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Gott ist der Vater aller Menschen, der Schöpfer aller Völker. Er will, dass alle, die einst beim Geisterfall den Himmel verlassen mussten, wieder zu ihm zurückfinden. Das Erlösungswerk seines Sohnes, Jesus Christus, gilt daher für alle. So verhiess Christus in der Bergpredigt den Gerechten und Friedfertigen das Himmelreich, und er sprach nicht davon, dass dies nur für die Angehörigen einer besonderen Glaubensrichtung gelte. Wie in diesem Heft erläutert wird, nimmt sich die himmlische Welt eines jeden an, der da zurückkehrt, gleich welchen Glauben er hatte. Von grosser Bedeutung ist indes das Leben, das einer auf Erden gelebt hat, seine Gesinnung; denn damit bereitet sich ein jeder selbst das geistige Haus, das ihn dereinst aufnimmt.
Im zweiten Vortrag in diesem Heft schildert Geistlehrer Josef das jenseitige Erleben zweier Menschen, die gut und edel gelebt, ihre Propheten verehrt und zu Gott gebetet hatten. Als sie verstarben, wurden sie von ihresgleichen in Empfang genommen. Mit der Zeit wurden auch sie über den Heilsplan Gottes belehrt und kamen so zur Erkenntnis, wem sie wahrhaftig ihr jetziges Glück zu verdanken haben.
Josef, 1. November 1980
Gott ist der Vater aller Menschen, der Schöpfer aller Völker. Er will, dass alle, die einst beim Geisterfall den Himmel verlassen mussten, wieder zu ihm zurückfinden. Das Erlösungswerk seines Sohnes, Jesus Christus, gilt daher für alle. Davon zeugt das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mat. 20, 1–16).
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, “Allerseelen, Allerheiligen” nennt ihr die Tage, an denen ihr ganz besonders an eure lieben Heimgegangenen denkt. Allerseelen, Allerheiligen – das sind schöne Worte, die ihr euren Heimgegangenen nachsprecht. Ihr bezeichnet sie als “Heilige”, denn ihr denkt ja ganz besonders an sie. Die ersten Christen bezeichneten die Gläubigen nämlich auch als “die Heiligen”, und ihr verwendet dieses Wort für eure lieben Angehörigen, die in der Jenseitswelt sind.
Christus sprach: “Wer an mich glaubt, wird leben, obgleich er stirbt” (Joh. 11, 25). Nicht alle Christen verstehen diese Worte, und ich muss diese Erklärungen immer wiederholen, damit auch alle diese Wahrheit erfassen können und verstehen lernen, was damit gemeint ist: “Wer an mich glaubt, wird leben, obgleich er stirbt.” Damit spricht Christus selbst schon vom Reiche Gottes, vom Reiche seines Vaters, und zwar sagt er es durch die Blume: “Wer an mich glaubt.” Denn er sagte auch: “Ich komme von oben. Mich hat der Vater gesandt.” (Joh. 5, 36; 8, 18 und 23.)
Wenn Christus erklärte: “Wer an mich glaubt, wird leben, obgleich er stirbt”, dann muss man sich darüber klar werden, dass es ein Leben nach dem Tode gibt, dass Christus als der Sohn des lebendigen Gottes aus dem lebendigen Reiche Gottes kam. Der Christ muss sich aber damit abfinden, dass es in dieser Welt zwei Herrscher gibt, die das Zepter führen. Es gibt einerseits das Reich Gottes, das den Einfluss auf die Menschen ausübt durch die Boten Gottes, durch die Engel Gottes – es ist das lebendige Reich Gottes, es ist das Reich des lebendigen Vaters. Andererseits gibt es das Totenreich [das Reich Luzifers], das ebenfalls seinen Einfluss auf die Menschen ausübt.
Zwar heisst es: “Der Tod ist bezwungen worden, der Stachel ist ihm genommen worden” (vgl. 1. Kor. 15, 54–55). Viele vernehmen auch diese Worte, aber sie wissen nichts damit anzufangen. Der Tod ist besiegt worden durch Christus. Mit diesem Tod ist nicht das Sterben des Menschen gemeint, sondern es ist das Totenreich mit seiner Macht gemeint. Jene Macht ist geschmälert worden, in jenem Totenreich wurden [nach dem leiblichen Tod Christi, beim Letzten Gericht] Bedingungen aufgestellt, die bis in die ferne Zukunft von grosser Bedeutung sein werden.
Christus sprach stets vom lebendigen Gott. Und wenn ihr jetzt in diesen Tagen vermehrt an eure Verstorbenen denkt, so hat der eine oder andere wohl seine Fragen. Man fragt sich: “Wo ist die Mutter, die ihr ganzes Leben in Aufopferung und Liebe hingab? Wo ist der Vater, der das Letzte hergab, um seine Familie ernähren zu können?” Oder man fragt sich: “Wo ist mein kleiner Bruder, der als junger Mensch in die Geisteswelt hinübergegangen ist?”, oder: “Wo ist meine Schwester oder meine Verwandte oder mein Freund, der durch ein Unglück plötzlich von dieser Welt abberufen wurde? Wo sind sie?” Niemand gibt euch Antwort, wo sie sind. Und doch könnt ihr Antwort bekommen, Antwort aus der christlichen Lehre, und ihr könnt euch eine Vorstellung davon machen, wo sie sich befinden, je nach dem Leben, das sie zurückgelegt haben.
Für den heute lebenden Menschen sollte es eine Freude sein, auf eine bessere Zukunft hoffen zu dürfen. Denn Christus hat den Sieg errungen; er hat doch wahrhaftig den Weg zum Himmelreich wieder frei gemacht und die Menschen mit Gott versöhnt. Es ist aber leider so, dass die christlichen Kirchen ihre Gläubigen nur mangelhaft in der christlichen Lehre unterrichten. Man hat so viele Fragen, und sie bleiben ein Geheimnis, sie werden als Geheimnis bezeichnet. Es wird von einem gütigen und gerechten Gott gesprochen – und Gott ist auch wahrhaftig gütig und gerecht –, aber man kann es nicht verstehen, warum in dieser Welt so viel Not ist, wenn Gott doch so gütig und gerecht ist. Wer etwas vom Heils- und Erlösungsplan kennt, der weiss, warum Christus in dieses menschliche Dasein trat. Darüber Bescheid zu wissen, ist eine Notwendigkeit. Ebenso wichtig wäre es, wenn man dem Gläubigen sagen könnte, woher er kommt. Und zwar müsste man ihn zuerst fragen: “Weisst du eigentlich, woher du kommst?” Und erst nachher muss die Frage gestellt werden, wohin man geht. Denn zuerst kommt man. Und woher kommt man? Das soll dem Christenmenschen zuerst erklärt werden, und es ist doch wahrhaftig kein Geheimnis, woher er kommt; das kann doch erklärt werden.
Aber verhält sich der Gläubige selbst nicht auch paradox? Einerseits feiert er die christlichen Festtage, andererseits denkt er von einem Mitmenschen, der sich getraut, von der geistigen Welt und ihren Verhältnissen zu sprechen, mit dem stimme etwas nicht. Vielmehr stimmt mit einem solchen Gläubigen selbst doch etwas nicht. Er glaubt an Gott, er glaubt als gläubiger Mensch an Christus, glaubt auch an die Aufgabe [der Erlösung], die er erfüllt hat; so sollte er doch auch den Sinn des menschlichen Daseins Christi erkennen, warum er in diese Welt gekommen ist.
Des Öftern hat Christus gesagt: “Ich bin vom Vater im Himmel ausgegangen” (vgl. Joh. 16, 27–28). Ihr könnt euch vorstellen, wie erstaunt die Menschen waren, die das hörten. Denn sie kannten doch seine Familie – und er sagte nun plötzlich: “Ich bin vom Vater ausgegangen.” Er aber brachte Beweise dafür, dass er vom Vater ausging; er brachte Beweise dafür, dass er Gottes eingeborener Sohn war. Warum erklärt man dem Gläubigen nicht die Wirklichkeit, warum es notwendig geworden war, dass Christus in dieses menschliche Dasein trat – nämlich um die gefallenen Geschöpfe Gottes wieder zurück zum Vater zu führen?
Ein guter irdischer Vater sorgt für seine Familie; er sorgt vielleicht mit Mühe und Aufopferung für die Seinen. Es ist ja auch seine Pflicht. Er hat ein Sorgerecht, das ihm zugesprochen und zugemutet wird, als Vater für die Familie zu sorgen. Ein guter Vater sorgt für die Familie. Der himmlische Vater wird in allen Weltreligionen gepriesen als der Gütige, als der Barmherzige, als der Mächtige und der Weise. Und was dem irdischen Menschen als Pflicht und Aufgabe bestimmt ist, betrachtet auch Gott als seine Aufgabe. Auch er – um es etwas menschlich auszudrücken – hatte dieses Sorgerecht für seine Geschöpfe übernommen. Aber wieso musste er das? Wieso musste diese Welt geschaffen werden? Ich habe die Erklärung dazu schon des Öftern gegeben. Ich will jetzt nur darauf hinweisen, dass Gott in seiner Güte und in seiner Gerechtigkeit diese Wege [die verschiedenen Lebensformen auf Erden] bereitete, um den Gefallenen die Möglichkeit zu schaffen, wieder zu ihm zurückzufinden; es soll wieder eine Familie geben wie einst, es muss also wieder eine Heimkehr geben. Gott hatte sich der Geschöpfe erbarmt, die wegen ihres Ungehorsams aus den Himmeln verstossen worden waren.
In der christlichen Lehre spricht man so wenig über die wahre Ursache [für die Erschaffung der irdischen Welt]. Doch wenn man den Grund, die wahre Ursache, nicht kennt, kann man sich auch die Fortsetzung dieses Heilsplans und dieser Schöpfung nicht richtig vorstellen. So gibt es dann unwillkürlich die sogenannten Geheimnisse, weil man nicht mehr weiterweiss. Und warum weiss man nicht weiter?
Ja, liebe Geschwister, es muss zur Erfüllung des Heilsplans kommen. Und da spielt es keine Rolle, wie viele Milliarden von Jahren es gehen wird. Denn schliesslich ging es ja auch so lange, bis überhaupt der erste Mensch in dieses Dasein treten konnte. Darum heisst es ja auch: “Bei Gott sind tausend Jahre gleich einem Tag” (Ps. 90, 4; 2. Pet. 3, 8). Die Zeit wird nicht bemessen wie beim Menschen.
Nun fragen sich gerade Christen, die sich die Mühe nehmen, etwas nachzudenken und nach den Ursachen zu suchen, um eine Antwort auf Probleme zu bekommen: “Warum gibt es denn so viele Weltreligionen? In der Christenheit wird gesagt, Christus habe der Menschheit die Erlösung gebracht. Aber es wird ja nur von den Christen gesprochen – sind denn die andern auch erlöst? Und wenn Gott der Vater aller Geschöpfe ist, ist es dann richtig, dass eine Kirche behauptet, sie wäre die allein selig machende, nur durch sie, nur durch das Befolgen der von ihr verkündeten Lehre würde man in das Himmelreich kommen?”
Wer sich erhöht, der wird dereinst erniedrigt werden. Was Gott zu gefallen hat, hat kein Mensch zu bestimmen. Wenn es so verschiedene Religionen gibt und Gott unter verschiedenen Namen gepriesen und als der Gütige, als der Gerechte betrachtet wird – denn Gott hat viele Namen –, soll es da Unterschiede geben bei der Heimkehr? Sollen da die einen besondere Aufnahme finden, während die andern draussen stehen müssten oder überhaupt nicht in die Himmel eintreten könnten?
Ja, liebe Geschwister, wenn man all diese Dinge genau betrachtet, findet man die Antwort dafür. Gott ist der Gerechte und der Gütige, und er hat seinen Sohn in diese Welt gesandt, um zu erlösen, um zu erretten, und nicht, um zu richten. Der Schöpfer will sie alle wieder bei sich haben. Und wenn es Gläubige gibt, die Christus nicht als den Erlöser anerkennen, so ist für sie das Tor zum Himmel trotzdem offen; sie kehren ebenso zurück ins Himmelreich. Und so sie in ihrem menschlichen Dasein in Unkenntnis lebten über diesen Erlösungsplan, werden sie in der Jenseitswelt darüber unterrichtet werden. Engel Gottes belehren sie dort, und es wird ihnen dann die Gelegenheit gegeben, in einem neuen Erdendasein unter Beweis zu stellen, dass sie das, was sie gelehrt worden sind, in ihrem neuen Dasein als Mensch zu verwirklichen vermögen. Vielen Menschen fällt es allerdings schwer, zu glauben, dass man wiedergeboren wird. Man hält sich für so gut, dass man nichts mehr in Ordnung zu bringen hätte. Aber so ist es nicht. Man hat wahrhaftig noch vieles wiedergutzumachen.
Wenn die Zeit kommen muss, dass sich alles vervollkommnet auf dieser Welt, dann kann es ja nur eine Religion geben, einen Glauben. Doch wie weit entfernt sind die Menschen noch von diesem einen Glauben. Es werden oder es wurden schon Schritte dafür unternommen, wenigstens einmal unter den Christen miteinander ins Reine zu kommen. Aber es ist noch lange nicht so weit, es wird noch lange gehen, bis diese Einheit unter den Christen zustande kommt. Aber es muss so weit kommen, es gibt einen Anfang dafür, und dieser Weg wird beschritten werden. Die Zeit spielt gar keine Rolle.
Man sollte sich aber einmal überlegen: Wenn es einen Gott gibt, der gerecht und der Vater aller ist, dann liebt er auch alle und gibt allen die Möglichkeit, den Weg zu ihm zu finden. Denn er hat wahrhaftig das Sorgerecht und übt es aus durch seine Boten, damit alle umsorgt werden und heimkehren können. Doch dafür braucht es eben seine Zeit, wie auch dafür, dass die Menschen eins werden in ihrem Glauben, eins in der Wahrheit und im Glauben. Fängt dann jene Zeit an, wo Menschen in Gottes Namen oder in Christi Namen einander näherkommen, einander achten und schätzen, dann fängt auch eine bessere Zeit an in dieser Welt. Noch ist dies weit entfernt. Betrachtet die Welt von heute mit ihrer Herrschsucht, mit ihrer Herrschaft, die da und dort ausgeübt wird – während doch Christus darauf hingewiesen hatte, auf welche Art und Weise man einander näherkommen sollte. Hat er nicht wunderbar in der Bergpredigt diese Seligpreisung gemacht? Als selig hat er die Armen im Geiste bezeichnet (Mat. 5, 3). Und was heisst das: “Selig sind die Armen im Geiste”?
Auch diese Aufklärung über den Heilsplan gehört in die christliche Lehre hinein. Gibt es doch unter den Menschen wahrhaftig viele, die davon nichts wissen, die keinen Glauben haben. Und so sollte es möglich sein, diese Menschen, die arm sind im Geiste oder in ihrem Denken, vom Glauben zu überzeugen, ihnen die Erklärung dafür zu geben und sie so weit zu bringen, dass sie Ja sagen müssen zum Glauben, dass sie umkehren von ihrem Unglauben oder Nichtglaubenkönnen. Man sollte sich ihrer annehmen, aber nicht mit Zwang; sondern sie, die arm sind im Geiste, müssen selbst, von sich aus die Energie aufbringen zu glauben, den Willen aufbringen, den Glauben und die Wahrheit zu suchen. Und finden sie dann diesen Glauben, so wird ihnen der Weg zum Licht geebnet.
In der Bergpredigt werden auch die Gerechten und die Friedfertigen seliggepriesen, dass sie die Herrlichkeit des Himmels erleben dürfen (Mat. 5, 6 und 9–10). Christus sagte aber nichts davon, dass dies nur für die Angehörigen einer ganz besonderen Glaubensrichtung gelte, dass nur sie selig würden im Himmel. Sondern Christus hat vielmehr das Tugendhafte betont, die Friedfertigkeit und die Gerechtigkeit. Wer in diesen Tugenden lebt, sollte selig sein und die Himmel erleben können. Es gibt in den verschiedensten Glaubensrichtungen wahrlich gute Menschen, die nach der Gerechtigkeit ausgerichtet sind und deren Herz voller Güte ist. Auch sie werden von den Engeln Gottes in die himmlische Welt geleitet werden, und es wird nicht gefragt: “Zu welcher Kirche hast du dich bekannt?” Denn Kirche heisst Herrschaft Gottes.
Sobald man den Schritt ins Jenseits macht, begegnet man anderen Verhältnissen, als man es sich vorgestellt und erwartet hat. Es ist nicht so, wie Menschen behaupten, dass es richtig sei. Daher sollte man dem gläubigen Menschen den Himmel auftun und ihm die Wahrheit sagen. Und dieses ist möglich, so wie es möglich ist, dass alle Gläubigen einmal den Weg zueinander finden werden. Denn es muss eine Einheit geben im Glauben, denn Gott ist der Schöpfer aller. Und das ist ja gerade das Wunderbare: wissen zu dürfen, dass es im Himmelreich verschiedene Völker gab und gibt und dass diese Völker sich in ihrem Aussehen voneinander unterscheiden. Wenn man den Himmel in seiner Herrlichkeit preist, so gehört doch zu dieser Herrlichkeit eine Vielfalt und keine Einseitigkeit. Eine grosse Vielfalt macht die Himmelswelt zu einer wahren Pracht. Das kann doch dem Gläubigen vermittelt werden, und es sind noch Schriften vorhanden, die die Bestätigung dafür geben. Darum sagte ich, ich finde es einfach paradox: Einerseits glaubt man an Gott, und man erwartet, dass die lieben Angehörigen im Reiche Gottes sind, aber anderseits will man so wenig wie möglich darüber reden.
Nein, frei und offen muss man sein, und die ganze Wahrheit muss in die christliche Lehre hinein. Dann werden die Menschen den Weg zum wahren Glauben wieder finden. Denn es gibt keine Geheimnisse, abgesehen von Gottes Person, die man dem Menschen nicht erklären kann. Aber was geschehen ist, was geworden ist, wer der Erstling in der Schöpfung war, das kann man doch wohl sagen. Man kann auch erklären, wie sich der Himmel entfaltet hat. Auch über die Freiheit muss man reden, die im Himmel den Heiligen gegeben wurde. Denn darin liegt ja die Ursache [der Trennung von Gott und des Daseins auf dieser Erde]: Den Geschöpfen Gottes war eine Freiheit gegeben worden, die missbraucht und zum Verderben wurde. So musste ein Teil der Geschöpfe wegen Ungehorsam den Himmel verlassen.
In der Christenheit werden von Zeit zu Zeit die christlichen Botschaften verkündet: Man spricht von der Geburt des Herrn; dann werden Erklärungen gegeben zu seinem Leidensweg, man spricht von seiner Aufopferung, von seiner Hingabe als Menschensohn; dann feiert man das Osterfest, man feiert die Auferstehung. Aber in Wirklichkeit denkt man nicht weiter über diese Botschaften nach. Und so ist es eine Bedingung, einmal zu fragen: “Woher komme ich?” Denn zuerst warst du im Himmelreich, zuerst leuchtete deine Seele in vollem Glanz im Himmelreich. Und vieles ist dann geschehen, dass eine Menschwerdung notwendig wurde, und lange hat es gedauert, bis diese Menschwerdung überhaupt möglich war. Man muss sich also darüber klar werden, dass die wirkliche, die geistige Geburt von einem selbst im Himmelreich stattfand. Dort erblickte jeder zuerst das Licht der geistigen Welt. Das ist Wahrheit. Aber dem Menschen fällt es schwer, dies zu glauben. Andererseits ist man wieder bereit, Dinge zu glauben, aber nicht die ganze Wahrheit. Die Wahrheit wird nicht verbreitet und kann nicht Fuss fassen, wenn das Hauptsächliche verschwiegen wird. Dem Gläubigen muss die ganze Wahrheit gesagt werden. Er muss den Sinn seines Lebens erkennen können, und er muss das Schicksal, das die Welt auf sich trägt, erfassen können. Denn die Welt hat wahrhaftig noch ein Schicksal. Auch darüber habe ich gesprochen, darüber habe ich in den vergangenen Jahren immer wieder etwas erklärt.
Man kann zum festen Glauben kommen, wenn man nach dem Ursprung des Lebens forscht und sich fragt: “Woher komme ich?” Wenn man sich dann im Laufe der Zeit darüber klar wird, woher man kommt, dann stellt sich die andere Frage: “Wohin gehe ich, wenn ich von dieser Welt scheiden muss?” Die Antwort ist einfach: “Dahin, woher du gekommen bist, solltest du wieder zurückkehren.”
Nun sind aber in diesem Zusammenhang noch viele weitere Fragen zu beantworten. Denn der Weg der Rückkehr zu Gott ist ein schwerer Weg. Der Weg, den ein jedes hier Anwesende bis jetzt gegangen ist, war voll der Dornen, ohne Ausnahme. Habt ihr ja keine Ahnung, woher ihr gekommen seid, wohin man euch geführt hatte, als man euch im Himmel nicht mehr wünschte, als ihr nicht mehr begehrt wart im Himmel – ich sage es einmal so. Man hatte euch aus den Himmeln geführt, und dieser Himmel blieb für euch geschlossen, und zwar blieb er so lange geschlossen, bis Christus kam und die Tore wieder öffnete. Und darüber sollte man eben auch die ganze Wahrheit kennen und wissen, wie das zustande kam. Auch darüber habe ich im Laufe der Zeit immer wieder Erklärungen gegeben. Und der Mensch sollte es mit seinem Denken aufnehmen können, indem er die Natur betrachtet und erkennt, wie wunderbar der Weg für den Aufstieg bereitet wurde. Dornenvolle Wege habt ihr durchschritten, bis ihr den gegenwärtigen Punkt der geistigen Entwicklung eures Menschseins erreicht habt. Davon habt ihr ja keine Ahnung. Aber wie interessant wäre es doch, zu wissen – und zwar im Allgemeinen und nicht nur von sich selbst, persönlich –, woher man kommt, welche Wege man durchschritten hat, wie dieser geistige Aufstieg ganz allgemein vor sich geht. Dieses zu wissen, ist für den Menschen etwas Wunderbares und sehr sinnvoll, denn er bereichert sich mit diesem Wissen. Und vieles kann er noch aus eigener Kraft selbst erwerben, er kann aus eigener Kraft noch zu höheren Erkenntnissen kommen, indem er sich einfühlt in dieses Geschehen, mitlebt mit jener Zeit, die vergangen ist, und diesen Aufstieg erlebt wie im Film. Aber dazu braucht es wahrhaftig viel. Es braucht Kraft, menschliche und geistige Kraft und vor allem Ausdauer.
Hat man sich dann auf diesem Weg der Wahrheit zurechtgefunden, fühlt man sich frei und froh. Denn man lernt so vieles kennen und findet die Antwort auf so viele Probleme. Man versteht auch die Not des Nächsten und weiss, warum er in Not leben muss, so er sie nicht aus Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber selbst verschuldet hat. Denn jeder Mensch, der in dieses Dasein tritt, kommt auch mit einer gewissen geistigen Verantwortung, die er zu tragen hat; er kann – vom geistigen Standpunkte aus – nicht machen, was er will. Er hat sich an Ordnung und Gesetz zu gewöhnen. In der Himmelswelt herrscht Ordnung bis ins Letzte, es ist alles durchdacht, und die Gesetze im geistigen Reiche müssen beachtet und befolgt werden, so wie es auch bei euch Menschen mit den irdischen Gesetzen der Fall ist.
Liebe Geschwister, Christus gab in seiner Lehrzeit symbolische Erklärungen, er sprach sehr viel in Gleichnissen. Die Menschen damals waren so bescheiden in ihrem Denken, sie waren nicht geschult, wie ihr es heute seid. Christus hatte ihnen so manches bildlich dargelegt; denn es war ihm doch in seiner kurzen Lehrzeit nicht möglich, ihnen die ganze Wahrheit darzulegen. Daher versprach er ja auch, die Geister der Wahrheit zu senden, die seinen Auftrag erfüllen werden. Wenn Christus aber mit seinen Jüngern allein war, versuchte er ihnen die Dinge näher zu erklären. Manchmal vermochten sie es zu verstehen und ein andermal wieder nicht. Wenn Christus beispielsweise von seinem Reiche sprach, dachten die Jünger, dieses Reich würde auf dieser Erde erstehen; sie glaubten an ein irdisches Reich. Sogar in der ersten Zeit, nachdem Christus von ihnen gegangen war, erwarteten sie seine Wiederkunft; sie warteten und hofften, er würde wieder zur Erde kommen und hier sein Reich begründen.
Christus gab doch so viele Beispiele, und in einem seiner Gleichnisse verglich er das Himmelreich mit einem Hausvater: “Das Himmelreich gleicht einem Hausvater, der morgens früh ausgeht, um Arbeiter für seinen Weinberg zu dingen.” Und weiter heisst es in diesem Gleichnis (Mat. 20, 1–16): Dann machte der Hausherr mit den Arbeitern einen ganz bestimmten Geldbetrag ab – ich möchte es jetzt nach euren Begriffen darlegen. Er geht frühmorgens und bestimmt den Taglohn für sie; er bestellt sie also in diesen Weinberg, und sie gehen hin. Dieser Hausherr geht im Laufe des Tages noch öfters aus, um Arbeiter zu suchen, und er stellt sie alle an, um im Weinberg zu arbeiten. Und für alle bestimmt er denselben Lohn, sogar für die, die erst in der letzten Stunde kommen. Wie es im Gleichnis heisst, hatte er noch in der letzten Stunde Arbeiter gedungen, und sie bekamen denselben Taglohn wie die, die den ganzen Tag bei grosser Hitze hatten arbeiten müssen.
Da fingen diese, die den ganzen Tag gearbeitet hatten, an zu schimpfen: Es sei nicht recht, dass sie denselben Lohn bekämen wie jene, die nur eine Stunde gearbeitet hatten. Dann heisst es im Gleichnis, der Hausvater habe ihnen die Erklärung gegeben, er hätte ihnen den Lohn bestimmt, und es könne ihnen doch gleich sein, zu welchem Lohn er die andern Arbeiter angestellt habe. Sie sollten sich nicht darum kümmern. Er habe Wort gehalten und ihnen gegeben, was versprochen war, und sie hätten doch kein Recht, seine Güte zu beanstanden, wenn er gleich viel Lohn denen zahle, die weniger gearbeitet. Und dann sagte er im Weiteren: “Es ist so: Die Ersten werden die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.” Nach dem heutigen Sprachgebrauch würde ich es so formulieren: Die Letzten werden zu den Ersten gezählt, und die Ersten werden zu den Letzten gehören. Und wie ist das gemeint?
Die ersten Menschen, die sich als Erste auf dem Weg zurück zu Gott befunden haben, mussten lange warten, bis Christus kam und ihnen das Tor zum Himmel öffnete. Sie, die als Erste in ein menschliches Dasein getreten waren, mussten lange Wege [von Inkarnation zu Inkarnation] durchschreiten und lange warten, bis sie ins Himmelreich eintreten konnten. Zwar waren sie im irdischen Dasein die Ersten gewesen; sie mussten aber länger warten, bis ihr Streben nach himmlischer Seligkeit in Erfüllung gehen konnte. Andrerseits vermochten jene, die als Letzte [vor Christi Erlösungstat] in ein menschliches Dasein traten, schneller in die Herrlichkeit einzugehen. Insofern gehörten sie zwar zu den Letzten, jedoch mit zu den Ersten, die wieder ins Himmelreich zurückkehren durften; ihre Wegzeit war kürzer bemessen.
In dieser Weise ist das Herrenwort aufzufassen. Denn alles, was Christus erklärte, stand doch in Beziehung zu seinem Erlösungswerk; alles stand in diesem Zusammenhang. Und wenn man durch eigene Erkenntnis zu diesem Wissen kommt, freut das den Einzelnen sicher. Aber hier liegt eben die Lösung: Man muss wissen, warum Christus in dieses irdische Dasein trat – dass sein Ziel die Befreiung, die Erlösung der Abgefallenen war. Alles, was er lehrte, war auf dieses Ziel ausgerichtet. Davon zeugen seine Darlegungen, wie beispielsweise eben auch die eingangs erwähnten Worte: “Wer an mich glaubt, wird leben, obgleich er stirbt.” Ja, denn nachdem Christus zum Vater heimgekehrt war, stand der Himmel offen. Seither können die Seelen der Verstorbenen ins Himmelreich zurückkehren. Jene, die in ihrem Erdenleben an ihn glaubten, werden von den Engeln Gottes in ihrem Aufstieg gefördert und geführt. Und jene, die im Unglauben lebten, müssen noch etwas abseitsstehen und können nicht gleich den Himmel wieder erleben; sie müssen ihn zurückgewinnen, sie müssen das Ihrige dazu leisten.
Und so hat es auf diesem Weg zur Herrlichkeit des Himmels eben manche Stufe, manche Ebene oder manche Plattform, wo man stehen bleibt und warten muss, bis man zu einem neuen Erdendasein gerufen wird, damit man es in diesem neuen Erdendasein besser macht, damit man wiedergutmacht, was man im früheren Leben falsch getan. Denn von all dem, was man in der geistigen Welt erlebt und worüber man belehrt wird, bleibt etwas im Innersten der Seele, und es kann im Erdenleben wieder offenbar werden. Wenn der Mensch in der Wahrheit und im Glauben lebt, wenn sein Leben Gerechtigkeit heisst, dann kann er zu höheren geistigen Erkenntnissen kommen. Und glaubt mir, liebe Geschwister, es ist etwas Wunderbares, den Schöpfungsplan Gottes zu erkennen. Und ein jeder soll das Seinige leisten, um in die Herrlichkeit des Himmels einzugehen, um wieder in Empfang zu nehmen, was ihm einst gehörte. Denn er ist und bleibt ja Erbe Gottes und wird wieder in Empfang nehmen, was ihm einst gehörte an geistigem Besitz und an geistigen Talenten. Alles wird ihm mit der Zeit zurückgegeben.
Wenn ihr jetzt in diesen Tagen besonders an eure lieben Angehörigen in der Jenseitswelt denkt, dann seid nicht traurig, sondern hebt eure Gedanken empor in Liebe und Frohmut. Wünscht ihnen das himmlische Glück und schliesst sie ein in euer Gebet. Denn ein inniges Gebet ist wie ein Funke, der denjenigen erfasst, für den es bestimmt ist, und der ihn erfreut und beglückt im Wissen: Man ist eins, eins im Glauben an den Schöpfer.
So, liebe Geschwister, versucht nachzudenken über all das, was ich euch gesagt habe – oder wenigstens über einiges davon. So wird der Segen Gottes mit euch sein, und diesen Segen sollt ihr spüren. Je inniger ihr in der Wahrheit mit dem Göttlichen verbunden seid, je aufrichtiger ihr seid in eurem Innersten, desto mehr werdet ihr von den Engeln des Himmels begleitet, und der Segen entfaltet sich über euch. Das heisst, ihr werdet behütet und beschützt vor Not und Gefahr. Aber dafür müsst ihr das Eurige leisten, denn der Himmel gibt nicht einfach ohne Weiteres von seinem Glück und von seiner Herrlichkeit her. Denn dafür ist man in dieses irdische Dasein gekommen: Man muss die Wahrheit erkämpfen und um sie werben, man muss die Wahrheit erringen.
So, liebe Geschwister, entlasse ich euch mit dem Segen Gottes. Er soll euch behüten und beschützen auf all euren Lebenswegen. Und gesunden sollt ihr, wer da krank ist, sei es an Leib oder Seele. Wenn du glaubst, wenn du wirklich glaubst und ehrlich bist, so gesunde an Leib und Seele. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 1.11.1980 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 13. September 1975
Geistlehrer Josef berichtet in diesem Vortrag von verstorbenen Menschen, die auf Erden nicht dem christlichen Glauben angehörten. Gottes Gerechtigkeit und Liebe ist wirksam bei einem jeden, der in die jenseitige Welt eintritt, unabhängig davon, welchen Propheten er verehrte oder welcher Religion er angehörte. Er wird darüber unterrichtet, wem er es zu verdanken hat, wieder ein Kind und Erbe Gottes zu sein.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Freunde, bevor die Erlösung durch Christus stattgefunden hatte, da wurde die Menschheit vor Gott als Knechte und Mägde betrachtet – Knechte und Mägde waren es. Durch Christi Erlösungstat wurde der Menschheit die Kindschaft Gottes wiedergegeben; dadurch wurden die Menschen wieder Erben am Reiche Gottes. Hingegen hatten vor der Erlösung durch Christus all jene, die man als Knechte und Mägde bezeichnete, keinen Anteil am Reiche Gottes, so wie im irdischen Sinne eine Magd oder ein Knecht nicht erbberechtigt ist am Gut des Meisters. So war es auch im Geistigen: Jene, die in das Reich Luzifer, in das Totenreich, gehörten, dort eingegliedert waren, blieben die Getrennten, die Unmündigen – sie konnten keinen Anteil haben am Reiche Gottes. Ausnahmen waren solche Menschen, die keine Schuld hatten an der Trennung von Gott, die nicht zum Reich der Toten gezählt wurden; es waren die Propheten, die als die Vorläufer Christi bezeichnet werden konnten. Aber die Menschheit blieb von Gott getrennt.
Ich glaube kaum, dass man im heutigen Sprachgebrauch noch von “Knechten” und “Mägden” spricht. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass auch jene Sprache von damals und der Sinn jener Ausdrücke mit denen in der heutigen Zeit nicht mehr übereinstimmen; denn die Sprache hat sich verfeinert. Jene Wörter haben einen anderen Sinn bekommen, sie sind zu hart; heute spricht man wohl kaum mehr von einer Magd, ein solches Wort hat heute nicht mehr Gültigkeit. Einst aber war es so, man brauchte solche Wörter, und man nahm keinen besonderen Anstoss daran; jene Sprache hatte nicht diese Feinheit von heute.
So wurde damals – besonders im Alten Testament liest man davon – auch viel vom “Zorn”, von der “Rache” Gottes gesprochen. Diese Worte hatten zu jener Zeit jedoch eine andere Bedeutung als heute. Heute legen Menschen, die solches lesen, es nach ihren momentanen Begriffen aus. Sie finden, dass etwas nicht stimmen könne, und manche verwerfen dann gerade alles. So sagen sie sich: “Gott kann doch nicht von seiner Rache, von seinem Zorn sprechen.” Gewiss, nach dem heutigen Sprachgebrauch ist solches nicht mehr zulässig. Es sollte einem Geistgläubigen doch selbst in den Sinn kommen, dass solches nicht mehr vereinbar ist mit der heutigen Ausdrucksweise. Gott kann niemals Rache an dem nehmen, was er geschaffen hat, und ebenso wenig kann man vom Zorn Gottes sprechen. Mit dieser Rache, von der dazumal geredet wurde, ist vielmehr – nach den heutigen Begriffen, die ihr habt und mit denen man es euch verständlich machen kann – nichts anderes gemeint als die Wiedergutmachung. Vielleicht gab es damals einfach dieses Wort nicht, man verstand nichts von Wiedergutmachung. Denn Gott lässt ja einen zurückgekehrten belasteten Geist so oft in das menschliche Dasein wiedereinverleiben, bis er seine Fehler abgelegt oder seine Schuld wiedergutgemacht hat. Das ist Wiedergutmachung – aber von Rache kann nicht gesprochen werden.
Was dazumal über die weite Zukunft, über das bevorstehende aufsteigende Leben auch angedeutet wurde, das konnten die Menschen jener Zeit nicht verstehen. Sie verstanden noch sehr wenig von der Schöpfung Gottes, von ihrem Dasein, von ihren Aufgaben. Und ganz besonders zu jener Zeit, da die Erlösung noch nicht stattgefunden hatte, konnte das Böse viel mehr beim Menschen wirken, denn die Hölle war offen, und das Böse, die bösen Geistwesen, hatten Möglichkeiten genug, Werkzeuge zu finden. Denn jene Menschen von dazumal, vor der Erlösung Christi, gehörten ja in das Totenreich; sie hatten keinen Anteil am Reichtum Gottes, sie konnten ja nicht zu Gott zurückkehren, sie waren nicht in sein Reich eingegliedert.
Vielleicht sollte man auch nicht von “Totenreich” sprechen, weil Menschen von heute eben auch unter dem Wort “tot” etwas anderes verstehen: Sie meinen das Sterben, das Gestorbensein. Im Geistigen aber heisst es eben: getrennt sein, nicht mehr zugehörig sein – also nicht mehr zugehörig zu Gott, getrennt von Gott, oder eben der geistige Tod, das Reich der Toten, das Totenreich. Man spricht ja auch vom “lebendigen Reich”. Das lebendige Reich ist das Reich Gottes. Und das Reich des Toten ist das Reich Luzifer. Es sind also zwei Reiche – heute noch.
Nun, zu jener Zeit, als die Erlösung noch nicht stattgefunden, hatte die Menschheit auf diese Erlösung zu warten. Doch auch in ihrer Welt des Getrenntseins von Gott wurde ihnen die Botschaft zugetragen: “Ihr müsst nicht ständig von Gott getrennt leben” – man brachte ihnen Hoffnung. Nun waren da die einen, die an diese Hoffnung glaubten; andere aber vermochten dieser Hoffnung nicht zuzustimmen, denn schon so lange dauerte die Not und das Leid, und man hoffte schon so lange. Doch was Gott verspricht, ist Wahrheit und wird seine Erfüllung finden. So ist ja durch Gottes Willen Christus in die Welt getreten, er ist in dieses menschliche Dasein gekommen und hat selbst die Menschwerdung angenommen.
Ich möchte diese Erklärungen ganz besonders an jene Freunde richten, die die Geisteslehre noch nicht so gut kennen. Zudem hat es auch Freunde, die mir schon Jahre hindurch zuhören, aber das Wort Gottes, das zu ihnen gesprochen wird, die Wahrheit Gottes, vermögen sie einfach noch nicht zu fassen; sie werden dann und wann wieder unsicher, und Zweifel kommen in ihnen auf. Ich habe das letzte Mal [im Vortrag vom 6. September 1975] Näheres darüber gesprochen und möchte es jetzt nicht wiederholen.
Nun, ich versuche jeweils, euch die Welt der Ewigkeit vor Augen zu führen. In diese Ewigkeit, die Wirklichkeit ist, kehrt jedes Leben zurück, denn durch Christi Erlösungstat ist es Erbe der Ewigkeit geworden. Es ist schade, dass in der Christenheit die Wahrheit nicht verkündet wird; damit meine ich eben das Wirkliche, so wie es wirklich ist. Vielleicht aber vermögt ihr doch etwas davon zu begreifen. Auch jene Menschen von dazumal, die etwas ganz anderes aus der christlichen Lehre gemacht haben, verstanden nicht, was ihnen gesagt wurde, was in den Evangelien verkündet wird. In diesen ist doch ständig von Geistern die Rede, von guten und von bösen. Doch davon will man heute nichts wissen, und auch dazumal hatte man es nicht richtig verstanden. So hat sich etwas eingebürgert und festgewurzelt in der christlichen Lehre, was nun Jahrhunderte hindurch so verkündet wurde. Und nun ist es heute einfach nicht so leicht, das, was sich in die Seelen dieser Menschen eingewurzelt hat, zu lösen und sie zu anderer Erkenntnis zu bringen. Das will man nicht so ohne Weiteres verstehen. Man hat sogar aus der christlichen Lehre eine Wissenschaft gemacht, doch die christliche Lehre hat mit solcher Wissenschaft wahrhaftig nichts zu tun.
Ich versuche jeweils, euch die Geisteslehre lebendig zu gestalten, Beispiele vor euer irdisches Auge zu führen, sodass ihr es als Menschen besser verstehen und begreifen könnt. Dies habe ich Jahre hindurch getan. Und es wird mir auch nichts anderes übrig bleiben, als immer wieder davon zu erklären und zu erzählen, um die Wahrheit zu festigen, damit die Wahrheit in die Herzen und Seelen der Menschen Eingang findet und sich festwurzelt und dieser Glaube für die Zukunft etwas Bestehendes, Beständiges sein wird.
Mag diese Wahrheit von gewissen Menschen auch nicht angenommen und als unglaubwürdig dargestellt werden – die Wahrheit Gottes wird über alle Klippen und alle Hindernisse hinweg ihren Weg finden. Würde dies nicht geschehen, gäbe es keine Aufwärtsentwicklung. Eine Aufwärts- und Vorwärtsentwicklung kann es nur geben, wenn der Mensch in die Wahrheit eingeweiht wird und so zu höheren geistigen Erkenntnissen gelangt. Er wird etwas vom Reiche Gottes begreifen und verstehen lernen, wenn er sich mit der Schöpfung Gottes befasst und ebenso mit der Erlösungstat Christi. Dies alles hat viel mehr zu sagen, als die Menschen es im Allgemeinen erachten, die sich nur auf die Feiertage verlassen und sonst mit dem Christentum nicht viel zu tun haben.
Die Aufgabe ist es, den Menschen an die Wahrheit zu binden, ihm diese Wahrheit zu offenbaren, ihn auf diesem Weg näher zu Gott zu führen, damit der einzelne wieder in ein enges, persönliches Verhältnis zur göttlichen Welt kommt und ihm diese andere Welt etwas bedeutet. Dadurch wird ihm klar, dass er als Mensch, gleich wo er steht, seine Aufgaben im Leben erfüllen muss und dass ihm, wie einem jeden Menschen, von höherer Seite Pflichten aufgetragen sind. Diese Pflichten und Aufgaben muss der Mensch erfüllen. Erfüllt er sie nicht, weil er zu weit von Gott entfernt ist und es nicht versteht, wird er eben so oft wieder in dieses menschliche Dasein zurückgesandt, bis er zu diesen höheren Erkenntnissen kommt. So verlängert er seinen Weg zu Gott, und es ist wohl um einen jeden schade, wenn er den Abstand zu Gott vergrössert, statt ihn verkleinert. Erbe sein vom Reiche Gottes hat wahrlich eine grosse Bedeutung!
Wenn ein Mensch behauptet, er wäre ein glücklicher Mensch, glücklich in dieser Welt, so möchte ich ihm sagen: Ja, vielleicht, nach deinen menschlichen Gefühlen. Aber hier spricht ja nur der Mensch. Wahres Glück kann man nur im geistigen Reich erleben, wahres Glück ist nur geistig. Und wenn ich von diesem geistigen Glücke rede, dann meine ich damit etwas, was lebendig ist, was man erleben kann.
Hier auf Erden ist es für Menschen so schwierig, dieses zu erkennen und zu verstehen, weil ihnen ihr persönliches menschliches Denken im Wege ist. Sie wollen ja nur das glauben, was sie als Menschen sehen und verstehen können. Aber jeder Mensch ist doch ein einverleibter Geist, und in diesem Geiste ist etwas Kostbares: die Seele mit dem Funken Gottes, den man von Gott geerbt hat. Und dadurch ist man Gott zugehörig – nun wieder aufgenommen durch Christus, der als König der Geisterwelt Gottes im Reiche Gottes thront.
So muss man sich eben mit dem Gedanken befassen, dass man nach dem Tode weiterlebt, jedoch ohne diesen irdischen Leib. Man besitzt neben diesem irdischen Leib einen geistigen Leib, und als lebendiges Wesen tritt man nun – da die Erlösung stattgefunden hat – ins Reich Gottes ein. Das Reich Gottes aber ist gross, unendlich, und es gibt viele Stationen, viele Orte, wo diese Verstorbenen hingelangen. Es muss doch da auch ein Platz sein für jene, die ihren Abstand zu Gott vergrössert haben. Die Glücklichen aber sind diejenigen, die den Abstand zu Gott verringert haben und näher an ihn herankommen können. So versucht nun, die Unendlichkeit, die Unendlichkeit Gottes zu begreifen – diese gewaltige Schöpfung, die beseelt, belebt ist und eingeteilt in gewisse Stufen, in glücklichere Ebenen und auch in weniger glückliche.
Nun, üblicherweise versuche ich, euch dies darzustellen, und berichte von verstorbenen Menschen, in erster Linie von solchen christlichen Glaubens. Es wäre aber nicht ganz richtig, allein von Christen zu reden, nur weil meine Freunde sich zur Gemeinschaft der Christen zählen. Wenn ich die Wahrheit des Reiches Gottes darzulegen habe, dann muss ich sie offenbaren, wie sie ist, und darf jene nicht vergessen, für die Christus auch gestorben ist und die eben nicht Christen sind. Und wenn es da auch Menschen gibt, die glauben, Christus wäre nur für solche gestorben, die sich Christen nennen, so irren sie sich. Christus ist für alle Geschöpfe gestorben, ob Christen oder Nichtchristen. Denn auch die Nichtchristen sind als Geschöpfe Gottes Erben Gottes; also gehören auch sie zurück ins Reich Gottes.
Auch Nichtchristen können an Gott glauben. Es gibt ja verschiedene Weltreligionen, und es werden auch Propheten verehrt. Man erkennt Christus wohl als einen Propheten, aber nicht als den, der er in Wirklichkeit war und ist: der Erlöser der Menschheit.
In den Berichten, die ich euch jeweils gebe, spreche ich von Heimgekehrten, die sich in ihren Belastungen unterscheiden: von solchen, die sich mehr belastet haben, oder solchen mit weniger Belastungen, von glücklichen und von sehr unglücklichen Verstorbenen. Dies alles soll dazu dienen, euch diese andere Welt etwas näherzubringen und euch zum Nachdenken zu bewegen.
Nun möchte ich mich heute aber einmal mit verstorbenen Menschen befassen, die nicht dem christlichen Glauben zugehörig waren: zuerst mit zwei Gläubigen, die als edle, gute Menschen gelebt hatten, ihre Propheten verehrten, zu Gott beteten und auch versuchten, ihre Gesetze so gut wie möglich zu erfüllen. Doch auch diese Menschen sind gestrauchelt – wie wohl auch der beste Christ strauchelt –, aber dieses sollte ihnen nicht als etwas sehr Bedeutendes in der Seele gezeichnet werden.
Als die beiden verstarben, wurden sie von ihresgleichen in Empfang genommen, von Wesen, die ihrer Religion angehört hatten. Diese führten sie in der Geisteswelt in ein Haus, das sich in einer Stadt befand. Und diese Stadt war nur beseelt von solchen verstorbenen Menschen ihres Glaubens, sie waren also dort unter sich. Die Häuser unterschieden sich voneinander, das eine war von grösserer Farbenpracht, von Blumen und Bäumen und Teichen umgeben, ein anderes vielleicht etwas weniger farbenprächtig. Es war eine schöne Welt, reich an weiten Feldern, prachtvollen Gärten und mit den verschiedensten Arten von Tieren.
Diese beiden, die ein wirklich gutes Leben hinter sich gelassen und geistige Verdienste mit in die Ewigkeit hinübergebracht hatten, waren also empfangen und zu ihresgleichen geführt worden. Sie freuten sich, diesen und jenen Bekannten zu sehen. Jene, die die beiden Verstorbenen abgeholt hatten, sprachen nun davon, dass sie im Auftrage der Propheten Soundso kämen – ich brauche keine Namen zu nennen –; sie seien die Beauftragten dieser Propheten. Und so wurden sie in Freude empfangen. Sie waren beglückt über diesen Himmel, ihn so zu sehen und erleben zu dürfen; für sie war es eine Selbstverständlichkeit – sie bedauerten nur, dass die Propheten, die sie im menschlichen Leben verehrt hatten, sie nicht persönlich begrüssten, sondern dass deren Beauftragte kamen, um sie zu begrüssen.
Dass alles so geschieht, hat aber seinen geistigen Sinn. Es braucht für die Heimgekehrten eine gewisse Zeit der Anpassung an das neue Leben, und man lässt ihnen diese Zeit. Man macht sie mit andern bekannt, denn sie leben ja nun in einer Stadt. Man kommt zusammen zu Gesprächen, aber auch zum Gebet, zur Verehrung Gottes; man lobt und preist Gott im Gesang.
Ich möchte aber ausdrücklich sagen, dass die Bewohner dieser Stadt – zeitlich gesehen, nach euren Begriffen – alle ungefähr in der gleichen Zeitspanne zurückgekehrt waren. Es war für alle eine neue Welt, ein schöner Himmel. Es gab also von diesen Gerechten, man darf sagen, eine ganze Stadt. Nun aber muss ihnen dargelegt werden, dass nicht allein die Propheten, die sie verehrten, in Gottes Nähe sind, sondern sie müssen auch Erklärungen erhalten über die Schöpfung Gottes und über den Sinn und Zweck des Lebens.
Was das Besondere in dieser Stadt ist: Es gibt, wie angedeutet, nicht nur diese Häuser, sondern auch Gebäude, die ihr als Bibliothek bezeichnen würdet, wo sich Bücher zum Nachlesen finden. Ich möchte dies wahrhaftig mit Nachdruck betonen für jene, die glauben, in der Geisteswelt wäre solches nicht erforderlich. Doch, es ist genauso eine Notwendigkeit, wie es eine Notwendigkeit ist für euch, solche Bibliotheken zu haben, um euch die Vergangenheit gegenwärtig machen zu lassen. Und weitere Gebäude könnte ich nach euren Begriffen als Museum bezeichnen. Denn gerade die Bewohner dieser Stadt sind alle sehr interessiert; sie sind interessiert an dem Gebäude, in dem die Vergangenheit in Wort und Schrift festgehalten ist, und an diesem Museum, in dem so vieles von der Schöpfung Gottes bildlich gegenwärtig wird; also auch dort wird die Vergangenheit lebendig.
Es sind also Verstorbene, denen es nicht gleichgültig ist, was in der Vergangenheit gewesen, wie die Schöpfung Gottes entstanden ist. Sie sind gelehrsam, sie lassen sich unterrichten, und man unterrichtet sie. Natürlich kommt für sie dann auch die Belehrung über jenen Zeitabschnitt des Erdenlebens Jesu Christi. Und sie interessieren sich dafür. Man braucht nicht im Besonderen viele Worte darüber zu machen; denn immer wieder gehen sie hin in jene Gebäude, um sich Geschehenes vor Augen zu führen. Auch ihr könnt heute, was vor Jahrzehnten geschehen ist, wieder vor eurem irdischen Auge vorführen lassen; heute versteht ihr solche Erklärungen, ihr begreift es, weil es euch nahegekommen, Wirklichkeit geworden ist – hätte man solches vor mehreren Jahrzehnten gesagt, hätte man das doch nicht geglaubt. Also sollten auch das Verständnis und das Denken der Menschen fortschrittlich werden, damit sie es eher begreifen.
So war es auch bei diesen verstorbenen Menschen, die einen oder mehrere Propheten verehrten. Sie kamen nun zur Erkenntnis, wem sie wahrhaftig ihr jetziges Glück zu verdanken haben. Wohl mag es für den einen jeweils etwas länger dauern, bis er es wirklich begreift und versteht; andere jedoch werden schneller von der Erkenntnis erfasst, dass es so ist. Aber sie alle, die sich hier in dieser Stadt zusammenfinden, waren schon des Öftern von Gott wieder ins menschliche Dasein gesandt worden. Mancher von ihnen hatte ein hartes Leben durchstehen müssen – immer wieder musste er zurück in ein menschliches Dasein. Und nun hat er diese Stufe erreicht und hat das erfüllt, was von ihm verlangt wurde. Er ist zu seinesgleichen seines Glaubens eingekehrt, und er fing an zu begreifen und zu verstehen. Er ist auch bereit geworden, Christus als den Erlöser und den König der Geisterwelt Gottes zu betrachten.
Ich weiss, dass ihr allerlei Fragen habt zu dieser Erklärung. Ihr sollt nicht ungeduldig sein; kommt des Öftern hierher, und mit der Zeit werdet ihr die Ergänzung hören zu dem, was euch im Moment beschäftigt – ich kann euch ja nicht alles auf einmal erklären. Ich möchte aber sagen: Auch unter jenen, die keine Christen sind, gibt es edle, gottgläubige Menschen, und sie werden dann in der Geisteswelt das Notwendige erlernen und zur Erkenntnis kommen.
Nun, diese Geistwesen, die Christus als ihren König betrachten, werden diese Stadt wieder verlassen. Sie sind nun in diese grosse geistige Familie eingegliedert worden, deren Haupt Christus ist. Ob sie erneut in ein neues menschliches Dasein treten müssen oder ob sie in der Geisteswelt ihren weiteren Aufstieg tätigen dürfen, darüber entscheiden die hohen Geister des Himmels.
Man nimmt sich eines jeden an, der da zurückkommt, gleich welchen Glauben er hatte. Von grosser Bedeutung ist das Leben des Menschen, seine hohe Gesinnung. Die Geisteswelt betrachtet die Seele, das Inwendige des Menschen, das er eben als Mensch nicht sieht und oft gar nicht begreifen kann, das ihm aber die Möglichkeit des Lebens gibt und das aus ihm scheidet, wenn er stirbt.
Noch etwas möchte ich erklären. Unter jenen Andersgläubigen gibt es auch Menschen, die sich aufs Tiefste belastet haben. So sie sich zu einem gewissen Glauben oder zu bestimmten Propheten bekennen, kommen auch bei ihrer Heimkehr deren Vertreter. Doch auch unter diesen Andersgläubigen gibt es – genauso wie unter den Christen – solche, die auf einer ganz niederen Entwicklungsstufe stehen. Von zwei solchen Verstorbenen möchte ich noch kurz etwas sagen.
Die beiden wurden also von den Vertretern ihrer Propheten begrüsst und aufgenommen, jedoch ohne besonderen Ausdruck der Freude. Beiden wurde klargemacht: “Dein Erdenleben ist beendet, jetzt fängt die Wiedergutmachung an. Du bist im Reiche Gottes, und in diesem Reiche Gottes wirst du bestraft für alles, was du falsch gemacht hast im Leben. Wo du die Gesetze verletzt hast, musst du einen Teil davon jetzt im geistigen Reiche wiedergutmachen und den anderen Teil in einem späteren Leben, oder vielleicht wird es sogar auf mehrere Leben verteilt, weil es nicht möglich ist, dir alles zu vergeben.”
Da sie ja keine Christen waren, kann man bei ihrer Rückkehr nicht über Christus reden; man spricht von den Propheten, die sie im Leben verehrten, so dies wahrlich zutraf und sie gläubig waren. Für Ungläubige, die keinen Glauben hatten, weder an Gott glaubten noch irgendeinen Propheten verehrten, gibt es auch eine Aufnahme, doch sie ist ganz anderer Art.
Jene aber, die sich zu Propheten bekannten, werden nun von deren Auftraggebern gerügt für das, was sie falsch gemacht hatten, und es wird ihnen erklärt, die Strafe werde hart sein. Es wird ihnen aber auch gesagt, es sei nur durch die Güte Gottes möglich gewesen, dass sie über die Brücke ins Reich Gottes hinübertreten konnten – ohne diese Güte Gottes hätten sie nur Zugang zu Luzifer, zum Satan, gehabt. Sie sind jedoch noch nicht fähig, zu begreifen, zu verstehen, was mit einer Erlösung durch Christus gemeint ist, und es wird auch gar nicht darüber geredet. Man muss damit warten. In der Geisteswelt spielt die Zeit überhaupt nicht diese Rolle wie bei den Menschen; in der Geisteswelt heilt die Zeit Wunden und hilft manches überwinden.
So ist es auch zu verstehen, wenn da oder dort durch, sagen wir, mediale Menschen Durchgaben von dieser andern Welt kommen, wo etwas ganz anderes gesagt wird, als man hier belehrt wird. Die Antwort ist: Solchen sich bekundenden Geistern ist die Wahrheit auch nicht offenbart worden, weil sie die Fähigkeit, die Wahrheit zu verstehen, nicht besitzen und ihnen genügend Zeit gelassen wird, bis sie es begreifen.
Haben aber solche Schwerbelastete im Erdenleben Mitmenschen gefoltert und umgebracht, sie also an Leib und Seele geschädigt, so muss man sich im Klaren sein, dass da in erster Linie die Wiedergutmachung zum Ausdruck kommt und von dieser Wiedergutmachung noch lange Zeit geredet wird.
Es wird dann jedem selbst überlassen, nach der Wahrheit zu suchen. In erster Linie muss er in sich gehen, sich wandeln im Denken, sein Denken ändern, das heisst, er muss bereuen; denn bereuen heisst: das Denken ändern, sich in dieser Weise wandeln. Aber so, wie Menschen einen Begriff von Reue haben, indem sie sagen: “Es tut mir leid”, und dann ist die ganze Angelegenheit erledigt – nein, das ist keine richtige Reue. Man muss innerlich davon überzeugt sein und willens: “Es muss besser werden.” Man muss es besser tun, anders tun, sich im Denken ändern und anders wollen; man muss sich nach dem göttlichen Willen ausrichten, sich zu Gott hinwenden und die Gebote Gottes näher betrachten. So findet man Antwort genug.
Jene Nichtchristen, die sich im Leben belastet haben und in den unteren Aufstiegsstufen sind, werden genauso in die Bedrängnis geführt wie belastete Heimkehrende christlichen Glaubens oder solche, die sagen, sie hätten der christlichen Glaubenslehre angehört. Ich möchte aber sagen: Mit einem, der in der Geisteswelt von der christlichen Lehre spricht, geht man auch viel strenger um; man macht ihm mehr Vorwürfe, und man fragt ihn, warum er denn nicht angefangen habe zu überlegen und selbstständig zu denken, warum er andere für sich habe denken lassen. Denn keiner, der zurückkommt, kann erwarten, dass ein anderer die Schuld, die er selbst auf sich geladen hat, nun für ihn auf sich nimmt oder dass ein anderer für ihn zur Verantwortung gezogen würde. Ein jeder muss selbst geradestehen für das, was er getan hat, jeder wird selbst zur Verantwortung gezogen, und man kann sich nicht auf andere berufen.
Es ist etwas Wunderbares, was die Gotteswelt jenen zur Antwort gibt, die im Leben ein gesundes Denken haben durften. Ihnen wird gesagt: “Du hattest einen gesunden Verstand – warum hast du ihn nicht zu Hilfe genommen? Du bist selbst schuld; nun hast du gutzumachen, was du falsch getan hast.” Dies wird manchem gesagt, der behauptet, durch Christi Blut wäre er ja von allen Sünden reingewaschen. Schnell wird er erkennen, dass dies nicht so gemeint ist, dass also mit dem von Christus vergossenen Blut etwas ganz anderes bewirkt wurde als die Vergebung der täglichen Vergehen des Einzelnen. Auch darüber sollte man sich Gedanken machen. Wo wäre denn die Gerechtigkeit Gottes, wenn der eine sich alle Mühe nimmt und sich überwindet, nur das Gute zu tun, und der andere lebt drauflos, lebt auf Kosten der andern, indem er sie schädigt? Die christliche Lehre hat dem Menschen wahrhaftig viel zu sagen.
Ein solch belasteter Heimgekehrter fängt schliesslich an zu begreifen und zu verstehen, dass es wahrhaftig eine Gerechtigkeit Gottes gibt und diese Gerechtigkeit Gottes wirksam wird für jeden, der da zurückkommt in die andere Welt – gleich welchen Propheten er verehrt, gleich welcher Religion er zugehörig war. Engel werden ihm gegenübertreten, und sie werden mit ihm reden, sie werden zu reden haben über sein Leben und über das, was sie eigentlich von ihm erwartet haben. Manchem muss gesagt werden: “Ich habe mich getäuscht in dir, ich habe mehr erwartet von dir.” Und so kann es geschehen, dass in einem späteren Leben diese Wiedergutmachung gefordert wird und man dann mit einem Schicksal gezeichnet ins menschliche Dasein treten muss, damit die Seele reifer wird und man den Weg schneller nach oben beschreiten kann.
Liebe Geschwister, so habe ich euch heute wiederum die Jenseitswelt aufgetan und etwas von den Gesetzen Gottes erklärt; und ich möchte gerne annehmen, verstanden worden zu sein.
So überlasse ich euch alle dem Segen Gottes. Er soll euch im Leben führen, seine Kraft soll euer Denken zum höheren Bewusstsein bringen. So mögt ihr geführt werden durch den Willen Gottes. Und wer da krank ist an Leib oder Seele, soll gesunden. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 13.9.1975 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 18. Oktober 1978 (Ausschnitt)
Jeder Mensch wird beurteilt nach seinen Werken, die er geleistet hat, und bereitet sich selbst das geistige Haus, das ihn dereinst aufnimmt.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, dass Gottes Güte, seine Liebe so gross ist und so gross war, kommt schon dadurch zum Ausdruck, dass er die Himmel wieder öffnen liess für Gläubige und Ungläubige, für Gerechte und Ungerechte, für Fromme, für Leidende, für Gequälte, auch für solche, die sich selbst entleibten. Für alle – Nichtchristen wie Christen – ist der Himmel offen. Darüber sollte man sich im Klaren sein und wissen, was es heisst, dass die Himmel für alle offen sind.
Der Mensch, der da auf Erden lebt, sollte etwas von der Zukunft wissen, vom Fortleben nach dem Tode. Er sollte sein Haus für die andere Welt bestellen. Darin liegt ja gerade das Wunderbare, dass ihm in seinem menschlichen Dasein Gelegenheit gegeben wird, für sein zukünftiges Leben besorgt zu sein – sein Haus zu bestellen für seine spätere Zukunft. Es wird vom Menschen nichts anderes verlangt, als dass er Glauben hat und gerecht ist – dass er die Gebote, die den Menschen gegeben sind, hält und danach lebt. Damit vermag er in der anderen Welt etwas zu bestellen, das ihm dereinst ein glückliches Dasein, ein geistiges Zuhause gibt – dank diesem Glauben, dieser Gerechtigkeit, die von ihm verlangt werden.
Wenn ihr in eurer Welt ein Haus bestellen möchtet, müsst ihr auch das Eurige dafür geben, was üblich ist in der Welt, dafür zu geben. Die Welt handelt mit anderen Dingen; sie will Sichtbares haben, sie will die Dinge besitzen, sie will sie doch sehen und berühren können. Es sind also andere Bedingungen, die diese Welt von den Menschen fordert; sie fordert etwas Sichtbares, und die Menschen haben auch Sichtbares dafür zu leisten, um wieder Sichtbares zu bekommen. Im Geistigen ist es gerade umgekehrt: Man verlangt sehr viele Leistungen, die unsichtbar sind; mit dem Unsichtbaren erwirbt man sich im Geistigen einen Gewinn. Im Geistigen ist dieser Gewinn jedoch nicht unsichtbar. Unsichtbar ist er nur für den Menschen, der da lebt und versucht etwas zu erwerben. Wenn er im Geistigen etwas erwirbt, sieht er es nicht. Es ist eben eine andere Welt, es sind andere Bedingungen. Ganz andere Vorstellungen hat man sich über diese andere Welt zu machen.
Nun wird dem Menschen gesagt, die Himmel sind offen für jeden, so wie ich es aufgezählt habe. Jeder kann in diese Himmel zurückkehren. Sie sind so gross, so umfangreich; es hat so viel Platz. Für jeden ist der geeignete Platz vorhanden.
Glücklich ist derjenige, der es versteht, sein Haus zu bestellen. Zuerst wird die Umgebung bestimmt, bestellt. Von sich aus kann einer ja nichts sagen – sagen kann er es schon, aber ob es Tatsache wird, ist eine andere Frage. Er kann seinen Platz bestellen, wenn er das tut, was man von ihm als Gegenleistung abverlangt. Er muss in seinem Leben für das Zukünftige, das Unsichtbare, eine Leistung vollbringen. Er hat also das Seinige zu leisten, um den Platz bestimmen, bestellen zu können. Zuerst muss der Platz bestellt sein, und dann kommt das Haus. Es sind also ganz ordentliche Leistungen, die vom Menschen abverlangt werden. Er kann das Seinige dazu leisten.
Es kann aber auch so sein, dass er weder seinen Platz noch ein eigenes Haus bestellen darf. Dann wird er eben Mieter, wie es auch bei euch ist. Gemäss seinen Leistungen, die er im Leben vollbracht hat, zieht er in ein Haus ein. Als Gegenleistung werden die Gewinne verlangt, die er mitbringt, sein Besitz. Es ist der geistige Besitz, der von ihm abverlangt wird. Dementsprechend empfängt er in der anderen Welt das, was er sich im täglichen menschlichen Dasein erworben hat. Es ist fast ähnlich wie bei euch. So geht es in Gerechtigkeit – es wird von den Menschen das verlangt, was in der unsichtbaren Welt Gesetz und Ordnung ist. Und in das Gesetz der göttlichen Welt gehört Gerechtigkeit. In allen Dingen ist Gerechtigkeit. Keiner wird Ungerechtigkeit erleben, jedem wird genau das gegeben, was er im Leben selbst zusammengetragen und erworben hat. Im Geistigen wird es sich auszahlen. Doch es kann sein, dass er in ein Abhängigkeitsverhältnis von andern kommen wird.
Die Welt des Geistes ist so gewaltig und so gross. Die Himmelswelt freut sich – damit meine ich die göttlichen Wesen, die Engel –, wenn ein Mensch, den sie zu führen hatten, zurückkommt und sie ihm sagen dürfen: “Das ist der Ort, den du dir in deinem menschlichen Dasein bestellt hast. Hier ist dein Haus – du siehst diesen Ort, und du siehst die verschiedenen Gebäude; es liegt nun an dir zu wählen.” Man wird demjenigen, der da kommt und die Verdienste hat, sagen: “Du kannst wählen in der Umgebung hier. Das ist der Platz, den du dir bestimmt, bestellt hast. Hier steht ein Gebäude in der Nähe eines Waldes – du kannst selbst wählen, was du willst: Du kannst da einziehen, du kannst aber dein Haus auch an einer Halde beziehen.” Denn dort stehen auch solche Gebäude – vielleicht an einem Teich oder in der Nähe eines Teiches, vielleicht sogar in einem Park. Es gibt viele Möglichkeiten. Fürs Erste muss die Umgebung bestimmt, bestellt sein. Wie ihr belehrt wurdet, ist damit eben die Ebene, die Stufe, gemeint, in die man einkehrt. Macht der Mensch Fortschritte, sollte er doch eine bessere, eine schönere Umgebung bestellen. Dort wird dann, wenn er so viele Gewinne bringt, sein Haus stehen. Er selbst kann wählen wo: in der Nähe eines Waldes, in der Nähe eines Teiches oder mitten in einem Feld umgeben von Tieren oder an einer Halde – vielleicht sogar hoch oben auf einem Berg. Ihm ist es überlassen, er kann auswählen. Bestimmt sind nur die Örtlichkeiten. Wie schön!
Und so zieht er dort ein, wo es ihm gefällt. Zuerst mag er allein sein, aber er wünscht das ja nicht. Was soll er allein in einem Haus, das vielleicht zuoberst auf einem Berge steht oder irgendwo abseits? Man wird ihm empfehlen, Gäste aufzunehmen. Man wird mit ihm auf die Suche gehen nach seinen Verwandten, nach seinen Freunden, nach seinen nächsten Angehörigen und Lieben, die in ihrer geistigen Entwicklung in der Nähe dieses Ortes sind. Man wird sich freuen, welche zu finden, sie einzuladen: “Komm zu mir, du kannst bei mir wohnen, denn sonst bin ich ganz allein im Hause.” Das ist eine Genugtuung für einen Heimgekehrten, wenn er seine eigenen Angehörigen findet und sie einladen darf. Vielleicht haben sie selbst ein Haus und sind nicht bereit zu kommen. Aber es finden sich immer welche, die gerne kommen. Und man hat auch andere Möglichkeiten: Da sind göttliche Wesen, die gerne kommen und Gast sein wollen. Denn was soll der Heimgekehrte so weit ab alleine tun, allein in einem Haus – in einem schönen Haus mit Garten und die Innenausstattung so wunderbar, wie er es sich als Mensch gewünscht hat? Aber allein bedeutet es ihm nichts. Er hat das Verlangen, dass andere mit ihm die Freude teilen, mit ihm glücklich sind. Man hat mehr als genug Gelegenheit, Gäste bei sich aufzunehmen. Das ist etwas sehr Schönes, und in der Geisteswelt wird es geschätzt. Denn derjenige, der heimkommt, wird ja auch in eine Arbeit eingereiht. Er ist in seinem Hause nicht zum Nichtstun verpflichtet, sondern zur tätigen Mithilfe im Heilsplane. Manches wird ihm noch offenbart werden, was für ihn ganz neu ist zu erfahren, und er wird sich überglücklich schätzen, jetzt mitwirken zu dürfen.
So sieht es aus bei einem, der heimkehrt und zu Lebzeiten alles bestellt hat: die Umgebung und sein Haus. Glücklich, glücklich ist ein solcher. Aber das kostet etwas. Denn eure Gebäude, die da und dort in schöner Umgebung stehen, sind ja schliesslich auch nicht umsonst. Im Geistigen ist es ebenso, nur kennen wir das Geld nicht, sondern wir kennen gute Werke und Tugenden, Gerechtigkeit, Liebe und Güte, göttliches Wirken. Das sind geistige Werte, und für die bekommt man sehr viel von der Gotteswelt.
Die Engel Gottes können nämlich sehr grosszügig sein. Wenn einer kommt und seine Werte mitbringt, weiss man sie zu schätzen. Zudem hat man diesen Menschen längst in seinem Dasein erkannt und ihn begleitet. Man wusste, was er dereinst bringen würde, und man gibt ihm Gelegenheit, die Seligkeit des Himmels zu erleben. Das, was er dann bei seiner Einkehr erlebt, muss noch gar nicht die letzte Seligkeit sein. Er kann womöglich – und dies eher gewiss – noch viel Schöneres erleben, denn er befindet sich ja erst auf dem Heimweg zum Glück. So kann es demjenigen ergehen, der zu Lebzeiten dafür besorgt war.
Aber wie ich sagte: Der Himmel ist für alle offen – für den Ungläubigen, für den Gerechten, wie auch für den Ungerechten. Der Ungläubige, der in seinem irdischen Dasein war, konnte nichts bestellen. Er kommt dann als Mieter. Man weist ihm den Platz zu an einem bestimmten Ort. Entsprechend werden auch das Haus sein, in das er einzieht, und die Umgebung und die Geschwister, mit denen er zusammenleben wird. Alles ist ja auf ihn ausgerichtet und abgestimmt. Er wird genau das bekommen, was er sich verdient hat.
Ist einer ohne Glauben durchs Leben gegangen, möchte ich zwei Dinge erklären: Es gibt Menschen, die nicht glauben können, aber gute Werke tun, während andere nicht glauben und keine guten Werke tun. Sie unterscheiden sich also voneinander. Es wird Rücksicht genommen auf jenen, der nicht glauben konnte, aber ein gerechtes Leben führte oder so gut wie möglich lebte und daneben für die Mitmenschen ein gutes Herz hatte und überhaupt gerecht war in seiner Lebensweise. Ein solcher gehört nicht an denselben Ort hin, der Platz wird ein anderer sein. Er unterscheidet sich jedoch von dem eines Heimgekommenen, der einen Glauben hatte und sich nach den Geboten Gottes ausrichtete. Jener wird nicht dasselbe erleben. Man wird Nachsicht mit jenem haben, der nicht glauben konnte; denn wenn er Gutes getan hat, wird er doch auch mit geistigen Werten zurückkehren. Man wird einen solchen zuerst unterrichten müssen und versuchen, ihn für den Glauben zu gewinnen. Er wird Aufgaben auf sich nehmen und durch eine Schule gehen, Prüfungen bestehen müssen. Es wird ihm nicht unbedingt so leicht gemacht werden, aber er ist kein Ausgestossener. Er muss nicht ausserhalb der Ordnung leben, sondern man nimmt sich seiner an. Wenn ihr eure Mitmenschen betrachtet, sind sie doch so verschieden: Die einen haben Tugenden, andere haben Untugenden, die einen mehr, die andern weniger. So wird eben jedes seinen Platz in der Geisteswelt einnehmen.
Ich möchte noch auf jene Heimgekommenen zu sprechen kommen, die in ihrem menschlichen Dasein gequält, ja gefoltert wurden. Die einen hatten einen Glauben, oder sie kamen zum Glauben wegen ihres Leids, wegen ihrer Not. Sie riefen Gott um Hilfe an und fingen an zu glauben. Doch manche mussten den Tod qualvoll erleiden. Die göttlichen Wesen nehmen sich selbstverständlich solcher Menschen oder Verstorbenen besonders an. Sie sind für sie da, es sind Missionsgeister. Und nun eine Erklärung: Ist ein Mensch in dieser Welt an seinem Leibe gequält worden, ist er auch in seiner Seele verletzt, denn diese Leiden spürte er nicht nur an seinem irdischen Leib, sondern auch die Seele wurde ergriffen von diesem Leid. Wenn er dann gestorben ist, spürt er noch eine gewisse Zeit dieselben Schmerzen, die man ihm zugeführt hatte, und dasselbe Leid.
Ganz besonders schmerzhaft ist es beispielsweise für einen Menschen, der sich selbst verbrannt hat und stirbt. Brandschmerzen sind sehr gross; diese Schmerzen spürt er weiter, wenn er tot ist, denn sein Odleib spürt diese Schmerzen auch. Die Seele ist ja Empfängerin davon und nimmt diese Schmerzen auf. Der Mensch im Schmerz, so er diesem Schmerz überhaupt Ausdruck geben kann, wird womöglich schreien, rufen. Ist der Geist aber vom Leibe getrennt, ruft er im Geistigen weiter. Dies hört kein Mensch mehr. Er, der den Schmerz spürt, ruft um Hilfe. Nun sind es die Missionsgeister, die einen solchen Menschen beobachten, bevor er die Tat ausgeführt hat. Sie waren in seiner Nähe und kannten seine Gesinnung. Sie wussten von der Tat, die er ausführen wollte. Dementsprechend haben sie sich vorbereitet und sind sie schon da. Sie wissen um das Leid, um den Schmerz – und diese Missionsgeister fragen jetzt nicht: “Hast du geglaubt, wo sind deine Werke?”
Dieser verstorbene Mensch spürt noch an seinem Odleib und in der Seele die Leiden seines Leibes, weil die Seele alle Kräfte, alle Odströme, alle Ausstrahlungen vom Menschenleib in sich zieht. Sie zieht alles zu sich. Und getrübt ist das Od, das ja auch umfangen ist vom irdischen Leib – auch das Od, das im Blute ist. Dies alles muss zurückgezogen werden. Es wird eingesogen in den Geistesleib und in die Seele. Die Seele bewahrt die Erinnerungen, das Empfinden in sich auf. Das ist ein Prozess, der stattfindet, und dieser Prozess ist schmerzhaft, wenn es plötzlich, auf so gewalttätige Art und Weise geschieht. Dann vermögen sich der geistige Leib und die Seele nicht vorzubereiten, um die Aufnahme zu beschleunigen, das Zufliessen vom menschlichen Od entsprechend zu mindern. Es wird gewaltsam zugeführt, darum dauert das Leid, der Schmerz so lange an, bis ihm Missionsgeister zu Hilfe kommen. Sie sehen das Leid.
Diese Engelwesen sind dafür bestimmt, dem von Leid geprüften Heimkommenden ihren Beistand zu geben, weil Gott es will, weil Christus es will, weil die göttliche Geisteswelt es will. Sie wünschen, dass kein Leid ist, dass man den Leidenden beisteht. So hat man auch in der Geisteswelt die Möglichkeit, das Leid und die Schmerzen zu mindern und zu kürzen. Missionsgeister bringen entsprechende geistige, feinstoffliche Materie mit sich. Sie legen beispielsweise einen gequälten Heimkommenden auf ein mit geistigem Od durchtränktes Tuch und hüllen ihn in dieses ein. Dieses Tuch ist mit feingeistigem Od voll getränkt und gibt dem geistigen Wesen – nach euren Begriffen ausgedrückt – eine Narkose. Es empfindet keinen Schmerz. In dieser Art wird einem Wesen beigestanden, wenn das Mass der Unerträglichkeit erreicht ist. Es wird vom irdischen Dasein weggetragen ins geistige Reich hinein, an seinen Platz, den sich das Wesen schon zu seinen Lebzeiten selbst bestellt hat. Dorthin wird es getragen.
In allen Aufstiegsstufen sind geistige Spitäler oder Sanatorien – mit Ausnahme der allerhöchsten oder obersten Stufen, dort sind sie nicht mehr so notwendig, aber auch nicht ausgeschlossen. Doch in so vielen Aufstiegsstufen – den niederen, den etwas erhöhten – sind geistige Spitäler oder Sanatorien vorhanden, Häuser, in denen sich solche geistig kranke, leidende Wesen befinden. Man behält sie so lange dort, wie man es als notwendig erkennt. Der eine bedarf eines längeren Schlafes – der Schlaf eines so Gequälten oder Leidenden wird so lange dauern, bis man erkennt, dass alles Od, das ihm zufliesst, sich vermengt, vermischt hat mit seinem Odleib, sodass er ihm keine Schmerzen mehr verursachen kann. Schmerzen wird er dann nicht mehr haben, doch die Erinnerung an das Leid, das man durchstehen musste, bleibt der Seele erhalten. Das sind dann andere Schwierigkeiten – nicht mehr Schmerzen, sondern dieser Leidgeprüfte wird nicht gleich fertigwerden mit dem Schicksal, das er als Mensch ertragen musste. Er fragt nach dem Warum und Wieso und ist einfach noch von unangenehmer Erinnerung berührt. Die seelische Behandlung ist eine andere Behandlung, die dem Heimgekehrten zugutekommt. Sie unterscheidet sich von der anderen Hilfe, die ihm gegeben worden ist.
Gleich wer er war, ob er glaubte und was er auf sich geladen hat, die Geisteswelt ist bereit, ihm die Gnade, Güte und Liebe angedeihen zu lassen. Und wie ich betonte, wird er an den Ort hingeführt, den er sich selbst bestellt hat. Dann kommt es darauf an, wie weit sein geistiger Fortschritt ist, ob er sich noch lange in seiner Seele krank fühlt, das heisst von seinen Erinnerungen noch schmerzlich berührt wird. Es kommt ihm dann eine andere Behandlung zugute; er kann getröstet werden, und man versucht ihm Beistand zu geben.
Nun kommt es auf die geistige Entwicklungsstufe des Betreffenden an. Wenn er durch ein leidvolles Leben gegangen ist, kann es sein, dass er in seinem Innersten, in seiner Seele, unversöhnlich bleibt, obwohl man ihm jetzt geholfen hat. Er ist nicht bereit, dem andern zu vergeben, der ihm so viel Leid zugefügt hat. Er ist dann einer, der Rache nehmen will.
Man muss also unterscheiden: auf der einen Seite der Beistand der Geisteswelt, der einem Heimgekommenen gegeben wird, sodass seine Leiden gemildert oder in verhältnismässig kurzer Zeit ganz überwunden werden – hier kann die Geisteswelt den Beistand geben. Aber für die Seele, für sein Ich, ist der Betreffende selbst zuständig: “Ich will dem andern vergeben; ich will ihm genauso viel Liebe geben, wie man mir gebracht hat. Ich will auch Gerechtigkeit üben, so wie mir Gerechtigkeit zukommt.” Es ist also das Ich, die Persönlichkeit, die jetzt entscheiden wird, ob sie vergeben will oder hadert. So versucht man Trost zu spenden und zu sagen, was zu tun ist. Göttliche Wesen erkennen die Gesinnung: Ist einer nicht willens, so zu tun, wie ihm gesagt wird, dann wendet man sich von ihm ab. Man hat ihn aufgenommen in ein Haus, hat ihn gepflegt. Wenn es dann aber so weit gekommen ist, dass er keine Schmerzen mehr an seinem Geistesleib spüren kann und es nur noch eine Angelegenheit der Seele ist, muss er das Haus verlassen, in das er aufgenommen wurde. Es wird ihm empfohlen, sich da oder dort zu melden, sich in die Ordnung einzureihen. Es ist ihm auch überlassen, vom Platze wegzugehen, und er hat die Möglichkeit, zu den Menschen zurückzukehren.
Ist ein Mensch in seiner Gesinnung nicht so weit, dass er bereit ist, das Leid zu vergeben, das ihm zugefügt worden ist, und hat er nur das Verlangen, an den Ort zurückzukehren, wo man ihm das Leid zugefügt hatte, so belässt man ihn. Doch es wird ihm sozusagen die Möglichkeit genommen, sich von dem Ort zu entfernen, den er sich selbst ausgewählt, den er bestellt hatte. Er wird dort belassen. Er bleibt dort gebunden, weil er seine Gesinnung nicht geändert hat und nicht willens ist, das zu geben, was in erster Linie hohe Wesen ihm gegeben haben. Hat er Leid erlebt, wirklich spürbares Leid an seinem irdischen Leibe, ist ihm geholfen worden; und man legt es ihm nahe: “Wir haben dir Beistand gegeben. Vergib du jetzt auch dem andern.” Ändert er seine Gesinnung nicht, bleibt er gebunden.
Manche Menschen fragen sich: “Warum ist es möglich, dass Geistwesen an bestimmte Örtlichkeiten gebunden sind?” – es mag an ein Haus sein, ein altes Haus, es kann aber auch irgendwo in der Natur sein. Dort ist dann der Geist gebunden, und er bleibt gebunden an jenen Ort, den er sich selbst bestellt hat. Die Gotteswelt hat ihm zuerst die Hand gereicht, doch er ist nicht darauf eingegangen, er wollte nicht vergeben. Seine Gesinnung war so niederer Art. Dann wendet sich die Gotteswelt ab. Nun ist er sich selbst überlassen, und zwar so lange, bis es ihm möglich ist, zu besserer Erkenntnis zu kommen. Dennoch wird ein solcher Geist zeitweise aufgesucht, zeitweise. Es mag sein, dass es für ihn so bestimmt wurde, dass er über Jahre hindurch keinen Trost und keinen Beistand von einer höheren Welt empfangen darf. Aber es kommt die Stunde, wo ihm Gnade zuteilwerden wird. Es wird sich ihm ein Missionsgeist nähern und sich ihm empfehlen. Dann kommt es darauf an, ob er bereit ist, mit ihm zu gehen. Das ist auch eine Antwort für Menschen, die sich fragen: “Warum ist es möglich?” Das ist die Antwort.
Manche fragen sich: “Wie steht es denn um die Nichtchristen? Welche Aufnahme finden sie im Himmelreich?” Der Himmel hat sich für alle aufgetan, für Christen wie für Nichtchristen. Kommt einer in die Jenseitswelt, der den Heils- und Erlösungsplan nicht anerkennen will, der Christus als den Erlöser nicht anerkennen will, der seinen eigenen Propheten hat, muss ihm gesagt werden: “Die Himmel sind so gross und weit. Es hat so viel Platz.” Er findet seinen Platz bei den Seinigen, bei jenen, die mit ihm an einen bestimmten Propheten geglaubt haben. Nun müssen ja diese Heimgekommenen – wie alle andern – über den Auftrag Christi unterrichtet werden. Man wird den Einzelnen betrachten, und man wird auch feststellen, welche geistigen Werte er dank seines Glaubens mitbringt, was er durch seinen Glauben bestellt hat. Dementsprechend nimmt er in seiner Welt seinen Platz ein. Man soll nicht glauben, dass man einem solchen, wenn er stirbt, gleich sagt: “Du warst kein Christ, du hattest den christlichen Glauben nicht, von dir will man nichts wissen”, oder: “Du hast lange zu warten.” Es ist nicht so, liebe Geschwister. Der Himmel ist nicht nur für die Christen da, der Himmel ist für alle da. Es gibt viele Wege: Der eine führt schneller zur Seligkeit, der andere bedeutet viele Umwege, bis man seinen Platz in der wahren Seligkeit findet.
Kommt ein Nichtchrist in die Geisteswelt, wird er auch beurteilt nach seinen Werken, die er geleistet hat. Was man von ihm erwarten durfte, wird mit einberechnet. Dementsprechend wird er für eine bestimmte Zeit sein Leben und seinen Ort haben, seine Beschäftigung finden. Und auch in diesen Himmeln sind Fürsten des Himmels da. Sie zeigen sich den Heimgekommenen. So diese gläubig waren, möchten sie – genau wie der Christ, der zuerst das Verlangen hat, Christus zu sehen, ihm zu begegnen – ihren Propheten sehen. Dann werden sie die Antwort bekommen. Man wird ihnen sagen: “Du wirst deinen Propheten sehen können, aber zuerst musst du über vieles unterrichtet werden. Du wirst darüber unterrichtet werden, wem du es zu verdanken hast, dass du wieder ins Himmelreich zurückkonntest. Deinem Propheten hast du es nicht zu verdanken. Dein Prophet, den du verehrst, war Vorläufer für den, der die Himmel aufgetan hat. Du musst nun die Gesetze und die Ordnung annehmen von dem, der die Erlösung für alle gebracht hat. Diese Gesetze sind auch für dich bestimmt. Wenn du dich nach diesen Gesetzen ausrichtest, kannst du erkennen, wer der wahre Messias war, wem du es zu verdanken hast, dass du zu Gott zurückkannst. Bist du bereit, ihn anzuerkennen, hast du die Möglichkeit, deinen Propheten zu sehen.” So macht man das eine vom andern abhängig.
Jene, die nicht Christen waren, müssen in der christlichen Lehre unterrichtet werden. Jene, die im Geiste fortschrittlich waren und als fortschrittliche Menschen gelebt hatten, die sich nicht allzu schwer belastet haben und dank ihres Lebens und Wirkens eine gewisse geistige Entwicklungsstufe einnehmen dürfen, finden den schnellsten Weg zum weiteren Aufstieg, indem man sie einlädt, das zu erleben, was wahrhaftig geschehen ist. Man führt sie gemeinsam an einen Ort hin, und an diesem Ort widerspiegelt sich alles: die Verkündigung des Messias, seine Geburt, seine Jugend, sein Wirken – und dann sein Leiden und Sterben. Sie haben da den Vorzug, dass sie nicht nur das sehen, was Menschen auf Erden erlebt hatten, die ja nur die feste Materie, nur das Irdische erleben konnten; sondern sie sind geistige Wesen, im geistigen Reich. Sie haben die Materie überwunden, und so sehen sie nicht nur das, was sich auf der Welt, sondern auch, was sich im Geistigen abgespielt hat. So erkennen sie die Wahrheit und bemühen sich um den geistigen Aufstieg. Sie finden Aufnahme in der Gotteswelt. Und derjenige von ihnen, der belastet ist in seiner Seele, hat das wiedergutzumachen, genau wie jeder andere oder wie auch ein Christ, der schwer beladen ins Jenseits zurückkommt. [...]
Ja, meine lieben Geschwister, der Himmel ist für alle offen – auch für jenen sündigen, belasteten Menschen, der da kommt und dem die Engel Gottes vielleicht sogar ausweichen. Auch für ihn ist der Himmel offen. Mitunter kommt man mit ihm ins Gespräch und macht ihm Vorwürfe. Es kommt ganz auf ihn selbst an, auf sein wahres Ich. Erkennt er nach dem Tode, dass er unter einer anderen Herrschaft steht und dass diese Herrschaft “Herrschaft Gottes” heisst, fügt er sich dieser Herrschaft und befolgt er die Gesetze und die Ordnung, wird man ihn wohl bestrafen für all das Unrecht und wird ihn zeichnen, aber er wird Trost finden und Hinweise für seine spätere geistige Zukunft oder für ein neues menschliches Dasein. Wenn er einsichtig ist, wird er nicht ausgestossen sein; wenn er aber nicht einsichtig ist, dann steht er ausserhalb der Ordnung Gottes.
Die göttlichen Wesen haben Zeit, sie nehmen sich Zeit. Für den einen nehmen sie sich sehr viel Zeit, um ihn zu führen, zu inspirieren, ihn zu schieben und aufwärtszustossen. Sie lassen sozusagen nicht von ihm ab. Für einen anderen haben sie keine Zeit, weil sie die Sinnlosigkeit ihres Wirkens sehen in der Gegenwart oder in der nächsten Zukunft. Somit ist er auf sich selbst angewiesen. Das erkennen die Engel Gottes. Aber gerne, gerne geben sie den Menschen von ihrer Zeit. Wenn die Menschen etwas von ihrer Zeit den göttlichen Wesen geben, ist das doch wunderbar; dann lebt man miteinander – der Mensch sieht die göttlichen Wesen zwar nicht, aber man kann sie spüren. Man teilt sich ja die Zeit: Wenn du mir gibst, gebe ich meine Zeit auch dir. Oder stimmt das etwa nicht? [...]
Nun lasse ich euch wieder eure Zeit, und ich verfüge über die meine. Der Himmel ist grosszügig, und der Himmel weiss zu geben und zu schenken. Er ist dankbar für jeden, der den Weg in die Ordnung Gottes findet.
So, liebe Geschwister, ja, es sind Freunde von weit her gekommen. Ich weiss es schon. Ihr habt mir eure Zeit gegeben und ich euch die meine. So sind wir einig. So überlasse ich euch dem Schutze Gottes, er soll euch behüten, und sein Wille soll an euch geschehen. Gott zum Gruss.
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 18.10.1978 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)