigt hat Christus das irdische, menschliche Od, das ihn umgab. Darum war es ihm möglich, als Mensch auf dem Wasser zu wandeln.

Dieses Geistwesen, von dem ich berichte, ist befreit vom irdischen Leib und vermag auch irdische Materie zu durchdringen; es gibt keine Hindernisse, auch das Wasser ist kein Hindernis, jedoch sind im Denken dieses geistigen Wesens so viele menschliche Gefühle, die in ihm diese Angst auslösten. Die Erinnerung, das menschliche Denken hatten in ihm diese Angst hervorgerufen. An diesem Geist war noch so viel gebundene Materie; aber er hat ja keinen irdischen Körper mehr, und so ist es möglich, dass er sich eben auf diese Wellen legen konnte. Er kann auch laufen, aber er ist sich der geistigen Gesetze nicht bewusst. Die Angstgefühle sind in ihm, weil er noch solche niederen odischen Kräfte in sich hat. Dieses nutzt nun die Geisteswelt Gottes. Sie weiss: Wenn sie nun diesen Betreffenden in eine solche Angst hineinbringt, wird er das andere vergessen; er wird nur noch kämpfen wollen für sein Leben. Und so trägt man von göttlicher Seite nichts bei, um das an ihm haftende menschliche, gebundene Od zu lösen. Man lässt es, denn es soll für ihn zur Heilung sein. Das ist seine Läuterungssphäre oder -ebene, wie ihr es nennen möchtet.

So liess man dieses Wesen so lange in dieser Angst und in dieser Verlassenheit, bis man zu erkennen glaubte, dass bei ihm wohl das Schlimmste überwunden wäre. Dann geht in solchen Fällen ein Geist Gottes auf einen solchen zu und stellt an ihn Fragen, ob er nun bereit sei, sich in die Ordnung Gottes einzureihen, ob er jetzt auch bereit sei, die Befehle der höheren Geisteswelt auszuführen und sein Laster, das seine ganze Seele vergiftete, nun wirklich als überwunden zu betrachten, ob er willens sei, überhaupt gar nicht mehr daran zu denken. In grosser Not sind sie alle bereit, da auf ihre Vorteile auszugehen und natürlich zu sagen: “Ja, ich bin bereit.” Ich sagte aber deutlich: Geister Gottes erkennen es, wann es so weit ist, einen solchen zu befreien. Und so ist man ihm, diesem Betreffenden, entgegengegangen. Er erklärte, er sei willens, alles zu tun, was von ihm verlangt würde, und er sei dankbar dafür, dass man ihn auf diesem Wege zur Gesundung geführt habe. Dann nimmt man ein solches geistiges Wesen und führt es in die Geisteswelt hinein. Nun ist die Seele von diesen belastenden Sehnsüchten frei geworden. Es ist aber immer noch so viel Unreines, das in ihr haftet. Der Gotteswelt geht es aber in erster Linie einmal darum, dass das Schlimmste überwunden wird. Dann ist es auch möglich, mit einem solchen Wesen zu reden und ihm die Notwendigkeit zu erklären, dass man eben in die Ordnung Gottes einzutreten habe und sich im Weiteren belehren lassen müsse und dass es nun ein hartes Arbeiten gebe. Da sind die göttlichen Wesen bereit, einen solchen Geist zu unterstützen, ihn zu stärken, ihn zu belehren, und sie sind glücklich und zufrieden mit ihm, dass das Unheil überwunden ist.

Wie lange aber eine solche Zeit der Bedrängnis geht, ist verschieden. Das entscheidet die Geisterwelt Gottes von Fall zu Fall. Es kommt darauf an, wie tief nun dieses Verlangen eines Menschen ist oder wie stark oder wie schwach sein Wille ist – dementsprechend urteilt die Geisterwelt Gottes. Die Zeit der Bedrängnis kann sehr lange dauern. Ich möchte keine Zeit bestimmen. Wüssten nämlich all diese Menschen, was dereinst auf sie wartet, welcher Kampf ihnen bevorsteht, wie viel Leid sie zu tragen haben als geistige Wesen – wüssten sie es, könnte man es ihnen klarmachen –, es brächten viele den Mut auf, dieses Unheil zu überwinden. Und dies sei euch gesagt: Es ist nicht so, wie die Menschen glauben, dass mit dem Tode das Unheil überwunden und der Betreffende von den Süchten frei wäre. Es ist nicht so. Die Süchte, dieses Verlangen, bleiben bestehen.

Nun, das einmal im Falle dieser Drogensucht. Ich möchte heute Abend nur auf solche, leider unangenehmen Laster – ich habe auch kein anderes Wort dafür, um es wirklich beim Namen zu nennen – zu sprechen kommen. Dann gibt es ja auch ein weiteres Laster, es ist dies die Trunksucht. Bei der Trunksucht gibt es, von unserer Warte aus gesehen, natürlich verschiedene Abstufungen. Es gibt Menschen, die dem Trunke so verfallen sind, dass sie den Boden unter den Füssen vollkommen verloren haben und sich auf dieser Welt nicht mehr zurechtfinden. Es sind dies richtig gestrauchelte Menschen, ohne ein Zuhause, die mit allen Mitteln versuchen, diesem Laster zu frönen, auch wenn sie dafür stehlen müssen, um zu diesen Mitteln zu kommen. In der Weise der Trunksucht verfallen zu sein, ist sehr schlimm, denn dieses ist [nach dem Tode] auch in der Seele nicht überwunden. Ich will euch auch erzählen, wie die Geisteswelt versucht, einem solchen zu helfen. Zuvor möchte ich aber noch von den andern reden, von solchen, die gelegentlich zu viel trinken, die man aber nicht so einreihen könnte mit einem Menschen, der nun diesem Laster voll und ganz verfallen ist. Hier urteilt die Geisteswelt so: Hat ein Mensch ein Laster, sei es nun die Trunksucht, oder es kann auch etwas anderes sein, und kommen Mitmenschen dadurch zu Schaden, dann wird der Betreffende je nach der Grösse des Schadens, den er anrichtet, bestraft. Mag dieser Schaden vielleicht gering sein, wird man diesem Heimgekommenen mit Nachsicht begegnen, und die Strafe wird nicht so hart ausfallen. Haben aber Mitmenschen unter dem Laster des andern zu leiden, dann kann die Strafe sehr hart ausfallen. So urteilt man in der Gotteswelt.

Jetzt erzähle ich euch von einem, der nun im stärksten Masse dem Trunke verfallen war und in seinem Rausche auch gestorben ist. Auch sein Erwachen war bitter. Er hat diesen Rausch etwa nicht ausgeschlafen, auch nicht durch den Tod; denn seine Seele hat dasselbe Empfinden, dieselbe Unzufriedenheit, genau wie wenn er im menschlichen Leibe wäre. Hier begegnet man auch der Geisteswelt Gottes, und man bekommt Vorwürfe von ihr. Der Betreffende wird gefragt: “Warum hast du den Sinn deines Lebens nicht erkannt? Warum hast du nicht nach dem hohen Sinn des Lebens gesucht?” Gewöhnlich haben sie keine Antwort. Sie sprechen davon, dass man sie enttäuscht habe; sie reden von ihrem eigenen Leid und von Ungerechtigkeiten, die man ihnen angetan hätte. Sie versuchen sich auf allen Wegen zu entschuldigen.

Die Geisteswelt weiss wohl, wie schwer es ist, auch einen solchen in der Jenseitswelt zu entwöhnen. Wie beim Drogensüchtigen greift man nicht bei einem jeden gewaltsam ein. Es kann möglich sein, dass man dem einen, der nicht allzu sehr belastet ist, gleich den Weg zeigt und ihn in die Läuterung führt, die für eine bestimmte Zeit sehr unangenehm ist, während dem andern noch der freie Wille gelassen wird. Dieser wird auch im selben Verlangen sein, da zu den Menschen zu gehen, und zwar dorthin, wo Menschen trinken. Und solche tun es ganz genau gleich wie derjenige, von dem ich vorher sprach. Sie setzen sich zu diesen trunksüchtigen Menschen hin, sie setzen sich ihnen sogar auf den Schoss – sie haben ja allerlei Möglichkeiten, sich so an den Menschen heranzumachen, ihn zu durchdringen – und geniessen so mit ihm den Alkohol. Geistige Wesen empfinden den Geruch sehr stark; das ist euch ja des Öftern gesagt worden. So trinken sie mit und fühlen sich berauscht und sind zufrieden in diesem Rausche. Sie gehen dann vom einen zum andern, denn der eine wird ja bei Gelegenheit wieder seinen Rausch ausschlafen und einer Arbeit nachgehen müssen – es sei denn, man sucht sich einen solchen Menschen aus, der ständig in der Trunksucht lebt. Es kann aber von der Gotteswelt der Zugang zu solchen verhindert werden.

Dass man nicht gleich eingreift und diesen den freien Willen lässt, diesen Weg zu nehmen und Menschen mit dem gleichen Laster aufzusuchen, das ist auch im Gesetz Gottes festgehalten. Man lässt diesen Wesen auch die freie Willensentscheidung – in den meisten Fällen. Es gibt Fälle, wo die Geisteswelt Gottes es nicht zulässt, den eigenen Willen zum Ausdruck zu bringen, selber zu entscheiden; sie greift ein, und dafür hat sie auch ihre Rechte im Gesetz. Im Allgemeinen aber ist es so, dass man solchen Geistern für bestimmte oder unbestimmte Zeit den freien Willen lässt. Sicher ist, dass man nicht endlos wartet, bis ein solcher aus freiem Entscheid zu besserer Erkenntnis kommt; man greift früher ein und holt sich den Betreffenden und erklärt ihm: “Nun ist es genug.” Man erklärt ihm: “Du musstest doch erkennen, dass du von der Welt abgeschieden bist. Du hattest doch selbst festgestellt, dass du gestorben bist. Es ist dir nicht entgangen, dass es eine Macht Gottes gibt, und es ist dir auch nicht entgangen, dass es hilfsbereite, gute geistige Wesen gibt. Du weisst auch” – und dies sagt man einem, der behauptet, als gläubiger Christ gelebt zu haben –, “und du hast ja betont, dass du ein Christ bist, und du hättest doch glauben sollen.”

So spricht man dann mit diesen Heimgekommenen und macht ihnen Vorwürfe. Man erklärt es ihnen, dass man ihnen den freien Willen überlassen habe für eine bestimmte Zeit – dies schon der niederen Geisteswelt wegen, die nämlich sehr, sehr wachsam ist, wenn solche belasteten Geister wieder zu den Menschen zurückkehren und Menschen als Werkzeuge benutzen. Die aus dem Totenreich haben ihre Genugtuung, wenn solche Wesen dasselbe Verlangen haben wie zu menschlichen Zeiten. Sie können aber dann der hohen Geisteswelt nicht den Vorwurf machen, sie würde diese geistigen Wesen einfach mit Gewalt beeinflussen oder Gewalt anwenden, um das niedere Denken und Wollen gewaltsam zu überwinden.

Es ist dieses also ein geistiges Gesetz. Man zeigt der niederen Geisteswelt, dass man dem betreffenden Geiste die Entscheidungsmöglichkeit lässt, obwohl man in solchen harten Fällen genau weiss, dass seine Kraft nicht dazu ausreicht, von sich aus den besseren Weg einzuschlagen – dies mag geschehen in ganz einzelnen Fällen. So erlebt es die niedere Geisteswelt, dass Gott gerecht ist und diese Abmachungen, die einst getroffen worden sind, in allen Teilen gehalten werden. So soll der Mensch selbst entscheiden, und auch geistige Wesen niederer Entwicklungsstufe sollen selbst, aus eigener Kraft, ihren Weg bestimmen. Das nur nebenbei bemerkt.

Nun ein solcher trunksüchtiger Mensch, der in seinem Rausche gestorben ist: Er hat also, wie ich erklärte, bestimmt das Verlangen, zu den Menschen zurückzukehren, und er wird dann geholt, und es wird ihm klargemacht, dass jetzt genug ist. Ich habe es euch nun dargelegt, wie man mit ihm redet. Jetzt will man bei ihm eine sogenannte Arbeitstherapie anwenden. Er soll dieses Verlangen auch durch Arbeiten überwinden können, während man den Drogensüchtigen nicht dazu bringen konnte, eine gewissenhafte Arbeit auszuführen; er musste auf die beschriebene Art und Weise bedrängt und in Ängste gebracht werden, um sein Laster zu überwinden. Beim Trunksüchtigen versucht man es mit Arbeit, wie ihr es tut – schliesslich ist es von eurem Menschengeist von uns übernommen, auch dieses nur nebenbei bemerkt. Eine harte Arbeitstherapie ist es bei uns, was bei euch in milderer Form zum Ausdruck kommt.

Solche geistigen Wesen werden in der unsichtbaren Welt in Höhlen gebracht. Dieses gibt es auch. Auf dem geistigen Boden dieser Höhlen hat es viel Wasser; es strömt aus dem geistigen Boden heraus. Diese Wesen werden beauftragt, in dieser Höhle Wege zu schaffen, damit das Wasser abfliesst. Und sie tun es, wenn auch in der ersten Zeit nachlässig, widerwillig. Doch kommt auch an sie die Angst, zu ertrinken, und sie erkennen die Möglichkeit, dieses Wasser abführen zu lassen. Das, was ich sage, ist für Freunde, die die geistigen Gesetze und die geistige Sprache nicht kennen, schwer zu verstehen. Ich weiss es, aber ich kann nicht jedes Mal von Grund auf die Erklärungen dazu geben. So muss ich die Freunde dann bitten, sich mit den andern Freunden darüber zu unterhalten, dass es im Geistigen doch genau diese Materie gibt, wie sie Menschen auf ihrer Welt haben – jedoch in feinstofflicher Art –, und dass es auch im Geistigen Flüsse, Bäche, Seen gibt. Und dass es Höhlen gibt, wo sogenannte Einbrüche von Wasser stattfinden; das ist von Gott gefügt. Denn diese verstorbenen Menschen, die da hineingeführt werden, wollen nämlich auch leben: Plötzlich erkennen sie, dass es für sie unangenehm werden könnte; dann fangen sie an, mit aller Kraft zu arbeiten. Und auch sie rufen nach Hilfe, besonders dann, wenn das Wasser so hoch gestiegen ist, dass sie glauben, bald davon überflutet zu werden. Sie wollen leben; denn auch an ihnen und auch in ihrer Seele und in ihrem Fühlen ist noch so viel Menschliches. Und dieses ist von Gott gefügt – auf diese Art und Weise kämpfen sie um ihr Leben. Auch wenn ihnen zum Teil bewusst ist, dass sie ja gestorben sind, steht es ihnen doch nahe, dass es auf diese Art und Weise mit ihrem Leben vielleicht doch ein Ende geben könnte. Diese Befürchtung nimmt sich die geistige Welt zu Hilfe. Es geschieht manchmal auch, dass höhere, göttliche Wesen sogar mithelfen zu arbeiten, um dem Betreffenden zu beweisen, dass es der höheren Welt daran gelegen ist, dass er – wie er glaubt – lebt.

Diese Arbeit geht auch ganz geraume Zeit, und nun vergisst auch er sein Laster. Er macht sich Gedanken darüber, dass er doch nicht bis in alle Ewigkeit eine solche Arbeit tun möchte. Wenn Geister Gottes in seiner Nähe sind, machen sie es ihm klar: “Das ist nicht der Himmel, das ist für dich das Fegefeuer.” Man sagt ihm: “Du musst dich aus dieser Bedrängnis herausarbeiten, und du wirst befreit von dieser Arbeit, sobald du dein Denken änderst und deinen Willen zum Guten und zum Höheren stärkst. Wenn du diese menschlichen Verlangen überwindest, wird dir auch eine schönere, bessere Welt gezeigt.”

So gelingt es der Gotteswelt auch auf diese Weise, einen solchen von seinem Laster zu befreien, so zu befreien, dass er fähig wird, im Heilsplane Gottes, in der Ordnung Gottes eine Aufgabe auszuführen. Er lässt sich belehren und hat nicht mehr das Verlangen, in die Nähe der Menschen zu kommen, die in diesen Lastern leben. Er wird durch dieses Eingreifen Gottes von diesen Lastern befreit. Aber es geht nicht so einfach von heute auf morgen. Man muss arbeiten, das Seinige dafür ertragen. Und auch hier ist zu sagen: Mancher, der wüsste, was auf ihn wartet, könnte verzichten; denn das, was auf ihn wartet, kann sehr unangenehm sein.

Auf solche Art und Weise hilft sich die Geisteswelt Gottes. Es gibt nämlich gewisse religiös ausgerichtete Menschen, die glauben, dass Gott den Heimgekehrten nur mit grösstem Entgegenkommen begegne durch seine Geisteswelt. Sie sagen: “Gott ist die Liebe und die Gerechtigkeit, und Gott will niemals, dass jemand Leid ertragen muss.” Es gibt eine Läuterungszeit, und die Läuterungszeit ist hart. Und das gehört zur Gesundung der Seele, zum Heil der Seele. Auf diese Art und Weise werden solche Laster und Süchte überwunden.

Nun möchte ich aber noch von etwas reden – ich hoffe, dass die Zeit noch reicht –, nämlich von Menschen, die im geistigen Aufstieg sind, sei es noch ziemlich unten, sei es aber auch, dass sie schon eine gewisse Höhe erreicht haben, aber in ganz bestimmten Untugenden leben. Ihr sagt vielleicht Schwächen. Und nun komme ich auf diese Untugenden zu sprechen: Der eine ist, sagen wir, herrschsüchtig, der andere ist streitsüchtig, ein anderer ist eifersüchtig, wieder ein anderer hat einen Geltungstrieb. Ja, liebe Geschwister, die Gotteswelt ist gegenüber all diesen Schwächen der Heimgekommenen auch nicht interesselos. Sie hat grösstes Interesse, dass diese Schwächen wenn möglich raschestens überwunden werden. Und da ist es ja so, genau wie bei diesen zwei ersten Fällen, die ich erwähnt habe: Auch diese Untugenden sind Besitz der Seele. Es ist etwas in der Seele drin. Die Eifersucht ist in der Seele drin, ebenso die Herrschsucht, die Streitsucht. Alle diese Untugenden sind Laster, die noch nicht überwunden sind.

Es wird euch stets vom Gemeinschaftsleben erzählt. Im Gemeinschaftsleben findet die Gotteswelt die beste Gelegenheit, dass diese Heimgekommenen ihre Untugenden überwinden lernen. Im Zusammenleben mit dem andern, da passt dem einen dieses nicht, dem andern jenes nicht. Wie schön ist es doch für einen, wenn man allein ist, auf niemanden Rücksicht nehmen muss – aber da kann sich ja eine Seele niemals bewähren, sie kann niemals reifen. Man muss eine Seele auch prüfen, ob sie im Geiste fähig ist, diese Fehler aus dem menschlichen Leben zu überwinden. Darum fordert sogar die Geisteswelt diese Untugenden der Heimgekommenen direkt heraus, und zwar bei jenen, dies muss ich auch sagen, bei denen in ihrer Entwicklung diese Untugenden ins Gewicht fallen. Demgegenüber gibt es, wie wir es sagen, das tägliche Straucheln, dass vielleicht der eine Mensch vorübergehend einmal Gefühle zum Ausdruck gebracht hat, die aber nicht sein ganzes Wesen sind, dass er einmal davon übernommen wurde; und das wird die Geisteswelt auch berücksichtigen. Geht es aber um wirkliche Laster oder Untugenden, durch die sich dieser Mensch selbst immer mehr belastete und den Mitmenschen Schaden zufügte, so ist dies das, was die Gotteswelt straft; sie straft, wenn andere Menschen dadurch zu Schaden kamen, sei es in geistiger oder in weltlicher Hinsicht.

Da werden nun solche gleich entwickelten Geistwesen einmal zusammengeführt und haben gemeinsam in einer Familie zu leben. Sie werden eine gemeinsame Arbeit in geistigen Werkstätten ausführen, sie können ihre Tätigkeit aber auch in der freien Geisteswelt ausüben. Es gibt ja so unendlich vieles, das man in der Geisteswelt auch tun muss und tun kann – wie bei euch. Unter den gleich Entwickelten verstehe ich nicht, dass sie alle die gleichen Untugenden haben; ich verstehe darunter jene, die alle im gleichen Masse belastet sind. Die Gotteswelt schaut darauf, dass sie eigentlich in ihren Untugenden, die sie haben, verschieden sind.

Kommt nun in einer geistigen Familie Besuch von der hohen Geisteswelt – und das geschieht; ihr sollt euch nicht vorstellen, dass man nur zu arbeiten hätte oder dass man ständig singen, beten oder Halleluja rufen würde. Es wird gearbeitet, und es gibt für diese geistigen Wesen auch eine Zeit, wo sie sich vergnügen können. Sie haben die Möglichkeit, sogar Spiele selbst zu wählen oder das, an dem sie Freude haben; es wird ihnen auch dafür die Möglichkeit geschaffen, das zu erleben. Kommt jetzt nun – und dieses mit Absicht – ein höheres Geistwesen zu einem Bruder oder zu einer Schwester dieser geistigen Familie und bittet das Betreffende, es möge mit ihm gehen, und führt nun dieser Engel Gottes dieses Wesen vielleicht in einen Garten, vielleicht irgendwo in ein anderes Haus und unterhält sich mit ihm – es kann sogar in vergnüglicher Art sein, es kann ein Spiel sein, es kann aber auch in einer ernsthaften Angelegenheit sein – und ist nun jemand da, der eifersüchtig ist, so ist dieser zutiefst entrüstet. Und zwar ist er es vor allem dann, wenn ein solcher Engel Gottes mehrere Male immer dasselbe Wesen holt. Jene, die diese Eifersucht nicht haben, sie entrüsten sich nicht, sie freuen sich über diesen Besuch und haben nichts einzuwenden; sie finden es ganz in Ordnung. Diejenigen aber, die dasselbe nicht erleben können und ihre Eifersucht zeigen, die müssen so lange in dieser Gemeinschaft leben und müssen das so oft mit ansehen und erleben, bis es ihnen nichts mehr bedeutet, bis sie diesem Besuch nicht mehr ihre Aufmerksamkeit schenken. Ist es dann so weit gekommen, dann haben sie auch ihre Eifersucht überwunden. Das kann aber mitunter sehr, sehr lange gehen.

Dann gibt es ja geistige Wesen, die herrschsüchtig sind und die glauben, in dieser Familie, wo sie eingereiht worden sind, alles befehlen zu müssen. Nun müssen sie erleben, dass diese Geistwesen doch ihre Anweisungen von der hohen Geisteswelt haben und ihnen zur Antwort geben, dass sie ihre Anweisungen schon bekommen hätten und die Unterhaltung oder dieses Interesse an den andern ganz überflüssig sei.

Man muss solche Dinge, sei es die Eifersucht, sei es die Herrschsucht oder auch Neid, Geiz und Habgier, überwinden lernen. Die göttliche Welt hat Wege für alles und für alle, um die Betreffenden herauszufordern. Und so müssen und werden diese es zeigen, ob sie noch im selben Geiz oder im selben Hass, im selben Neid sind, und sie müssen das immer wieder und wieder erleben, bis sie sich schliesslich auch nicht mehr damit befassen, es nicht mehr sehen und es so auf diese Art überwinden können. Wenn es dann mit einem solchen Wesen so weit ist, wenn die hohe Geisteswelt sieht, diese oder jene Laster sind nun überwunden, dann kann das Betreffende auch aus dieser Familie herausgenommen und einer anderen Tätigkeit zugeführt werden; es kann in eine höhere Stufe eingereiht werden, es kann ihm auch ein höherer Auftrag übergeben werden. So versucht man es vom einen zum andern, sich mit einem jeden zu befassen und zu beschäftigen.

Und nun folgende Erklärung: Obwohl nun die Geisteswelt auf diese Art und Weise versucht, zum Heil des Einzelnen zu wirken, können in der Seele trotzdem noch solche Verlangen sein, die in einem späteren Erdenleben wieder zum Vorschein kommen können, vielleicht wieder, wenn das Übel, das wirklich tief in der Seele sitzt, nicht ganz überwunden ist. Es gibt ja auch solche Fälle, wo die Geisteswelt erkennt: Diese betreffenden Wesen sind trotz des Beistandes und trotz dieser Prüfungen nicht imstande, diese Untugenden zu überwinden. Dann müssen sie andere Wege ebnen für sie. Denn die Geisteswelt Gottes – und dessen muss sich der Mensch bewusst sein – will ja, dass die Heimkehrenden geistigen Gewinn schaffen, dass sie ihren seelischen Zustand verbessern, die Belastungen aus ihrer Seele entweichen und dass sie das düstere, dunkle Od in ihrer Seele auflösen, es umwandeln in strahlendes, helles Od. Es muss also auch die Geisteswelt ihrerseits interessiert sein an jedem, der da heimkommt, ihm beizustehen und zu helfen. So tut sie das bei jedem Einzelnen, indem sie bei jedem abschätzt, was möglich ist zu erreichen. Man versucht es mit dem besten Willen und prüft oft die einzelnen Wesen für bestimmte und unbestimmte Zeit. Man sieht aber auch hoffnungslose Fälle, und da muss es ein anderes, härteres Eingreifen geben – aber ebenfalls dann, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Es kann in einem nächsten Erdenleben sein; es kann sein, wenn ein solcher in einem neuen Erdenleben diese Untugenden noch viel stärker zum Vorschein bringt, dass er dann bei der Rückkehr in die Geisteswelt ganz energisch angefasst wird.

Damit wollte ich an diesem Abend nur beweisen, dass es der hohen Geisteswelt doch darum geht, jeden Einzelnen auf eine erhöhte Stufe zu bringen, ihm eine geistige Belehrung zu geben, die dazu dient, sich schneller, besser vorwärtszuentwickeln. Seine Heimkehr soll nicht nur eine Heimkehr ins Vaterreich sein, sondern seine Heimkehr soll auch dazu dienen, dass er sich auch in der Geisteswelt noch weiter vervollkommnet. Dies wird ja schon in seinem Erdenleben verlangt. Und was bringt er mit hinüber? Das wisst ihr wohl am besten selbst.

Nun, liebe Geschwister, ich habe euch genug Erklärung gegeben; und sind Freunde da, die es nicht verstehen, bitte ich sie, die andern zu fragen und sich von ihnen belehren zu lassen.

Ich kehre wieder zurück und überlasse euch alle dem Segen Gottes. Er soll euch behüten und beschützen. Er soll euch die Kraft geben zum Denken, zum Überlegen und dass es möglich wird, diese unsichtbare Welt herbeizuziehen, sie zu fühlen, sie zu ahnen und sie im Geiste auch wirklich zu erleben. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 7.11.1973 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Behandlung in jenseitigen Sanatorien und mit feinstofflichen Medikamenten

Lene, 21. Januar 1981 (Ausschnitt)

Behandlung in jenseitigen Sanatorien und mit feinstofflichen Medikamenten

Durch den Konsum von Drogen schadet ein süchtiger Mensch nicht nur seinem irdischen Körper, sondern auch seinem Geistesleib. Denn das unreine Od der Suchtmittel, das den irdischen Körper geschädigt hat, wird beim Tode – bei der Trennung von Körper und Geist – vom Geistesleib angezogen. Nun kommt es darauf an, ob die Geisteswelt bereit ist, einem solchen kranken Heimgekehrten ihre Dienste zu erweisen. Wenn es sein darf, kann sie einem Betroffenen helfen, dieses getrübte Od aus seinem Geistkörper zu entfernen.

Lene: [...] Liebe Geschwister, ich möchte heute über etwas reden, das euch in einer bestimmten Frage Aufklärung geben wird. In ähnlicher Weise sind euch darüber schon Erklärungen gegeben worden. Aber ich habe immer wieder neue Freunde hier, und sie haben gar keine Erkenntnisse darüber, und darum ist es auch notwendig, dass man davon redet und eine Vorstellung bekommt; denn das ist wichtig. Ihr habt euch auch schon Gedanken gemacht und euch gefragt: Was geschieht mit jenen Menschen, die in dieser Welt mit gewissen Süchten lebten? Ihr habt heute eure Probleme, eure Sorgen mit Drogensüchtigen, mit Alkoholikern, mit Menschen, die ihr Leben mit Rauchen zugrunde richten. Jetzt rede ich einmal über das und möchte euch einmal erklären, wie es sich da verhält, wenn ein Mensch – ein junger Mensch oder ein Mensch im besten Alter, denn es sind ja junge Menschen, die heute diesen Drogen verfallen sind – an einer Überdosis dieser Drogen stirbt. Was geschieht mit ihm in der Jenseitswelt? Wie ist seine Einstellung? Und ebenso beim Alkoholiker: Was geschieht mit ihm, wenn er ins Jenseits kommt und er diesen Alkohol nicht mehr hat? Und was erlebt ein Raucher, der vom Morgen früh bis abends spät immer raucht und seine Gesundheit schädigt und der am Schluss, wenn er krank geworden ist und die Ärzte ihm sagen, die Ursache dafür liege im Rauchen, noch behauptet: “Nein, das stimmt nicht, das ist nicht wahr”? Er weiss es besser, aber er wird es dann einmal sehen.

Nun zum Drogensüchtigen, der jetzt in die Jenseitswelt kommt oder dort erwacht: Er hat noch das gleiche Verlangen, wie er es als Mensch gehabt hat. Er kann sich in genau derselben Weise benehmen; er kann toben, wenn es sein muss – es kommt auf seinen Zustand an. Er benimmt sich als geistiges Wesen genau so wie als Mensch oder wie in Menschengestalt. Seinen irdischen Leib hat er ja der Erde zurückgegeben, und nun steht er da als Geist, in seiner geistigen Gestalt. Die Odstoffe seines irdischen Körpers sind vom Geistesleib angesogen, zurückgenommen worden. Und diese Mittel oder dieser Stoff, den er als Mensch eingenommen hatte und der ihm seine Gesundheit geschädigt und ihn das Leben gekostet hat, ist eine ganz schmutzige, verunreinigte odische Materie. Diese odische Materie war doch in seinem irdischen Leibe; dieses Od hing aber mit dem Geistesleib, mit der Geistesgestalt, und mit der Seele zusammen, denn sie alle – irdischer Leib, Geistesleib und Seele – sind miteinander verbunden.

Wenn nun ein Mensch stirbt, dann stirbt er doch, weil lebenswichtige Organe nicht mehr funktionsfähig sind. Ich kann folgenden Vergleich machen: Die lebenswichtigen Organe des Menschen gleichen, etwas menschlich gesprochen, einem Motor. Im Körper sind verschiedene Motoren, und einer davon ist ein wichtiger Motor. Wenn nun einer von diesen Motoren ausfällt, versucht der andere, noch zu übernehmen, was ihm möglich ist. Aber mit jedem Ausfall eines Motors entschwindet Kraft, entschwindet das Od. Es zieht sich zurück zum geistigen Leib, in diesen geistigen Leib hinein. Ist dann beim Tode die Trennung von irdischem Körper und Geist vollzogen worden, zieht der Geistesleib alle odischen Ströme in sich hinein.

Im Od, das durch den irdischen Leib strömt, ist die Erinnerung, ist die Willenskraft, ist Arbeitsgeist, ist Mut, ist Freude. Das Od, das durch den irdischen Leib zieht, ist auch Träger von allen Gefühlen. Und das alles wird jetzt beim Tode vom Geistesleib angesogen, und so hat der Betreffende als Geist doch die Erinnerung an das zurückgelegte Leben. Er erinnert sich an das, was er getan hat. Er erinnert sich, wo er gewohnt, wie er geheissen hat, wie seine Beschäftigung war. Das alles, die ganze Erinnerung, der ganze Wille und die ganze Energie, ist in diesem Od enthalten, das der Geistesleib an sich gezogen hat. Und so sind auch diese Schwächen, die der Betreffende als Mensch gehabt hat, beim Geistwesen genau dieselben. Denn es ist durchströmt von diesem Od, das derart unrein, derart belastet ist. Und so empfindet und verhält sich dieses Geistwesen wie als Mensch, denn es hat das Od aus seinem irdischen Körper an sich gesogen.

Wesenheiten, die in solchen Süchten gelebt haben und in der Art und Weise vom Leben abtreten und zu uns zurückkommen, haben es schwer, genauso schwer, wie wenn sie noch in ihrem irdischen Leibe wären und versuchen würden, sich von dieser Sucht zu lösen. Denn von heute auf morgen werden sie auch in der geistigen Welt nicht frei werden von diesen Gedanken und von diesem Verlangen, von dieser Sucht. Sie möchten weiter diese Mittel haben, und sie fühlen sich verlassen, unglücklich. Und nun steht ja die Geisteswelt da: Es sind Engel des Erbarmens, es sind Missionsgeister da, es sind Geistwesen da, die ganz speziell in solchen Fällen versuchen, dem Heimgekehrten Beistand zu geben. Aber dies geht, wie ich betonte, nicht ohne Weiteres.

Was man mit diesen Wesen tut, versuche ich euch zu schildern. Dass es nicht ohne Tadel geht, das werdet ihr verstehen. Aber es nützt nicht viel, sie in diesem Zustande zu tadeln. Denn jetzt sind sie auch für uns kranke Wesen. Sie sind aus einer Krankheit zu uns hinübergekommen, von der sie an Leib und Seele durchdrungen waren; sie haben auch ihren Geistesleib und ihre Seele geschädigt und nicht nur ihren irdischen Leib.

Jetzt versucht man, diese Wesenheiten an einen ganz bestimmten Ort zu bringen, das heisst in ein geistiges Sanatorium. Das ist etwas, das vielen – vielleicht auch Zuhörern unter euch – schwerfällt zu verstehen. Daher müssen wir jeweils erklären: Die Himmelswelt hat eben auch ihre Besonderheiten und ihre Vielfalt, sie kann eine glückliche Welt sein, die man in Anspruch nehmen darf. Diese Welt ist feinstofflicher Art, und auch wir in unserer Welt haben geistige Spitäler, geistige Sanatorien. Wir haben auch Museen, und man kann auch den Wissenschaften nachgehen, auf unsere Art; man kann sich darin ausbilden lassen. Aber von dieser anderen Welt redet doch ein Christenmensch überhaupt nicht. Vielleicht ahnt er gar nichts von ihr, er hat keine Vorstellung. Aber wenn er an ein Weiterleben glaubt und ernsthaft versucht, sich eine Welt vorzustellen, in der er in der Zukunft leben wird, dann muss er auch die Vorstellung haben, dass diese Welt eine Welt von Formen ist, dass es in dieser Welt Gebäude gibt, dass es Berge gibt, Flüsse, Seen – alles in seiner Feinstofflichkeit.

Ich möchte darauf zurückkommen, wie es einem solchen ergeht, der so krank ist und der nur ein Verlangen hat: diese Mittel wieder zu bekommen, damit er wieder zufriedengestellt wird – und er bekommt diese Mittel nicht. Jetzt möchte er zurück ins irdische Dasein. Er hat das Verlangen, zu Freunden zu gehen, die in den gleichen Verhältnissen sind wie er und von denen er glaubt, dass sie ihm helfen, die Mittel zu verschaffen. Es ist sehr oft so, dass durch diesen Willen, den ein solches Wesen hat, es wieder von der Erde angezogen wird und es wieder an die ursprünglichen Orte zurückkehren kann. In diesem Erdenreich hat es sehr, sehr viele solcher Wesenheiten, die wir die uneingereihten Geistgeschwister nennen. Sie suchen die Nähe jener Menschen auf, die dieselbe oder eine ähnliche Odströmung haben und ausstrahlen wie sie. So winden sie sich in diese Odströmung hinein, um geniessen zu können: Sie geniessen den Menschen, der in denselben Süchten lebt, wie sie gelebt haben. Wenn es einem solchen Verstorbenen möglich ist, Zugang zu finden in dieses Erdenreich und Menschen zu finden, wird er solche aufsuchen, die ihm in der Odströmung eben ähnlich sind. Er wird nicht irgendeinen Menschen aufsuchen, der besonders fromm ist oder besondere Tugenden hat – das kann er gar nicht. Sondern er wird einen suchen, der ihm wesensgleich ist, und er wird da versuchen, mit der odischen Ausströmung dieses süchtigen Menschen eins zu werden – er windet sich sozusagen in das Od dieses Menschen hinein und frönt dann wieder dieser Sucht.

Es gibt aber ein Einschreiten der Gotteswelt. So wie Menschen versuchen, diesem Übel entgegenzutreten, versucht auch die geistige Welt, das Ihrige zu leisten. Denn die geistige Welt will ja nur helfen. Und so verunmöglicht sie es einem solchen Geistwesen, wieder Zugang zu finden zu den Menschen – es ist wie eine Art Verbannung. Auch in der Geisteswelt geschieht es, dass man ein belastetes Wesen verbannt, und so können Geister Gottes einen solchen süchtigen Geist in den Bann nehmen. Sie werden ihn nicht im eigentlichen Sinn verbannen, denn dieser braucht in der Geisteswelt Heilung, er braucht Hilfe. Und die Hilfe will man ihm geben. Aber die Heilung dauert genauso ihre Zeit, wie wenn der Betroffene noch im menschlichen Leibe wäre und willens wäre, sein Leben zu ändern. In der Geisteswelt aber hat es seine Vorzüge, denn da sind geistige Wesen, die eine gewisse Macht besitzen über einen solchen leidenden Heimgekommenen, und sie versuchen ihm auch eine Medizin zu geben. Aber diese Medizin, die sie ihm geben, ist nicht von chemischen Produkten. Es ist reines, feines geistiges Od; diese Medikamente oder diese Mittel, die dem Leidenden gegeben werden, sind feinstoffliche, geistige Produkte. Diese feinststofflichen Produkte oder Mittel kann man ihm in abgestimmtem Mass zuführen – darüber entscheidet die Geisteswelt Gottes. Dieses feinstoffliche Od, das ihm zugeflösst wird, hat die Aufgabe, sein unreines Od zu vermindern. Und so bekommt er von Zeit zu Zeit von diesem geistigen Medikament. Und langsam entschwindet oder löst sich diese Unreinheit, diese grobstoffliche Materie auf, oder ihr würdet sagen: Es neutralisiert sich. Aber das braucht seine Zeit, und zu einer Gesundung, zu einer wirklichen Gesundung, kann es nur mit der Hilfe von Geistern Gottes kommen, die einem solchen Heimgekommenen diesen Beistand geben.

Aber wo lebt denn dieser kranke Heimgekommene? Man führt ihn eben in ein geistiges Spital oder geistiges Sanatorium. Und dort wird er auch zeitweise in einen geistigen Schlaf versetzt – es ist mehr als der Anpassungsschlaf. Dieser geistige Schlaf dient zu seiner Heilung. Denn in dieser Zeit versucht man auch, das unreine Od, das in diesem Geistesleib ist, zu entfernen, herauszuziehen. Um das zustande zu bringen, braucht es diesen Schlaf – ich könnte fast sagen oder es vergleichen mit einer Narkose. Denn würde man dieses unreine Od auf diese Art und Weise bei vollem Wachsein des betreffenden Wesens herausziehen, dann würde ihm das grosse Unruhe und empfindlichen Schmerz bringen. Und darum kann es in den Schlaf versetzt werden, in einen Heilungsschlaf. Und das ist nur möglich, indem man dieses Geistgeschwister ständig betreut und ein Missionsgeist oder ein helfender Geist sich des Betreffenden immer annimmt und ihn auf diese Weise betreut. So kann man ihm dann endlich die Gesundung zurückbringen, indem das unreine Od herausgeschafft wird aus dem geistigen Leib und aus der Seele. Und das kann beim einen Monate, bei einem andern – da werdet ihr staunen – Jahre dauern. Aber in dieser Erklärung sollt ihr auch die Barmherzigkeit Gottes erkennen, die er seinen Geschöpfen bereit ist zu geben. Diese Geistwesen waren als Menschen in ihrem menschlichen Dasein schwach gewesen, schwach geworden; sie waren willensschwach und Opfer der niederen Geisteswelt. Jetzt hat die gute Geisteswelt ihre Dienste zur Gesundung des Geistesleibes geleistet.

Erst dann, wenn diese Gesundung zustande gekommen ist, kommt man ins Gespräch mit diesem betreffenden Wesen. Dann wird es zur Verantwortung gezogen. Denn von diesem Zeitpunkt an, wo man von diesem Wesen erwarten kann, dass es seine Willenskraft, seine Energie wieder zurückerhalten hat, kann man es auch zur Rechenschaft ziehen, und es wird auch der Strafe nicht entgehen. Für seine Leichtfertigkeit wird es seine Strafe bekommen, aber erst dann, wenn sein Geistesleib wieder gesund ist und auch sein Denken wieder klar ist und man an den Betreffenden Erwartungen stellen kann, also von ihm erwarten darf, dass er sich von nun an der Ordnung fügt, die Strafe entgegennimmt und bereit ist, im Heilsplane Gottes zu dienen und seine Fehler, die er gemacht hat, wiedergutzumachen. Dies kann zum Teil in der geistigen Welt geschehen, zum Teil aber auch dadurch, dass man ein solches Wesen, das durch eine solche Prozedur gegangen ist, zurücksendet ins Erdenreich, wo es als helfender Geist zu versuchen hat, Menschen, die auf dieselbe Weise krank sind, wie er es einst war, zum Guten zu beeinflussen oder sie von ihrer Sucht abzuhalten, indem er als schützender Geist vor sie hintritt und versucht, alles zu unternehmen, damit sie nicht in diese Süchte hineinkommen. Einem solchen Geist wird die Aufgabe gegeben, die ganze Umgebung zu beeinflussen. Denn dieses Wesen – so es die Einsicht zurückerhalten hat, zu erkennen, was es falsch gemacht hatte, und so es anderseits sich dankbar erweist für die Hilfe, die man ihm gegeben hat – wird mit voller Kraft und Energie an Menschen herangehen und versuchen, sie zu beschützen und sie wegzuführen von solchem Übel. So versucht die geistige Welt dann jene, denen sie geholfen hat, dafür zu gewinnen, dass auch sie ihrerseits bereit sind, andern den Beistand zu geben.

Dasselbe geschieht aber auch bei andern Süchtigen, beispielsweise bei Alkoholikern. Bei ihnen ist es dasselbe: Auch sie verunreinigen ihr geistiges Od, und auch dieses Od muss in der Jenseitswelt seine Reinigung finden in ihrem Geistesleib. Da kommt es auch darauf an: Ist die Geisterwelt Gottes beim Heimgekehrten bereit, ihm ihre Dienste zu erweisen und ihm auf die beschriebene Weise feinstoffliches Od einflössen zu lassen, damit das andere, unreine Od verdrängt wird und der Betreffende zu einem geistig gesunden Wesen wird – oder lässt man dieses Wesen gehen, so wie ich es erklärte, dass es zurückkehrt zu den Menschen und sich welche sucht, die in gleicher Weise süchtig sind?

So ist es mit allen; so ist es auch mit jenen, die von morgens bis abends rauchen. Was stellt ihr euch vor? Im Jenseits gibt es keine Zigaretten. Und was will der Betreffende? Er will nur den Geruch; er ist zufrieden, hinter einem Menschen hergehen zu dürfen, der dieses Od ausströmt – damit will er schon zufrieden sein. Und da gibt es keine Regel, ich kann nicht sagen: Jeder, der zu uns kommt, erhält diesen Beistand der Geister Gottes. Dem einen wird dieser Beistand gegeben, einem andern nicht – ihn lässt man gehen, und er lebt unter Menschen in der Weise, wie er selber als Mensch gelebt hat. Er sucht jene Menschen auf und fühlt sich wohl bei ihnen. Und das verzögert doch seinen geistigen Aufstieg.

Ja, liebe Geschwister, normalerweise ist es so: Ein Geistwesen in der Jenseitswelt kann nicht krank sein; in der Geisteswelt kann man nicht krank werden. Dieses Kranksein in den beschriebenen Fällen, das sind Süchte, das ist unreines Od. Das ist etwas anderes, als wenn ein Mensch ein besonderes Leiden gehabt hat. Auch gewisse Leiden verunreinigen das Od, aber das will nicht heissen, dass in der Jenseitswelt, wenn der Verstorbene als geistiges Wesen erscheint, nun sein Geistesleib all diese verdichteten Stoffe seines irdischen Leibes an seinen Geistesleib gezogen hätte. Der irdische Leib kann gewisse Stoffe behalten, zurückbehalten; es ist nicht möglich, sie an den Geistesleib heranzuziehen – sie werden nicht angesogen. Es gibt verdichtete odische Stoffe, die im Körper bleiben, und der Körper wird ja vernichtet. Auch da möchte ich vorsichtig sein in der Erklärung; nicht dass Menschen, die jetzt diese Erklärung über die Süchte gehört haben, hingehen und von einem kranken Menschen sagen: “Ja der hat halt eben schmutziges Od, der ist selber schuld.” Nein, liebe Geschwister, sagt so etwas nicht. Ihr sollt nie Dinge, die ich sage, verallgemeinern. Tut das nicht. Ihr kennt noch lange nicht die geistigen Gesetze.

Aber ich möchte jetzt nicht mehr von dem sprechen; ich habe es erklärt: Jede Sucht, jede wirkliche Sucht bleibt über den Tod hinaus bestehen. Und das ist eben schlimm. Man kann ja damit gar nicht in geistige Höhen aufsteigen. Man muss zuerst diese Süchte loswerden, und es wäre besser, man würde sie bereits in dieser Welt los.

Reden wir nun aber von einem geistig fortgeschrittenen Menschen, einem Menschen, der an die Jenseitswelt glaubt, der sich mit Christus, mit Gott und mit seiner heiligen Geisteswelt verbunden fühlt und der in seinem Leben versucht, das Beste herzugeben, was ihm möglich ist zu tun. Ja wo kommt denn ein solcher Geist hin? Darüber muss man sich doch auch seine Gedanken machen. Zu seiner Begrüssung in der jenseitigen Welt kommen ja auch Verwandte, entweder geistige Verwandte oder Verwandte aus seinem früheren, menschlichen Leben, es kommen Schutzgeister – es sind immer geistige Wesen da, mit denen man schon vorgeburtlich in Verbindung war. Sie kommen zur Begrüssung, sie wollen ihrer Freude Ausdruck geben. Es gibt Einladungen. Man wird aufgefordert, an Festen teilzunehmen. Ja, ein verstorbener Mensch, der im Leben gut war, der wird angenehme Überraschungen erleben von einem zum andern Mal. Er wird überschüttet mit Angeboten, die ihm Freude machen. Die geistige Welt ist glücklich, dass er zurückgekommen ist, und man spricht mit ihm auch über den Heilsplan, denn in ihm ist ja so vieles vergessen gegangen, was er eigentlich früher im geistigen Leben wusste. Und er interessiert sich plötzlich dafür, für die eigene geistige Familie, aus der er kommt.

Da erhält er dann eben Bescheid darüber, wie es um die eigene geistige Familie steht – aber dies alles wird nur jenen erklärt, die mit dem Verständnis dafür in die geistige Welt hinüberkommen. Einem, der von der geistigen Welt nichts weiss, der von der geistigen Ordnung und von den geistigen Gesetzen keine Kenntnisse hat, kann so etwas auch nicht offenbart werden. Er muss sich zuerst vertraut machen mit der Umgebung, mit dieser Welt. Hat er aber ein Wissen, kommt er mit diesem Wissen in die Jenseitswelt, dann wird ihm auch die Umgebung, in die er hineinkommt, nicht fremd sein, sondern sie ist ihm von allem Anfang an vertraut. Und so einer ein bestimmtes Wissen hat, kann man auch mit ihm darüber reden. Die Geister Gottes sind in dieser Beziehung aber sehr zurückhaltend, wenn es sein muss. Denn sie werden das Wertvolle nicht einfach einem offenbaren, der gar nicht nachkommt und gar nicht weiss, was man ihm sagt, und gar nichts versteht. So ist es eben von grossem Nutzen, wenn man gewisse Erkenntnisse hat. Und die Geistwesen, die dann zur Begrüssung kommen, interessieren sich in erster Linie für die Fähigkeiten des Heimgekommenen. Damit mache ich jetzt einen grossen Schritt vorwärts – ich spreche jetzt nicht von der Läuterung. Denn sicher muss jeder in die Läuterung, der eine für kürzere, der andere für längere Zeit. Aber jetzt überspringe ich diese Läuterung oder das, was man falsch gemacht hat und so weiter, und betrachte jetzt den Heimgekehrten auf der gehobenen Stufe, nach einer bestimmten Zeit in der geistigen Welt.

Dann sucht man eben nach den Fähigkeiten, die er hat. Denn er muss auch arbeiten; er muss seine Talente, die er besitzt, in den Dienst des Heilsplans Gottes stellen. Jedes Geschöpf Gottes hat von allem Anfang an einen Auftrag erhalten, den es in der Himmelswelt erfüllen soll – ich muss nicht unbedingt sagen zur Erfüllung des Heilsplanes, aber vielleicht hat es seinen Auftrag im Ordnungsplan Gottes bekommen. Wenn nach diesen Talenten und nach diesen Fähigkeiten gesucht wird, da wird eben dieses ganze Wesen genau betrachtet: Wo kann es zu unserem Nutzen, also zum Nutzen der Geisteswelt, eingesetzt werden? Denn die Geisteswelt möchte nämlich auch von den Heimgekommenen ihren Nutzen haben. Denn diese werden eingereiht in die Ordnung, in den Heils- und Erlösungsplan, und sie müssen da mithelfen, diesen Heilsplan zu fördern und die Ordnung zu bewahren. Da warten Aufgaben, die von jedem Einzelnen erfüllt werden müssen, wenn es auf einer höheren Stufe steht.

In der Himmelswelt, wo man von Herrlichkeit spricht, von Schönheit spricht, da ist immer ein emsiges Schaffen. Und da jedes Wesen ja ein Geschöpf Gottes ist, trägt es einen winzigen Teil vom Lichte Gottes in sich, und dieser winzige Funke hat so viel Entfaltungsmöglichkeit. Ein Wesen kann sich auf künstlerischem Gebiete entfalten, es kann aber anderseits in Tugenden seine grossen Fähigkeiten haben. Ein Wesen kann zum Beispiel eine besondere Fähigkeit haben, Güte zu geben; es versteht es, dem Nächsten Güte nahezubringen oder ihm Verständnis oder auch Barmherzigkeit oder Verzeihung zu geben. Oder ein Wesen hat die Fähigkeit, die Kraft der Hoffnung, die Kraft der Liebe zu geben. Es sind also Tugenden über Tugenden. Es geht nicht immer darum, beim Heimgekommenen nach künstlerischen Fähigkeiten zu suchen, um den Himmel in seiner Schönheit noch schöner zu gestalten. Natürlich will man das, und hat ein Wesen die Fähigkeit zu künstlerischer Gestaltung, wird es auch entsprechend eingereiht werden und muss da sein ganzes Können einsetzen. Aber wie ich betonte, gibt es Wesenheiten, die genauso ihre wertvollen Dienste erfüllen im Heilsplane Gottes, indem sie dem Nächsten beistehen, indem sie ihre Dienste zum Heil des Nächsten entfalten. So sind das Fähigkeiten, die der Schöpfer auf unendlich verschiedene Art und Weise seinen Wesen gegeben hat. In der Schöpfung Gottes braucht es auch dienende Wesen, es braucht auch beratende Wesen. Es ist so vieles, das getan werden muss, damit alles funktioniert. Wenn ihr euer Leben betrachtet – auch da sind die Fähigkeiten und die Berufe der Menschen so vielseitig und werden irgendwo auch gebraucht. Und wenn der Mensch geschickt ist und seine Fähigkeit da einsetzen kann, wo sie gebraucht wird, dann ist es für ihn zum Nutzen und auch für seine Umgebung – und so ist es in der Geisteswelt.

So sucht man bei den Heimgekommenen nach dem verloren gegangenen Wertvollen im Innersten der Seele. Und dann erst, wenn diese heimgekommenen Geistwesen diese Arbeit oder diese Aufgabe ausführen dürfen, die ihnen wahrhaftig Freude macht, die Bestandteil ihrer Seele ist, werden sie zu richtig glücklichen Wesenheiten. Aber auch die Himmelswelt schätzt sich glücklich, solche Wesenheiten wiedergewonnen zu haben; denn sie gingen ihr ja einst verloren. Sogar in der glücklichsten Zeit des Himmels gab es Wesenheiten, die andere beraten mussten. Und das ist etwas ganz Selbstverständliches, wenn man den freien Willen, die freie Willensentscheidung hat. Es muss sich nicht um eine Beratung handeln im Sinne, ob man das Gute tun oder vielleicht das Böse lassen soll. Nein, es kann um Dinge gehen, die in der geistigen Familie wichtig sind, dass etwas richtig gehandhabt wird. Es gibt ja bei euch in eurer Welt sogenannte Rechtsberater oder Rechtsanwälte, die das Gesetz genau studiert haben – und solche gibt es auch bei uns. Es sind jene, die die Gesetze Gottes auf das Genauste kennen, und sie kann man auch zurate ziehen.

Manchmal braucht man einen Geist, der Fürbitte leistet für einen. Denn es kann auch sein, dass geistige Wesen, die schon längere Zeit in der Jenseitswelt sind, einmal – sie haben ja ihren freien Willen – etwas getan haben, was nicht in die göttliche Ordnung hineingehört; nicht eine Sünde, nein, bewahre, aber man hat vielleicht einfach nicht das Richtige getan; man hat sich durchgesetzt für etwas, und es ist falsch herausgekommen. Auch für solches kann man zur Verantwortung gezogen werden, wenn durch das, was man getan hat, ein anderes Wesen zu Schaden kommen könnte. Auch solches gibt es, und dann wehrt sich das andere Wesen auch. Das heisst aber nicht, dass man miteinander streitet, sondern dafür hat man das Gesetz, und dafür kommt derjenige, der Recht spricht. Und wenn ein Wesen einsieht, dass es schuldig ist, dann sucht es auch ein Wesen auf, das voller Güte ist und barmherzig ist, das ihm sozusagen wie ein Berater hilfreich zur Seite steht. Auch solche Wesenheiten gibt es, die voller Güte und voller Liebe sind, die versuchen, diese Mitgeschwister auf ihre Weise in ihren Schutz zu nehmen, und ihnen Fürsprecher sind. Auch dieses braucht es.

Das, was ich euch hier erzähle, kann ich im Grunde genommen nur Geschwistern erzählen, die schon einiges von der geistigen Gesetzgebung kennen und die in ihren geistigen Erkenntnissen so weit sind und den Himmel in dieser Weise bejahen, dass sie sagen: “Ja, so muss das Leben sein.” Sie verstehen es, und so darf man auch darüber reden. Aber man kann nicht überall und zu allen Menschen darüber reden. Man kann nicht über solche Dinge reden mit Menschen, die nicht an das Weiterleben glauben, die nicht an geistige Wesen glauben, die meinen, dass nach dem Tode einfach alles aus ist. Mit solchen kann man doch nicht darüber reden.

Aber wenn ihr versucht, euch ein klares Bild zu machen von der geistigen Zukunft, von der göttlichen Welt, in die man eingeht, in eine Zeit hinein, die man nicht mehr messen kann, in eine Zeit hinein, wo man nur im Frieden leben wird – ja da ist doch wahrhaftig ein lebhaftes Treiben, da ist Leben. Und Leben kann ja nur da sein, wo Wesenheiten sich miteinander unterhalten, wo man sich ausspricht, wo man etwas bewundern kann, wo man etwas neu gestaltet, wo man seine Zustimmung geben, sein Gefallen ausdrücken darf, wo man mit dem andern ins Gespräch kommt. Das ist Leben, höheres Leben. Und dieses höhere Leben im Himmelreich hat doch jenen Wesenheiten auch das Seinige zu bieten: Das sind doch diese Gottesdienste, die man feiert; man wird von höheren Fürsten zu Festen geladen; es gibt in der Gotteswelt für die Wesenheiten auch – wie soll ich das sagen, um richtig verstanden zu werden? – eine gewisse Unterhaltung. Denn das geistige Leben ist nicht so ein beschränktes, ernsthaftes Leben, wo man weder nach rechts noch nach links schauen darf und man ein ernstes Gesicht macht. Nein, man kann fröhlich sein. Und für diese Fröhlichkeit wird den geistigen Wesenheiten auch etwas geboten. Man kann ihnen schöne Musik, Tanz und so weiter bringen. Unter diesen Wesenheiten gibt es aber auch welche, die – wie es sie auch bei euch Menschen gibt – so recht viel Gemüt haben und die die andern unterhalten können und sie froh und glücklich stimmen. Das gibt es auch bei uns. Ich habe ja auch schon auf Dementsprechendes hingewiesen – dass es geistige Wesen gibt, die sich ganz besonders mit Schützlingen befassen, das heisst, sie betrachten diese Schützlinge oder Wesenheiten genau, an denen sie eine Aufgabe zu erfüllen haben. Und es kann dann einen Zeitpunkt geben, wo man eine grössere Familie einlädt und sich unterhält und über einen der Anwesenden Gedichte macht und Dinge aufzählt, die der Betreffende nicht so gerne hört – aber die andern amüsieren sich dabei. Das gibt es auch. Man kann auch getadelt werden, auf ganz feine Art und Weise – das gibt es auch.

Der Himmel hat seinen Bewohnern so viel zu bieten – so viel hat er zu bieten. Und wenn ich euch das alles erzähle, möchte ich euch sagen: Man braucht sich nicht zu ängstigen vor dem Sterben. Wer in dieser Welt seine Aufgaben erfüllte, so gut er konnte, der kann sich ja nur freuen. Denn das Leben im Himmel ist wohl ganz anders, aber es ist nicht so anstrengend; man wird nicht so müde wie auf Erden, man wird nicht so schläfrig. Wenn das Od gereinigt ist, dann ist man doch voller Kraft und voller Freude. Zu eurer Beruhigung möchte ich euch sagen: Ja wahrhaftig, wenn man eine gewisse Entwicklungsstufe erreicht hat, ist das Leben bei uns viel einfacher. Darum habt ihr vielleicht auch schon von Menschen gehört, die [bei einer sogenannten Nahtoderfahrung, zum Beispiel nach einem Unfall] für kurze Zeit bei uns eingegangen sind oder den Himmel für kurze Zeit nun erleben durften und dann gesagt haben: “Ach, dass man mich wieder zurückgeholt hat! Ich wäre lieber da geblieben. Was ich da alles gesehen habe! Diese Welt gefällt mir nicht mehr.” Und solche Erlebnisse sollten doch auch dazu beitragen, nicht so materialistisch gesinnt zu sein. Was bietet euch schon diese Welt? Nichts als Kummer und Sorgen. Und ihr verkauft euch ja für diese Welt, diese Welt bedeutet euch ja alles. Man sollte sich viel mehr mit dem Geistigen befassen und mit der Zukunft, mit der geistigen Zukunft. Denn das befreit den Menschen und macht ihn froh und glücklich, und er kann hoffen. Hoffnung haben ist etwas Wunderbares. Hoffnung haben auf eine bessere Zeit, auf etwas Schöneres, das ist etwas Kostbares.

Ja, liebe Geschwister, man hat mich schon längst aufmerksam gemacht: “Du hast wieder zu ausführlich geredet, du hast wieder zu viel geredet.” – Ich bin ja nicht Josef ...

Ja, liebe Geschwister, der Himmel ist mein Glück, der Himmel ist meine Freude, der Himmel ist meine Seligkeit, und so kann ich euch ja nur einen Hauch davon geben. Und das habe ich getan, vielleicht mit umständlichen Worten. Manchmal kann ich es nicht so gut sagen; ich spreche noch eine andere Sprache.

Nun, liebe Geschwister, ich möchte euch mit dem Segen Gottes entlassen. Und ich werde für jeden Anwesenden hier einen Geist Gottes mit auf den Weg schicken. Sie kommen, sie sind schon da, und sie begleiten euch. Versucht sie zu behalten – nicht dass sie sich schon bei der nächsten Strassenecke von euch abwenden. Behaltet sie. Ich habe euch den Himmel geöffnet, ich habe euch einen Hauch davon gegeben. Und damit müsst ihr zufrieden sein.

So überlasse ich euch der Führung der Geister Gottes, und der Wille Gottes soll sich an euch erfüllen. Aber euer Trachten, euer Denken, euer Sinnen soll ein Trachten und Sinnen sein, das nach oben schwebt. Gott zum Gruss.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 21.1.1981 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Wunden der Seele – Heilung und Läuterung

Josef, 4. April 1959

Wunden der Seele – Heilung und Läuterung

Die Geisterwelt Gottes sucht bei jedem aufsteigenden Wesen den geeigneten Weg, um es im Aufstieg zu fördern. Geister Gottes haben Einblick in die Wesensart des Einzelnen und erkennen, was für ihn heilvoll ist. Während sie den einen härter anfassen müssen, dürfen sie einem andern liebevoller und verständnisvoller begegnen.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, schon vor Jahren habe ich erklärt, dass die Menschen nur Gäste seien auf Erden. Die Gastgeber sind Gott und Christus. Doch die Menschen sind sich dessen so wenig bewusst, dass sie wirklich nur Gäste dieses Erdenreiches sind. Kommen sie dann aber in die andere Welt, so erkennen sie, dass nichts von all dem irdischen Gute sie ins Jenseits begleitet hat. Man gibt es ihnen auch zu verstehen, wer der Gastgeber war und welche Macht über sie gewaltet hat. Immer wieder vernehmen wir Geister Gottes dann dieselben Klagen von diesen Seelen in den Aufstiegssphären: “Oh, hätte ich nur geahnt und gewusst, dass das Leben weitergeht und es eine ähnliche Welt gibt wie im Erdenreich; dass man in dieser anderen Welt Vergeltung findet für alles Gute, das geleistet worden ist, dass man aber auch bestraft wird für alles Unrecht, das man auf Erden getan hat.”

Liebe Freunde, ich möchte euch nun in dieser Stunde deutlich vor Augen führen, dass die Läuterung im Jenseits für diese Seelen so segensreich ist. Denn schon öfters hat da oder dort einer gedacht: “Ist es denn notwendig, dass man diese Seelen so lange in den Läuterungssphären belässt? Könnte ihnen nicht ein schnellerer Weg des geistigen Aufstieges gegeben werden? Könnten sie nicht noch schneller wieder inkarniert werden, um so den Prozess des Aufstieges beschleunigen zu können?” Dafür möchte ich Erklärungen geben, denn alles, was in dieser Weise im Heilsplane Gottes aufgebaut wurde, ist so vorsorglich und weise geschehen.

Wenn der Mensch noch so glaubt, dass es besser gewesen wäre, den Aufstieg auf diese oder jene Art zu gestalten, ist es bestimmt nicht so – denn dies alles ist aus Gottes Weisheit entstanden. Es ist diese Möglichkeit gegeben worden, damit es in Erfüllung gebracht werden kann. So verschieden wird der Einzelne beurteilt, und so wunderschön sind die göttlichen Gesetze aufgebaut. Jedem wird das Rechte zuteil. Dies sollte einen jeden Menschen mit Zufriedenheit erfüllen, und er soll glücklich darüber sein, dass alles so wunderbar im Gesetze verankert ist und alles seine Belohnung oder seine Strafe findet.

Nun möchte ich von einem Menschen erzählen, wie er sich belastet hat. Ich möchte aber noch vorausschicken, dass Menschen, die sich auf irgendeine Weise belastet haben, ihrer Seele durch diese Belastungen Wunden zugeführt haben. Es sind seelische Wunden, deren Heilung in den Läuterungen vollzogen wird. Dies wird oftmals schmerzhaft sein – nicht für alle, aber bestimmt dann, wenn die Geisteswelt erkennt, dass es zum grossen Vorteil ist. Ich möchte nur kurz vergleichen, wie es bei euch Menschen ist: Wenn ihr an eurem irdischen Körper eine Wunde habt und diese Wunde gepflegt werden muss, wird sie euch ganz bestimmt auch Schmerzen verursachen. Wunden in der Seele verursachen diesen Wesenheiten auch Schmerzen, und die Behandlung dieser Wunden ist eben da und dort schmerzvoll.

So hatte sich diese Seele in der irdischen Welt mit zwei besonderen Untugenden so sehr belastet, dass sie sich dadurch wirkliche seelische Wunden zugefügt hatte. Neben diesen beiden Wunden zeigte dieser Mensch auch noch einen gewaltig grossen Egoismus. Dies ist eine Krankheit, die unter den Menschen leider viel zu viel angetroffen wird. Erstens hatte dieser Mensch die Untugend der Trunksucht. Er hatte aber noch eine weitere Untugend: Er rauchte von morgens früh bis abends spät. Durch diese beiden Untugenden vernachlässigte er seine Pflichten. Hatte er doch eine Familie – und reich bedacht an Gütern war er nicht, doch seine Einkünfte hätten gereicht, seinen Verpflichtungen nachzukommen, wenn er sich nicht in dieser Art und Weise vergangen hätte. Diese Untugenden gaben sehr oft Anlass zu Streit, denn ihretwegen wurde das Geld für das Unnötige, für Leidenschaften, verwendet. Folglich fehlte es am richtigen Ort, und in der Familie wurde dadurch der Unfriede, die Disharmonie gefördert. Anstatt Heilvolles seiner Familie zu geben, hatte er durch seine Untugenden Unheil verbreitet.

Diese Untugenden waren ihm also als Belastung gezeichnet worden. Er hatte tiefe Wunden in seine Seele gelegt. Genusssucht war es in erster Linie: “Ich selbst will zuerst für mich mein Leben geniessen.” Auf diese Weise wurde er eben gezeichnet. Als er dann von dieser irdischen Welt Abschied nehmen durfte und in das Jenseits eintrat, wurde er in seine ihm entsprechende Welt geführt. Seine ganze Wesensart, wie er sie als Mensch hatte, war nun als Geist unverändert in seinem Innersten. Der Geltungsdrang, der Egoismus waren also in gleicher Weise vorhanden. Dieses Wesen hatte auch in gar keinem Sinne ein Streben in sich, diese Untugenden abzulegen, sondern es war bequem und sogar zufrieden mit dieser einfachen, düsteren Welt. Es verlangte absolut nicht nach etwas Besserem oder Bequemerem. In seinem Menschenleben hatte es ja auch nicht seine Bequemlichkeiten und auch nicht ein besonders schönes Leben. So hatte es sich eben damit abgefunden und fand es ganz in Ordnung, in einer solchen Welt zu leben.

Die Gotteswelt aber wird jedem das zuführen, was er braucht. Sie wird eben jeden in die Läuterung hineinführen, die für seine Seele gut ist. Die Engelswelt hatte die Wunden in dieser Seele genau gekannt. In erster Linie müssen nun diese Wunden gepflegt werden, und in einem solchen Fall auf eine ganz besondere Art und Weise. In der Wesensart dieses Geistes lag einmal die Gleichgültigkeit, eine sogenannte Bejahung dieser Umgebung, in der er zu leben hatte; er zeigte absolut kein Streben, keine Strebsamkeit, nichts dergleichen. Er wäre also für lange, lange Zeit einfach zufrieden gewesen. Ohne Zutun der Geisteswelt hätte es keine Möglichkeit irgendeines Aufstieges für ihn gegeben.

Mit dieser Belehrung soll euch vor Augen geführt werden, wie unendlich gütig Gott ist und wie wunderbar alles ausgedacht ist, einem jeden die Hilfe, deren er wirklich bedarf, zukommen zu lassen. Natürlich hat die Engelswelt bei diesem Wesen die Möglichkeit, Rückschau zu halten und seine ganze Veranlagung zu betrachten. Man analysiert, was für Möglichkeiten das betreffende Wesen zu bieten hat und wo in irgendeiner Art und Weise eine sogenannte geistige Stärke vorhanden ist. Man überlässt also eine solche Seele nicht einfach ihrem Schicksal, wie ihr es nennt, sondern man bemüht sich um ihren Aufstieg. Denn die Läuterung soll für ein solches Wesen heilvoll sein. Aber nicht etwa so, dass man es wegen der Untugenden seiner Seele nun in das Reich der Finsternis gesandt oder sonst irgendwie in die geistige Verdunklung geführt und gebannt hätte – auch das wäre nicht heilvoll für diese Art von Wesen gewesen –, sondern man musste einen Weg finden, um diese Wunden zu heilen. Es sollte aber nicht einfach so schmerzlos vor sich gehen.

Nun hört genau zu: In dieser einfachen, düsteren Sphäre war ja dieser Geist ganz zufrieden gewesen, aber die Engelswelt wollte es anders. Er sollte seine Wunden, die er sich als Mensch selbst zugeführt hatte, durch Schmerzen zu spüren bekommen. Und zwar sollte der Prozess des Heilens, der in dieser Läuterung an ihm geschehen sollte, ihm eben diese Schmerzen verursachen. Man wollte ihn in erster Linie von diesen Gefühlen oder von der Stumpfheit befreien. Er sollte nun zu einem besseren, höheren Denken veranlasst werden; aber dieses Wesen wollte ja nicht, es bestand also keine andere Möglichkeit. So musste nun – im Gegensatz zu vielen andern Läuterungen – dieser Geist in die Nähe der Menschen geführt werden. Er sollte in die Nähe von Menschen kommen, die der Trunksucht ergeben waren, allerdings unter Beobachtung und strenger Führung der Engelswelt. Doch wohlverstanden, nur in die Nähe; er hatte also nicht die Möglichkeit, sich in einen Menschen hineinzuschaffen.

Als er nun den Geruch von Alkohol wahrnahm, hatte er nur ein Verlangen: davon zu nehmen, um zu kosten. Diese Möglichkeit ist den Geistern gegeben: Sie schaffen sich in die Menschen hinein und trinken mit ihnen. So haben sie den Genuss davon. Sie veranlassen den Menschen, in dieser Trunksucht weiter zu verweilen, und fordern ihn dann auf, noch mehr vom Alkohol zu nehmen. Denn der Geist wird es nicht in dem Masse oder in der Art zu spüren bekommen wie ein Mensch. Der Alkohol wird an ihm nicht diese Auswirkung zeigen wie beim Menschen. Folglich braucht ein Geist mengenmässig viel, viel mehr, bis er zufrieden ist. Und selbst dann werden diese Auswirkungen nicht dieselben sein wie beim Menschen. Der Mensch wird betrunken sein und nicht mehr wissen, was er spricht, er wird nicht mehr aufrecht gehen können. Doch beim Geiste ist es nicht so. Er weiss genau, was er getan hat und wohin er geht. Er kommt nicht in den vollen Genuss des Alkohols, da er nur den geistigen Teil des Produktes aufnehmen kann; dennoch gibt ihm dies die Befriedigung, davon gekostet zu haben.

Nun sollte er immer wieder in die Nähe der Menschen kommen. Und so drängte es ihn mit aller Kraft, von solchen Menschen Besitz zu nehmen. Da griff die Engelswelt ein und sagte: “Nein! Du stellst dich hinter die Menschen und lernst zu verzichten.” Dieser Verzicht war für ihn schmerzhaft, denn er wollte es immer wieder tun. Es brauchte für ihn eine grosse Anstrengung, sich zurückzuhalten, denn er wusste wohl, dass ihn eine solche Kraft umgab, die es ihm verunmöglichte, in den Menschen hineinzugehen. Er hatte also die Macht Gottes erkannt, aber sie hatte ihm nichts bedeutet. Nun musste er an seinem geistigen Leibe zu spüren bekommen, dass diese Macht Gottes auch eine Kraft ist, die ihn zurückhält, das zu tun, worin er Befriedigung findet.

Er wurde zeitweise wieder in seine Welt zurückgeführt und über andere Dinge unterrichtet. Er hatte ja noch ein anderes Laster: Er liebte es in seinem menschlichen Leben, von morgens früh bis abends spät zu rauchen. Dadurch hatte er seiner Familie Schaden zugefügt. Dieses Laster verursachte die zweite grosse Wunde in seiner Seele – und auch dies sollte seine Heilung finden. So wurde er in die Nähe solcher Menschen geführt. Auch hier hatte nur schon dieser Geruch einen gewissen Einfluss auf ihn. Er verspürte aber durch diesen keine Befriedigung, sondern er wollte noch mehr mit geniessen und in den Menschen hineindringen. Doch dies sollte ihm wiederum verwehrt bleiben. Er musste sich hinter diese Menschen stellen, er sollte es erleben, dass er davon nicht nehmen durfte. Er musste lernen zu entbehren. Dies war für ihn schmerzlich.

So wurde dieser Geist immer wieder vom einen Ort zum andern geführt. Ihr könnt euch vorstellen, wie unendlich lange es dauerte, bis er nur einigermassen von diesen Gefühlen befreit war – bis es ihm nichts mehr bedeutete, hinter einem Menschen zu stehen, der in seiner Trunksucht war, und er kein Verlangen mehr zeigte, in ihn einzudringen und ihn zum weiteren Trinken zu veranlassen. Dieses Beispiel zeigt, dass es Geister gibt, die den Menschen drängen, in dieser Untugend zu verweilen. In unserem Falle steht aber die Engelswelt da und sagt: “Du wirst geläutert – wir nehmen uns deiner an, wir heilen dir deine Wunden.” Die Geisteswelt will ihn in dieser Beziehung gegen dieses Laster gefühllos machen. Es sollte ihm also nichts mehr bedeuten. Sie hatte die Aufgabe, ihn auf eine Weise zu führen, die andere Gefühle weckt, damit er eben geistig aufsteigen kann und das Verlangen hat, Gott entgegenzugehen. Wie unendlich schwer es war und welche ausserordentlich grosse Geduld es brauchte, könnt ihr nun nachfühlen.

Man führte also dieses Wesen immer wieder zu Menschen mit diesen Lastern, denn es sollte lernen zu verzichten. Es musste angeregt werden, strebsam zu sein, denn es war ihm absolut gleichgültig, in dieser Sphäre zu verbleiben; die Umgebung gefiel ihm so, wie sie war. Es fiel ihm nicht ein, sich aufzumachen in eine schönere, bessere Welt und sich anzustrengen zu einem besseren, höheren Denken – nichts dergleichen. So musste die Engelswelt versuchen, diesen Geist zur Strebsamkeit zu fördern. Er sollte sich nicht nur einfach dem Nichtstun hingeben dürfen, sondern man versuchte, es in der Weise zu fördern, indem er arbeiten musste, und zwar sollte er hart arbeiten.

Dagegen hatte er nichts einzuwenden, denn er war im Menschenleben gewohnt gewesen zu arbeiten. Er tat es jedoch nur, wenn er dazu angespornt, angefeuert wurde. Nun erklärte man ihm, er habe nicht umsonst zu arbeiten, sondern er werde einen Lohn empfangen, wenn er seine Arbeit gewissenhaft ausführen würde. Diesen Lohn, liebe Freunde, müsst ihr euch ja nicht in irgendwelcher materieller Form vorstellen – absolut nichts sollte ihn in der Weise erfreuen können –, sondern der Lohn sollte in erster Linie darin bestehen, sein eigenes persönliches Aussehen zu verbessern. Der Lohn sollte darin bestehen, dass er fühlbar merkt, durch die Arbeit Erleichterung zu finden. Es ist ja nicht so wie beim Menschen, dass er durch schwere Arbeit ermüden würde, sondern durch schwere Arbeit findet er im Geisterreiche Erleichterung.

Seine Hände und Füsse waren durch seine Belastungen und Verfehlungen verkrümmt. Dies alles verursachte ihm sogenannte geistige Schmerzen. Er war aber nicht sehr empfindlich, wie er auch als Mensch nicht empfindlich war. Er klagte nicht darüber. Folglich musste ihm die Geisteswelt klarmachen: “Betrachte einmal deine unförmigen Hände und Füsse. Weil sie so unförmig sind, hast du Schmerzen. Du kannst auch nicht gerade gehen. Auch hier empfindest du Schmerzen.” Die Geisteswelt machte ihm klar: “Wenn du jetzt arbeitest und diese schwere Arbeit vollführst, wirst du in erster Linie selbst Erleichterung finden.” Zuerst vermochte er das nicht so recht zu glauben. Doch mit der Zeit erkannte er es: Er wurde von der Engelswelt dazu getrieben, gewisse Arbeiten zu leisten, und er musste erkennen, dass er nach dieser schweren Arbeit gar nicht müde war, sondern erfrischt und erleichtert. Dies gab ihm dann Mut und Antrieb, seine Arbeit auszuführen.

Auf diese Weise tat es die Engelswelt. Einerseits hatte er solche Arbeit zu leisten, anderseits wurde er wieder zu diesen Menschen geführt. Man erprobte immer wieder seine Standhaftigkeit und sein Verlangen. Es dauerte sehr lange, bis es ihm nichts mehr bedeutete, neben Menschen mit solchen Untugenden zu stehen. Er hatte mit der Zeit absolut kein Verlangen mehr. Von diesem Moment an liess es die Gotteswelt sein; sie führte ihn nicht mehr zu solchen Menschen hin. Die Engelswelt hatte erreicht, was sie erreichen wollte; sie trachtete danach, ihn überall zu prüfen und dahin zu führen, wo die Möglichkeit bestand, ihm Befreiung zu geben und Erkenntnis zu bringen.

Er musste längere Zeit hindurch diese harte Arbeit tun. Man wollte ihn in seinem Streben fördern. Er tat die Arbeit, weil er wirklich erkannte, dass seine Hände gradlinig wurden und auch seine Füsse langsam wieder ein gutes Aussehen hatten. Er verspürte nun nicht mehr diesen Schmerz. Er tat es aber in erster Linie aus Egoismus, für sich selbst tat er es. Die Gotteswelt gab ihm noch nicht den Hinweis, weshalb er so strebsam sein sollte – dass er es nicht nur für sich selbst tun, sondern höheren, weiteren Zielen zustreben sollte. Zuerst musste man ihn einmal gewinnen und ihm Mut machen, Freude an der Arbeit zu haben. So tat er es. Er arbeitete, und die Engelswelt war mit ihm zufrieden.

Nun kam es so weit, dass seine Hände und seine Füsse wieder normal waren, und er konnte wieder aufrecht gehen. Auch hatte er das Gefühl, er sei gewachsen; er war nicht mehr von kleiner, gekrümmter Gestalt, sondern er hatte ein gutes, schönes Aussehen. Er betrachtete seine Kleider: Anfangs, als er in diese Sphäre kam, waren sie ungepflegt, schmutzig. Dies war ihm ganz gleichgültig gewesen, denn im Menschenleben sah er auch nicht anders aus. Nun erkannte er langsam, dass seine Gestalt schöner geworden war – auch seine Hände waren schöner –, und er fing an, sich darüber zu freuen. Er betrachtete sein Aussehen und konnte sehen, wie seine Kleidung, die er trug, auf einmal schöner wurde. In dem Sinne arbeitete er auch, um zu beobachten, was sich alles verändern würde, und er fing an, sich daran zu freuen.

Als es nun so weit war, dass er ein besseres Aussehen erhalten hatte, stand ihm die Gotteswelt wiederum gegenüber. Sie erklärte ihm: “Siehst du, jetzt hast du ein Aussehen, worüber man sich einigermassen freuen kann. Du brauchst dich nicht mehr für dein Aussehen zu schämen. Mit einem solchen Aussehen sollten nun ganz andere Leistungen vollbracht werden können. Du musst nun eine andere Stellung einnehmen.” Daraufhin stellte ihn die Geisteswelt auf eine erhöhte Stufe. Sie wusste genau, wie man mit dieser schwachen Seele vorzugehen hatte und wie man sie belehren musste. Als dieser aufsteigende Geist ein besseres Aussehen hatte, gab man ihm auch andere Aufgaben. Er selbst hatte jetzt nicht mehr so hart zu arbeiten; er musste nun die Arbeit anderer überwachen. Dieser Strebsinn musste weiter in ihm gefördert werden, und man versprach ihm: “Wenn du die Möglichkeit hast, auf die andern, die dir zugewiesen wurden, so Einfluss auszuüben, dass sie arbeiten und ihr Aussehen damit verbessern, wirst du wiederum Belohnung finden.” So wurde ihm diese Arbeit zur Freude. Den Lohn kannte er noch nicht; er wusste aber, was er durch seine Ausdauer bereits bekommen hatte, indem er den Geistern Gottes, die über ihm standen, Gehorsam leistete.

Nun fing er langsam an, sich für die höheren Gesetze zu interessieren. Er fing von selbst an, nach Gott zu fragen. So war der Geisteswelt Gelegenheit gegeben, ihm Antwort auf seine Fragen zu geben. Man erklärte ihm vom Heils- und Ordnungsplan Gottes und veranlasste ihn, weiter strebsam zu sein. Diese Strebsamkeit solle aber nicht in erster Linie auf seine eigenen Vorteile und Verdienste ausgerichtet sein, sondern wichtig sei, dass er sich nun in den Heils- und Ordnungsplan Gottes stelle, ohne Absicht und Verlangen nach Lohn. Der Lohn werde ihm bestimmt zugewiesen – aber nicht um des Lohnes willen solle er jetzt seine Aufgaben erfüllen, sondern nur aus Liebe und nur im Verlangen, den tiefer stehenden Geschwistern behilflich zu sein, sodass sie sich selbst als Stärkere fühlen würden. Er solle in sich die Verpflichtung wahrnehmen, den Schwachen den Weg zu zeigen und sie hinaufzuführen.

So belehrte ihn die Engelswelt und weckte in ihm die Kraft des Strebens. Langsam tauchte in ihm immer weiteres Verlangen auf. Er fing an, sich für viel Weiteres zu interessieren. Er musste mit jenen Geistern, die ihm diese Aufgabe übergaben, auch in die Tempel gehen. Er sollte Gott die Ehre geben, für Gottes Liebe danken und für seine Macht, für diese Möglichkeiten, die ihm gegeben worden waren, um hinaufzusteigen. So konnte er im weiteren Sinne wieder unterrichtet werden.

Jetzt erklärte ihm die Engelswelt: “Siehst du, dies alles haben wir mit dir erreicht. Dies jedoch nur durch unsere grosse Aufmerksamkeit, durch unsere Ausdauer und Liebe zu dir.” Er musste diese Worte von den Engeln vernehmen – dass auch sie nur dafür leben würden, um in erster Linie den Schwachen, den Aufsteigenden, zu helfen, um ihnen die Hand zu bieten. Es liege eben im Willen Gottes, alles zu tun, um die Schwächeren hinaufzuführen, um ihnen so den Weg zu den geistigen Höhen zu zeigen.

Weiter wurde ihm erklärt: “Siehst du, wenn du ins nächste Erdenleben kommst, sind deine Gefühle in der Weise ausgerichtet und verfeinert worden, dass das Übel, das du in deinem letzten Leben hattest, im nächsten Erdenleben nicht wieder zum Vorschein kommen wird.” Das alles schliesst aber nicht aus, dass ein solcher sich wieder auf ganz anderem Gebiete verfehlen kann. Dann wird die Gotteswelt wiederum vor ihm stehen und den Weg suchen, um die Wunden zu heilen, die er von seinem Erdenleben ins Jenseits mitgebracht hat.

Nun, meine lieben Freunde, nehmt nicht an, dass jeder, der in die Geisteswelt kommt und der auf irgendeine Weise ein Laster gehabt hat, in einer solchen sorgsamen Weise gepflegt wird. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass die Zeit der Läuterung auch für jenen Geist lange Zeit hindurch mit Schmerzen verbunden war. Ich betonte, dass die Gotteswelt genauen Einblick hat in die Wesensart dieser Geister, die vor ihr stehen. Sie hat diese Fähigkeiten, das Mögliche herauszubringen, was für die Betreffenden heilvoll ist. Sie sieht auch ihre Gefühle und erkennt genau den Weg. Sie weiss, was beim einen möglich ist zu erreichen oder was eben nicht erreicht werden kann.

Vielleicht ist es so, dass trotz all der sorgsamen geistigen Pflege dem einen doch nicht besonders viel zugetraut werden kann. Die Gotteswelt wird ihn im nächsten Erdenleben wiederum genau prüfen. Die Möglichkeiten dafür werden für solche Wesen so vielerorts geboten. Dann wird man erkennen, ob einer wirklich im Geiste geheilt worden ist in jener Zeit der Läuterung oder eben zu wenig. Man wird prüfen, ob man zu wenig streng mit ihm gewesen ist. Dementsprechend – anhand von den Ergebnissen aller Leben durch alle Zeiten der Läuterung – weiss die Gotteswelt immer: “Mit diesem müssen wir den Weg gehen – wir haben ihn hart anzufassen. Einem anderen dürfen wir entgegengehen. Mit ihm dürfen wir liebevoller und verständnisvoller sein.” So wird jedem das Richtige zukommen. Jeder wird die Läuterung erleben, die für ihn heilvoll ist.

Liebe Freunde, ich habe euch diese Stunde wiederum Einblick gegeben in die göttlichen Gesetzmässigkeiten. Es soll für euch etwas Wunderbares sein und eine Bereicherung bedeuten für euer Denken, für euer Leben überhaupt. Denn ihr könnt auf diese Weise so vieles, was sich in eurem Leben abspielt, besser verstehen. Ihr werdet in eurer Welt viel besser den Weg finden.

Denkt immer daran: Die Engel des Himmels sind überall bereit, den suchenden Menschen die Hände zu bieten. Die Engelswelt tut aber nur das, was sinnvoll ist. Die Menschen vermögen oft nicht zu unterscheiden: Nach sinnlosen Dingen trachten sie und glauben, dass es wichtig sei. Wir möchten dem Menschen sagen, wenn er so im Unsicheren ist, welcher Weg der richtige ist. Er soll Gott bitten: “Gib mir die Antwort durch deine heiligen Geister.” Vielleicht geschieht es im Traume, vielleicht geschieht es im Laufe eines Tages während der Arbeit. Dieses persönliche Erleben ist das Wichtigste, das Wertvollste von allem. Darum, liebe Freunde, tuet es in der Weise, damit es heil- und sinnvoll ist.

Gottes Segen sei nun über euch allen und begleite euch auf all euren Wegen. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 4.4.1959 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 1/2017
Preis USD 4.00
25 Seiten, 21 × 29,7 cm