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Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 1/2023 zum Thema Der siebenteilige Schöpfungsplan
Geistige Welt 1/2023
Der siebenteilige Schöpfungsplan
Beschreibung

In der himmlischen Welt ereignete sich vor unermesslichen Zeiten eine Revolution der Geister. Unter der Anführung Luzifers lehnte sich ein Teil der Engel gegen Christus, den König der Geisterwelt Gottes, auf. Als Luzifer und sein Anhang glaubten, stark genug zu sein, um die Herrschaft im Reich der Geister an sich zu reissen, wurden sie auf Befehl Gottes aus den Himmeln gestürzt. Gott erbarmte sich der Gestürzten und schuf gemeinsam mit Christus einen siebenteiligen Plan, damit sie sich wieder bessern und in den Himmel zurückkehren konnten. Der erste ’Tag‘ dieses Planes sah einen leichteren Aufstieg in einer geistigen Sphäre, dem Paradies, vor. Doch leider vermochten die ausgewählten führenden Geistwesen Adam und Eva mit den Ihren die an sie gestellte Aufgabe des Gehorsams nicht zu erfüllen. So kam der zweite, beschwerlichere und längere, dafür aber auch sichere Teil des Planes zur Anwendung: der Aufstieg der Gestürzten über die materielle Erde, über Einverleibungen im Pflanzen- und Tierreich bis hin zur Stufe des Menschseins. Doch diese neue Welt musste erst geschaffen und für die Beseelung niedersten und schliesslich höheren Lebens vorbereitet werden.

Themenheft 1/2023: Der siebenteilige Schöpfungsplan

Inhalt
Der grosse Plan zur Heimführung der gefallenen Geister

Lene, 20. September 1970 (Ausschnitt)

Der grosse Plan zur Heimführung der gefallenen Geister

In der himmlischen Welt ereignete sich vor unermesslichen Zeiten eine Revolution der Geister. Unter der Anführung Luzifers lehnte sich ein Teil der Engel gegen das Königtum Christi auf. Als Luzifer und sein Anhang glaubten, stark genug zu sein, um die Herrschaft im Reich der Geister an sich zu reissen, wurden sie auf Befehl Gottes aus den Himmeln gestürzt. Nach diesem Geisterfall erbarmte sich Gott der Gestürzten. Er suchte nach Mitteln und Wegen, um ihnen eine Rückkehr in den Himmel zu ermöglichen. Gemeinsam mit seinem eingeborenen Sohn Christus schuf er einen siebenteiligen Plan für die Erlösung und für den Aufstieg seiner Geschöpfe. Für die Zeichnung und Verwirklichung dieses Plans wurden schöpferische Geister Gottes, grosse Künstler und Spezialisten, in vielseitiger Weise tätig.

Lene: [...] Liebe Geschwister, der Sonntag neigt sich dem Ende zu, doch immer noch ist es der Tag des Herrn. Dieser Tag gehört ihm, und so sollte es eigentlich sein. Den Sonntag sollte man zu Gottes Ehren leben, man sollte durch das Gebet ins Gespräch mit Gott kommen. Es ist der Tag des Herrn. Eigentlich war es in früheren Zeiten ja so, dass es jenem auserwählten Volke nicht gestattet war, an diesem einen Tage Geschäfte zu machen, damit man sich nicht allzu sehr bereichert. Daher hatte es Gott in seinen Geboten so befohlen, dass man den Sonntag heiligen soll (vgl. 2. Mos. 20, 8–11). Einen Tag der Woche soll man zur Ehre Gottes leben und sich bewusst sein, dass es der Tag des Herrn ist und nicht nur ein Tag zum Vergnügen.

Der geistgläubige Mensch wird seine Gedanken erheben und ein Gebet sprechen. Er wird die Arbeit ruhen lassen, Gott danken und mit ihm ins Gespräch kommen. Man soll sich also an diesem Tage nicht bereichern, da allzu viel irdische Bereicherung für den Menschen gar nicht gut ist.

Es heisst – beziehungsweise man verkündet es so in der Christenheit –, Gott hat die Erde in sechs Tagen erschaffen und am siebenten Tage ruhte er (1. Mos. 2, 2). Dazu habe ich einiges zu sagen. Ich glaube kaum, dass wirklich jemand von euch der Auffassung ist, die Erde sei in sechs Tagen geschaffen worden und am siebenten Tage habe Gott dann geruht. Es ist so schade, dass man solches verkündet und den Kindern beibringt. Mit der Unwahrheit fängt es damit schon an. Ich möchte euch nun aus geistiger Sicht erklären, was es mit diesen sechs Tagen und mit diesem siebenten Tag auf sich hat.

Über den Schöpfungsplan seid ihr im Laufe der Zeit immer wieder unterrichtet worden, und so wisst ihr ja, warum diese Erde geschaffen werden musste. Sie musste geschaffen werden, damit es für einen aufsteigenden Geist einen Ort gibt, wo er als einverleibtes Wesen die Möglichkeit hat, sich zu verbessern, um wieder zurückzugewinnen, was er einst verloren hat. Es gibt also einen Weg, den man beschreiten kann, um Verlorenes wiederzufinden, um der Vollkommenheit entgegenzugehen – nach dieser Vollkommenheit zu suchen.

Ihr wisst auch, dass diese Geister wegen ihres Ungehorsams aus den Himmeln gestossen wurden, dass Gott sich ihrer wieder erbarmte und nach Mitteln und Wegen suchte, um für sie einen Aufstieg zu ermöglichen. Zuerst hat Gott selbst einen grossen Plan geschaffen. Der Plan für die Erlösung und für den weiteren Aufstieg seiner Geschöpfe ist gemeinsam von Gott und von Christus gemacht worden – ein Plan in grossen Zügen, wie man gedachte, es zu tun. Die Idee kam vom Schöpfer. Er hatte seinem Sohne in grossen Teilen erklärt, wie er gedenke, dass es getan werden kann, damit seine Kinder wieder zurückkehren können.

Man hatte also einen grossen Plan gezeichnet und ihn in sieben Teile geteilt. Ich werde euch jedoch nicht alles erklären können. Beim ersten Teil des Planes hoffte man, dass der Aufstieg nur in der geistigen Welt geschehen könnte und es dazu nicht diese Erde brauchen würde. Dieser erste Teil betraf das Paradies, von dem man spricht, wo Adam und Eva gelebt hatten. Man hoffte also, den Verstossenen im Geistigen, nur mit geistigen Leibern, also als Geist, diesen Aufstieg ermöglichen zu können. Dazu hatte man zwei Geister auserwählt. Sie sollten für die ganze zukünftige Geisterschar von Bedeutung sein.

Würden sie die Prüfung bestehen, sollte sie für alle als bestanden gelten. Wenn sie diese aber nicht bestünden, würde das der ganzen Geisterschar als Schuld aufgeladen werden.

Ihr kennt ja auch die Geschichte von Adam und Eva. Das geschah also nicht auf dieser Welt, sondern es war eine geistige Ebene. Das war der erste Teil des Planes. Nun hat er sich nicht erfüllt, da es keinen Erfolg gab. Man kann daraus sehen, welche Hoffnung man in diese Geschöpfe gelegt hatte, dass sie die Prüfung bestehen würden. Dies will ich nur betonen, weil gewisse eifrige Gläubige der Meinung sind, Gott wüsste alles und er brauchte keinen Menschen zu prüfen, denn für ihn sei eigentlich alles vor seinen Augen klar. Dem ist aber nicht so, weil jedes Geschöpf seinen freien Willen hat und selbst entscheiden muss. Denn aus dieser freien Willensentscheidung war ja auch der Abfall entstanden. Dies nur nebenbei.

Da sich der erste Plan nicht verwirklichen liess, ging man nun an die Ausarbeitung der weiteren sechs Pläne. Christus rief die Seinen zu sich – jene Engel mit ihren schöpferischen Talenten und Kräften –, um mit ihnen diese Pläne und all das, was Gott ihm anvertraut hatte, zu besprechen. Man ging auf die Suche, um unter diesen Engelscharen jene hervorzunehmen, die schöpferisch tätig sind, die ihre besonderen Talente hatten. Der eine Plan hatte sich nicht umsetzen lassen, nun waren sechs weitere Pläne in Vorbereitung. Christus legte seinen Brüdern und Schwestern dar, was ihm der Vater anvertraut hatte: Es wird einen Ort geben müssen, wo Menschen leben können. Sie müssen dort geprüft werden und können dort ihren Glauben an Gott zum Ausdruck bringen. Sie werden auch schwersten Prüfungen ausgesetzt sein. Wer durch diese Prüfungen schreitet, hat die Möglichkeit – wenn er gläubig ist und sich nach dem Höheren, Göttlichen ausrichtet –, Stufe für Stufe aufwärts zu nehmen, um so vorwärtszukommen.

Alles musste besprochen werden, denn es war ja noch nichts bereit. Die Erde war nicht so, wie sie heute ist, sondern nur eine glühende Kugel. Ich weiss, es deprimiert viele, wenn ich sage, dass es Milliarden von Jahren gedauert hat, bis sich diese Erde abgekühlt hatte und es so weit war, dass es möglich ward, Leben auf diese Erde zu bringen. Nun mussten also diese Geister Gottes schöpferisch tätig werden.

Im Geistigen ist es wie bei euch: Es gibt verschiedene Berufe, und die einen sind Spezialisten. Im geistigen Reich hat es arbeitende Geistgeschwister und eben solche Spezialisten, die schöpferisch tätig sind. Sie haben die Ideen und können diese Ideen umsetzen, zur Entfaltung bringen. Sie tun nichts anderes, als fortwährend schöpferisch zu wirken. Sie zeichnen immer wieder Pläne. In diesen Plänen nehmen sie die Änderungen vor. Aber nicht sie selbst führen dann diese manuellen Arbeiten aus, dafür sind arbeitende Geistgeschwister da. Es ist genau wie bei euch. Immer wieder machen wir euch darauf aufmerksam, dass unsere Welt der eurigen so ähnlich ist.

Diese hohen Geister, die sich da zusammenfanden, sind grosse Künstler mit vielfältigen Fähigkeiten. So fand ein Wettbewerb statt. Wenn ihr die Schöpfung Gottes mit euren Augen betrachtet, diese unendliche Vielfalt, kommt sie auch aus dem geistigen Wettbewerb der Engel Gottes hervor. Der eine schöpfte etwas Neues, noch etwas Schöneres. So war es auch im wahren Sinn des Wortes ein Wettbewerb.

Dann kam der Zeitpunkt, als diese Erde Leben tragen sollte. Niederes Leben sollte auf dieser Erde Fuss fassen. Damit es überhaupt dazu kommen konnte, mussten diese Pläne von anderen hohen Geistern verwirklicht werden. Es musste eine Verbindung von der Erde zu den andern Planeten geschaffen werden. Man musste mit der Kraft, die diese Planeten umgibt, wirksam arbeiten. Man musste diese Kraft mit der Erde in Verbindung bringen, und diese Erde brauchte auch noch eine besondere Gedeihungskraft. Diese musste von Gott gegeben werden. Es war ja zuerst alles nur auf dem Papier, wie ihr sagt. Nur Pläne waren vorhanden. Nun mussten jene Engel diese Dinge berechnen. Das Leben, das man dachte, auf diese Erde zu senden, musste auch lebendig werden können. Das sollte durch Gott geschehen. Dies wurde im letzten Plan, dem siebenten Plan, festgehalten. Eben der Sonntag, der Tag des Herrn, ist es, symbolisch gesprochen. So sieht man, wie die Dinge verzerrt worden sind.

Zurück zum Zeitpunkt, als Leben auf der Erde geschaffen werden sollte: zuerst niederes, dann höheres. Ihr wisst es ja selbst, denn diese vielen Stufen des Lebens sind euch ja im Laufe der Jahre immer wieder erklärt worden: das Leben in den Mineralien, das Leben in den Pflanzen, das Leben im Tierreich. Alles musste seine Verbindung zur geistigen Welt haben. Welch ungeheure Arbeit, welch Geschicklichkeit, welch schöpferische Talente mussten da wirksam werden. Es mussten insgesamt sieben Pläne genau berechnet und gezeichnet werden. Als dann alles exakt verarbeitet, überprüft und noch einmal überprüft wurde, stand ihnen der König zur Verfügung. Der König selbst war es, der die Pläne seiner hohen, erhabenen Geistgeschwister prüfte und ihnen neue Ideen gab. Denn es heisst doch: “Durch ihn ist geworden, was da ist – durch den König.” Er hat alles geleitet, er stand mit dem Vater in Verbindung, er empfing von ihm als Erster diese Idee. Der Vater eröffnete seinem Sohne die Möglichkeiten, wie man es tun könnte. Der Sohn Gottes, ausgestattet mit der grössten schöpferischen Kraft, mit der grössten Erhabenheit und Vollkommenheit, hat doch die Einsicht und die Übersicht über alle Dinge, über all diese vielen Stufen hinweg.

All das war im Bilde festgehalten, als noch nirgendwo Leben auf Erden war. Nun musste Gott die Kraft dafür geben. Ihr wisst auch, dass ihr dem geistigen Leibe nach Christus zugehörig seid; das Leben aber hauchte euch Gott ein, denn der Funke Gottes kommt vom Schöpfer, von Gott. So war es Gott, der dieser Erde seinen Atem gab. Dadurch wurde die Möglichkeit geschaffen, dass das Leben seinen Anfang nahm. Nur langsam ging der Aufstieg voran. Bedenkt einmal, wie es damals auf Erden aussah: Es gab noch keine solche Vegetation wie heute, nur langsam ging das Wachsen. Es geschah so, wie euch gesagt wurde: Gott gab den Kern zur Vollendung, zum Gedeihen. Dieser Kern wurde in die Erde gelegt, wurde ihr gegeben. Auf dieser Erde konnte langsam aufgebaut werden bis hin zum Menschen. Es stand das Gewaltige zur Verfügung, das durch Gottes Willen und durch Christus geschehen ist: Die Gewalten sind geschaffen worden. Sie sollten dienen, dem Menschen zum Aufstieg, dem Menschen zur Prüfung.

Ihr habt jetzt einen ungefähren Einblick in die grosse Tätigkeit der Geister Gottes. Ihr könnt nun verstehen, wenn euch gesagt wird, dass, ehe Jesus Christus geboren war und diese verstossenen Geister noch im geistigen Reiche in Verbannung waren, Engel Gottes zu ihnen gingen und sagten: “Es wird ein Erlöser kommen, der euch befreien wird. Ihr werdet wieder zurückkehren können.” Diese Engel, die diese Botschaft verkündeten, mussten nicht unbedingt die Stunde kennen, wann solches geschehen würde. Sie kannten aber die Pläne der Schöpfung Gottes und wussten, dass Christus die Menschwerdung annehmen wird. Sie wussten, dass er als Mensch unter Menschen leben würde und als Mensch seinen Gottesglauben verteidigen musste.

Ihnen war klar, dass er den Menschen von dieser anderen Welt erzählen würde. Damals wollte man nicht unbedingt etwas von der Lehre Christi wissen. Man glaubte auf seine eigene Art und Weise und hing den Propheten an, die Christus vorangegangen waren. Zur Zeit Jesu waren die Menschen nicht bereit, eine neue Lehre anzunehmen. Man hatte versucht, das Alte zu verteidigen. Man glaubte nicht, dass Christus der Sohn Gottes ist.

Liebe Geschwister, ich möchte noch erwähnen: Es ist bei den Menschen sehr oft so, dass sie nicht gerne etwas Neues annehmen. Sie möchten bei dem Glauben bleiben, den sie vielleicht schon seit ihrer Kindheit besessen haben, einem Glauben, den man ihnen vielleicht sogar aufgezwungen hatte. Sie möchten nichts Neues annehmen, weil sie gar nicht bereit sind, zu überlegen und nachzudenken, dass es auch einen Fortschritt gibt und man nicht immer beim Alten bleiben muss. Betrachtet einmal eure heutige technische Entwicklung. Welchen Fortschritt hat sie doch genommen. Soll denn nur die Technik ihren Fortschritt nehmen? Auch im geistigen Glauben soll man fortschrittlich werden. [...]

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 20.9.1970 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1970 in Flims Waldhaus (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Fragebeantwortung

Josef, Fragebeantwortung aus dem Jahre 1951

Fragebeantwortung

Lieber Josef, du hast uns über den Sturz der Geister aus dem Himmel unterrichtet und uns erklärt, dass die Sünde des Abfalls durch die Erlösung getilgt wurde. Was aber hat es denn mit dem biblischen Bericht über die Vertreibung aus dem Paradies und mit dem Schuldspruch auf sich, der da über die Menschen ausgesprochen wurde (vgl. 1. Mose 3, 17–19)?

Josef: Liebe Seele, bei dem Sturze dieser vielen Wesen aus den Himmeln galt das Wort Gottes, das heisst, es lag in Gottes Gerechtigkeit, dass diese Wesen aus den himmlischen Sphären ausgestossen werden mussten; denn sie waren Gott ungehorsam, sie waren Verräter. Alle Wesen sind Geschöpfe Gottes. Gott allein – möchte ich sagen – ist ewig. Auch Christus ist eine Schöpfung Gottes. So unterstanden und unterstehen heute noch alle Wesen dem Willen Gottes, dem Worte Gottes. Und dadurch, dass Gott ihnen das Höchste gab, das er ihnen geben konnte – nämlich den freien Willen –, konnten sie sich frei betätigen und frei denken in der geistigen Welt; ihre Gedanken waren frei, so wie ihr denken könnt, was ihr wollt.

Und da Christus, die erste und schönste Schöpfung Gottes, zum König über diese geistige Welt erkoren wurde, entflammte in Luzifer, der die zweite Schöpfung war, der Neid. Ja er wurde eifersüchtig, möchte ich sagen, er konnte nicht mit ansehen, dass nicht ihm diese Gewalt gegeben wurde. Dies war sein freier Wille, der heute noch ist in der geistigen Welt. Und so hatte es doch unendlich lange gedauert – ja ich möchte sagen, eine unendlich lange Zeit, die ich nicht mit irdischen Begriffen benennen kann –, bis alles so weit entwickelt war, bis zu diesem Zeitpunkt, da es zu diesem Aufstand kam. Luzifer musste damals doch alles bis in alle Einzelheiten genau durchdenken. Und er hatte unendlich viele Scharen dieser Wesen um sich gesammelt. Und so wurden sie alle gestürzt.

Dann aber kam doch das Mitleid. Gott hatte doch Mitleid mit diesen vielen Wesen, die nicht in direkter Schuld waren, die mitgezogen waren mit Luzifer, die sich überreden liessen von diesem Anführer. Und da sann man in der geistigen Welt schon nach, wie ihnen die Erlösung gebracht werden könnte. Zu jener Zeit bestand noch keine irdische Welt, es bestanden nur die geistige Welt und diese Tiefen, diese finstere Welt, wo die gefallenen Geister ihre Wohnung einnehmen mussten. Die Erde bestand aber noch nicht. Gott hatte aber schon Erbarmen mit diesen Wesen, und Gott und Christus zusammen sannen darüber nach, welche Bedingungen oder Verhältnisse zu ihrer Erlösung geschaffen werden konnten. Und so hatten sie einen Plan.

So bauten sie eine Sphäre auf, und diese Sphäre ist das Paradies, es ist eine gesonderte geistige Sphäre. Gott hat dieses Paradies mit all seiner Herrlichkeit erbaut. Diese gesonderte Sphäre hatte wohl eine Verbindung mit dem Hause Gottes, aber sie gehörte nicht zum Himmel. Damals bestand also der Himmel, das Paradies und die Hölle.

So hatte dann Gott eines der abgefallenen Wesen, das in seiner Entwicklung so weit war, dass es in dieses Paradies eintreten konnte, ausgesucht. Denn wisst ihr, liebe Freunde, nicht jedes Wesen war gleich schuldig. Und dieser Adam oder diese Wesen, die in diesem Paradiese waren, sie waren einst auch besondere Engel Gottes.

So wurden sie in diese Sphäre, in dieses Paradies, hineingeführt und hatten dort Gott Gehorsam zu leisten. Sie hatten Aufgaben zu erfüllen, wie ihnen Gott befohlen hatte. Sie mussten wirken nach Gottes Wort. Gott befahl ihnen, dieses zu tun und jenes zu lassen. Und so hatten diese Wesen, die in diesem Paradiese waren, ihre Aufgaben nicht erfüllt. Sie hatten von dem nicht gelassen, was Gott ihnen befahl; sie versündigten sich, und Gott hat zu ihnen gesprochen: “Warum habt ihr mir nicht gehorcht?”

Da seht ihr wiederum: Der freie Wille waltete in dieser Sphäre genauso wie im Himmel. Und so musste Gott erkennen, dass er diesen Geschöpfen mit ihrem freien Willen, die er geschaffen hatte, nicht trauen konnte. Dies steht auch in euren Schriften: “Nicht einmal seinen Engeln kann er trauen” (Hiob 4, 18 und 15, 15).

So musste Gott erkennen, dass eben diese vielen Wesen, die er geschaffen hatte, schwach waren, dass er ihnen in diesem Paradiese zu viel Schönes und zu viel Glück gegeben hatte. Sie waren nicht zufrieden, sie wollten ihren Willen durchsetzen. Und dieses war eine Prüfung, Gott wollte sie prüfen. Denn hätten jene Geschöpfe ihre Aufgaben in diesem Paradies erfüllt, dann hätte es andere Möglichkeiten gegeben für die Rückkehr ins Haus Gottes – es hätte nicht die Erde erschaffen werden müssen; es müssten nicht Menschen in diesem Sinne zur Erde gehen. Es bestünden andere Wege, damit diese Wesen aus der Tiefe wieder in die göttliche Welt hätten emporsteigen können.

So hatte Gott erkennen müssen, dass die Rückkehr auf diesem Wege nicht möglich war, und so hatte er diese Wesen aus dem Paradies verstossen. Sie mussten wieder in die Tiefen hinuntergehen; und es wurden Engel Gottes mit feurigen Schwertern an die Grenzen des Paradieses gestellt, um darauf zu achten, dass sie nicht wieder zurückkamen. (Vgl. 1. Mos. 3, 24.)

Und von da an fängt der besondere Heilsplan Gottes an [wie er heute besteht]. Denn auf jene Verhältnisse im Paradies mussten wieder andere Verhältnisse geschaffen werden. Es musste von Neuem danach geforscht werden, was getan werden konnte, um diese Wesen doch wieder ins Haus Gottes zurückzuführen. Also musste ein anderer Weg geschaffen werden, ein viel weiterer Weg, auf dem für diese Wesen viel mehr Möglichkeiten bestehen, den Weg ins Haus Gottes doch noch zu finden.

Und so möchte ich sagen: Es gab [für die aufsteigenden Wesen] einen Schlaf, ein Erwachen, einen Schlaf, ein Erwachen – Erwachen, Erwachen und immer wieder Erwachen, bis es so weit war, liebe Freunde, dass diese materielle Erde so weit geschaffen war, dass Menschen auf ihr leben konnten. (1951)

Die Erschaffung und Beseelung der Erde

Lene, 19. September 1965 (Ausschnitt)

Die Erschaffung und Beseelung der Erde

Der erste Plan zur Heimführung der gefallenen Geister sah vor, den weniger Verschuldeten einen leichteren Weg des Aufstiegs in einer geistigen Sphäre, im Paradies, zu ermöglichen. Doch leider gelang dies nicht. Die dafür ausgewählten führenden Geister Adam und Eva vermochten die an sie gestellte Prüfung nicht zu bestehen. Und so kam der zweite Plan zur Heimführung zur Anwendung: der Aufstieg über die materielle Erde. Geistlehrerin Lene gibt in diesem Vortrag Einblick in die Planung und den Aufbau der irdischen Schöpfung unter der Anleitung und Führung Christi. Sie vermittelt einen Eindruck von den gewaltigen Zeiträumen, bis es auf Erden zu einer Beseelung kam und sich irdisches Leben langsam entfalten konnte.

Lene: [...] Liebe Geschwister, auf verschiedene Art und Weise geben wir euch Einblick in die Himmelswelt, in die Schöpfung Gottes. Wir versuchen, diese Türen immer etwas mehr aufzutun. Denn ihr seid doch voller Interesse und möchtet über viele Dinge Bescheid wissen. Nun, die hohe Geisteswelt hat es sich zurechtgelegt, was für euch zu wissen gut ist. Als wir letztes Jahr so beieinander waren, gab ich euch Einblick in den Schöpfungsplan und durfte erklären, auf welche Art und Weise der Sturz der Geister zustande gekommen war. Nun beschäftigt ihr euch mit der Schöpfung Gottes, und so wird es euch doch ganz bestimmt interessieren, wie diese Schöpfung aufgebaut worden ist. Darüber möchten wir euch – und ich tue es nicht allein, denn ich habe die Unterstützung meiner geistigen Geschwister – näher unterrichten.

Ihr wisst, dass jene Wesen [wegen ihrer Untreue zu Christus] aus den Himmeln gestürzt wurden; darauf brauche ich nicht mehr zurückzukommen. Aber ich muss noch hinzufügen, dass nach diesem Sturze die treu gebliebene Gotteswelt sehr traurig war. Betrübt waren sie über das ganze Geschehen. Nun, Gott hatte sich sofort seiner Kinder erbarmt. Er hatte mit Christus die Zukunft besprochen, auf welche Art und Weise diesen Geschwistern geholfen werden sollte, damit sie den Weg wieder zurückfinden könnten.

Christus als König der göttlichen Welt gab den Entscheid Gottes zuerst den Geistführern des Himmels kund. Ihr wisst, dass die Engelwesen in Chöre oder Familien eingeteilt sind und dass ihnen jeweils ein Geistführer vorsteht, der eine gehobene Stellung einnimmt. Diese Führer hatten erste Fühlung mit Christus, dem König, und der König tat jeweils ihnen den Entscheid zuerst kund. Die Geistführer ihrerseits gaben die Nachrichten den Ihrigen weiter – ihr kennt diese Hierarchie. Menschen haben im Allgemeinen davon eine falsche Auffassung, indem sie glauben, im Himmel wäre einfach alles offenbar, während sie anderseits überhaupt keine Vorstellung von der wirklichen Ordnung Gottes haben. Der König, Christus, hatte also seine ihm treu gebliebenen Geistführer um sich geschart. Er offenbarte ihnen den Plan, den Gott ihm offenbart hatte. Denn zuerst hatte Gott ja Christus zu sich gerufen und mit ihm die Zukunft besprochen. Gott gab die Anregungen für die Zukunft, und Christus nahm sie entgegen und unterbreitete dann den Willen Gottes den anderen Fürsten des Himmels, diesen Geistführern.

Gottes Liebe ist unendlich ... Menschen vermögen dies nicht zu fassen. Gottes Erbarmen war ebenso gross. Für jene, die an der Schuld des Falls nicht so stark beteiligt waren, wollte Gott einen leichteren Weg des Aufstiegs ebnen. Er hatte dafür zwei Geister [Adam und Eva] bestimmt. Diese zwei Geister hatten auch in der Himmelswelt eine führende Stellung innegehabt. Ihr Verschulden war in jenem Masse, dass sie als Erste aufsteigen durften. Gott wollte keine allzu schwere Strafe fällen. Diese ersten beiden sollten den Beweis erbringen für Gehorsam und Treue, für die ganze zukünftige Geisterschar. So wurden sie in eine jenseitige Welt [das Paradies] gebracht. Dort sollten sie ihren Aufstieg beginnen, und ihnen wurden Bedingungen gemacht – sie wurden auf diesen Gehorsam geprüft. Man lobpreiste des Herrn Barmherzigkeit und Liebe, denn man sah die Möglichkeit des verhältnismässig kurzen Weges des Aufstiegs, der für jene geebnet worden ist, die nicht zu stark verschuldet waren.

Doch hatten sie diesen Gehorsam nicht geleistet; es kam abermals zum Fall. Enttäuscht waren die treu gebliebenen Geister des Himmels. Wieder herrschte grosse Trauer bei den geistigen Führern des Himmels. Und der Vater sprach erneut mit Christus. Es musste ein ganz anderer Weg geschaffen werden. Dieser Weg sollte viel länger gehen, und zugleich sollten auch jene mit eingeschlossen werden, die im tiefen Verschulden waren. Eine neue Welt sollte erbaut werden, und durch diese neue Welt hindurch sollten sie alle den Weg machen – mit einer bestimmten Ausnahme: jenen, die dafür ausgewählt wurden, in der Parallelstufe in der Jenseitswelt aufzusteigen. Und diese neue Welt wurde über Milliarden von Jahren hin geschaffen. Diese neue Welt sollte dann beseelt werden. Die Beseelung sollte still und stumm vor sich gehen, auf viele, ungezählte Jahre hinaus; es ist überhaupt schwer, von Zeit zu sprechen, denn im Gegensatz zu euch Menschen fehlt uns dieser Zeitbegriff.

Nun, diese neue Welt wurde geschaffen und beseelt. Beseelt wurde sie durch die Gesteine, durch die Pflanzen. Lange Zeit dauerte es, bis weiteres Leben in diese Welt kam. Doch dann, nachdem Leben in diese Welt hineindrang und es langsam aufstieg, wandelte sich daraus neues, höheres Leben: die Tierwelt. Da die Tiere doch Nahrung finden mussten, musste zuerst das Pflanzenreich geschaffen werden. Noch lange nicht war es Zeit für den Menschen – es dauerte sehr lange. Die göttliche Welt, das heisst, diese geistigen Führer gemeinsam mit Christus haben den Aufstieg dieses Lebens auf der Erde sorgfältig durchdacht. Gott gab Christus Hinweise, legte es aber in die Hände seines Sohnes. Es begann unter diesen Himmelsfürsten ein grosses Eifern; es wurde ein Plan geschaffen. Ich habe bereits von der Beseelung gesprochen ... Es hat ja allerlei gebraucht, bis es überhaupt zu dieser Beseelung gekommen ist – eifrig waren die hohen Fürsten des Himmels. Wie euch auch schon erklärt wurde, sind unter diesen Himmelsfürsten grosse Künstler. Da die Fähigkeiten dieser hohen Himmelswesen sich voneinander unterscheiden, teilte man den Aufbau auf. Die jeweils geeigneten Himmelsfürsten übernahmen eine bestimmte Aufgabe, die sie verfolgen sollten. So half jeder dort mit, wo er seine grösste Fähigkeit hatte. Es mussten zuerst viele Ideen geboren werden; sie mussten dem König vorgelegt werden, ehe es zur Beseelung kam. Der König sollte die Zustimmung geben – und er tat es. Er sagte nicht zu allem Ja, was ihm seine Geschwister vorlegten. Er nahm auch Veränderungen, Verbesserungen vor. Wenn ihr selbst etwas baut, dann werdet ihr auch zuerst einen Plan machen und in alle Einzelheiten alles berechnen. So musste es auch die himmlische Welt tun. Es brauchte seine Zeit, bei der man nicht nennen kann, wie lange es dauerte, bis es zur Beseelung kam.

Diese Erde war noch nicht so beschaffen, wie sie es heute ist, sondern sie war eine glühende Kugel. Sie musste zuerst abgekühlt werden. Könnt ihr euch ungefähr vorstellen, es berechnen, wie lange dies gegangen ist? Es hatten also, bis es so weit war, die Himmelsfürsten Gelegenheit, ihre Pläne auszuarbeiten, um eine Beseelung vorzunehmen. Wenn ich auch von Zeit reden darf: Es dauerte Milliarden von Jahren.

Es mag den einen oder andern traurig stimmen, das zu hören. Es liegt wohl auch in der Weisheit Gottes, dass der Einzelne nicht weiss, wie er schon von Sehnsüchten geplagt wurde und dass er sich so nach dem verlorenen Reichtum sehnte, nach Frieden und Ruhe. Nun, ihr Menschen ahnt nichts von diesen Sehnsüchten, die wahrhaftig einmal im Innersten eurer Seele waren. Die göttliche Welt hat nun alles so wunderbar in jene Ordnung gebracht, gesondert, eingeteilt, in so viele Entwicklungsstufen. Es gab für diese himmlischen Wesen wahrhaftig Beschäftigung genug. So hatte sich ein grosser Teil der Himmelswelt mit der Zukunft beschäftigt, und sie mussten jeweils ihre Anregungen dem König unterbreiten.

Die Ärmsten aber, jene, die in den Tiefen verbannt waren, wurden auch nicht vergessen. Andere Wesenheiten waren dazu bestimmt, sich ihrer anzunehmen. Sie drangen zu ihnen in ihre Welt, in die Dunkelheit hinein, brachten ihnen Trost und sprachen vom Aufstieg. Denn diese getreuen Wesenheiten, die zu den Ärmsten niedergingen, kamen doch mit den anderen Geschwistern des Himmels zusammen. In dieser Weise gab es in der Himmelswelt kein Geheimnis. Die Getreuen hatten Einblick in den Zukunftsplan, der ausgedacht worden war. Sie durften diesen Trost ihren ärmsten Geschwistern bringen, aber sie wussten auch, wie lange es gehen würde, dass es ein langer Weg wäre, um wieder zurückzukehren. Die Welt der Finsternis durfte jedoch nicht schalten, wie sie wollte, denn sie ging unbarmherzig auf die Geschwister los, voller Unruhe, voller Hass, voller Ungeduld. Sie kannte nur Streit, verbreitete nur Unglück. Aber auch darüber sollte die Gotteswelt ihr Auge halten. Jene sollten nicht tun dürfen, was sie wollten. Immer erneut wurden sie zurechtgewiesen, und dennoch versuchten sie es immer wieder. Und die gute Geisterwelt kämpfte, was in ihrer Macht und Kraft lag zu tun.

Ihr wisst auch, und dabei möchte ich mich nicht näher aufhalten, dass dieser höllische Bereich auch seine Aufstiegsstufen hatte. Die weniger Belasteten standen in den oberen Stufen und warteten auf die Beseelung. Noch wussten sie nicht, welchen Weg sie gehen sollten – sie wussten nur vom Trost, den man ihnen brachte, und von der Erlösung aus dem Banne dieser höllischen Gewalt. So hatten ganze Scharen von Himmelswesen zu tun: einerseits dass sich die Missstände nicht allzu sehr ausweiteten, anderseits um den Geschwistern Trost zu bringen. Es gab viel Arbeit ...

Nun muss ich einen grossen Sprung machen, denn ich kann nicht in allen Einzelheiten erklären, was in diesen höllischen Bereichen und ihren Aufstiegsstufen geschehen ist – es ist nichts besonders Erfreuliches. Das Erfreuliche ist das Erbarmen Gottes und seine Liebe, die er den Seinen, durch diese Botschaft, bis in die tiefsten Tiefen bringen liess. Als es dann so weit war, dass die Welt beseelt werden konnte, ging man auch nur stufenweise vorwärts. Es ist ein grosser Irrtum, wenn man sagt, Gott habe diese Welt in einem oder in sechs oder sieben Tagen geschaffen (1. Mos. 1, 1–31 und 2, 1–4). Das, was ich euch jetzt erkläre, soll euch einen Einblick in die Unendlichkeit geben. Wenn nun die Gesteinsmassen beseelt und jene aus der Tiefe aufsteigenden Geister da hineingeführt wurden, bedeutete das schon einen grossen Schritt vorwärts. In diese Gesteinsmassen beseelt wurden welche von den oberen Stufen; aber es wurden auch grosse Scharen von jenen Geistern, die ein gequältes Leben leben mussten, in die Gesteinsmassen gebannt.

Betrachten wir nun die Welt oder die Natur, wie sie heute ist. Ihr wisst, dass überall Leben ist: Auch im Stein ist Leben, der Stein ist nicht tot. Ihr könnt Kinder sehen, die die schönen, hellen Steine zusammentragen und damit spielen. Sie werden von dieser nur scheinbar toten Masse doch angezogen. Unbewusst nimmt das Kind dieses andere Leben in seine Hände. Für das Kind ist es Spiel: Der Stein, mit dem es spielt, ist in dem Sinne wertlos, aber es kann ihm eine Welt bedeuten; das Kind fühlt etwas Lebendiges in diesem Stein.

Zuerst wurden also diese Gesteinsmassen beseelt. Dann konnte sich aus den Gesteinsmassen das höhere, aufgestiegene Leben herausschaffen. Es war jenes Leben, oder es waren jene Seelen, die in den oberen Stufen des Aufstiegs dieser höllischen Bereiche waren und auf ihren weiteren Aufstieg warteten. Nun musste auch das Pflanzenreich geschaffen werden. So gab es einen langsamen Aufstieg – einen langsamen Aufstieg, sage ich.

Ich erwähnte, dass die Engel des Himmels wetteiferten. Es gibt doch so viele Stufen, und jede Stufe hat ihre besondere Bedeutung. So sollten jene Geschwister von der niederen bis zur höheren Stufe schreiten, bis wieder eine Entwicklung abgeschlossen war. Es gab in der Gotteswelt ein Eifern, damit die Natur den Menschen, die einst auf der Erde leben würden, zur Freude sein sollte. Die Menschen sollten sich erfreuen an der Natur – an den Mineralien, am Pflanzen- und Tierreich –, an allem, was da auf dieser Erde lebt, sollten sie sich erfreuen. So eiferten die Heiligen des Himmels, als es um den höheren Aufstieg ging. Viele Gattungen mussten geschaffen werden, viele Arten. So sollte diese Welt doch auch so vielseitig werden – die Ideen dafür nahm man vom Himmelreich. Das Leben wurde jedoch in einen anderen Leib gebracht. In der Himmelswelt ist der geistige Leib edel und vollkommen; aber nun ging es um eine ganz andere Gestaltung, und so wurde dies alles in unvollkommene Leiber beseelt. Doch auch ein unvollkommener Leib sollte für das Auge des zukünftigen Menschen bewunderungswürdig sein. Es konnte jedoch erst der Samen dafür ausgelegt werden. Noch konnte die Erde nicht mit ihrer Blumenpracht so dastehen, wie sie es heute kann. Zuerst musste der Samen reifen; es brauchte dafür wieder lange, lange Zeit. So wurde bestimmten führenden Geistern die Aufgabe übertragen, für den Aufstieg des zukünftigen Menschen, für die Beseelung der Menschen besorgt zu sein. Dementsprechend schufen und wirkten sie.

Nun möchten wir wiederum einen grossen Schritt vorwärts tun in jene Zeit, als der Erlöser den Weg ins Erdenreich antreten sollte. Wie vieles ist geschehen im Aufstieg bis zu diesem Zeitpunkt: Aus dem Tierreich heraus ist der Mensch emporgestiegen ... Es bedurfte überall des Beistandes der himmlischen Welt – sie war sehr tätig in diesem Erdenreich. Sie hatte ja hier – und ganz besonders bei den ersten Menschen – ihre Beschäftigung. Die ersten Menschen vernahmen auch die Stimmen der Geister, mit denen sie verbunden waren. Sie hörten die Worte, die ihnen von weit her zugerufen wurden. Es gab also eine Bindung vom Menschen zur Geisteswelt, denn die Geisteswelt war an der Schaffung des Menschen mitbeteiligt.

So konnte der Gottesglaube einigermassen Boden fassen. Doch nicht alle Menschen, die nun aus den verschiedenen Entwicklungsstufen aufgestiegen waren, deren Weg nun plötzlich geebnet wurde, waren gottesgläubig. Wohl waren sie auch mit Geistern Gottes in Verbindung, aber sie hörten auf jene, die ihnen aus der Dunkelheit, aus dem Totenreich, Anweisungen gaben. Zu jenen Menschen, die ohne Gottesglauben waren, gesellten sich auch fromme Propheten. Sie traten zu diesen Gottlosen hin, brachten ihnen das Wort Gottes – und bei Ungehorsam die Strafe. Diese Menschen wurden von der Geisteswelt oft sehr hart bestraft. Ihr Menschen würdet es heute nach euren Begriffen grausam finden. Ihr könnt euch nicht mehr in die Lebensbedingungen jener Zeit versetzen, die für euch so unendlich weit zurückliegt. Die Gotteswelt musste jene bestrafen, denn die Welt war nicht so bevölkert, wie sie es heute ist. So fingen sie an, sich vor Gott zu fürchten. Aus Furcht liessen sie manche Untugend, manches Laster. Aber nicht nur Gott strafte. Die niedere Geisteswelt benutzte die Menschen als Werkzeuge und trieb mit ihnen ein übles Spiel. So gab es damals nicht nur Kämpfe unter den Menschen, sondern es bestand auch ein steter Kampf zwischen guten und bösen Geistern. Diese Kämpfe dauerten so lange, bis Christus ins Erdenreich eintrat. Wohl gab es immer noch Kämpfe zwischen Gut und Böse, und es gibt sie noch heute, aber sie werden nicht mehr in dem Massstab ausgetragen – sie dürfen nicht mehr auf diese Weise ausgetragen werden wie damals.

Und dies, weil Christus den Sieg davongetragen hat. Er war zu seinem Bruder Luzifer hinabgestiegen und hatte ihm die Bedingungen gemacht. Diese Bedingungen haben das Heil der Menschheit zur Folge gehabt. Christus hat an sich gerissen, was er nur konnte. Er hat Bedingungen aufgestellt, die für Luzifer sehr hart waren. Es wurde weit in die Zukunft geplant. Ihr könnt in diese Zukunft ja nicht hineinblicken, und es ist gut, dass der Mensch es nicht kann. Durch Christi Erdenleben und durch seinen Sieg durfte die Erde mit viel mehr Leben beseelt werden. Die Tore jener verschlossenen Welt wurden aufgetan. Es sollte zu einem schnelleren Aufstieg kommen.

Christus hatte vom Vater Zeugnis gegeben. Verkündet wurde das Wort Gottes, der Wille Gottes wurde den Menschen gegeben. Mit Christus, so wisst ihr, hat eine neue Zeit begonnen. Denkt einmal diese knapp zweitausend Jahre zurück – wie viel hat sich in dieser Zeit zum Fortschritt, zum Aufstieg des Menschen ereignet im Gegensatz zu dem, was ich angedeutet habe aus der Zeit vorher, als ich euch im Geiste in jene Unendlichkeit hinein zurückgeführt habe. Wie langsam ging in jener Zeit die Entwicklung vor sich, und wie schnell geht heute die Entwicklung voran!

Viele Menschen können es nicht fassen, dass wahrhaftig Leben in den Gesteinsmassen ist. Aber Christus selbst sagte ja: “Wenn diese Steine schreien könnten ...” (vgl. Luk. 19, 40). Sie können nicht so schreien, dass es der Mensch vernimmt. Und manche fragen sich: “Warum wurden auch diese Gesteinsmassen beseelt? Warum hatte Gott nicht einen anderen, noch schnelleren Weg gefördert?” Gott hatte es ja gewollt. Aber betrachtet die Menschen, wie sie heute sind, wo sie in der Wissenschaft so weit fortgeschritten sind. Kann man wahrhaftig den Menschen in allen Dingen trauen? Sind sie zuverlässig und ehrlich? Betrachtet einmal die verschiedenen Völker dieser Welt. Welche Spannungen sind von einem Volk zum andern: Man traut einander nicht; Misstrauen ist in erster Linie da – man möchte dem andern den Besitz rauben. Es geht immer um den Besitz, und so viel Misstrauen ist noch da.

Ich möchte das nicht verallgemeinern, sondern ich möchte euch im Geiste zurückführen und sagen: Seht doch jene, die im Aufstieg sind. Sie haben noch nicht das Vertrauen und die Kraft – sie geben Gott den Gehorsam noch nicht. So musste für sie ein Weg geschaffen werden. Und jene, die da gebannt sind und nicht schreien können – es ist gut, dass sie nicht schreien können. Denn währenddem jene gebannt sind, ruht ein grosser Teil dieser Natur. Es sind derer noch genug, die auf einer solchen Aufstiegsstufe stehen, dass sie laut schreien können, und dieses Schreien ist ein Hindernis für den Aufstieg des Nächsten. Es gibt noch genug gewaltsame Menschen auf dieser Welt, die nicht das Heil des andern wünschen.

Weise ist es geordnet, sehr weise, dass man solches Leben bannt. Dieses Leben, gleich welcher Entwicklung es ist, es ist da, und aus ihm strömt eine Kraft aus, zugunsten des Menschen, zugunsten des Wachstums der ganzen Erde. Gott hat das eine vom andern abhängig gemacht, das eine an das andere gebunden, dass es für sein Leben notwendig ist. Die Entwicklung mag noch so nieder sein; der Mensch ist abhängig auch vom niedersten Leben, das gebannt ist. Kräfte steigen aus ihm auf, die der Mensch für seinen Aufstieg, für sein Leben braucht. Kräfte liegen darin, in all dieser Materie, sodass es aus dem Samen, aus dem Einfachen heraus, eine Vielfalt geben kann – dass sich das Leben durch Wachstum erweitern und ausdehnen kann. So lässt Gott diese Abhängigkeit, dass das eine auf das andere angewiesen ist. Auch ihr Menschen seid voneinander abhängig, auch ihr seid aufeinander angewiesen. Und ihr seid eben auch abhängig von der aufsteigenden Materie; ihr braucht sie zu eurem Leben. Sie hilft euch für euer Leben und gestaltet es angenehmer und leichter.

So, liebe Geschwister, für heute Abend genug. Morgen versuchen wir weitere Tore aufzumachen. Ihr habt nun genügend Gesprächsstoff. Verschiedene Fragen habt ihr; in vielen Dingen geht ihr nicht einig und versteht es noch nicht. So sprecht euch aus, und wir nehmen Anteil an euren Gesprächen, wir hören mit. Ihr sollt euch jetzt nach innen ausrichten und euch nicht mit dieser äusseren Welt beschäftigen. Beschäftigt euch nicht mit den Problemen dieser Welt, sondern vornehmlich mit geistigen Fragen. Richtet euch aus nach innen, dann werden auch diese Geister, die euch gegeben sind, bei euch Platz nehmen. Sie werden euch von den Kräften geben, die ihr für das Leben braucht. Sie werden euch helfen, den Weg nach oben besser zu finden, sie werden euch auf eurem Weg zu Gott eine Stütze sein.

Liebe Geschwister, ich möchte nicht unterlassen zu sagen, dass die göttliche Welt von dort aus, wo sie ihren Tempel aufgeschlagen hat, der weit von euch entfernt ist, eine Strasse des Lichts gebaut, einen Weg gebahnt hat. Auf diesem Weg gehen wir zu euch hernieder und steigen wieder auf. Im Geiste vermögt ihr diesen Weg zu sehen, der hinaufführt, als Weg des Lichts. Liebe Geschwister, möge der Segen Gottes euch begleiten. Gott zum Gruss.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 19.9.1965 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1965 in Braunwald (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Fragen und Erläuterungen

Josef, Fragebeantwortungen aus den Jahren 1950, 1953, 1956, 1968 und 1975

Fragen und Erläuterungen

Lieber Josef, man sagt uns, dass auch im Gestein Geister vorhanden seien. Was kannst du uns darüber sagen?

Josef: Ja, liebe Freunde, das stimmt. Auch in diesem Gestein ist Leben, und dieses ist eine Entwicklung der untersten Stufen. Meine lieben Freunde, es ist doch so schwer, euch verständlich zu machen, dass alles beseelt ist. Ich meinerseits und alle andern Geistboten können nicht begreifen, wie Menschen so auf ihre materiellen Dinge pochen und nur an ihre materiellen Dinge glauben, wo es doch gar nicht möglich wäre, dass überhaupt nur etwas bestehen könnte ohne diese geistigen Einflüsse. Wenn ihr nur eure Hände ausbreitet und ausstreckt, so durchfliessen und durchströmen ungeheuer viele Fäden diesen Raum. Diese Fäden sind eine Kraft, eine unendliche Kraft, und in diesem Raum sind unzählig viele Geistwesen gebunden oder vorhanden, weil alles lebt. So ist in der Natur, in den Pflanzen, in den Steinen, auf der Wiese Bewegen, Vibrieren. Da ist unendlich viel Leben, das darauf wartet, diese Entwicklungsstufen zu durchlaufen. Denn unendlich viel Leben ist über und auf dieser irdischen Welt.

Es gibt so viele Stufen der Entwicklung, so verschiedene Verhältnisse und Pläne auf dieser Welt, so viele Geister, die darauf warten, ein irdisches Gewand anzunehmen. Die einen haben jahrelang zu warten, und andere leben in ihrer Läuterungssphäre. Ich muss auch hier wieder betonen, dass es kein einziges Wesen gibt, das auf ungerechte Weise seine Entwicklung durchmachen müsste. Ein jedes Wesen macht seine Entwicklung durch, wie es gesetzmässig recht ist, denn nicht alle Geister hatten sich einst beim Abfall gleich stark verschuldet. (1950)

Wir haben gehört, dass der Aufstiegsweg vom Mineralreich über das Pflanzen- und Tierreich bis hin zur Menschwerdung geht. Wie müssen wir uns diesen Entwicklungsweg zeitlich vorstellen?

Josef: Ihr sollt es nicht so verstehen, dass das Leben nur so schnell vom einen Körper in einen andern übergehe. Mit dem Übergang aus dem Gestein sind viele, viele Jahre verbunden, und dann geht es langsam durch diese verschiedenen Stufen hindurch. Und ihr sollt diese Bilder, die ich euch gegeben habe, nicht so auffassen, dass es nun in jedem Fall genau in dieser Reihenfolge vor sich geht. Denn in jedem Wesen liegt ein grosser Plan, der durchschritten werden muss, und auf allen Stufen hat es ein gewisses Opfer zu bringen.

So habe ich schon oft versucht, es klarzumachen, dass diese vielen, vielen Wesen einen langen, langen Weg zurücklegen mussten, bis sie auf der Erde zu dieser Stufe gelangt sind, wo sie zum ersten Mal als Mensch inkarniert wurden. So bedarf es so vieler, vieler Leben und so vieler Wiederkommen. Ich habe euch schon Worte darüber gegeben, dass von den Blättern, die abgefallen sind, alle Kraft und Schönheit entwichen ist, dass, wenn sie matt und spröde zur Erde gefallen sind, ein glühender Punkt davon in diesen Sphären umherschwirrt und sich mit so vielen Odströmen vereinigt, dass Engel Gottes kommen und sie alle zu einem bestimmten Ort hinlenken, wo sie dann wieder erwachen. Und das ist dieses Immerwiederkommen, dieses Wiedergeborenwerden, liebe Freunde. Dieses als Mensch zu verstehen, muss so schwer sein. (1953)

Haben diese Wesen vor ihrer Umwandlung zum Menschen kein eigentliches Bewusstsein ihrer Existenz?

Josef: Nein, auf der irdischen Sphäre nicht. Diese Seelen aber, die nun zum ersten Mal als Mensch verkörpert werden, kommen mit gewissen Fähigkeiten, die sie einst als Geist im Reiche Gottes hatten, als sie noch im Frieden lebten. Wenn nun ein solches Wesen ein menschliches Leben auf der irdischen Welt zu leben hat, dann ist es für dieses Wesen oft schwer, sich an diese Verhältnisse zu gewöhnen, und so kommen seine vielen Untugenden je nach seiner geistigen Entwicklung zum Ausdruck. Es kann aber der Mensch schon bei seiner ersten Inkarnation ein guter Mensch sein, wenn er im Glauben an Gott so gestärkt werden kann.

Ich möchte aber sagen, mit diesem ersten Leben als Mensch kommt so vieles zum Ausdruck, was in diesem Geist an Fähigkeiten und Einstellung ist. Diese inkarnierten Geister leben doch auf Erden in einer ganz fremden Welt, sie haben sich an so viele Dinge zu gewöhnen. Vieles ist ihnen so ungewohnt, und sie stehen wie in der untersten Klasse einer Schule. Sie haben viel zu erlernen und steigen dann langsam auf. (1953)

Wenn die Wesen in ihrem Aufstieg durch das Pflanzen- und Tierreich schreiten: Wie verhält es sich mit ihrer Persönlichkeit in diesen nichtmenschlichen Inkarnationsstufen? Geht sie da verloren?

Josef: Nein, verloren geht sie nicht, sie wird nur verdrängt, sie wird zurückgebunden. Es ist schwer, euch das zu erklären. Es ist nur ein Umformen der Gestalt. Das Lebendige, also der Kern oder Funke Gottes, das Belebende, bleibt, und sein Äusseres wird umgewandelt. Dann bekommt es den neuen Leib. Verschieden ist der Leib, daher heisst es: “Anders ist das Fleisch der Fische, anders ist das Fleisch der Vögel, anders ist das Fleisch des Menschen” (1. Kor. 15, 39). Das ist eben der Leib, der umgewandelt wird.

Wie verhält es sich mit dem Funken Gottes – ist er bei allen Wesenheiten gleich?

Josef: Der eine unterscheidet sich vom andern durch seinen Glanz. Der Funke Gottes leuchtete einst so wunderschön in der Gestalt eines jeden, und als dann diese Trennung von Gott stattfand, wurde alles düster um diese Wesen. Die Gestalt der Gefallenen wurde hässlich, ihr Funke leuchtete nicht mehr. Er wurde bei allen, die sich so schwer gegen Gott verschuldet hatten, trüber, dunkler. Bei andern, die sich weniger verschuldet hatten, verlor er das Leuchten, ohne jedoch so trüb oder dunkel zu werden; auch ihre Gestalt wurde weniger hässlich als bei den schwer Verschuldeten.

So hat es dann wieder ein Emporarbeiten gegeben, eben durch diese verschiedenen Entwicklungsstufen. Die Engel Gottes sind zu ihnen niedergestiegen und haben jene ausgewählt, deren Verschulden nicht so gross war. Sie wurden aus der Tiefe geholt, um einverleibt zu werden. Dazu bedurfte es einer Umgestaltung, eines besonderen Eingreifens Gottes.

Und so gaben die Engel Gottes jedem Funken einen besonderen Leib. Dann musste er sich durch verschiedene Naturstufen emporentwickeln, emporarbeiten. Und wenn er eine Entwicklungsstufe durchlaufen hatte, sind die Engel Gottes wieder eingeschritten und haben ihm einen besseren, einen schöneren Leib gegeben. Hat er dann auch in dieser Gattung wieder seine Entwicklung vollbracht, das heisst in einer Entwicklungsstufe den höchsten Punkt erreicht, dann sind die Engel Gottes wieder gekommen und haben ihm einen noch besseren Leib gegeben.

So ist es gegangen bis zum Tierleib. Und als er den höchsten Punkt der Entwicklung im Tierreich erreicht hatte, gaben ihm die Engel Gottes den schönsten Leib. Das ist der menschliche Leib. Sie haben ihm den Leib in der Form und Gestalt zurückgegeben, wie er einst im Reingeistigen war, bei Gott, nur eben in einer verdichteten Form.

Und in seinem Leibe hat nun der Funke Gottes wieder zu leuchten. Dieses Wesen, das in seiner Entwicklung aus der Tiefe aufgestiegen ist, das nun als guter Mensch lebt und sich bemüht, Gott näherzukommen, wird durch sein gehobenes Denken und Handeln den Funken in sich wieder zum Leuchten bringen. Derjenige aber, der nicht nach Gott fragt und der weit von Gott entfernt steht, wird den Funken Gottes in sich nicht zum Leuchten bringen. So kommt es auf die innere Einstellung eines jeden Menschen an. (1956)

Lieber Josef, wenn es heisst, dass ein aufsteigender Geist in einem Tierleib inkarniert sein kann, trägt dann dieser Geist seinen ganzen geistigen Schatz mit sich herum?

Josef: Ach, das ist nicht so, wie ihr es euch vorstellt. Ihr denkt und fühlt alles so menschlich. Das ist nicht so in dieser Weise zu verstehen, wie ihr es euch vorstellt.

Im Funken des Menschen oder des Tieres ist alles enthalten. Es ist zusammengeballt und kann nicht plötzlich zum Ausdruck kommen. Es wird erst allmählich mehr Leuchtkraft von sich geben, es wird sich allmählich wieder entfalten. Und diese Eigenschaften werden dann langsam zum Vorschein kommen.

In diesem Inneren, in diesem Kern oder Funken, ist auch die einstige Belastung oder die einstige Schuld festgezeichnet. Das bedeutet: Je tiefer gefallen, je mehr verschuldet ein Wesen ist, desto finsterer, desto geringer ist die Leuchtkraft des Funkens. Und dieses Wesen muss durch so viele Entwicklungen durchgehen, bis dieser Funke, bis diese Leuchtkraft doch einigermassen durchdringen kann.

In diesem Funken ist das ganze Geschehen, das ganze Leben, die ganze Vergangenheit eines Wesens enthalten; er ist der Träger seiner Vergangenheit, seiner geistigen Geburt, seines geistigen Todes [seines Abfalls] – alles ist in diesem Funken enthalten. Und von diesem Funken aus wird alles Weitere aufgebaut – wird es eben einverleibt in diese oder jene Tiergattung. Es gibt einen Aufstieg bis zum höchsten Punkte seines tierischen Lebens, bis zum Menschen. Und das alles, alles liegt in diesem Funken drin und geht dann mit der Zeit auf. Je mehr Leuchtkraft er gewinnt, umso deutlicher wird eben sein Aufstieg gezeichnet.

Das ist nicht so gut zu erklären für euch, denn ihr seid euch gewohnt, menschlich zu denken. Aber in diesem Funken ist alles, alles enthalten. Und es gibt ein Aufgehen dieses Funkens, ein Entfalten; und das ganze Wesen wird allmählich wieder zu dem, was es einst war. (8.5.1968)

Wie steht es heute mit dem Aufstieg aller Wesen?

Josef: Christus wusste und weiss genau, dass das von ihm begonnene Werk [der Heimführung der Abgefallenen] eines Tages zu einer Erfüllung, zur Vollendung kommen wird, wenn alle Menschen den Fängen Luzifers entrissen sein werden. Doch das geht noch Milliarden von Jahren. Es hat ja auch Milliarden von Jahren gebraucht, bis die Erde bewohnbar geworden ist, und eure Wissenschaft vermag selbst zu ergründen, wie viele Milliarden von Jahren die Erde überhaupt besteht.

Aber ihr sollt euch glücklich schätzen, in der heutigen Zeit zu leben. Denn wenn noch so viel Zeit bevorsteht, während welcher Menschen auf der Erde leben und um ihren Aufstieg kämpfen müssen, dann seid ihr doch schon vorher – das wollen wir doch annehmen – in den himmlischen Welten. Ich möchte annehmen und hoffen, dass euch dann schon euer einstiger Besitz wieder zurückerstattet worden ist und ihr an der Stätte leben dürft, wo ihr einst [vor dem Abfall] glücklich mit euren Geistgeschwistern zusammengelebt habt. Ihr steht ja am Anfang jener unüberschaubaren Zeitdauer, die es braucht, bis alles vollendet sein wird. Noch sind keine zweitausend Jahre seit Christi Geburt auf Erden vergangen, und ihr seid doch jetzt schon da, im Aufstieg. Also sollte es euch doch gelingen – würde ich meinen –, so bald als möglich in die höchsten Himmel heimzukehren.

Ja da sind aber doch noch riesige Massen, die darauf warten, einmal Mensch zu werden ...

Josef: Ja, unübersehbare Massen. Wenn ihr die Welt von heute betrachtet mit all dem Unfrieden, den Kriegen und Grausamkeiten, so erweist sich doch darin das Wirken Luzifers, der sich [gegen den Aufstieg der Wesen] wehrt, weil er sieht, wie viele ihm auf immer verloren gehen. Er beobachtet doch, wie viele Menschen zumindest ihre geistige Entwicklungsstufe beibehalten oder sogar ihren Aufstieg beschleunigen können. Über diese wird er keine Macht mehr haben, sein Machtbereich wird so immer mehr geschmälert. Daher nutzt er jede Möglichkeit aus, um die Menschen für sich zu gewinnen. Dann kann er nämlich gewiss sein, dass sie soundso oft wiederkehren müssen, und zwar belastet. Er weiss, dass solche belastete Inkarnierte als Menschen wieder sühnen müssen und dass solche mit Leid gezeichneten Menschen ihren Mitmenschen Sorgen bereiten. Dadurch wird das Leben jener, die sich um solche gezeichnete Menschen bekümmern und sie betreuen müssen, ebenfalls erschwert. Daran kann ja nur einer Freude haben, dem es neid- und hasserfüllt nur darum geht, den Aufstieg zu behindern.

Aber wenn Luzifer sieht, dass derer immer weniger werden, die noch in seiner Gewalt sind, haben wir da nicht die Chance, dass er doch vorzeitig eines Tages die Waffen streckt?

Josef: Das wäre wunderbar. Aber das wird er nicht einsehen, nicht so schnell. Denn er ist eben der Fürst und Beherrscher all der Gefallenen, und er müsste sich gar tief demütigen. Es sieht aber noch gar nicht so aus, dass er daran auch nur dächte. (Aus der Vorstandssitzung vom 12.3.1975)

Wie geschieht der Aufstieg aus dem Pflanzen- und dem Tierreich?

Lene, 4. Oktober 1979 (Ausschnitt)

Wie geschieht der Aufstieg aus dem Pflanzen- und dem Tierreich?

Gewaltig und gross ist das Wirken der Geister Gottes, die jedem aufsteigenden Geistwesen den Leib schaffen, den es auf seinem Entwicklungsweg einzunehmen hat. Bis zu den Stufen des Menschseins wird es immer wieder eine Umwandlung geben. Geistlehrerin Lene erklärt im folgenden Vortrag, wie es der Gotteswelt möglich ist, den Geistesleib eines Wesens so vorzubereiten, dass es für sein erstes Leben auf Erden im Pflanzen- oder im Tierreich einverleibt werden kann.

Lene: [...] Liebe Geschwister, ich erlaube mir, euch in dieser [Meditations-]Woche – wie ich es auch in der Vergangenheit tat – den Himmel zu öffnen und euch manche Dinge klarzumachen, von denen wir glauben, dass die Zeit gekommen ist, dass ihr sie verstehen könnt. In den Anfängen, als euch die geistige Lehre unterbreitet wurde, hätte man solches niemals sagen können. Vielmehr bauen wir auf bestimmten Erkenntnissen und bestimmtem Wissen auf. Auf dem, was vorhanden ist, können wir weiter aufbauen. Seid ihr davon durchdrungen, können wir mehr sagen und euch noch mehr geben.

Natürlich gibt es immer wieder Freunde, die das, was jetzt gesagt wird, nicht begreifen können, weil sie den Anfang nicht mitbekommen haben. So ist es eben schwierig – es ist nicht immer leicht für mich.

Nun aber zu dem, was ich vortragen möchte, und ich hoffe, dass ich deswegen keine Probleme aufbringe. Es ist ja so, dass Geistgeschwister, die sich mit dieser geistigen Lehre vertraut gemacht haben, natürlich viel mehr Fragen und andere Fragen haben als einer, der vielleicht gläubig ist, aber keine geistigen Erkenntnisse hat und die Geisteslehre nicht kennt. Ein solcher hat bescheidenere Ansprüche und stellt ganz andere Fragen. Er ist mit weniger zufrieden, als man ihm sagt. Je tiefer man jedoch in diese Geisteslehre hineinkommt, umso grösser ist das Verlangen nach mehr Wissen, und man möchte auch Dinge wissen, die für das Seelenheil nicht notwendig sind. Wisst ihr, ihr kommt ja schliesslich auch noch zu uns hinüber, und dann müsst ihr ja auch noch etwas erfahren. Dann könnt ihr von Spezialisten unterrichtet werden. Ich selber bin im gewissen Sinne als ein Missionsgeist bezeichnet. In der Geisteswelt gibt es wahrhaftig viele grosse Meister, die grosses Wissen haben auf dem Gebiet, von dem der eine oder andere so gerne Wissen haben möchte. Das ist eben der Mensch. Ich sage euch dies nur, damit ihr wisst, dass wir euch schon kennen.

Ich sagte, Geistgeschwister, die schon etwas in die Geisteslehre hineingewachsen sind, haben eben Fragen. Ich versuche, solche Erklärungen zu bringen, die für eure geistige Erkenntnis wichtig sind. Ich bringe euch das, was für euch wichtig ist zu wissen. Wichtig ist, euch Wissen zu übermitteln, das zum weiteren Aufbau der Geisteslehre dienen kann.

Eine Frage, die sich viele Geistgeschwister, die mit dieser Geisteslehre vertraut sind, immer wieder stellen, lautet: “Wie geschieht denn dieser Aufstieg aus dem Pflanzenreich und aus dem Tierreich? Es sollen Seelen gebunden sein im Pflanzenreich, im Tierreich. Wie ist das möglich, und wie geht das vor sich?”

Ich versuche nun, dies nach eurem Verständnis und nach euren Begriffen darzulegen. Ich möchte jetzt einfach ein symbolisches Bild geben, das euch gut klarmachen kann, wie das zu verstehen ist. Der aufmerksame Zuhörer, das möchte ich deutlich wiederholen, der aufmerksame Zuhörer weiss es zu verbinden mit dem, was ich am ersten Abend gesagt habe [am 30.9.1979].

Zu diesem Zweck muss ich zuerst auf das geistige Geschehen beim Sterben des Menschen eingehen. Ihr wisst, wenn ein erwachsener Mensch stirbt, so scheidet das Geistig-Seelische aus ihm heraus, wenn ich es so bezeichnen darf. Wenn ich jetzt sage “das Geistig-Seelische”, so meine ich nun den Geistesleib, der ja auch den irdischen Leib umfängt. Dieser Geistesleib hat genau die Grösse und die Gestalt des irdischen Leibes. Es wurde euch schon an Beispielen erklärt, dass ein Erwachsener, der gestorben ist und ins Jenseits hinübertritt, dieselbe Gestalt hat. Er kann sogar dieselben Kleider tragen und wird so von andern Geistwesen gesehen. Solches wurde euch in der Weise schon erklärt – ihr seid also darüber unterrichtet. Ein erwachsener Mensch, der stirbt, hat also denselben Geistesleib; dieser hat genau die Grösse und die Gestalt des irdischen Leibes.

Wenn ich sage “das Seelische”, meine ich mit der Seele den Funken. Die Seele oder den Funken möchte ich fast als etwas Gemeinsames vergleichen. Denn die Empfindungen, das Wissen, die Erkenntnis, die Erinnerung liegen nicht im geistigen Leib, sondern dies liegt in der Seele. In der Seele – wenn ich dies so erklären darf – ist eben der Funke Gottes, das Lebendige. Und dieses Lebendige ermöglicht, zu denken, zu überlegen. Darum habe ich vom “Geistig-Seelischen” gesprochen. Denn ich möchte euch nicht verunsichern mit den Begriffen Funke Gottes, Seele und Geistleib.

Nun zum symbolischen Bild, das ich euch geben möchte: Wenn ein ausgetrockneter Schwamm ins Wasser gelegt wird, dann saugt er dieses Wasser auf. Er saugt sich voll, wird gross, dehnt sich aus. Es braucht also einen Stoff, die Hinzugabe von Wasser, um eben diesen Schwamm aufzublähen. Nimmt man diesen Schwamm aus dem Wasser, entflieht also dieses Wasser aus dem Schwamm, so trocknet er mit der Zeit aus, und der Schwamm bekommt wieder seine ursprüngliche Grösse. Durch den Verlust jener Kraft, die es ihm ermöglicht hatte, sich auszudehnen, schrumpft der Schwamm wieder zusammen – er zieht sich also zusammen. Auf dieses symbolische Bild komme ich nachher zurück.

Bei der Umwandlung – und sie ist ja mein eigentliches Thema – geht es ja um das Wiedergeborenwerden. Es fällt so vielen Menschen schwer, an die Wiedergeburt zu glauben, zu glauben, dass man wiedergeboren wird. Das wollen viele einfach nicht für wahr halten. Aber lassen wir sie – sie werden es ja selbst erleben.

Bisher haben wir es euch so erklärt: Für die Umwandlung in ein neues Erdendasein braucht es die mithelfende Tätigkeit der Geister Gottes. Die Geister Gottes sind tätig an dieser Umwandlung oder Neugestaltung des Betreffenden für ein neues Erdenleben. Bleiben wir jetzt einmal an diesem Punkt stehen: bei einem Heimgekehrten, der für ein neues Dasein bestimmt wird. Ob er sich freiwillig für ein neues Dasein meldet oder ob er von der Geisteswelt gerufen wird, spielt dabei keine Rolle. Beides ist also möglich, und über beides könnte man viel erzählen.

Wenn durch die geistige Entwicklung des Betreffenden feststeht, dass für ihn die Zeit gekommen ist, in ein neues Dasein zu treten, dann wird er für diese irdische Geburt vorbereitet. Man holt ihn aus seiner Sphäre oder seiner Ebene heraus und bringt ihn – wie soll ich jetzt das erklären? – in einen bestimmten Raum hinein, wo er sich niederzulegen hat, um zu schlafen. Er wird also in einen Schlaf versetzt.

Jetzt ist es also noch ein Wesen mit der Gestalt, die es hatte, als es als Erwachsener ins Jenseits hineintrat, das heisst ein Geistwesen von schöner Grösse. Nun liegt es in der Tätigkeit der Geister Gottes, diesem Schlafenden in ebendem Raum, wo er sich befindet, die Kräfte langsam zu entziehen. Genau wie beim Beispiel des Schwammes.

Vorher hatte der Betreffende in Gottes Atmosphäre gelebt, die durchströmt ist von allen odischen Kräften, die notwendig sind für das geistige Leben. Jetzt hat man ihn in einen besonderen Raum hineingebracht, wo ihm ganz bestimmte odische Kräfte oder Strahlen entzogen werden. Nun geschieht eben dasselbe wie bei diesem Schwamm: Der Geistesleib zieht sich nun zusammen. Von der Geisteskraft seines geistigen Leibes geht jedoch nichts verloren – diese odischen Kräfte konzentrieren sich auf die Seele oder auf das Licht. Sagen wir auf die Seele – bei so vielen sieht man ja das Licht gar nicht. Diese Kräfte konzentrieren sich auf das Lebendige, also auf das, was lebendig macht: auf den Gottesfunken in der Seele. Ich will es jetzt so ausdrücken, um verstanden zu werden.

Also zieht sich das Ganze zusammen, bis es die Grösse erreicht hat, die ein neugeborenes Kind hat. Noch liegt dieses Wesen in seinem Schlaf. Freunde haben sich darüber auch schon Gedanken gemacht: “Wie geschieht das denn beim Wiedergeborenwerden?” Es ist eben auf diese Weise möglich, indem dann dieser Geistesleib – das lebendige geistige Wesen – vom irdischen Leib Besitz nimmt.

Es wurde euch gesagt, dass beim ersten Schrei das Leben eintritt, das Leben da ist. Auch hier braucht es die Mithilfe der Geisterwelt Gottes. Der Mensch betrachtet es einerseits als ein Wunder, anderseits ist das für ihn so selbstverständlich und klar. Wohl ist man traurig, wenn es eine Totgeburt gibt. Aber es ist für den Menschen ganz selbstverständlich, dass es so geschieht, dass ein lebendiges Wesen das Licht der Welt erblicken darf.

Es kann sein, dass Geister Gottes mit diesem Geistesleib für einige Zeit in der Nähe der Mutter sich befinden und dann eben im gegebenen Moment die Einverleibung zustande bringen. Sie können vielleicht Stunden oder sogar einen oder zwei Tage zuvor mit diesem Geistkindesleib in der Nähe der Mutter sein. Es kann aber auch sein, dass dies erst in der letzten Stunde geschieht oder der Eintritt in diesen irdischen Leib sich eben mit diesem ersten Schrei vollzieht.

Ich möchte hier nicht weiter ausgedehnt erzählen, sonst wird bei anderer Gelegenheit gesagt: “Einmal ist es auf diese Weise erklärt worden, und jetzt sagt man es so und so.” Liebe Geschwister, ihr müsst euch auch darüber klar werden, dass es im Geistigen nicht nur ein Schema gibt. Es ist nicht so, dass es nur auf die eine Weise geschieht, und auf eine etwas andere Weise kann es nicht geschehen. Nein. Wenn es bestimmt ist und die Geisteswelt die Mutter für die Einverleibung gefunden hat, was spielt es dann für eine Rolle, ob diese Geistwesen, die dieser Mutter ihr Geistkind bringen, einen Tag oder ein paar Stunden vorher um diese Mutter sind oder ob sie vielleicht in letzter Minute kommen. Im Grunde genommen ist das gar nicht so wichtig.

Denn es können ja noch allerlei Dinge geschehen. Man hat beispielsweise eine Mutter für ein bestimmtes Geistkind ausgewählt, aber durch irgendein Missgeschick oder Unglück kann es nicht zu einer Geburt mit einem gesunden Leib kommen. Dann müssen diese geistigen Wesen mit dem Geistkind, das sie eigentlich für diese Mutter bestimmt haben, wieder weggehen. Dass auch in dem Falle im Plane Gottes alles geordnet ist, darf ich euch schon verraten: Man wählt gewöhnlich nicht nur eine Mutter aus, sondern hat, falls irgendetwas geschieht, eine zweite Mutter ausgewählt, wo dieses Kindlein hingebracht werden könnte. Die Geisteswelt kennt genau die Tage oder die Stunden und vermag dies ohne Schwierigkeiten so einzuteilen.

Das müsst ihr euch also auch merken. Denn so oft glaubt man, alles, was vom Geistigen kommt, könnte nur genau diesen Weg gehen und etwas anderes gebe es nicht. Freilich ist es nicht so, dass sich irgendwelche Dinge auf unmögliche Weise oder aufs Geratewohl vollziehen. Das gibt es im Geistigen nicht. Alles Geschehen fügt sich in einen wohldurchdachten Rahmen ein. In diesem Rahmen geschieht es; dieser Rahmen wird nicht gesprengt, nichts geht über ihn hinaus.

Dies sei auch noch gesagt für jene Freunde, die sich so gewohnt sind, exakt und genau zu denken – und dann alles noch einmal überlegen. Ja, liebe Geschwister, es ist notwendig, dass ich euch das sage, damit ihr es auch richtig versteht. Denn auch das ist wichtig für euch zu wissen.

Die Einverleibung geschieht also auf diese Art und Weise. Jetzt sehe ich eure Gedanken: “Ja es heisst doch, dass die Eltern die Kinder bekommen, die sie haben dürfen.” Freilich, es gehen ja so viele Gespräche voraus – ich möchte fast sagen, um es jetzt in der menschlichen Sprache auszudrücken –, so viele Verhandlungen.

In der geistigen Welt können Angehörige da sein, die darum bitten, dass in diese Familie gerade dieses Geistkind kommt. Dann muss die Geisteswelt entsprechend einwirken und dafür besorgt sein, dass ja nichts passiert. Auch das kann sie. Andererseits ist sie auch abhängig von einer gewissen irdischen Ordnung, wie ihr sie habt, oder vom Willen des Menschen, der plötzlich imstande ist, unser Vorhaben zunichtezumachen. Auch solche Dinge müssen mit einberechnet werden. Sie können verhindert werden, und sie werden verhindert, wenn es zum Heil und zum Nutzen ist für das Betreffende, das da hineingeboren werden soll, oder für die Eltern selber. Es spielen also ständig so viele Faktoren mit eine Rolle.

Die geistige Welt trifft also ihre Auswahl. Belastete Geister, also solche, die noch auf den unteren Stufen stehen, müssen auf genau dieselbe Art und Weise vorbereitet werden; auch für sie müssen die Eltern ausgesucht werden. Man geht auch hier auf die Suche, das heisst, im Grunde genommen geht es eigentlich so: Aus der Seele des Menschen strahlen diese Odkräfte zu uns empor. So kann ein Geistwesen eben diesen Odkräften nachgehen. Es ist wie ein schmaler Weg, den man durchschreiten kann, und dann findet man den Weg zu ihm hin.

Sehr oft – nicht immer, aber oft – besteht eine odische Verbundenheit zwischen einem Menschen in seinem Dasein auf Erden und einem geistigen Wesen aus dem Jenseits. Es kann eine odische Verbundenheit zu einem Angehörigen sein, oder die geistige Welt knüpft diese Fäden zusammen. Es wurde euch schon als Beispiel geschildert, dass sich ein Mensch in seinem Leben derart belastete, weil er einen Mitmenschen umgebracht hatte. Bevor dies geschah, lebte man in gegenseitigem Hass. Die geistige Welt ist jedoch immer darauf bedacht, jedem von ihnen einen neuen Anfang zu geben. Dieser Anfang kann ja nur durch ein neues irdisches Dasein ermöglicht werden. So lässt sie es eben zu beziehungsweise knüpft dann die Fäden beider zusammen, die sich einst derart gehasst hatten, dass der eine den andern umbrachte. Sie fügt es beispielsweise so, dass der Ermordete der Sohn wird und sein Vater jener, der im früheren Leben sein Mörder war.

Die geistige Welt will ja, dass es eine Versöhnung gibt und der Hass entschwindet. Sie tut es auf ihre Weise und versucht dann, wenn es ihr möglich ist – ich betone, wenn es ihr möglich ist –, diese beiden in Anhänglichkeit, in Zusammengehörigkeit, in Liebe miteinander so zu verbinden, dass jedes für das andere alles tun würde. Es soll eine wirkliche innige Verbindung zueinander bestehen, sodass keines dem andern in irgendeiner Weise etwas geschehen lassen würde. In wirklicher Liebe sollen sie in ihrem neuen Erdendasein miteinander verbunden sein.

Wie wunderbar hat doch die Weisheit Gottes alles gefügt. Keines weiss, wer es war. Für ein jedes ist ein neuer Anfang geschaffen. Kehren dann diese beiden, die sich auf Erden jetzt in Liebe gefunden haben, ohne dass sie von ihrem früheren Leben eine Ahnung hatten, in die Geisteswelt ein und treffen sich dort: Wie gross ist dann ihre Liebe, wie gross ist ihre Freude, sich zu treffen, sich wiederzufinden, miteinander zu sein.

In einem solchen Fall ist es so, dass es diesen beiden, die sich zusammengefunden haben, nicht gleich möglich gemacht wird, zu erfahren, wer sie im vorherigen Leben waren. Das zu wissen, ist nicht von Notwendigkeit. Vielleicht kann es zu einem späteren Zeitpunkt geschehen, wenn sie höher aufgestiegen sind und es für den Einzelnen nicht mehr von Bedeutung ist; wenn sie nur noch das Verlangen haben wiedergutzumachen und in der Liebe Gottes und im Verzeihen leben. Wer diese Liebe und dieses Verzeihen Gottes versteht, also nur noch aufwärtsstreben will, dem kann die Möglichkeit dieser Rückschau gegeben werden. Dann aber ist ja der Hass längst aufgelöst. Wenn man eine gewisse Geistesstufe erreicht hat, empfindet man keinen Hass mehr gegeneinander. Schon aus diesem Beispiel hier könnt ihr erkennen, wie wunderbar die Schöpfung Gottes ist. Wunderbar ist es, dass für jeden dieser neue Anfang geschaffen ist.

Nun aber möchte ich weiter zurückgreifen. Da ist auch das Pflanzenreich und das Tierreich – überall ist alles beseelt und belebt. Wohl habe ich euch schon einen kleinen Hinweis gegeben, aber ihr seid in eurem Wissen noch nicht von dieser Erkenntnis durchdrungen. Es ist für mich nicht so leicht, in einem so riesengrossen Buch zu blättern – wenn ich es so ausdrücken darf –, wo Gottes Plan der Entwicklung darin steht, und das herauszusuchen, was ihr versteht und mit dem ihr etwas anfangen könnt. So kann ich eben nur Ausschnitte davon geben und nicht auf das letzte Detail eingehen. Doch was heisst das schon. Wie viele Jahre kommen wir hier schon zusammen, und jedes Mal geht ihr bereichert von hier fort. Es wird auch dieses Mal so sein. Ihr werdet bereichert und erfüllt von Kraft von hier weggehen.

Ich möchte jetzt in die Zeit zurückkehren, bevor Christus ins menschliche Dasein kam. Ich betone diese Zeit besonders, denn die Gefahr, die Erklärungen, die Christus gegeben hat, zeitlich zu verwechseln, ist bei euch eben so gross. Gewisse Erklärungen, die Christus gab, betrafen die Vergangenheit, andere waren für die Gegenwart bestimmt, und wiederum andere Erklärungen betrafen die Zukunft. Später haben dann die Menschen überhaupt nicht mehr gewusst, was zur Vergangenheit gehörte, was die Gegenwart betraf und was in die Zukunft gerichtet war – sie haben alles durcheinandergemacht. Darum diese vielen, vielen Irrtümer und dieses falsche Verstehen.

Zur Zeit also, bevor Christus ins menschliche Dasein trat, war die Erde schon bevölkert – es lebten ja auch Menschen auf dieser Erde. Diese Menschen kamen von unten – der Himmel war ja seinerzeit geschlossen. Es war die Vorhölle, die offen war und die Möglichkeit gab, ins menschliche Dasein zu treten. Zu jener Zeit waren ja auch ein Tierreich, ein Pflanzenreich und ein Mineralreich vorhanden. All das war damals auch schon vorhanden. Doch der Himmel war verschlossen. Nur die Engel Gottes konnten aus dem Himmel heraustreten und wieder in ihn zurückkehren.

Meine Ausführungen zum Dasein auf dieser Erde beziehen sich nicht auf den Ursprung des ersten Menschen, die Ursprünge der ersten Menschen. Darüber ist ja auch schon gesprochen worden [vgl. Meditationswoche 1974, 5. Abend]. Ich möchte nicht davon reden, sondern jene Zeit ansprechen, als die Menschwerdung jener Wesenheiten, die für ein neues Erdenleben bestimmt wurden, auf diejenige Art und Weise geschah, wie ich es schilderte. Auch damals wurden sie in einen Raum geführt und in einen Schlaf versetzt. Es ging in gleicher Weise vor sich. Dies ist ein geistiges Gesetz.

Die Geister Gottes hatten grosses Interesse daran, dass so viele wie möglich aus den untersten Bereichen der Hölle bis zu dieser Vorhölle aufsteigen konnten, wo jene dann – ich sage es so – in ihr Leben hineingeführt wurden. Luzifer hatte nämlich kein Interesse, seine Wesenheiten in diese Welt hineinzubringen, aber er musste sich der Macht und der Gewalt Gottes beugen. Denn Gottes Wort bestimmte, dass es jenen Wesenheiten, die in diesen höllischen Bereichen versuchten eine bessere Gesinnung einzunehmen, ermöglicht wurde, bis zu dieser Vorhölle aufzusteigen. Dort hatten sie zu warten.

Geister Gottes ermöglichten es dann jenen, ins irdische Dasein zu kommen – sei es ein Dasein in einem Menschenleib oder als noch niederes Leben. Dafür waren Geister Gottes zuständig. Denn dies geschah aus der Gnade Gottes heraus; es sollte wieder einen Aufstieg geben.

Zu jenen Menschen wurden vom Himmel Propheten gesandt, die von Gott kündeten. In den tiefen Bereichen gab es auch abgefallene Fürsten des Himmels. Sie mussten durch das menschliche Dasein beweisen, ob sie etwas von ihrer inneren Erkenntnis zum Vorschein bringen konnten. Sie mussten zeigen, ob sie die Menschen weiter über Gott belehren konnten, also in einer höheren Gesinnungsstufe waren und einen Glauben an Gott besassen. Es gab also auch gewisse höhere geistige Führer, höhere geistige Wesen, denen dieser Aufstieg ermöglicht wurde. Auch sie mussten zuerst verschiedene Entwicklungsstufen durchschreiten.

Wenn ich euch dieses sage, ahnt ihr ja nicht, in welchen Zeiträumen dies alles geschah. Dafür habt ihr keine Begriffe, und ich habe keine Worte, es euch näher oder besser zu erklären als auf diese Weise. Die Geisterwelt Gottes tat das Ihrige, um eben die Möglichkeit zu schaffen, dass diese Erde beseelt werden konnte; sie sollte eben eine Stätte des Aufstiegs werden.

Ich erzähle euch nun von den Vorbereitungen, was mit einem solchen Geistesleib in der Geisteswelt geschieht, für den bestimmt ist, dass er einkehren soll in sein erstes Leben in diesem Erdenreich, sagen wir ins Pflanzenreich als eine Blume – ja, ein Blümchen, es ist ganz gleich. Bei dieser Vorbereitung geschieht es so, wie ich es erklärt hatte: Der Geistesleib zieht sich zusammen. Denn es ist ein anderer Leib bestimmt worden für das irdische Dasein. Die Geisteswelt musste also besorgt sein für die Schaffung dieses irdischen Leibes. Damit nun dieses Wesen einkehren durfte in eine Stufe, die von der Geisteswelt bestimmt war, dass sie durchlaufen werden sollte, musste sie dementsprechend diese Verdichtungen ausführen mit den Kräften, die ihr zur Verfügung standen, um diesem Wesen den Leib zu geben, in dessen Gestalt man es für eine bestimmte Zeit auf Erden haben wollte.

Geister Gottes haben jeweils die Wesenheiten ausgewählt und zusammengeführt, die für ein neues Dasein auf Erden vorbereitet wurden. So wird bestimmt, in welche Entwicklungsstufe sie gehören – ob in eine ganz niedere oder in eine etwas höhere Stufe. Entsprechend werden sie ausgewählt und zusammengeführt. Es sind so viele Geister Gottes tätig, um ihnen den Leib zu geben. Sie gestalten und verdichten für die Zukunft des betreffenden geistigen Wesens den Leib, den es in dieser irdischen Welt haben darf, und führen es in diese Materie hinein, wo es seinen Fortgang nehmen kann.

Wesenheiten, die sehr belastet sind, nehmen im geistigen Reiche die niederste, die tiefste Entwicklungsstufe ein. Und sie können auch vom geistigen Reich aus in diese Welt geführt werden und gleich von Anfang an für eine bestimmte Zeit gebannt sein – gebannt in Gesteine.

Die Geisteswelt versucht eben auf diese Weise zu gestalten und zu wirken. So legt sie bei allem, was auf dieser Erde wachsen, gedeihen und zum Leben hervorspriessen soll, den Kern in jene Bereiche hinein, wo die Entfaltung stattfinden kann. Und dann wird diese Anpassung zur irdischen Welt gemacht; es findet eine weitere Verdichtung für den irdischen Leib statt. Zuerst wurde im Geistigen der geistige Leib aufgebaut und mit den Odkräften diese Verdichtung zustande gebracht. Es braucht dann, wenn diese Wesenheiten in diese irdische Atmosphäre hineinkommen, eine zusätzliche, weitere Verdichtung, damit sie diese Form und Gestalt annehmen, die eben die Natur zu bieten hat. Es ist eine unendliche Vielfalt.

Gewaltig und gross ist das Wirken der Geister Gottes, die jedem Wesen, das von unten heraufkommt, den Leib schaffen, den Leib geben. Bis zu den Stufen des Menschseins wird es immer wieder eine Umwandlung geben. Kehrt das Wesen wieder zurück, nehmen sich die Engel Gottes seiner an, und es wird wieder eine höhere Stufe einnehmen können.

Ihr findet in der Bibel eine Stelle, die auf diese Erklärung hindeutet: “Anders ist das Fleisch der Fische, anders ist das Fleisch der Vögel, anders ist das Fleisch der [höheren] Tiere” (1. Kor. 15, 39). Geister Gottes haben eben die Möglichkeit, in der Schöpfung Gottes auf die geschilderte Weise wirksam zu werden. Die geistigen Kräfte stehen ihnen zur Verfügung, um so diese Vielfalt zu gestalten. Hinter alldem steht eine grosse Weisheit. Ein Plan ist vorhanden, denn zuerst ist im Geistigen alles geplant worden. Kein Engel Gottes, kein Geist Gottes kann auf das Geratewohl hin eigenmächtig tätig sein. Im Rahmen dessen, was ihm ermöglicht oder zugestanden wird, kann er in der Schöpfung Gottes tätig sein – hauptsächlich was die untersten Bereiche betrifft. Den Geistern Gottes sind genaue Grenzen gesetzt oder Vorschriften gegeben. Sie wissen genau, wie und was sie zu tun haben.

Das Dargelegte ist ja nur ein kleiner, kleiner Ausschnitt und zeigt euch eben diesen Weg des Aufstieges. Früher ist euch nur erklärt worden: Es gibt ein Eingreifen Gottes, und durch dieses Eingreifen Gottes findet die Umwandlung statt. So ist es euch früher gesagt worden. Damit musstet ihr euch begnügen. Jetzt habe ich es euch etwas deutlicher erklärt. Ich habe versucht, es euch verständlich zu machen.

Zuerst wird also von Geistern Gottes der Geistesleib entfaltet. Ihnen stehen von diesen unendlichen Kräften zur Verfügung, von denen ich vorher gesprochen habe, um ihn zu verdichten. Sie haben ihren Plan, den sie genau kennen. Sie haben die genaue Anweisung und wissen, auf welche Art und Weise sie zu formen und zu gestalten haben, um zu entfalten, um aufzubauen. Dafür besteht ein wunderbarer Plan in der Schöpfung Gottes.

Wenn ihr das Tierreich und das Pflanzenreich in seiner Vielfalt betrachtet: Alles ward zuerst im Geistigen geplant. Scheidet beispielsweise ein Tier von dieser Welt, so bleibt es noch eine Zeit lang geistiges Tier in der Jenseitswelt. Eine gewisse Zeit bleibt es das, zu was es entfaltet wurde. Dann wird es wiederum einen Fortschritt geben. Zu einem bestimmten Zeitpunkt bemüht man sich wiederum, dieses geistige Wesen höherzubringen. [...]

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 4.10.1979 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1979 in Flims Waldhaus (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 1/2023
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm