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Wir Menschen sind hier auf Erden Bürger zweier Welten. Einerseits sind wir als körperliche Wesen ein Teil dieser materiellen Welt. Andererseits ist unsere Seele, das heisst unsere eigentliche Persönlichkeit, geistiger Natur. Sie ist aus der jenseitigen Welt in dieses irdische Dasein getreten, um hier Verdienste zu erwerben und geistig zu erstarken. Doch auf Erden, einverleibt in einen materiellen Körper, vergisst der Mensch so leicht, woher und mit welchem Auftrag er in dieses irdische Dasein gekommen ist; zu laut ist der Lärm der Welt, zu gross die Ablenkung, als dass man die leise Stimme des Himmels noch vernimmt. Wie kann es da uns Menschen trotzdem gelingen, die Verbundenheit mit der jenseitigen Heimat aufrechtzuerhalten und unserer Seele die notwendige Aufmerksamkeit und Nahrung zu geben? Mit diesen und weiteren damit verbundenen Fragen befasst sich dieses Themenheft.
Lene, 27. September 1971 (2. Abend der Meditationswoche 1971)
Der Mensch ist Bürger zweier Welten. Seine Seele ist aus der Ewigkeit in dieses irdische Dasein gekommen. Sie ist geistiger Natur und wird beim Tode des Menschen wieder in die Ewigkeit zurückkehren. So trägt jeder Mensch Ewigkeitswerte in sich und ist angeschlossen an die Jenseitswelt. Im Erdenleben bestimmt aber ein jeder selbst, ob er dieses Ewigkeitsbewusstsein pflegen und die Verbindung zur geistigen Welt enger gestalten will.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, durch Gottes Wunsch und Willen ist die Erde geworden, und Geister wurden einverleibt, die auf dieser Erde wohnen sollten. Die Ewigkeit hat von jenem Zeitpunkt an ihre Verbindung zu dieser gottgewollten Welt aufgenommen. Durch Gottes Wunsch und Willen ist sie entstanden, und durch seinen Willen sind Geister einverleibt worden. Sie alle tragen Ewigkeitswerte in sich. Alles, was durch Gottes Wunsch und Willen entstanden ist und auf dieser Erde leben muss, bleibt in engster Verbindung mit der Ewigkeit.
Die Ewigkeit strömt mit ihrer Kraft hernieder zur Erde, zu den Menschen. Es wurde einst die Verbindung hergestellt. Es gab schon dazumal ein Niedersteigen und ein Aufwärtsfliehen zu den Himmeln. Denn was Ewigkeitswert in sich trägt, ist mit dem Göttlichen verwandt, ist mit Gott verbunden und kann doch nicht so ganz von ihm verlassen werden. Diese Erde sollte ein Stück Himmel, ein Stück Paradies sein. Und die Menschen, die auf ihr lebten beziehungsweise noch leben, haben die Verbindung zur Ewigkeit. Sie haben in sich noch diese Ewigkeitswerte; sie sind angeschlossen an das Hochheilige, an das Ewige. Es ist aber dem Menschen überlassen, in Verbindung mit dem Hochheiligen zu bleiben, wenn er die Ewigkeit um sich und in sich spürt, wenn er noch etwas von der Ewigkeit weiss, von ihr wissen möchte.
Wie war es denn einst möglich, dass man sich von der Ewigkeit entfernen konnte? Die Menschen, die damals auf der Erde lebten, hatten die Möglichkeit, ihren Weg zu Gott gut zu finden. Die Engel Gottes kamen in ihre Nähe und unterhielten sich mit ihnen. Sie sprachen eine deutliche Sprache, doch die Menschen hatten ihren eigenen Willen, sie stellten an die Welt ihre Ansprüche. Sie hatten die Möglichkeit, den Weg zur Ewigkeit enger, intensiver zu gestalten oder eben sich von ihr abzuwenden.
Sie konnten die Mauer, die ihr irdischer Leib ihnen war – dieses Hindernis für den Zugang zur Ewigkeit –, noch mehr verdichten; sie konnten, wenn sie wollten, sich noch mehr einschliessen, sich noch mehr von der Ewigkeit abwenden.
Mit der Zeit war es so weit gekommen, dass man anfing, die Ewigkeit zu vergessen, und man vergass auch, der Nachkommenschaft von der Ewigkeit zu erzählen. Den einen geriet die Ewigkeit immer mehr und mehr in Vergessenheit – der Weg von ihnen zu Gott wurde immer weiter. Das Ewigkeitsbewusstsein schwand so langsam dahin. Nicht bei allen – zum Glück gab es Gott treu ergebene, gläubige Menschen. Doch als die Menschen da auf dieser Erde lebten, fing schon bald ein Kampf an. Sie hatten ihre Gedanken, ihre Umgebung abgeschlossen; sie hatten sich eingeschlossen und waren für die Ewigkeit nicht mehr so zugänglich. Dabei sollte doch diese Welt ein Stück vom Himmel werden – ein Stück Paradies. Und was ist daraus geworden? Wo steht die Menschheit heute mit ihrer Verbindung zur Ewigkeit? Was empfindet sie in ihrem Innersten? Hat sie noch ein Ewigkeitsbewusstsein?
Der Mensch von heute lebt auf dieser Welt in grossem Abstand zur Ewigkeit, die doch dieser Menschheit alles zufliessen lässt, zuströmen, zurufen lässt! Doch die Menschen haben sich eingeschlossen; sie haben sich von der Ewigkeit abgewandt und eine Welt für sich aufgebaut. In Vergessenheit geraten ist diese Ewigkeit.
Es ist heute ein Kampf für diejenigen Menschen, die im tiefen Glauben und im Ewigkeitsbewusstsein leben, den andern nahezulegen, dass es eine Ewigkeit gibt, dass man aus ihr gekommen ist und zu ihr zurückkehrt. Einen Kampf fechten die einen aus, und dieser Kampf wird fortdauern. Es wird zu einem Sieg kommen – doch die Zeit, wann er kommt, können wir nicht benennen. Der Kampf wird hart und schwer sein, denn das Ewigkeitsbewusstsein ist verloren gegangen. Wie schmerzlich ist es doch für den Gläubigen, wenn er weiss: “In mir selbst ist göttliches Bewusstsein; ich bin Bestandteil der Ewigkeit. Und ich habe Mitmenschen, die wollen von dieser Ewigkeit nichts wissen – sie ist ihnen verloren gegangen.”
Betrachten wir doch einmal die heutige Welt. Noch heute strömt und strömt der Strom der Ewigkeit hernieder und erfüllt diese Erde und alles, was da lebt, mit Segen. Wird er als solcher angenommen? Wird das, was als Geschenk Gottes kommt, und Gottes Wort angenommen? Nein – ihr wisst es besser noch als ich. Verloren gegangen ist dieses so wertvolle Gut, das ewige Bewusstsein, das der Mensch von Leben zu Leben mit sich tragen sollte. Es ist verloren gegangen. Man muss auf die Suche gehen, man muss es wiederfinden und wiedererobern.
Immer wieder tönt von den Himmeln her die wunderbare göttliche Sprache – das Wort Gottes wird immer wieder verkündet. Die Ewigkeit spricht alle Sprachen der Völker. Es gibt so viele Sprachen, die die Menschen sprechen, doch im Grunde genommen gibt es nur eine Sprache, die alle verstehen und die zu Gott führt. So wird sich der Mensch wohl wieder wandeln und sich zum Göttlichen hinwenden müssen. Er muss aufmerksamer werden und zuhören. Sein Feingefühl sollte gepflegt werden, und es sollte aus dem Herzen herausdringen zu den Menschen. Die Worte, die er spricht, sollen für den Nächsten Gesang sein, lieblicher Gesang. Er sollte fähig sein, seinen Mitmenschen die Grussbotschaft des Himmels in Freude und Lieblichkeit zu verkünden.
Der Mensch, der im Gottesbewusstsein lebt, sollte doch zu den Mitmenschen, zur Natur und überhaupt zu allem Leben eine andere Verbindung besitzen. Er soll verstehen und begreifen, warum das Heilkräutlein am Wegrand steht und was es ihm bedeuten soll. Oder, liebe Freunde, seid ihr so weit, dass ihr glaubt, dieses Heilkräutlein am Wegrand habe seine Berechtigung nicht mehr? Habt ihr alles in eurer Welt so verdichtet, so eingeschlossen? Vermögt ihr nicht mehr die wunderbare Sprache Gottes zu vernehmen, die gesprochen wird? Vermögt ihr nicht mehr die wahre Stille der Nacht zu erleben? Ist sie entschwunden, die Stille der Nacht?
Was hat die Stille der Nacht dem Menschen zu sagen? Nur wer sein geistig Ohr geöffnet hat, weiss, dass die Stille der Nacht von den Heiligen des Himmels ausgenutzt wird. Denn gerade die Stille der Nacht ermöglicht den Engeln des Himmels, den Weg zum Menschen zu finden, zum kranken Menschen, um ihm von göttlicher Seite Trost zu geben. Habt ihr noch diese Stille der Nacht? Wie steht es um das Paradies auf dieser Welt? Oder ist es etwa nicht zutreffend, wenn ich sage, diese Erde sollte ein Stück vom Himmel, ein Stück Paradies sein? Kennt ihr nicht mehr die Ruhe des Abends, seine Stille? Könnt ihr sie nicht mehr kosten? Wird diese Ruhe übertönt von all dem, was die Menschen als ihre neuste Errungenschaft preisen? Was ist aus dieser Welt geworden? Kann die Stille des Abends den einzelnen Menschen nicht mehr dazu bewegen, sich mit seinem Denken in eine andere Welt zu begeben, anders zu denken, anders zu fühlen als am Tag? Ist es nicht der Tag, wo man von ihm fordert und fordert – wo er selbst gewinnen, wo er sich bereichern und sich Besitz aneignen will? Bedeutet ihm die Nacht nichts mehr? Geniesst der Mensch das Abendwerden nicht mehr? Vermag er nicht mehr die wundersame Sprache Gottes zu hören?
Nein, der Mensch hört sie nicht mehr, denn jene Worte sind so fein. Er selbst übertönt sie. Frage: Was hat er aus dem Paradies gemacht? Durch seinen Wunsch und seinen Willen, zu besitzen, um zu haben, um sich zu vergnügen, verdichtet er sich selbst vor der Ewigkeit. Er mauert sich ein in eine eigene Welt. Oh, schade um dich, Menschheit, schade.
Der Mensch kann nicht mehr hören, nicht mehr empfinden, wie sich die göttliche Welt um ihn müht. Er geniesst nicht die Ruhe des Abends – er erlebt nicht mehr die Stille der Nacht. Er erlebt auch nicht mehr das Erwachen des Tages. Was bedeutet ihm die Stille des Morgens? Er kennt sie nicht mehr, er hat nicht mehr die Verbundenheit zu dieser herrlichen, prachtvollen, schönen Natur. Der Mensch von heute kennt die Stille nicht mehr. Und wisst ihr, die Heiligen des Himmels meiden den Lärm; sie können sich nicht kundtun im Lärm. Denn wir Geister Gottes sind doch ganz anders gestaltet, unsere Sinne sind viel feiner und nicht abgestimmt auf diesen Lärm.
Trotz alledem versuchen wir dem Menschen beizustehen und jenem zu helfen, der uns sein Ohr leiht. Wir möchten ihm sagen: Tue doch du das Deinige dazu, und vergiss nicht, dass der Himmel sich geöffnet hat und nach wie vor die Verbindung aufrechterhält. Aber das Denken des Menschen muss wieder gewandelt werden. Man muss wieder die Gefühle verfeinern. Man muss wieder die Stille des Waldes schätzen lernen; man muss wieder Zeit finden, dorthin zu gehen und im Geiste das Piano zu hören, das die himmlischen Chöre über diese Erde anstimmen. Den himmlischen Gesang, der da erklingt, muss man im Geiste wieder hören. Was haben die Menschen alles getan, dass sie dies alles nicht mehr wahrzunehmen vermögen ...
Was kann man alles tun, um dies alles wieder wahrzunehmen? Sicherlich ist dies möglich. Ihr habt doch die Freude und die Gnade, darauf hingewiesen zu werden, um es wieder in euer Bewusstsein geprägt zu wissen: dass der Himmel den Weg offen hat, dass er aber seine Bedingungen stellt. Man muss überlegen und sich selbst die Antwort geben: “Wer bin ich? Woher komme ich? Welche Aufgabe habe ich?” Kann man darauf Antwort geben, und weiss man, dass man ein Kind Gottes ist, dass Christus, der König der Geisterwelt, der Menschheit die Erlösung, Befreiung gebracht und den Himmel geöffnet hat? Wenn man dies alles weiss, dann sollte man sich auch verpflichtet fühlen, das Seinige dazu beizutragen, sodass man sogar schon im menschlichen Leben wieder Anteil am Himmel hat.
Ihr werdet unterrichtet, und es wird euch immer wieder dargelegt, was mit jenen Seelen geschieht, die sich so sehr belasten. Ihr habt doch die Möglichkeit, euch dem Himmel zuzuwenden. Müsst ihr denn in eurer Welt nur für das irdische Brot besorgt sein? Es gibt doch noch ein geistiges Brot, denn das irdische Brot allein sättigt nicht. Dieses irdische Brot – und alles, was noch dazugehört, was an anderen Dingen dazugehören mag – kann nicht glücklich machen. Geistiges Brot aber sättigt die Seele und macht den ganzen Menschen glücklich.
Ja, liebe Geschwister, für dieses geistige Brot muss man auch arbeiten. Die gläubigen, frommen Menschen, die dieses Gottesbewusstsein in sich tragen, sollten sich klar darüber werden, dass sie auch in dieser Welt Baumeister Gottes sind. Sie haben an diesem gewaltigen Bauwerk ihre Aufgaben zu erfüllen. Durch Gottes Wunsch und Willen ist die Erde erstanden. Aber überlegt einmal, wie heute die Erde aussieht – was von den Menschen gemacht wurde, einerseits zum Heil, anderseits zu ihrem Unheil. Überlegt einmal, wie viel Unfriede auf der Erde herrscht: diese Kriege, diese Not, dieser Hunger, den die einen erleiden – und die Macht und Herrschaft, die die andern ausüben, wie sie den Mitmenschen unterdrücken. Diese Kriege – jammervoll ... Was ist geworden aus dieser Erde? Sie hätte ein göttlich Paradies sein sollen, ein Vorhimmel. Doch Kriege toben, Hunger herrscht, Not ist ... Wo ist da das Ewigkeitsbewusstsein im Menschen? Traurige Welt.
Und in dieser Welt stehst du, lieber Bruder, liebe Schwester. Du wirst dich fragen, was du tun kannst. Und ich sage: Du bist ein Baumeister der göttlichen Welt. Wenn du mit göttlichem Bewusstsein lebst, musst du dafür sorgen, dass du dementsprechendes Material hast, mit dem du bauen kannst. Dieses Material muss von hohem geistigem Werte sein. Ich meine nicht eure verdichtete Materie. Ich spreche bildlich; ich meine die hohe geistige Qualität im Innern des Menschen. Damit muss er bauen.
Es ist euch doch wohl verständlich, dass wir nicht annehmen, der Einzelne könnte nun anfangen, die ganze Welt umzugestalten, um Ordnung zu schaffen. Oh, das wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Aber im Kleinen, im Kleinsten muss man tun, was sich im Grossen entfalten soll. Man muss, wenn man erfolgreich bauen will, auch gutes Material haben. Ich möchte dies geistig übertragen: Willst du ein Diener Gottes sein, dann musst du deine edlen Gefühle aus dir herausnehmen, und du musst sie entfalten – du musst dich auf diese Art und Weise in den Dienst Gottes stellen. Vor allem musst du versuchen, es zu ermöglichen, dass der Himmel zu dir reden kann. Versuche zu verstehen, was dir der Himmel zu sagen hat. Wenn ich sage, dass der Himmel zu dir reden will, dann meine ich natürlich, dass ein Geist Gottes dich durchs Leben führt, der dir zuredet, der dich tröstet, der dich mahnt und der dich straft, wenn es sein muss.
Der Himmel soll wieder zum Menschen reden können. Er tut es seit eh und je, aber er wird nicht verstanden. Betrachtet einmal die Herrlichkeit, die Farbenpracht dieser Blumen. Sprechen diese Blumen nicht auch ihre Sprache? Sie ist ohne Laute für euch – nicht aber für uns. Für uns haben diese Blumen einen reichen Wortschatz. Ihr bedient euch ja auch der geistigen Sprache dieser Blumen, wenn es sein muss ... Reden sie doch ihre eigene Sprache, immer am richtigen Ort. So bringen sie dem einen Freude, einem andern Trost. Einem Weiteren rufen sie etwas in Erinnerung, als möchten sie sagen: “Vergiss mich nicht, ich bin ja auch noch da. Die Blumen sollen es dir sagen.” Wieder ein anderer bittet um Vergebung, um Verzeihung. Er kann die Worte nicht aussprechen – sie kommen nicht über seine Lippen. So nutzt er die geistige Sprache, die viel bedeutungsvoller ist als die Worte aus seinem Munde. Die Blumen sollen es sagen; sie sollen da oder dort um Vergebung bitten. Sie haben ihre Sprache, ihre wundersame Sprache.
So können sich die Menschen der Blumen bedienen; sie lassen die Blumen reden. Was glaubt ihr: Sind es nur die Blumen, die ihre Sprache sprechen? Auch der Himmel hat es in den Händen, in seiner Sprache zu den Menschen zu reden. Zu einem jeden kann man reden, aber nicht jeder versteht diese feine, geistige Sprache. Unser Ton geht unter im Lärm, der aus dem Menschen selbst, aus seiner Seele, dringt; sein Egoismus, seine Herrschsucht verbreitet einen solchen Lärm, dass das Wort Gottes, das der Engel bringt, untergeht und nicht gehört werden kann. Denn aus der eigenen Seele vermag ein Rauschen herauszudringen, das für die Engel des Himmels unangenehm ist. Damit können wir nichts anfangen. Der Lärm vernichtet unser Wort, unseren Segen, unseren Willen. So ziehen wir uns zurück.
Wie schön ist es, eine so heilige Stunde mit euch und mit andern Heiligen des Himmels hier zu erleben! Ruhe ist in diesem Raum, und euer Ohr habt ihr ausgerichtet auf uns. Schon ist ein Tag [dieser Meditationswoche] vorüber, und man ist auf dem Weg, zu vergessen, was einen sonst im täglichen Leben belastet. Man hat sich schon etwas in diese Atmosphäre eingelebt; ihr seid schon von unserem Strom angesogen worden, wir sind – mit wenigen Ausnahmen – schon eins geworden miteinander. Und weil ihr euch in diesen göttlichen Strom hineinbewegt, wird eure Seele das erhalten, was euch Glück, Frohgefühl und Harmonie bringt. Ihr fühlt euch gehoben, ihr habt die Türen aufgetan und versucht, in den Himmel hineinzublicken. Ja ihr möchtet rufen: “Himmel, neige dich hernieder, umarme uns” – und ich sage euch: Es ist des Himmels Wunsch, dass er sich herniederneigt und sich vermählt mit dieser Welt. Des Himmels Wunsch ist es.
Wenn du es ermöglichen kannst, in dieser Woche von dir aus in diesem Gottesbewusstsein und Ewigkeitsbewusstsein zu leben, können sich die Heiligen des Himmels dir nähern. Sie befassen sich mit dir, sodass du ihre Worte hörst und du sie fühlst. Sie werden tagsüber in deiner Nähe sein, aber auch die Stille der Nacht kosten. Diese wunderbare Stille kosten sie aus, um mit dir ins Gespräch zu kommen – aber nicht mit dem äusseren Menschen, sondern mit dem, was ewig ist in dir, was lebt, was dich mit mir, mit uns verbindet. Wir wollen uns mit jedem Einzelnen hier unterhalten, denn jedem hier – ohne Ausnahme – ist für diese Woche ein Geist Gottes besonderer Art gegeben.
Unser Bruder Josef hat es euch erklärt: In einer gottesdienstlichen Versammlung sind die Engel des Himmels da, denn sie wollen den Gottesdienst miterleben. Ich halte mit euch Gottesdienst, und ein jedes von euch sei in diesem Gottesdienst sein eigener Priester. Wenn die Heiligen des Himmels die Stille der Nacht kosten, so wirst du davon profitieren. So wollen diese himmlischen Wesen den Menschen führen, und sie wollen ihm verständlich machen, dass es zwei Welten gibt: einerseits die göttliche Welt, anderseits die Welt des Materialismus, die den Menschen an sich bindet und kettet – diese Welt, die so viel Lärm erzeugt und es unmöglich macht, das höhere Wort zu vernehmen, weil man von der Mauer des Materialismus eingemauert ist, die man durch seinen eigenen Willen, durch sein eigenes Denken um sich gebaut hat.
So ist man auf jede Art und Weise sein eigener Baumeister. Man kann Baumeister sein zu seinem eigenen Heil, zum Heil der andern, um im Schöpfungsplane Gottes seinen Dienst zu leisten. Man kann aber auch Baumeister sein für jene andere Welt: für die Welt des Bösen, der Unwilligkeit, der Herrschsucht, der Streitsucht, des Ehrgeizes, der Habgier. Ja, man kann auch dafür tätig sein. Könnt ihr jetzt verstehen, dass es Menschen gibt, die solche Neigungen im geringeren oder im grösseren Masse in sich haben? Doch genügt das geringe Mass schon, dass man nicht mehr im wahren, höheren Sinne fühlen und hören kann. Das Inwendige der Seele rauscht, und man vermag das Feine aus der Gotteswelt nicht mehr zu vernehmen.
So ist es des Menschen Aufgabe, sich immer zu fragen, wo man steht, wie weit man in seiner geistigen Entwicklung schon gekommen ist. Wisst ihr: Die Ehrlichkeit des Menschen ist nämlich etwas ganz Kostbares, denn nicht jeder versteht es, mit sich selbst so ehrlich zu sein, um zu dieser Erkenntnis zu kommen und zu wissen, wo er steht. Denn so viele halten sich für viel besser, als sie sind. Auch dieses muss gesagt sein.
Wir wissen wohl, wie schwer es heute für die Menschen ist. Die Ruhe ist ihnen genommen – sie vernehmen das Wort Gottes nicht mehr, sie hören das Piano der Chöre des Himmels nicht mehr, das gesungen wird in der Stille der Nacht, wenn es Abend wird und man sein Denken nach oben lenken sollte. Man hört Gottes Wort nicht mehr.
Was ist zu tun? Wo steht die Menschheit heute mit ihrem Glauben? Brauche ich es euch noch anzutönen, zu sagen? So viele haben sich selbst eingemauert ... Zuerst muss diese Mauer durchstossen werden. Es muss jemand kommen und es euch wieder verständlich machen. Man soll sich überlegen, dass es nicht nur ein menschliches Bewusstsein gibt, dass man nicht nur von sich aus menschliche Fähigkeiten besitzt und gewaltige Leistungen vollbringt, sondern dass dies alles nur möglich ist, wenn Gott Ja dazu sagt.
Alles, was der Menschheit gegeben ist, kann einem jeden zur Prüfung sein, einem jeden, was er leistet und tut, denn sein ganzes Leben ist eingerahmt von Prüfungen. Und so muss er sich Mühe geben, er muss heraus aus seiner Welt, in die er sich selbst eingemauert hat. Er muss versuchen, dieses menschliche Denken abzulegen, das so gar nicht gottgefällig ist, das gar nicht mehr so ist, wie es einst war. Die Menschen haben so Freude am Glanz der Welt; in diesem Glanze leben sie, und die einen gehen unter.
Darum ist es wichtig: heraus, heraus aus diesem Denken! Man muss das Gottesbewusstsein pflegen, damit Gottes Gefälligkeit auf einem selbst ruht und auf der Gemeinschaft. Darauf kommt es doch an. Ihr wisst nicht, was in den höchsten Himmeln ausgehandelt wird; der Erlöser nimmt sich der Menschheit an, und er ist in Sorge um jene, die nicht glauben wollen. Doch werden die gestärkt werden, die ehrlichen Glaubens sind, damit sie weiterbauen, weiterentfalten, sodass aus dem Kleinen das entsteht, was Gott gefällig ist und werden muss. Es kommt aus einer Quelle heraus und dehnt sich aus nach allen Seiten. Es braucht jedoch auch seine Zeit.
Gestern sprach ich vom wahren Gottesdienst, und heute habe ich euch erklärt, was es bedeutet, Gottesbewusstsein in sich zu tragen und es zu verwirklichen – dass es darauf ankommt, das Wort Gottes wieder zu vernehmen. Euch werden ja im Rhythmus des Jahres die christlichen Botschaften verkündet. Diese Botschaften sollten der ganzen Christenheit wieder diese Klarheit verschaffen und ihr erneut diese geistige Speise bringen. Der Christenheit fällt es schwer, sich wieder an diesen Botschaften zu halten. Dass es noch nicht möglich ist, erlebt ihr selbst: Ihr verkündet ja diese Botschaften auch ausserhalb eurer Gemeinschaft, doch sie werden nicht verstanden; man weiss damit nichts anzufangen. So muss man der Christenheit den Anfang wieder bringen. Man muss ihr etwas aus den Anfängen göttlichen Lebens sagen können: von der Schöpfung Gottes – vom Anfang der Menschheit, ihrem Sein, ihrem Wirken, ihrem Sinn. So muss man wieder zum Anfang zurück. Dafür ist es nicht zu spät.
Ja, meine lieben Geschwister, in dieser Woche ist doch Zeit gegeben, in sich einzukehren, um mit sich selbst ins Gespräch zu kommen. Man hat die Möglichkeit, in seinem Innersten Ordnung zu schaffen. Hat man geordnet, was nötig ist, ist diese Ordnung wiederhergestellt, wird man sich wieder wohler fühlen. Denn auch der Gott zustrebende Mensch kann von Zeit zu Zeit in ein Wirrwarr hineinkommen. Er muss aber die Möglichkeit haben, wieder Klarheit zu finden. Der Mensch muss sich über sein Gottesbewusstsein klar werden und über seine Stellung, die er im Geiste einnimmt. Er muss sich seiner Aufgabe bewusst sein, die er zu erfüllen hat, und dass er die Stille der Seele in sich erleben muss. Der Mensch soll aus seiner Seele heraus, aus seinem Herzen, aus seinem Gemüte heraus keinen Lärm machen.
Die Stille der Seele geniessen heisst, nach innen zu hören. Die Heiligen des Himmels wollen sich doch dem Menschen nähern, um mit ihm zu reden, um ihn zu führen. Sie wollen ihn fühlen lassen: “Ich bin doch da – ich stehe an deiner Seite. Ich führe dich, ich trage dich durchs Leben; auch wenn du krank bist, stehe ich dir bei. Ich helfe dir deine Sorgen zu tragen. Du sollst fühlen, dass ich da bin.”
Ja, so weit sollte es doch mit dem geistig ausgerichteten Menschen kommen. Man soll jene nicht belächeln, die einen Geist Gottes haben, die vom Geist Gottes geführt werden. Vielmehr soll man die Stille der Seele auskosten, um zu hören, denn es kann zu jedem gesprochen werden. Aber es muss stille werden in ihm. Er darf kein Rauschen von sich geben durch Eigenmächtigkeit, Herrschsucht, Streitsucht, Egoismus, Eifersucht; denn da ist es nicht möglich zu hören.
Ihr aber wollt mit uns gehen, ihr wollt mit uns kommen. Der Himmel hat sich geöffnet. Vom Himmel strömt göttliche Kraft hernieder, sie strömt und strömt zu euch hernieder, und sie will euch mitziehen in diesem Strom. Ihr sollt durch diese Göttlichkeit belebt und in eurem Denken gehoben werden, ihr sollt aber auch gesunden an eurem Leib, denn hier wird Gottesdienst gehalten. Pflege tief deinen Glauben, erhebe dich im Geiste empor, und sprich im Geiste:
“Nimm mich auf, göttliche Kraft, durchdringe mich, belebe mich. Göttlicher Strom, zieh mich mit. Lass mich nie vergessen, was Ewigkeit ist. Lass mich nie vergessen die Verantwortung, die ich trage im göttlichen Bewusstsein. Trage mich, Strom Gottes, durchs Leben. Trage mich zurück, wenn es dereinst Zeit geworden ist für mich, führe mich an meinen Platz, Strom Gottes, leite mich und setz mich ab zu den Füssen meines Königs.”
So kann man meditieren, so soll man sich erheben. Das Gottesbewusstsein in sich zu haben, muss vom einen vielleicht noch erworben werden. Doch allein schon der Wille, der fromme Wunsch, vom Strome Gottes mitgetragen zu werden, tut das Seinige dazu und gibt einem die Kraft, dass es möglich wird, sich in seinem Leben im höheren Sinne zu behaupten.
Liebe Geschwister, nun kehret zurück, und erlebet die Ruhe in der Stille der Nacht. Empfanget den Segen, das göttliche Wort, das über einen jeden gesprochen. Auch wenn es nicht von jedem gehört wird, seid froh darüber, im Strome Gottes angeschlossen zu sein. Wenn ich solche Worte zu euch spreche, meine ich damit nicht, dass ihr nun traurig sein müsstet und keine Freude haben dürftet. Frohe Seelen haben Freude in sich – eine feine, schöne Freude. Frohe Seelen haben auch die Lieblichkeit. So wollen wir Engel, die wir hier anwesend sind, euch umarmen. Denn ihr wollt doch zu uns gehören, mit uns ziehen. Die Engel wollen das Wort Gottes verkünden; sie wollen einem jeden sagen:
“Du bist Geschöpf Gottes, du bist Eigentum Gottes, du bist Erbe Gottes. Erweise dich deiner Stellung würdig.”
So möge Gottes Segen euch alle umfangen. Möget ihr alle froh, zufrieden, glücklich, gesund werden. Denn dies war Gottesdienst. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 27.9.1971 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1971 im Saal der Park Hotels Waldhaus, Flims (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 21. Oktober 1964
Gott hat den Menschen in die Fremde gesandt, damit er in seiner Seele erstarken und geistige Verdienste erwerben kann. Anspruchsvoll ist es, in der fremden Welt die gestellten Aufgaben zu erfüllen, denn gross ist die Distanz zur Heimat. Unsichtbar geworden ist sie für den Menschen, sodass er sie nicht ohne Weiteres zu erkennen vermag. Gott hat jedoch dafür gesorgt, dass die Menschen auf Erden himmlischen Beistand erhalten und sich an ihre Heimat erinnern können.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, herangewachsene junge Menschen ziehen gern in die Fremde. Sie möchten die fremde Welt erleben, sich vertraut machen mit anderen Sitten und Gebräuchen, mit anderen Menschen. Sie möchten von der Welt etwas sehen und anderseits in dieser Fremde etwas verdienen, ihr Wissen bereichern. Sie möchten lernen in der Fremde, unter fremden Menschen. Und wohl dem, der den Anschluss findet an sie und ihre Ordnung. Nicht alle aber finden sich in der fremden Welt zurecht. Viele haben sie sich anders vorgestellt, sie haben mehr von ihr erwartet und sind von ihr enttäuscht. Kann man sich aber den andern nicht anschliessen, dann folgt die Enttäuschung, man kommt vom Wege ab, und man kann sich belasten an Leib und Seele.
Man kann auch schon das nächste Dorf oder die nächste Stadt als eine fremde Welt betrachten. Man braucht nicht unbedingt grosse Weiten zurückzulegen. Man kann sich vom Elternhaus entfernen und im nächsten Dorf, in der nächsten Stadt schon diese fremde Welt finden, wo es einem genauso ergehen kann wie demjenigen, der über die Meere gezogen ist, und kann auch da den Weg nicht finden. Man kann sich den Mitmenschen nicht anschliessen, man kann keine Verdienste erwerben. Es kann einem am Fleiss und an der Ausdauer fehlen. Ein anderer fühlt sich einfach verloren, er mag vom Heimweh geplagt sein. Es ist also nicht jeder fähig, seine Aufgabe in dieser Fremde zu erfüllen. Nicht jeder lernt und nicht jeder wird reich in der Fremde.
Nun, man hat noch seine Bindungen zum Elternhaus, bringt sie zum Ausdruck und freut sich darüber, so man Eltern hat, die sich ihrer Kinder angenommen haben. Das mag eine Stütze sein in der Fremde, es mag einem Mut und Hoffnung geben, auszuharren, die Aufgaben zu erfüllen, zu lernen. Das kann gelten für das nächste Dorf, in dem man sich niedergelassen hat, oder für die nächste Stadt; es kann aber auch gelten für diese grossen Weiten eurer Welt, wo immer man sich niedergelassen hat. Man betrachtet also alles ausserhalb des Elternhauses als eine fremde Welt, als fremd die Menschen, mit denen man zusammenkommt, und nicht jeder ist befähigt, mit dem andern Verbindung aufzunehmen, mit ihm zu reden und sich einen Freund zu suchen. Man kann also Abstand halten aus verschiedenen Gründen. So kann man die Fremde erleben.
Das alles ist vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet. Man verlässt einmal das Elternhaus, man begnügt sich nicht mehr mit ihm, man will sein Wissen bereichern. Man muss hinaus in die Welt, um Verdienste einzuheimsen, um reif und stark zu werden. Und die Eltern, sie freuen sich und warten auf die Rückkehr. Sie möchten den Reichtum bewundern, den ihre Kinder erworben haben, sei er seelischer und geistiger Natur oder sei er vielleicht materieller Art. Man wartet, man möchte sich freuen können auf die Rückkehr, und man möchte bewundern, was erreicht und aufgebaut worden ist. Viele dürfen dieses erleben, und viele werden enttäuscht. Die Fremde hat ihnen das nicht gegeben, was sie erhofft haben, sie sind nicht reich und nicht klug geworden. Sie haben sich sogar an Leib und Seele belastet.
Nun, liebe Geschwister, in geistiger Hinsicht ist es mit euch allen genauso – die göttliche Welt hat euch in die Fremde gesandt. Diese Erde, auf der ihr lebt, auf der ihr arbeitet, auf der ihr euch entfalten sollt, sie ist für euch im geistigen Sinne eine fremde Welt. Andere Bedingungen sind bedeutungsvoll geworden, andere Gesetze sprechen den Menschen an. Ausgesandt worden ist man in diese fremde Welt, um sich geistig zu bereichern. Doch nicht alle bringen es in dieser fremden Welt fertig, die an sie gestellten Aufgaben zu erfüllen. Sie wird ihnen zur Fremde. Weit weg sind sie nun von jenen, die sie so sorgsam behütet hatten, die ihnen geholfen hatten, den Weg nach oben zu erleichtern. Wohl sind jene für den Menschen noch da, aber sie sind unsichtbar für ihn geworden – die grosse Entfernung, die Fremde lässt sie nicht mehr fühlbar, nicht mehr sichtbar sein. Die Distanzen sind zu gross geworden, die Verhältnisse so anders. Jene sind eingegangen in diesen Nebel, sie sind für die Menschen nicht mehr zu erkennen und nicht mehr zu spüren – jene, die einstmals um jeden so besorgt waren.
So lebt ihr in dieser fremden Welt, weil ihr euch hier Verdienste sammeln, euer Wissen bereichern, euch im Geiste stärken müsst – in dieser weiten fremden Welt. Diese Fremde und diese Weite gibt aber jedem, der dahin gezogen ist, die Möglichkeit, seine wirkliche Heimat nicht zu vergessen. Es wird ihm wieder in Erinnerung gerufen, woher er kommt, dass er in dieser Fremde doch nicht so ganz als Fremdling lebt; denn in dieser fremden Welt lebte einst der Sohn Gottes, und der Menschheit ist zu allen Zeiten Zeugnis davon gegeben worden, von diesem Erdenleben des Erlösers. Immer wieder wird es der Christenheit verkündet.
Diese Erde mag für den Menschen wohl eine gewaltige Entfernung von Gott bedeuten, und doch hat Gott dafür gesorgt, dass die Menschenkinder sich der wirklichen Heimat erinnern. Denn der Menschheit ist eine geistige Mutterschaft gegeben worden, die – wie das Wort sagt – ihre geistigen Funktionen hat. Diese geistige Mutterschaft ist es, die einem jeden Geborgenheit gibt. Denn der in diese Fremde einverleibte Geist soll sich dessen bewusst werden, dass diese geistige Mutterschaft auch das in sich trägt, was man als Glauben bezeichnet. Er ist so bedeutend, dieser Glaube, dass Gott jedes ausgesandt hat in diese fremde Welt, um hier stark und reif zu werden in seiner Seele. Dieser Glaube aber, diese Mutterschaft, die so etwas Geborgenes in sich trägt, ist zu vergleichen mit einem nie versiegenden Quell oder mit dem Salz der Erde, das alles durchdringt und die Speisen angenehm und köstlich macht. Diese Mutterschaft, gepaart mit diesem geistigen Glauben, ist auch zu vergleichen mit dem täglichen Brot, das man braucht zu seinem Leben. Im Weiteren ist sie zu vergleichen mit den gewaltigen Meeren, die nicht auszuschöpfen sind, die aber in ihrer Tiefe gewaltige Reichtümer bergen.
Diese Reichtümer, die nun im Glauben sind, die man aus dem Glauben herausbringen und entfalten kann, stärken den Menschen, geben ihm das Brot des Lebens. Denn wenn der Mensch diesen Glauben nicht hat, kann, vom geistigen Standpunkt aus gesehen, eine grosse Hungersnot über ihn kommen. Er wird in seiner Seele hungern nach der geistigen Speise. Er wird danach verlangen und muss erkennen, dass es für ihn unmöglich ist, diese geistige Speise zu geniessen, denn er steht als Mensch weit entfernt von dem verbindenden Glauben. Er erkennt die geistige Mutterschaft nicht, und er glaubt nicht, dass in der Tiefe seiner Seele so gewaltige Reichtümer schlummern wie in den Tiefen der Meere. Die Reichtümer in der Tiefe der Seele sind geistiger Art. Sie sind eingekapselt und können nicht hervordringen, sie schlummern in der Tiefe der Seele.
Und so lebt der Mensch in diesem weiten Abstand von Gott und kann es nicht erfassen, dass er ein Kind Gottes ist, dass er fähig wäre, göttliche Funktionen auszuüben. Er erkennt nicht, dass in der Tiefe der Seele diese heiligen Gefühle sind, dieses Wundersame, diese grosse Ader. Die Menschen ahnen nichts davon, denn wenn die Bindung zu Gott nicht aufrechterhalten wird, wenn sie Gott in seiner Herrlichkeit und Heiligkeit nicht loben und preisen können, vermögen sie es nicht zu erfassen, dass sie selbst ein Funke sind von dieser Göttlichkeit; dass in ihrer Seele Spuren sind von dieser Heiligkeit, von dem, was ein gläubiger und frommer Mensch an Gott lobt und preist. Wer Gott in seiner Gerechtigkeit, in seiner Barmherzigkeit, in seiner Liebe lobt und preist, der ahnt, dass in der Tiefe seiner eigenen Seele die Spuren von diesem königlichen Adel auch zu finden sind. Auch in seiner Seele ist etwas, das jener göttlichen Liebe nahekommt. Auch in seiner Seele liegt etwas, das der Barmherzigkeit Gottes nahekommt, seinem Verzeihen, seinem Verständnis und seiner Liebe zu seinen Kindern. So viele Menschen dieser Erde ahnen aber nicht, welch ein Reichtum in der Tiefe ihrer Seele liegt. Denn sie sind sich nicht bewusst, dass sie Kinder Gottes, Bürger vom Staate Gottes sind, aus dem Willen Gottes geschaffen. Sie ahnen es nicht.
So lebt der Mensch in dieser fremden Welt. Er ist hineingeführt worden, denn in der Gotteswelt wurde ihm gesagt: “Gehe jetzt hin und werde stark. Suche nach der Gerechtigkeit, stärke dich im Glauben, und du wirst stark werden, und dein geistiger Reichtum wird sich entfalten. Denn wenn du zurückkehrst, wird zuerst nach deinem Reichtum gefragt. Man betrachtet deine Reife.” Und es sind nicht nur die Engel Gottes, die sich freuen, wenn eine Seele gereift zurückkehrt, sondern es herrscht unter den Angehörigen, den Eltern, den Grosseltern und unter den Urgrosseltern eine grosse Freude. Denn noch sind die Bande der Verwandtschaft geknüpft, und sie alle sind in der Hoffnung, dass man reich zurückkehrt. Die Freude ist gross, wenn in der Geisteswelt verkündet werden darf: “Deine Enkelin, dein Enkel kommt zurück; sie sind reich geworden in der Fremde.” Die Grosseltern wie die Eltern suchen dann nach jenen, mit denen sie im Leben verbunden waren, und sie wollen ihrer Freude Ausdruck geben und allen sagen: “Kommt mit zum Empfang: Er kommt heim – sie kommt heim. Reich sind sie geworden in der Fremde.”
Es sind nicht nur die Geister Gottes, die dastehen und Worte des Lobes oder des Tadels sprechen. Es sind Angehörige da, die sich sehr für den geistigen Reichtum ihrer Verwandten interessieren, denn sie erhoffen davon einen Anteil für sich, sie warten darauf, dass man ihnen Geschenke bringt. Ihr aber sollt nicht an irdische Gegenstände denken, es können nur geistige Geschenke sein. Es warten die Angehörigen darauf, dass eines der Ihrigen kommt, das reich geworden ist; denn sie wissen, dass sie dann auch beschenkt werden. Aus Freude und auf Anweisung der Engelswelt können sie von dem Heimgekehrten beschenkt werden. Anderseits ist es die Engelswelt selbst, die zu Ehren des Heimgekehrten Geschenke austeilt, aus Freude über den Gewinn, den dieses Menschenkind gemacht hat in der fremden Welt – aus Freude und Dankbarkeit.
Die Geschenke der Engel beziehen sich gewöhnlich auf das Nachlassen der Schuld, die noch vorhanden ist. Es kann den Verwandten die Bedrängnis ihrer Läuterung gekürzt werden; sie können dadurch etwas aufsteigen, in eine angenehmere Lage gelangen. Es kann ihnen eine Arbeit übertragen werden, die ihnen Freude bereitet, auf die sie längst schon gewartet haben. Denn der Himmel dankt nur mit Sinnreichem und Nützlichem. So gibt der Himmel den Dank weiter, wenn einer zurückkommt, der reich geworden ist auf dieser Erde, der diese geistige Mutterschaft erkannt hatte und in ihr geborgen war, der stark im Glauben war.
Viele aber haben den Weg im Leben nicht gefunden, und es ist keine Freude bei ihrer Rückkehr. Die frohe Kunde kann sich nicht verbreiten unter den Verwandten, dass jemand kommt, auf dessen Kommen sie sich freuen könnten. So ist auf keinen schönen Empfang zu hoffen und auf keine Geschenke der Engel. Wenn man in der Geisteswelt Bescheid bekommt, dass ein Verwandter sich belastet, der noch in der Fremde, also auf Erden lebt, so ist man darüber traurig. Man versucht, dieses Menschenkind so gut wie möglich zu einem besseren Lebenswandel zu beeinflussen. Man versucht es, aber der Versuch scheitert an dem Eigensinn und Eigenwillen des Menschen, und er belastet sich. Er hat keine Verbindung zur Gotteswelt, er kennt nicht den Reichtum, der in der Tiefe seiner eigenen Seele verborgen ist. Es gibt niemanden, der es ihm glaubhaft machen kann. Er kann nicht glauben, er hat keine Bindung zum Vaterhaus, er hat sie nie gepflegt, oder er hat sie abgebrochen, weil er auf irgendeine Art und Weise enttäuscht worden ist. Nun gehört er zu den Fremdlingen dieser Erde, die keine Verdienste erwerben und den Weg nicht finden.
Es gibt Menschen, die behaupten, Gott gefunden zu haben, die das göttliche Gesetz erkennen und die wissen, was zu dieser göttlichen Verbindung gehört – die wissen, dass man die Kindschaft Gottes durch die Erlösungstat Jesu Christi erhalten hat. Aber sie sind trotz dieses Wissens noch nicht auf dem rechten Weg. Sie leben sich selbst zuliebe. Sie leben nicht für die Gotteswelt, denn der irdische Glanz hat ihre Augen geblendet. Der irdische Reichtum, den man sehen und fassen kann, in dem man sich vergnügen kann, er ist in allernächster Nähe. Gott hat ihn der Menschheit geben lassen. Sie sollten in dieser fremden Welt selbst erkennen können, was wertvoller ist: das, was man sehen, fassen und womit man sich vergnügen kann, oder das, was man nur mit Überwindung und Opferbereitschaft gewinnen kann – das köstliche Gut, von dem der Erlöser gesprochen hat, von jenem Reichtum, der nicht spürbar ist für menschliche Hände noch sichtbar für Menschenaugen.
Nun, Christus sagte es so deutlich, wonach man trachten soll, dass die irdischen Reichtümer im geistigen Sinne ganz wertlos sind. Und wenn man sich nicht einig ist im Geiste, höre man die Worte, die Jesus Christus dem Jüngling zur Antwort gab, der ihn gefragt hat: “Meister, was muss ich tun, um ins Himmelreich zu kommen?” Seine Worte waren: “Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen, und folge mir nach.” Da wurde der Jüngling traurig und kam nicht wieder. (Vgl. Mat. 19, 16–22.)
Diese Welt bringt so viele Versuchungen mit sich durch ihren Glanz. Und betrachtet diese Menschen, wie sie fähig sind, andere zu töten, um in den Besitz ihres irdischen Gutes zu kommen. Ja, liebe Geschwister, wenn ein Mensch von sich behauptet, er wäre ganz auf das Geistige ausgerichtet, für ihn gebe es nur dieses Trachten nach dem Göttlichen, dann möchten wir sagen: Es mag stimmen, du magst Gott entgegengehen und als gottgefällig betrachtet werden, wenn deine Neigung für das Göttliche immer grösser und inniger wird. Dann muss aber der Hang zu irdischem Besitz sich immer mehr verringern. Nur wenn man das fertigbringt, wird man geistig reich.
Niemand verlangt von euch, dass ihr euer Hab und Gut verschleudert, auch hierin seid ihr zur Ordnung verpflichtet. Aber was die Gotteswelt vom Geistesmenschen verlangt, das ist, dass er nicht Sklave wird vom luziferischen Besitz. Nicht Christus hält seine Hände über das irdische Gut. Wer in dieser geistigen Mutterschaft lebt, der wird sein tägliches Brot erhalten. Denn er bittet darum, und es wird ihm behütet und bewahrt sein. Doch dieser irdische Glanz ist für manchen Menschen das Hindernis für seinen Aufstieg. In der Gier nach dem Besitz entfalten sich auch der Neid und Geiz. Besitzen möchte man, auch wenn man es nicht brauchen kann.
Der Mensch aber muss sich klar darüber werden, dass in der Tiefe seiner Seele diese heiligsten Gefühle sind, die er an Gott lobpreist – das ist seine grosse Liebe und Barmherzigkeit. Er erwartet von Gott, dass er ihm seine Schuld vergibt. Der Vater soll ihm liebend verzeihen, und er verzeiht und vergibt. Und diese Bereitschaft zum Verzeihen und Vergeben schlummert in der Tiefe einer jeden Seele. Beim einen liegt sie sehr tief und verschlossen, beim andern ist sie offenbar und kommt zur Entfaltung. Er ist Gott in dieser Beziehung nähergekommen. Die Liebe Gottes muss verstanden sein. Im Glauben liegt das Verstehen der Liebe Gottes. Bedenkt, dass Gott die Sonne scheinen lässt selbst über alle Areale der Gefängnisse und für alle Ärmsten. So ist sein Geben und Spenden in unaufhörlicher Liebe, und so nahe soll der Mensch an Gott heranrücken und handeln wie er.
Es hilft nichts, nur zu beten, nur zu wünschen, dass es einem besser gehe. Es steht in der Schrift geschrieben: “Wenn einer arm ist, sag ihm nicht, er soll beten, sondern gib ihm zuerst etwas, womit er sich bekleiden, womit er sich satt essen kann, und bete dazu” (vgl. Jak. 2, 15–17). Einem Kranken, einem Leidenden kann man nicht nur sagen: “Ich wünsche, du werdest gesund”, und man tut nichts dazu. Wenn einer Hilfe erwartet, kann man nicht nur sagen: “Werde gesund!” Das ist nicht im christlichen Sinn. Wenn jemand in Not ist, dann ist es gut, für ihn zu beten, aber neben dem Gebet muss auch etwas getan werden, um ihn aus der Not zu erretten. Es ist eine irrige Auffassung, die Gotteswelt schaffe es schon allein. Sie wendet die Mittel an, die ihr zur Verfügung stehen, aber dazu benutzt sie auch wieder Menschen als Werkzeuge, und wenn keine Werkzeuge da sind, kann sie nicht immer in allen Dingen helfen. Die Geisterwelt Gottes muss Menschen als Werkzeuge benutzen, um den Menschen die Antwort geben zu können. So muss man sein Leben nach Gott ausrichten, um sich verdient zu machen.
Wahrlich ist es so, dass diese Welt, in der ihr leben müsst, viel von euch fordert. Sie gibt aber auch viel. Sie fordert auch nicht mehr, als der Einzelne geben kann. So muss man sein Leben in dieser Fremde betrachten und sich fragen: “Wie wird es einmal aussehen um mich?” Man soll sich jetzt schon fragen, ob sich die Grosseltern und Urgrosseltern schon freuen können. Denn es ist gar nicht so sicher, dass sie bereits in den höchsten Himmeln sind. Sie könnten doch auf dich als ihren Nachkommen warten und hoffen, dass gerade auch du mit geistigen Verdiensten in die göttliche Welt einkehren wirst und mithelfen könntest, sie aus ihrer Bedrängnis herauszuführen. Sie hoffen, dass ihre Nachkommen reich und angesehen nach Hause kommen. Es soll ein grosser Empfang bereitet, es soll ein Fest gegeben werden, und wenn Feste gegeben werden, dann waltet auch die Gnade. Man wird all jene Verwandten besuchen, denn die Kunde geht schon längst vom einen zum andern, wer da kommt.
Das soll euch gewiss sein: Wenn der Tag und die Stunde eurer Heimkehr bestimmt ist, reicht man unter euren Verwandten die Kunde umher, und sie werden zugegen sein und ihrerseits wiederum nach Bekannten suchen. Und wenn sie vom Helferwillen durchdrungen sind und das göttliche Gesetz erfasst haben, dann werden sie wieder helfen können, sie werden empfangen und wieder geben. Das ist das Gesetz. Man gibt und empfängt wieder.
Ihr lebt hier auf Erden weit weg von Gott, und doch wird euch immer wieder Kunde von der göttlichen Welt gebracht. Und wenn ihr heute euer Leben überschaut und euch sagen müsst: “Auf diesem Wege habe ich vieles erfahren dürfen, das meinen geistigen Aufstieg beschleunigen kann”, dann sind es auch wieder eure Lieben in der göttlichen Welt, die das sehen und auf euch zählen. So wie ihr Menschen da und dort auf eine Erbschaft wartet, so warten Geister im Jenseits auch auf die Erbschaft ihrer Angehörigen, die in dieser grossen Welt der Versuchung und der Prüfungen einen Reichtum erworben haben. Darum muss man erstarkt zurückkommen, aber man muss wahrhaftig viel dafür tun. Es kommt die Zeit und Stunde, da man froh ist über alles, was man zu seinem geistigen Heil fertiggebracht hat.
So vergesst nie, den Unterschied kennenzulernen zwischen geistigem und irdischem Besitz. Trennt diese beiden voneinander, und mehrt euren geistigen Reichtum. Beglückt eure Mitmenschen, fördert die Harmonie. Beglückt die Mitmenschen, wie Gott seine Kinder mit seinem Segen beglückt. Ob sie es schätzen oder nicht, er ist stets der Gebende, der stets Verzeihende. Er ist aber auch der Nehmende.
Darum denke man immer daran, was man bekommt, was man selbst fordert und was Gott gibt und fordert. Gestaltet euer Leben in dieser fremden Welt als etwas Besonderes, dass sie alle an euch aufblicken können, wenn ihr zurückkommt. Man soll von euch reden, weil ihr viel gewonnen habt, viel erarbeitet, viel gedient und viel geopfert habt. Das soll man von euch sagen können, dass ihr das getan und Jesus Christus nachgelebt habt. Denn er hat sich hingegeben, die Menschheit zu erlösen. So ist der gläubige Mensch dazu aufgerufen, das Seinige hinzugeben, damit Friede auf dieser Welt einkehren kann oder damit der Weg zum Frieden beschleunigt wird. Denn im Kleinen muss beginnen, was im Grossen sich entfalten soll.
So, liebe Geschwister, habe ich euch den Weg gezeigt, den Weg in dieser fremden Welt, und ich habe euch die Wege geöffnet und beleuchtet für einen glücklichen Heimgang. Möget ihr doch alle in dieser grossen Begeisterung empfangen werden, so, wie ihr eines eurer Lieben zu empfangen pflegt, das lange Zeit von euch weggeblieben und stark und klug geworden ist.
Möge der Segen Gottes in euch einkehren. Möget ihr in eurer Welt eure Aufgaben erfüllen zur Ehre Gottes, zur Ehre Christi und zur Ehre der ganzen heiligen Geisteswelt. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 21.10.1964 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)
Josef, 1. September 1962
In diesem Vortrag erklärt Geistlehrer Josef die grossen Vorteile, wenn eine heimgekehrte Seele bereits als Mensch eine innige Verbindung zur Jenseitswelt pflegte. Sie kommt heim in eine vertraute Welt und darf hier als Bürgerin des himmlischen Staates ihre Rechte geniessen. Anders gestaltet sich die Heimkehr, wenn sich ein Mensch zeit seines Erdenlebens von der Jenseitswelt abgewandt hat. Ihm wird gesagt: ”Du kommst als Fremdling in die Geisteswelt, aber du wirst geduldet und nicht weggewiesen. Um als Bürger im himmlischen Staate aufgenommen zu werden, musst du zuerst die hier geltenden Gesetze kennenlernen und dich dieser Ordnung fügen.”
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, es ist für die in die geistige Welt Heimkehrenden von Vorteil, wenn Eltern, Verwandte oder Freunde in der Geisteswelt Gottes die Vorbereitungen für ihren Empfang treffen dürfen. Nicht immer ist es ihnen gestattet; trotzdem tun es welche, da ihnen ja eine grosse Freiheit gegeben wurde. Sobald aber diejenigen, für die sie die Vorbereitungen getroffen haben, ankommen, müssen sie erkennen, dass es ihnen nicht einmal gestattet ist, sie in ihr eigenes oder ein anderes Haus einzuladen. Sie werden erfahren, dass im geistigen Reiche Gott der Herr ist und seine Herrschaft ausgeübt wird in den niederen und den hohen Sphären. Im Reiche Gottes gilt das Wort des Herrn, Jesus Christus. Er ist der König der Geisterwelt und ihr Anführer. Er steht allen vor, er gibt ihnen Anweisungen für ihr Wirken.
Ich möchte einmal einen Vergleich anstellen, um euch diese Verbindlichkeit etwas klarer zu machen. Aus meinen Darlegungen heraus erkennt ihr, dass die gute Geisterwelt über jeden heimkehrenden Seligen voller Freude ist, dass aber eine gewisse Traurigkeit sie erfüllt, wenn belastete Seelen zurückkehren, also solche, die sich im Erdenleben nicht bewährt haben.
Der Bürger eines Staates hat seine Schriften. Wenn er über die Grenze in ein anderes Land will, muss er diese Schriften vorweisen. Der Bürger eines geordneten Staates hat gewisse Rechte und Vorteile. Wenn er aber hinaustreten will in einen anderen Staat, hat er seine Schriften vorzuweisen; denn die anderen wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben, und dementsprechend kann er dann das Gastrecht geniessen, das er nicht verletzen darf. Tut er dies trotzdem, kann er ausgewiesen werden. Ja mitunter kann ein Staat seine eigenen Bürger zu Staatenlosen machen – nicht in einem geordneten Staat, aber es geschieht trotzdem auf dieser Erde. Diese Staatenlosen haben nirgendwo Recht zu fordern noch Vorteile zu erwarten. Aber man wird sie da und dort aufnehmen und dulden, solange sie sich nicht gegen den Staat auflehnen, wenn sie dem Staat keinen Schaden zufügen. Aber weitergehende Rechte und Vorteile geniessen sie nicht. So ist es diesen Menschen nicht so recht wohl dabei, als Staatenlose gelten zu müssen und nur geduldet zu werden.
Kommt nun ein Verstorbener ins Seelenreich, da möchte er doch auch als Bürger aufgenommen werden, oder in unserer Sprache gesprochen, man möchte anerkannt werden als Sohn oder Tochter des Gottesreiches. Und hier ist es ähnlich wie bei den Menschen. Die Geisterwelt Gottes will alle gern aufnehmen, die zu Lebzeiten den Erlöser gekannt und verehrt haben, die zu Gott gebetet und eine besondere Verbundenheit gepflegt, die sich zu Lebzeiten gesagt haben: “Ich bekenne mich zum Reiche Gottes, ich bin ein Kind Gottes und werde als solches wieder in sein Reich zurückkehren.”
Ja, wer so seine Verbundenheit zum Reiche Gottes besiegelt, muss auch dementsprechend sein Leben erfüllen. Er muss auch etwas von den Gesetzen des Gottesreiches wissen. Das fromme Leben kennt auch die Tugendhaftigkeit, was Gott gefällig ist. Man wird also nicht nur den Gesetzen dieser irdischen Welt gerecht, sondern als Kind Gottes sucht man auch den Gesetzen des Gottesreiches gerecht zu werden. Man wird versuchen, eine Verbindung zur andern Welt herzustellen und dem Glauben an sie treu zu sein.
Kehrt nun ein solches gläubiges Menschenkind, das zeitlebens in dieser Verbundenheit lebte und wirkte, in die Jenseitswelt zurück, so wird man ihm sagen: “Komm, tritt ein in dein Reich, in das Reich des Vaters und des Sohnes, des Erlösers Jesus Christus; denn Vater und Sohn teilen ihr Haus, ihr Reich mit uns; denn wir sind eine Familie, wir gehören dem Vater, und er teilt alles mit uns.”
Dann wird der Heimgekehrte voller Jubel empfangen. Freilich schliesst das nicht aus, dass man ihn noch näher betrachtet. Denn wohl kein Mensch wird vollkommen zurückkehren. Schwächen, die in seinem Leben zum Ausdruck kamen, werden im Geistigen widerspiegelt, und dann wird man ihm sagen, was gutzumachen ist. Man wird ihm erklären, dass es im Reiche Gottes viele Möglichkeiten gibt, diese Schwächen zu überwinden. Man wird ihm erklären, auf welche Art und Weise er sich geistig weiterentwickeln kann, wie er den Weg des Aufstiegs beschreiten darf. Man wird sich aber über die Vorwürfe seiner Schwächen und Fehler hinweg doch freuen über seine Heimkehr.
Und da wird man ihm vielleicht eröffnen, dass noch eine innige Verbindung besteht zwischen ihm und seinen guten Eltern, vielleicht mit einstigen Verwandten oder Freunden – im seltenen Falle sind noch alle zusammen innig verbunden mit einem Heimkehrenden. Vielleicht ist es auch eine geistige Verwandtschaft, die versuchte ihm beizustehen auf Erden. Der Beistand wird Würdigen und Unwürdigen gegeben, um besonders jenen in den Tiefen zu beweisen, dass Gottes Liebe sich eines jeden annimmt, wie er auch lebt, dass man jedem Gelegenheit bietet aufzusteigen.
Wenn also die Verwandten oder Freunde in der geistigen Welt erkennen, wie ihre Lieben auf Erden sich dem Reiche Gottes angeschlossen haben, werden sie für sie ihre künftige Wohnung schmücken, wie Christus verheissen hat: “Ich gehe hin, um für euch die Wohnung vorzubereiten” (Joh. 14, 2).
Ja, Christus hat die Wohnung für alle vorbereitet, und seine vielen Helfer werden sie im Einzelnen schmücken. Aber diese Vorbereitungen bestehen nicht nur im Ausschmücken der himmlischen Wohnung, womit sich die einen abgeben. Andere treffen ihre Vorbereitungen in der Weise, dass sie schon Anschluss suchen bei jenen bedeutenden Engeln, die über die Heimkehrenden richten werden. Sie wissen ja schon, wer da kommen wird zu richten, wer diese und jene Seele empfangen und begrüssen wird. Sie kennen aber auch den Weg zu jenen Fürbitterengeln, die in liebevoller Weise für die Heimkehrenden einstehen, ihnen Schutz bieten und versuchen, ihre Schwächen nicht so in den Vordergrund treten zu lassen. Diese Fürbitterengel versuchen, recht viel vom Schönen und Guten aus dem Leben der Heimgekehrten zu reden; sie heben hervor, was Christus alles getan hat für seine Geschwister und dass auch sie Anteil daran haben. Sie bitten, dass den Heimgekehrten diese und jene Schuld nicht als solche angerechnet werde, dass man gnädig über sie urteilen möge.
Dies alles liegt auch in der Gerechtigkeit Gottes. Denn auf diese Weise wird die Liebe, die Gnade und die Barmherzigkeit zum Ausdruck gebracht. Ihr könnt also sehen, ein Engel kann bis zu einem gewissen Grade seinen Schützling auch verteidigen. Er kennt genau die Grenze, wie weit er gehen darf. Er wird sich manchmal auf eine ganz besonders edle Tat seines Schützlings berufen, um die er sich im Leben verdient gemacht hat. Er stützt sich darauf und bittet dafür um Milde und Verständnis für ihn. Und hat sich die Seele zu Lebzeiten zu Gott bekannt, sich seinem Reiche angeschlossen, dann vermögen die heiligen Engel des Himmels nur Milde walten zu lassen, soweit es die Gerechtigkeit zulässt. Und es ist wohl etwas Beruhigendes, wenn man ahnen darf: “Ich habe einen geistigen Verteidiger, er wird meine guten Taten hervorheben.”
Aber gleichwohl soll man sich nicht in Sicherheit wiegen, sondern dieses Wissen soll dazu anspornen, solche guten Werke in vermehrtem Masse zu tun, um sicher zu sein, dass man sich dereinst darauf berufen darf. Nicht selber darf man sich auf seine Werke berufen. Sondern der heilige Engel Gottes, der zur Verteidigung dasteht, wird sie hervorheben und sagen: “Seht, er hat sich Mühe gegeben und diese Leistung vollbracht. Er hat es im Namen Christi getan. Er ist sich bewusst geworden, dass er ein Glied der göttlichen Familie ist und als solches zu solchen Leistungen verpflichtet ist.”
So versucht der heilige Fürbitterengel Gottes Milde, Gnade und Barmherzigkeit zu erbitten. Dieses wurde den Menschen schon viel früher durch die heilige Geisterwelt erklärt, doch wurde dies von den Menschen wieder ganz anders ausgelegt. Sie glaubten diese Vorteile zu Lebzeiten erkaufen zu müssen, um dann mit dem Ablass der Sünden rechnen zu können. So ist es nicht gemeint. Die heilige Geisterwelt wird ermessen, was dem Einzelnen angerechnet werden darf.
Somit soll man doch wieder erkennen, dass die guten Werke von innen heraus, ohne Berechnung, getan werden müssen. Sie werden volle Anerkennung finden, wenn sie im Namen Gottes und Jesu Christi getan werden und wenn man sich – wie ich erklärte – bewusst ist, dass man als Glied der göttlichen Familie dem göttlichen Leben alle Ehre zu erweisen hat. Aus diesem Grund ist man gezwungen, das Gute zu tun, und weil Christus es empfohlen hat, da das Gebet allein, ohne die Taten, nichts hilft.
So hat der Mensch doch gewisse Vorteile, wenn er über die geistigen Gesetze Bescheid weiss und ihm die himmlischen Boten dann dementsprechend begegnen, weil er diese wirklich aufrichtige, selbstlose, hingebungsvolle Verbindung zum Göttlichen gepflegt hat. Dann kann man sich nur freuen auf die Stunde, wo man in der Jenseitswelt begrüsst wird als Glied der göttlichen Familie.
Nun, liebe Geschwister, versuche ich dafür zwei Berichte zu geben. Zuerst von einer Seele, die vom Erdenleben heimgekehrt ist und für deren Empfang, wie ich es eben geschildert habe, einige Verwandte, Bekannte und Freunde in der geistigen Welt, die ihr Erdenleben beobachtet hatten, die Vorbereitungen treffen durften. Es geschah auf die Weise, wie ich sagte: Die einen kümmerten sich um das geistige Haus und dessen Umgebung – es war die Mutter, die ganz besonders dafür besorgt war, dass das Haus und die Umgebung schön gestaltet war. Andere kümmerten sich um die Aufgabe, die den Heimgekehrten erwartete; denn sie wussten schon, womit sie ihm eine Freude bereiten konnten, was die Betätigung anbelangt. Sie hatten darum gebeten, dass er eine Betätigung werde aufnehmen dürfen, die ihn befriedigen werde.
Nun, so wird eine solche Seele von der heiligen Geisterwelt Gottes begrüsst. Es wird ihr auch klargemacht, welche Fehler ihr im Erdenleben da und dort unterlaufen sind, dass sie auch manchmal gefallen ist. Man wird ihr vieles davon vergeben, und ihre Freunde, die ja schon frühzeitig diese geistigen Verteidiger aufgerufen haben, wissen ja auch um diese Verfehlungen. Sie hatten dieser Seele doch in ihrem menschlichen Leben nahegestanden und Möglichkeiten geschaffen, dass sie von Versuchungen weniger berührt wurde und ihr in gewissen Dingen besonderer Schutz gegeben wurde. Sie hatten sie während ihres Erdenlebens in der guten Gesinnung und zu edlen Taten unterstützt. Sie hatten ihr einen Geist des Gebetes beigesellt, der sie im Verlangen zu beten bestärkte. Sie hatten andere Geister herbeigerufen zum Schutz und als Begleiter durchs menschliche Leben – solche Geister, die sich auch für die Kleinigkeiten im menschlichen Leben interessieren, die darauf achten, dass sie für ihren Schützling nicht schädigend werden. Denn auch unwichtige Dinge vermögen geistige Schäden zu verursachen. Denn die Seele ist doch einem kostbaren Gefässe gleich, das leicht beschädigt werden kann.
Dieses wollen die schützenden Geister vermeiden, indem sie die Gedanken des Menschen auf die hohen Lebensziele hinzulenken versuchen. Denn je nach seiner Wesensart neigt der Mensch dazu, viel über unwichtige Dinge zu reden. Und aus diesen unwichtigen Dingen heraus können Schäden entstehen.
Diese Beeinflussung seitens der guten Geisterwelt kam auch dieser Seele zugute. Sie hatte sich durch ihr gerechtes, frommes Leben einen Vorteil verschafft. Die Geisterwelt Gottes zeigte sich ihr gegenüber dankbar und erwies ihr nun ihrerseits wieder Liebe und Anerkennung für die eingegangene Verbindung mit ihr. Und wenn es für den einen und andern Heimgekommenen in der geistigen Welt dann auch eine gewisse Zeit der Ruhe bedarf, die ihm die Möglichkeit des Nachdenkens gibt, wo er zur Einsicht kommen soll, so wird er je nach seinen Verdiensten wiederum einen Beistand erhalten. Er muss nicht allein irgendwohin zur Ruhe gehen, sondern ein Engel Gottes oder vielleicht einer seiner Verwandten oder Freunde wird ihn dahin begleiten. Sie werden ihn unterrichten und ihm erklären, wie er diese Zeit sinnvoll und nutzbringend auszufüllen hat.
So geschah es auch mit dieser Seele, und es wurde ihr gesagt: “Wenn du diese Zeit, die du in Begleitung eines deiner Freunde verbringen kannst, überwunden hast, dann sollst auch du die himmlischen Freuden erleben dürfen. Dann sollst du Anteil haben an den wahrhaftig herrlichen Freuden des Himmels.”
Ferner wird man dem Heimgekommenen sagen, dass ihm seine Verehrung für den Erlöser jetzt zum Vorteil gereiche, dass Christus ihn jetzt auch anerkenne, und darum hätte ihn der heilige Engel Gottes auch gleich anfangs im Namen Jesu Christi begrüsst; denn er habe nun auch ein Anrecht auf das Reich des Vaters, des Sohnes und aller heiligen Geister und habe nicht nur seine Rechte, auch gewisse Vorteile. Im Weiteren wurde ihm erklärt, dass er zu gegebener Zeit den Erlöser sehen, ja ihm ganz nahe gegenüberstehen dürfe – dass Christus solche Geschwister voller Freude aufnehme, die ihn zu Lebzeiten anerkannt, die für ihn gewirkt und in seinem Namen den himmlischen Vater um etwas gebeten hätten, die sich schon zu Lebzeiten zur grossen göttlichen Familie gerechnet hätten.
Solches zu vernehmen, ist für jede zurückgekehrte fromme Seele eine grosse Freude. Denn wie viel wird doch den Menschen von der Bestrafung der Seelen erzählt! Ich möchte betonen: Wenn eine Seele zurückkehrt, die als Mensch so gelebt hat, wie euch immer empfohlen wird, und die die Verbindung zur heiligen Gotteswelt gepflegt hat, so wird sie auch dementsprechend einen frohen Empfang finden.
So durfte es auch diese Seele erfahren, und sie durfte eine Aufgabe übernehmen, die ihr besondere Freude bereitete. Auch wurde sie von ihren Angehörigen unterrichtet, wann sie Christus begegnen dürfe, wann sie zu einem himmlischen Fest eingeladen werde, welche Vorteile und Rechte ihr zustehen. Wie beglückend ist es, so etwas zu wissen! Darum soll sich ein jeder freuen, in die Jenseitswelt zu kommen, wenn er zu Lebzeiten seine Verbundenheit mit dem himmlischen Vater und mit dem Erlöser zum Ausdruck gebracht hat.
Ganz anders verhält es sich, wenn einer im menschlichen Leben von Gott und dem Erlöser nichts wissen wollte, wenn er einfach nicht glauben konnte. Auch wenn er vielleicht recht zu leben versuchte, wird man ihm bei seiner Einkehr ins himmlische Reich sagen müssen: “Du kommst als Fremdling hierher, aber du wirst geduldet und nicht weggewiesen – wie es bei den Menschen üblich ist, Staatenlose aufzunehmen, die ohne Ausweis kommen. Die himmlische Welt duldet sie auch da und dort.” Vielleicht haben auch Verwandte oder Freunde etwas für einen solchen Heimgekehrten vorzubereiten versucht. Aber dann schreitet die hohe Geisterwelt Gottes ein und spricht: “Ihr habt für ihn nichts vorzubereiten, denn er ist noch nicht aufgenommen; noch ist er nur geduldet, denn er hat noch so viel zu lernen.”
In erster Linie hat er nun einmal Gott und den Erlöser anzunehmen. Ist dies geschehen, dann wird er auch angenommen. Aber bis es so weit ist, verbringt man diese Seele an einen einsamen, öden Ort, auch wenn sie sich um ein rechtes Leben bemüht hatte. Man gibt ihr zunächst Gelegenheit, in dieser Stille, in dieser Öde und Einsamkeit über das gelebte Leben nachzudenken. Da soll es ihr bewusst werden, dass es der himmlische Vater ist, der alles erschaffen und der ganzen Erde mit ihren Würdigen und Unwürdigen seine Kraft zur Entfaltung gegeben hat. Aber ehe die Seele in diese Einsamkeit geführt wird, muss man ihr sagen: “Du warst im menschlichen Leben so viel wie ein Nutzniesser von jener Gotteskraft der Entfaltung, die jenen vermehrt gegeben wird, die für das Reich Gottes leben, die Gott anerkennen. Über sie kommt der Segen tausendfach, diese Kraft des Gedeihens und der grossen Liebe.”
Diese Kraft des Gedeihens schliesst auch die Unwürdigen mit ein. Wenn sie dann in die Jenseitswelt zurückkehren, geniessen sie aber nicht dieselben Rechte wie jene, die sich zu Lebzeiten für das Reich Gottes entschieden haben. Sie gehen in der ersten Zeit dieser Rechte und Vorteile verlustig und müssen selbst um Aufnahme in das göttliche Reich bitten. Sie müssen ihre Wesensart wandeln und Gott entgegengehen. Sie müssen ihn bitten:
“Vergib mir, was ich in meiner Schwäche getan habe. Nimm mich auf in Dein Reich. Betrachte mich als ein Glied Deiner Familie. Ich will Dir fortan gehorsam sein. Ich will hier versuchen, alles zu tun, was meiner Seele von Nutzen ist. Ich will alles auf mich nehmen, um den Schaden gutzumachen, doch nimm mich auf!”
In dieser Art und Weise muss dann einer bitten, der auf Erden ohne Glauben gelebt hat. Und stellt euch diese Seele in ihrer Einsamkeit vor, zu der solche Worte gesprochen werden müssen. Denn nicht von heute auf morgen wird ihr dieses Anrecht zurückgegeben. Denn wenn einer das Bürgerrecht eines Staates erwerben will, muss er sich dementsprechend diesem Staate angepasst haben, er muss sich seiner Ordnung fügen. Man wird ihn als Bürger aufnehmen, wenn man erkennt, dass er auch wirklich dem Staate keinen Schaden zufügt. Wenn es ihm zuzumuten ist, dass er ein würdiges Glied des Volkes wird, dann wird man ihn als Mitbürger anerkennen. Und in der geistigen Welt verhält es sich ebenso. Man wird ihn erst dann aufnehmen, wenn er bewiesen hat, dass er fähig ist, sich in die Ordnung Gottes einzufinden und die Aufgaben zu erfüllen, die man an ihn stellt.
So erging es auch jener Seele, die zu ihrer grossen Überraschung erlebte, dass das Leben in der geistigen Welt weitergeht, dass es einen Gott gibt, der Herr ist über Selige und Unselige, und dass man sich im himmlischen Staate seiner Ordnung zu unterziehen hat. Und was glaubt ihr, wie diese Seele traurig war und sich selber Vorwürfe machte, weil sie es als Mensch nicht eingesehen hatte, dass es einen Gott gibt? Sie muss nun die Aufgaben, die an alle diese Wesen gestellt werden, so lange erfüllen, bis die heilige Geisterwelt Gottes überzeugt ist, dass sie diese Ordnung begriffen hat. Dann erst anerkennt man sie und gibt man ihr Unterkunft an einem schöneren Ort und reiht sie ein in eine Arbeit im Heilsplan. Erst wenn die Seele von der heiligen Geisterwelt aufgenommen wird, unterhält sie sich mit ihr und gibt ihr weiterführenden Rat. Als Glied der himmlischen Familie werden ihr nicht nur die üblichen Rechte zuerkannt, sondern dann und wann wird ihr aus der Güte Gottes und aus der Geduld und Liebe der heiligen Engel heraus gar mancher Vorteil noch beschieden sein. So wird diese Seele endlich die Herrlichkeit des Himmels erleben dürfen, aber eben lange nicht so schnell wie jene andere, die mit einem tiefen, innigen Gottesglauben zurückgekehrt ist.
So ist es doch unendlich schade, wenn so viel Zeit vorübergeht, wo man all das Herrliche nicht erleben kann, wo man so lange warten muss und die Entwicklung so hinausgezogen wird. Was vermögen wir dagegen zu tun? Wir versuchen unter den Menschen das Wort Gottes und die Wahrheit über den Himmel und die ganze jenseitige Welt zu verbreiten. Wir versuchen euch von der Herrlichkeit und Seligkeit einen Begriff zu geben wie auch das Reich und das Leben der Unseligen zu schildern. Wir versuchen Zeugnis zu geben von der himmlischen Welt, und wir überlassen es den Menschen, es zu bejahen oder zu verneinen. Doch ist unsere Hoffnung gross, dass wir durch unsere Aufopferung, durch unser stetiges Erklären, das wir dem Verständnis der Menschen anzupassen versuchen, den Menschen gewinnen und hinführen können ins Reich des Herrn. Dass es uns gelingt, ihn einzugliedern in die grosse Gemeinschaft Gottes, wo ein Glied das andere in Liebe umschlingt. Dieser grossen himmlischen Familie steht Christus vor, und über allen thront der Vater. Welch wunderbares Leben in dieser göttlichen, himmlischen Einheit!
So versuchte ich nach besten Möglichkeiten, euch die Notwendigkeit eines gerechten Lebens klarzumachen, eines verdienstvollen, göttlichen Lebens. Auf Erden schon soll man den Anschluss finden an die himmlische Familie, ans Reich Gottes, und diesen Anschluss nie mehr verlieren. Denn schade um all jene, die diese Verbindung brechen. So sollt auch ihr Gott darum bitten, dass er euch die Kraft gibt, so zu wirken und zu leben, dass ihr den Himmel für euch und viele andere gewinnt.
So möge der Segen Gottes über euch alle kommen, und er möge euch begleiten auf all euren Wegen. Möget ihr gesunden an Leib und Seele. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 1.9.1962 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)