Die Unsterblichkeit von Geist und Seele

 

Im Laufe der Jahrhunderte sind zahlreiche Begriffe der Bibel missverstanden und falsch ausgelegt worden. Das führte zu falschen Glaubensvorstellungen, beispielsweise über das Leben nach dem Tod.

 

Josef: Meine lieben Geschwister, von nah und fern seid ihr hier zugereist. Ich möchte sie alle besonders begrüssen. Und jene, die hierhergekommen sind und noch nie an einer solchen Kundgebung teilgenommen haben, sind natürlich auf das, was hier gegeben wird, sehr gespannt. [...]

Es dauert ja nicht mehr so lange, und schon werdet ihr wieder an die christlichen Feiertage erinnert. Zu Ehren Christi feiert ihr, ihr habt Feiertage. Wenn ihr aber herumschaut oder eure Mitmenschen fragen würdet: “Was hältst du von Christus?”, so würdet ihr nicht viel Erbauendes vernehmen. Und wenn ihr fragen würdet: “Weisst du überhaupt, wer Christus war?”, könnten auch nur wenige eine annehmbare Antwort geben.

Und wenn ihr weiter zurückblickt, so müsst ihr doch sagen oder euch fragen: “Wer trägt denn die grosse Schuld dafür? Was hat man denn uns unterschlagen?” Ja wahrlich hat man der Christenheit vieles unterschlagen. Wäre nämlich dieser christliche Glaube in seiner Wahrheit so verbreitet worden, wie es wirklich war, stünde es heute um diese Christenheit anders. Aber was wurde getan? Nach Menschenwillen, nach ihrer Ansicht ging es. Etwas ganz anderes wurde aus dem Christentum gemacht, als es hätte werden sollen. Eine Macht, eine grosse Macht, ist es geworden, und viel Fanatismus und Gewalt hatte da gewirkt. Und wie viel Unglück hatte die Verbreitung dieser Art christlicher Lehre unter die Menschen gebracht. Und so war es einstmals eben möglich, Menschen zu knechten – was heute nicht mehr der Fall ist. [...]

Wir versuchen, dem Menschen etwas klarzumachen und ihn zum Denken anzuregen. Denn wir haben ja heute auch diesen Vorzug und leben auch in diesem Vorzug, es tun zu dürfen; denn in euren Landen ist doch diese Glaubensfreiheit. So haben wir die Möglichkeit, zu euch zu sprechen; während es ja einstmals eine Zeit gab, wo dies nicht möglich war. Wenn ihr nun willens seid nachzudenken, so tut es. Ich versuche ja, nur auf weniges hinzuweisen, auf diese andere Welt.

Die meisten von euch sind im christlichen Glauben erzogen worden. Da und dort wird in dieser oder jener Kirche vom Jüngsten Tag gesprochen. Die einen tun es im tröstlichen Sinne; die anderen im mahnenden, vorwurfsvollen Sinne – sie möchten dem Menschen klarmachen, dass es ihm dereinst am Jüngsten Tage wohl schlecht ergehen werde, wenn er nicht den Glauben annimmt, den man ihm vorgibt. Der Jüngste Tag werde alles ans Licht bringen. Was ist aus diesem Jüngsten Tag gemacht worden, wie viele Menschen sind auf falsche Fährte geführt worden wegen diesem Jüngsten Tag!

Was muss denn die Christenheit überhaupt von diesem Jüngsten Tag halten? Ich will es euch erklären, damit ihr erkennen könnt, wie vieles man verdrehen kann, wie man wenige Worte zu etwas anderem machen kann, sodass es eine ganz andere Bedeutung erhält und seinen wirklichen Sinn verliert.

Dieser Jüngste Tag, von dem da und dort gesprochen wird, dass Gott oder seine Engel mit den Posaunen kommen werden – ach, dieser Jüngste Tag! Diesen Jüngsten Tag erlebt jedes von euch, wenn es die Schwelle zur jenseitigen Welt überschritten hat. Man braucht diesen Tag nicht unbedingt den Jüngsten Tag zu nennen, was so vielsagend klingt. Ich kann diesem Tag auch nur sagen: Es ist der junge Tag, es ist der erste Tag deines neuen Lebens in deiner geistigen Welt. Es ist der erste Tag oder es ist der junge Tag für dich. Daraus hat man einen Jüngsten Tag gemacht, und man wartet auf diesen Jüngsten Tag: Da sollen sich dann die Gräber auftun, und die Verstorbenen sollen da aus den Gräbern herauskommen! Ja was soll denn aus diesen Gräbern herauskommen, wenn es längst zu Staub und Asche geworden ist? Was soll denn da herauskommen, wenn der Leib verbrannt wurde? Was soll es denn mit diesem Jüngsten Tag? Man spricht von etwas Geheimnisvollem; aber Wahrheit und Klarheit gibt man dem Menschen nicht.

Wie wenige wissen darüber Bescheid: Wenn sie gestorben sind – sagen wir nun einmal medizinisch gestorben, klinisch gestorben meinet­wegen –, dann heisst das, dass der Geist sich vom Leibe getrennt hat. Bewegungslos liegt da der tote Leib, mit ihm ist nichts mehr anzufangen; etwas hat sich aus ihm geschieden – es heisst ja: “Er ist verschieden.” Aus ihm geschieden ist der Geist, der ihn im Leben wach und lebendig gehalten hatte. Denn ohne diesen Geist kann man nicht leben. Also muss ein Geist in einen Leib eindringen, und so kann es dann ein Wachsen und Gedeihen geben. Dieser Geist muss doch von irgendwoher kommen, und er kommt doch aus einer für den Menschen unsichtbaren Welt. Dieser Geist ist ja für den Menschen unsichtbar, es ist eben geistiges Leben in ihm. Und dieses Leben, diesen Geist muss man erfassen können.

Wir möchten doch annehmen, dass es euch verständlich wird, wenn ich euch erkläre: In einem toten Leib, der der Verwesung anheimgegeben ist, war doch einmal etwas, das ihn lebendig gemacht hat. Es ist nicht nur der Organismus, der ihm das Leben gibt, ihn am Leben erhält. Selbstverständlich muss dieser Organismus in Funktion sein; er muss angetrieben werden, genau wie ihr eure modernen Verkehrsmittel antreiben müsst – ihr müsst ja auch einen Betriebsstoff haben, damit diese Verkehrsmittel in Gang gesetzt werden. Was nützt euch das schönste Auto oder Flugzeug meinetwegen oder was es auch sein mag, wenn ihr den Betriebsstoff dafür nicht habt, der es in Schwung bringt, der es ‘lebendig’ macht? Und wenn ihr auch diesen Betriebsstoff habt, was nützt es euch, wenn niemand da ist, der es bedient? Das ist nach unserer Meinung doch etwas Selbstverständliches. Es sollte doch einen denkenden Menschen auch veranlassen, über das Wesen eines Menschen nachzudenken – dass ein Mensch als eine wunderbare Schöpfung doch auch seinen Gesetzen, seinen Bestimmungen unterworfen ist. Was in der Technik vonnöten ist, muss auch bei einem Menschen auf seine Art und Weise, auf höhere Art und Weise, zum Ausdruck kommen und tätig werden.

Wer lehrt solches den Menschen? Warum wenden sich Menschen ab vom Glauben und sagen: “Ach, was soll ich an Gott glauben; ich höre ihn nicht, ich sehe ihn nicht, ich will Greifbares.” Ja, so etwas kann man sagen, wenn man ganz fern von Gott steht.
Aber im Menschen inwendig ist ja eben dieser Geist. Dieser Geist hat ein höheres Wissen, und er weiss auch Bescheid über den Schöpfer; er weiss, warum er durch diese Menschwerdung gehen muss. Dieser Geist aber ist eingekleidet in eine Mauer – sagen wir, dieser irdische Leib ist ja sein Gefängnis, eine Mauer. Und dieser Geist treibt diesen Menschen an, damit er funktionieren kann, damit er denken und leben kann. Das Leben kommt von innen, das ist nicht sichtbar für den Menschen. Das ist das, was aus ihm scheidet, wenn er stirbt, was man nicht sehen kann. Aber dieser Geist inwendig im Menschen, er weiss Bescheid über Gott; er weiss auch über sein eigenes Werden Bescheid, und er kennt Sinn und Zweck seines Daseins im menschlichen Leib. Der äussere Mensch aber, in den der Geist einverleibt ist, wird von so vielen Dingen beeindruckt. So vermag der Geist, der inwendig ist, der so fein, so zart ist, nicht mit Gewalt auszudrücken, was er will. Dann und wann schüttelt das Gewissen den äusseren Menschen wach, dann und wann, wenn es um den Glauben geht oder um eine ungerechte Tat – das Gewissen kann der äussere Mensch spüren.

Aber müsst ihr mir nicht zugeben, dass ihr manchmal schon wisst, was man tun und was man lassen muss? Aber das will man nicht hören, sondern viel mehr das, was einem gefällt, was Gewinne bringt, was Vorteil, was Ansehen bringt. Man will in der Welt leben, in die man hineingesetzt ist. Die Welt will man geniessen; man will äusserlich zum Rechte kommen, ob­wohl man ganz genau weiss, dass man dafür etwas Unrechtes getan hat, obwohl man ganz genau weiss, dass man gelogen hat. Und diese Lüge kann einem doch etwas zu schaffen machen. Warum macht es dem Menschen zu schaffen, diese Lüge? Würde nämlich nicht von innen heraus etwas durch den Menschen ausströmen und ihn wachrufen, müsste er ja gar nicht darüber nachdenken und besorgt sein und ein schlechtes Gewissen haben. Das Gewissen könnt ihr ja auch nicht sehen; aber es ist doch vorhanden im Menschen. Und dieses Gewissen ist Bestandteil der Seele im Menschen. Es versucht den Menschen wachzurufen. Das will ich nur klarlegen, weil man nun denkt: “Ja wenn inwendig im Menschen ein Geist ist, dann hat er ja die Möglichkeit, sich durchzusetzen.”

Das schönste Geschenk, das Gott dem Menschen geben konnte, ist der freie Wille. Durch seinen freien Willen muss er entscheiden, wozu er fähig ist, wohin er sich stellen will. Denn der Mensch wird ja vom Äusseren, das ihn umgibt, beeinflusst und sogar teilweise vergewaltigt. Nun steht er da als eine Persönlichkeit und muss aus freien Stücken selbst entscheiden, welchen Weg er gehen will. Und heute ist es ja so wunderbar, dass man in der Menschheitsentwicklung – in euren Landen sage ich – so weit gekommen ist, dass dieser freie Wille des Menschen doch noch geschätzt wird.

So möchten wir eben den Menschen wachrufen und ihm sagen: Versuche doch einmal zu überlegen, und dann musst du es bejahen: dass es ein Leben nach dem Tode gibt, dass du nur deinen irdischen Leib abstreifst und du in der geistigen Welt als geistiges Wesen unter geistigen Geschwistern weiterlebst.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 23.11.1969 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich

 
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