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Während des Schlafs
Beschreibung
Wenn der Mensch schläft, löst sich sein Geist vom irdischen Körper und wandert in geistige Bereiche. So findet er im Geiste vielleicht den Weg zu seinen Lieben in entfernten Ländern oder kann mit längst verstorbenen Verwandten und Freunden im Jenseits in Verbindung treten. Vielleicht erfüllt er auch eine wunderbare Aufgabe und darf Heil und Segen zu Mensch und Tier auf Erden tragen. Vielleicht, denn der Menschengeist, der Geist des schlafenden Menschen, bestimmt nicht selbst, was er in der Zeit der Ruhe erleben darf. Er wird von Geistern Gottes so geführt, wie es sinnvoll und für seine Entwicklung gut ist. Sein Schutzgeist, geistige Lehrer und auch Engel des Lobes oder der Strafe unterhalten sich mit ihm. Sie versuchen, seine Seele wachzurufen, ihm für sein tägliches Leben Mut und Ausdauer zu überbringen – in der Hoffnung, dass etwas von diesem Erleben während des Schlafes dann auch ins Bewusstsein des Menschen dringt und ihm so Kraft gibt, die hohen Ziele des Lebens zu finden.
Themenheft 4/2022: Während des Schlafs
Inhalt
Das Wirken in der Geisteswelt in der Zeit der körperlichen Ruhe
Josef, 2. Juni 1956
Das Wirken in der Geisteswelt in der Zeit der körperlichen Ruhe
Wenn der Mensch schläft, löst sich sein Geist vom irdischen Körper; er tritt aus dem Leibe aus, bleibt mit diesem aber durch die sogenannte silberne Schnur verbunden. Dem frei gewordenen Menschengeist stehen verschiedene Möglichkeiten offen, tätig zu werden und etwas Bereicherndes zu erleben.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, ich durfte euch schon verschiedene Male über die Wege orientieren, die der Menschengeist im geistigen Reiche geht, während sein irdischer Körper im Schlafe ruht. Heute möchte ich hierüber noch spezielle Erklärungen geben. Dazu möchte ich aber betonen, dass das, was ich heute zu sagen habe, für all jene Freunde, die den Weg hierher noch nicht so lange gefunden haben, nicht so leicht verständlich ist; denn um das alles zu verstehen und zu erfassen, braucht es gewisse Vorkenntnisse. Doch möchte ich darüber sprechen aus Dankbarkeit gegenüber meinen Freunden, die den Weg hierher so regelmässig finden.
Wenn ich nun von Menschengeistern spreche, so meine ich damit die Geister lebender Menschen, die im Zustand der körperlichen Ruhe, des Schlafes, etwas vom irdischen Leibe gelockert sind. Ich habe euch schon darüber orientiert, dass der Geist eines Menschen in der Zeit seines Schlafes zum Beispiel in geistige Bereiche wandern kann, wo er entwicklungsgemäss hingehen darf und hingehört. Auch darüber habe ich schon gesprochen, dass er in diesem gelockerten Zustand infolge des Schlafes den Weg finden kann zu seinen Lieben auf Erden, die vielleicht weit entfernt von ihm wohnen; dass also der Menschengeist während des Schlafes austreten kann, um sich in entfernte Länder zu begeben, und dort wohnenden Verwandten und Bekannten in gewissem Sinne Botschaften bringt. Auch das kann ein Menschengeist vollbringen. Anderseits kann er auch mit seinen im Jenseits lebenden Verwandten und Freunden in Verbindung treten – für wenige Minuten, nur für kurze oder auch etwas längere Zeit.
Diese Tätigkeit des Menschengeistes während des Schlafs entspricht der geistigen Gesetzmässigkeit. Bei dieser Tätigkeit sind es im Besonderen drei Punkte, die für sein irdisches Leben eine überaus grosse Rolle spielen.
Der erste Punkt ist der, dass er sich als schaffendes Wesen in den Heilsplan Gottes eingereiht hat und sich in erster Linie für seine Nächsten einsetzt; in zweiter Linie kommt ihm dann durch sein uneigennütziges Wirken persönliches Heil zu. In erster Linie aber kommt das Heil den andern zu, den Geistern im Jenseits und den Menschen.
Der zweite Punkt, der ihn berührt, ist jenes Freude bereitende Schaffen, jenes gelingende, freudige Wirken.
Der dritte Punkt betrifft die Pflege, die der Seelenkörper des Menschen in dieser Zeit findet.
So sind es also im Wesentlichen drei Punkte, die im irdischen Leben des Menschengeistes eine überaus grosse Rolle spielen, das heisst dann, wenn es ihm ermöglicht ist, sich vom irdischen Körper zu lösen und in die geistigen Bereiche zu ziehen.
Gott hat den Geistern die Freiheit gegeben. So ist auch die Freiheit der Menschengeister nicht geschmälert. Es gibt aber Menschengeister, die von den höheren Wesen in Obhut genommen oder in Bann gelegt werden müssen, damit sie den Nächsten keinen Schaden zufügen können. Das geschieht genauso, wie eure Obrigkeit ein wachsames Auge über solche Menschen hat, die sie in Obhut nehmen muss, damit sie den andern keinen weiteren Schaden zufügen. Ebenso geschieht es im geistigen Reiche zum Heile des Einzelnen. Diejenigen, die dort in Obhut genommen oder in Bann gelegt werden müssen, sind Menschengeister, die in ihrem täglichen Leben als Menschen eine gewisse Härte aufweisen, die egoistisch handeln, die also keine guten Menschen sind. Es sind darunter welche, die Gott verleugnen; es sind auch solche darunter, die Gott anerkennen, aber infolge ihrer Lebensweise vom geistigen Standpunkt aus nicht als gute Menschen betrachtet werden können. Damit will ich sagen, dass das “Herr, Herr!”-Rufen allein den Menschen nicht ins Himmelreich führt, sondern dass die fromme Lebensweise ausschlaggebend ist. Fromm im geistigen Sinne ist der, welcher nicht nur Gott anerkennt, sondern auch die göttlichen Gesetze befolgt und versucht, als guter, edler Mensch zu leben.
Wenn nun ein Mensch so viel Ärgernis gibt in seiner Umwelt, ist dies ein Zeichen dafür, dass sein Geist eine entsprechende Schwäche in der Entwicklung aufweist. Er muss daher eine entsprechende Führung erhalten. So habe ich verschiedentlich betont, dass sogar die Menschengeister mit herangezogen werden, im Heilsplane Gottes mitzuwirken – nicht aber solche, die in diese Obhut genommen oder in Bann gelegt werden müssen; solche sind zum grössten Teil nicht fähig, etwas zum Heilsplane beizutragen. Sie betrifft also der dritte Punkt: Ihr Seelenkörper muss gepflegt werden. Die Pflege eines solchen Menschengeistes ist nicht die gleich liebevolle wie die, die dem Geist eines wirklich edlen Menschen zukommt. Doch versucht die geistige Welt auch bei jenen zu ihrer geistigen Veredlung beizutragen, die diese Herzenshärte, diesen Egoismus und diese Gefühllosigkeit in sich tragen. Zu ihrer Heilung wird ihr Geist zu leidenden, kranken Menschen geführt, die ungeheure Schmerzen auszustehen haben, aber auch zu Menschen, die dursten und hungern, und zu solchen, die durch irgendein Geschehen in eine furchtbare Angst versetzt wurden. Zu solchen geplagten Menschen werden sie von der Engelswelt hingeführt, damit sie ganz aus der Nähe deren Schmerzen, deren Hunger und Durst miterleben müssen. Auch die Gefühle der Angst jener Menschen müssen über sie kommen, ja in gewissem Sinne noch viel gewaltiger und intensiver. Überhaupt, die Schmerzen können sie unter Umständen in grösserem Masse empfinden als jene leidenden Menschen, in deren Nähe sie gebracht werden. Der Sinn davon ist: Durch dieses Miterleben sollen sie zur Einsicht kommen, dass sie ihre Herzenshärte zu überwinden und ihre Gefühle zu verfeinern haben, dass sie ein Mitempfinden für jene haben müssen, die hungern und dursten, die so angstvoll sind oder ein Leiden zu tragen haben. Wenn ein gefühlloser Mensch in der Zeit seines Schlafes am eigenen geistigen Leib erlebt, was Leiden bedeutet, und ihm dieser Schmerz derart zusetzt, dann können solche Erlebnisse mitunter in sein menschliches Bewusstsein dringen und seine Gefühle etwas verfeinern. Doch auch wenn dieses Erlebnis nicht in sein Bewusstsein dringt, ist sein Geist dadurch dennoch so beeindruckt worden, dass eine gewisse Milde, ein gewisses Verständnis für Not und Leid durch seinen irdischen Leib zum Ausdruck gelangen kann. Schon viele Male hat ein Menschengeist in der Weise seine Heilung gefunden.
Wenn ein solcher Menschengeist unter Umständen den Schmerz eines leidenden Menschen viel mehr spürt als dieser selbst, so geschieht dies deshalb, weil der Menschengeist von einer gewissen odischen Kraft eingehüllt oder umgeben ist, welche ihm vom leidenden Menschen entzogen wird. Indem der betreffende Menschengeist also dem leidenden Menschen von seinem Od abgibt, das heisst der leidende Mensch dieses Od zu sich zieht, verstärkt dieser seine eigene odische Kraft, sodass er sein Leiden weniger spürt.
Daraus könnt ihr erkennen, wie wunderbar Gottes Gesetze sind und auf welch mannigfache Art und Weise die göttliche Welt alles zum Wohle der Menschen zu lenken versucht. So kann auch ein Wesen, das selbst noch seine Läuterung mitzumachen und zu leiden hat, auf seinem Weg andern Erleichterung schaffen, da, wo Heil hingetragen werden soll. Und wenn ihr nun denkt, ein Engel Gottes könnte sich doch besser all der leidenden Menschen annehmen und ihnen die notwendige Kraft überbringen – ja, meine lieben Freunde, ihr vergesst, dass ein Engelwesen von so hoher Schwingung und feiner Strahlung ist, dass es ihm nicht immer selbst möglich ist, die hier benötigte Kraft zu übertragen. Dazu bedienen sich die Engel Gottes anderer Wesen – und je nachdem eben auch solcher Menschengeister, denn ein Menschengeist trägt noch die dem Menschen ähnlichsten Kräfte auf sich und kann daher dem leidenden Menschen diese Kräfte besser zuführen, die dieser braucht.
So werden also Menschengeister geführt, dass sie zuerst im Geistigen ihre Pflege erhalten, in der Hoffnung, dass etwas von ihrem Erlebten ihnen als Mensch ins Bewusstsein gelangt, wenn es auch nur ein Ahnen ist oder der Wunsch, sich zu verbessern. So kann der Geist zur Erkenntnis gelangen und sagen: “Ja, ich will nur noch Gottes Wege gehen. Ich will Gott gefälliger werden. Ich will das Gute tun.” Wenn es sein fester Wille ist, dann gewinnt er auf wunderbare Weise Gottes Gnade, weil dann durch seinen guten Willen, den er doch aufbringen muss, die Kraft seines Geistes so gesteigert wird, dass sie seinen irdischen Körper durchfliesst und der Mensch zur Erkenntnis gelangt.
Nun aber geschieht es, dass Menschen Gott verneinen und sich einfach keine Mühe geben für ein besseres Leben. Ein solcher Menschengeist kann also, wie ich gesagt habe, in der jenseitigen Welt seine Pflege dadurch finden, dass er jetzt schon zu leiden hat. Bleibt dies aber ohne jeden Nutzen, dringt also keine Erkenntnis durch den Menschen, dann entscheidet die Engelswelt darüber, ob das Schicksal ihn in diesem Leben ereilen soll oder ob es in einem späteren Leben zur Auswirkung zu gelangen habe.
Es geschieht aber auch, wie ich gesagt habe, dass vom Schicksal gezeichnete Menschengeister in dieser Zeit ihr Schicksal, das sie als Mensch auszutragen hätten, dadurch verbessern können, indem sie mit gutem Willen vorangehen und um Kraft bitten für das Gute.
Jene Menschen aber, die so lieblos und ohne Verständnis für den Nächsten sind, denen es ganz gleichgültig ist, was sie im Leben vollbringen, ob sie andere schädigen, die werden zum grössten Teil, bevor das Schicksal in ihr Leben eingreift, im geistigen Reiche vorbereitet auf ihre Leiden, ihren Schmerz und ihre Sorgen. So möchte ich sagen, dass sich ihr Schicksal zuerst im Geistigen vollzieht, in der Weise, wie ich erklärt habe, dass die Engelwesen diese Menschengeister da- und dorthin führen, damit ihr geistiger Leib Schmerz und Unruhe verspüre. Dann aber, wenn es notwendig geworden und ihr Schicksal unabwendbar ist, wird die geistige Welt eingreifen. Dann haben sie auch als Mensch Angst, Hunger, Durst, Schmerzen, Unruhe und so weiter zu erleiden, genau wie sie es schon als Geist während des Schlafes erlebt haben, wie ich erklärt habe.
Bejaht ein Mensch sein Schicksal, das nicht mehr zu ändern ist, erhält er eine überaus grosse Gnade, die sich nach den göttlichen Gesetzen vollzieht. Durch die Bejahung seines Schicksals wird er viel weniger Schmerz oder innere Unruhe verspüren; denn durch sein Bejahen wird sein Geist eine ganz andere Führung bekommen und andere Erlebnisse haben. Er wird nicht mehr diese Schmerzen zu spüren bekommen oder in eine Unruhe versetzt werden, sondern er wird, während sein irdischer Körper im Schlafe ruht, zu Aufgaben im geistigen Reiche herangezogen.
Ich habe schon verschiedentlich darauf hingewiesen, dass der Menschengeist auch zu Kranken geführt wird, um ihnen Kraft zu bringen, oder dass er zu Menschen mit Selbstmordabsichten geführt wird, um ihnen andere Gedanken einzuflössen, um sie von ihrer Absicht wegzuführen. Es sind dem Menschengeist verschiedene Aufgaben gestellt. Es kann ihm ermöglicht oder gestattet werden, in die Welt des Totenreichs einzutreten, um mit jenen Unglücklichen zu beten, um sie zu trösten oder ihnen in irgendeiner Weise Hilfe zu bringen. Dies ist also auch ein Wirken im Heilsplane.
Nun, dem Menschengeist sind je nach seinem Leben als Mensch auch höhere und wunderbare Aufgaben gestellt. Schon um diese vollbringen zu dürfen, lohnt es sich, als guter und gerechter Mensch zu leben. Denn die guten und edlen Menschengeister, die durch ihr edles Leben in eine höhere Stufe des Wirkens im Heilsplan eingereiht werden, finden als Segen bringende Wesen auch den Weg zu ihren Geschwistern im Erdenreich. Zum Beispiel kann ein solcher Menschengeist Feld und Flur durchziehen, sich bei Tieren in einem Stall Segen bringend aufhalten und besonders auch bei Menschen. Wo solche Menschengeister sich aufhalten, ist ihre Gegenwart Segen bringend; sie bringen Segen und Gedeihen für Feld und Flur wie für Mensch und Tier. [...]
Wenn ich nun gesagt habe, dass diese Menschengeister ein Segen sind, so möchte ich dies noch damit begründen, dass sie in ihrem Leben als Menschen durch ihr ständiges Bemühen im Guten in Gottes Nähe gerückt sind. Dadurch ist der sie umfliessende Hauch Gottes viel lebendiger, kraftvoller geworden. Ich hatte euch schon erklärt, dass jeder Mensch seine besondere Ausstrahlung hat. Das ist so gemeint, dass nicht nur sein irdischer Leib diese besondere Ausstrahlung besitzt, sondern auch der geistige Leib hat diese besondere odische Kraft in sich. Und durch diese verstärkte, lebendig gewordene Kraft aufgrund seines edlen Lebens hat er nun die Möglichkeit, den Segen da- und dorthin zu bringen. Denn durch das Hintragen dieser Kraft wirkt er Segen spendend; er vermag dadurch so viel. Zum Beispiel ist er imstande, die mangelnden Kräfte von Menschen und Tieren zu ergänzen, und zugleich bringt er die notwendige Kraft zum Gedeihen der Felder.
Man soll aber nicht denken, dass es jeweils nur einzelne solcher Menschengeister sind, die in der Weise wirken. Nein, es werden stets viele zusammengerufen. Sie finden sich gewissermassen gesetzmässig zusammen. Sie ziehen einander an, und gemeinsam bringen sie – jeder auf seine Weise – ihre persönliche Kraft der irdischen Welt dar, den Menschen und den Tieren wie zum Gedeihen in der Natur.
So ist es wunderbar, wie die göttlichen Gesetze geordnet sind, auf welche Weise die Kraft überall hinfliesst. Ihr bittet um Kraft und Segen. Kraft wird euch auf diese Weise zugeführt. Denn nicht jeder hat genug eigene Kräfte um sich. Bei Kranken ist die odische Kraft mangelhaft, und ihre Ausstrahlung ist von der Krankheit gezeichnet. Durch das ergänzende Zuströmen von Kraft wird der Kranke belebt, und er kann gesunden. Dies kann geschehen, wo die inneren Organe nicht in grober Weise verletzt oder schon zerstört sind. Es liegt dies alles in Gottes Weisheit. So wunderbar sind die Gesetze Gottes geordnet, dass jedem Wesen Gelegenheit gegeben ist, mitzuhelfen an der Erfüllung des Heilsplanes, dass es selbst dann Segen bringen kann, wenn es ein leidender Mensch oder ein leidender Geist ist.
Auf den Menschengeist wartet aber noch anderes, während sein irdischer Leib ruht: Es gibt für ihn auch ein frohes Erleben im geistigen Reiche, Freude am gelingenden Wirken. Denn in der himmlischen Welt, wohin der gute Menschengeist auch ziehen darf, wenn auch oft nur für kurze Zeit, gibt es wunderbare Werkstätten. Aber auf andere Art noch erleben die Menschengeister viel Wunderbares. Zum Beispiel kann der Aufenthalt in geistigen Wäldern für sie ein tiefes Erlebnis sein, wie auch der Aufenthalt auf geistigen Seen oder wunderbaren Höhen. Da möchte ich nicht unterlassen, zu sagen, dass der Menschengeist gerade bei diesen Besuchen dort bei den geistigen Tieren, Wäldern, Höhen und Seen von einer wunderbaren Kraft umgeben ist. Und diese odische Kraft saugt er in sich auf. Sie ist rein und belebt. Sie ist herrlich und trägt zur Stärkung seines menschlichen Leibes bei, mit dem er immer durch ein silbernes Band verbunden ist. Denn zart rieselt diese wunderbare Kraft durch die silberne Schnur zum irdischen Leibe. Kehrt dann der Menschengeist wieder zurück und nimmt voll und ganz Besitz von seinem Körper, vermag er noch viel mehr von diesen Kräften an ihn abzugeben, dass dann und wann dem einen etwas vom Erlebten in sein Bewusstsein dringen kann.
Dieses Wandern der Menschengeister ermöglicht es ihnen, Segen und Heil in die Welt zurückzubringen, in der sie leben. Du, lieber Freund, darfst mich aber nicht falsch verstehen. Der Menschengeist ist in jenen Bereichen, wo er hingeführt wird, nur Gast. Wenn du einmal ganz befreit oder getrennt bist von deinem irdischen Leibe, ist es nicht gesagt, dass du dann unbedingt jene Höhen auch ersteigst wie ehedem als Menschengeist. [...] Dein dereinstiger Aufenthaltsort wird dort sein, wo du ihn selbst geschaffen hast. Es ist dir jedoch später wohl die Möglichkeit gegeben, von dort aus jene Höhen zu erreichen. Du wirst den Weg dorthin dann wieder finden, wenn du aufs Neue wiedergeboren sein wirst, wenn du wieder als Menschengeist geführt wirst. Dann kannst du dich zeitweilig im Geiste wieder in jenen Welten aufhalten wie im vorigen Leben, vorausgesetzt dass du die göttlichen Gesetze nicht verletzt oder von ihnen abgekommen bist.
Meine lieben Freunde, es mag dem einen und andern vielleicht schwerfallen, das alles zu erfassen, was ich gesprochen habe. Ich hoffe aber, dass ich beim nächsten Zusammensein – vielleicht in der Fragestunde – grössere Möglichkeit haben werde, weiter darauf einzugehen. Ich werde dann eure Fragen beantworten und noch weitere Erklärungen geben (siehe S. 8 f.). So möge aber dieser Weg, den ich euch gezeigt habe, Segen bringen in euer Leben. Denn es ist wiederum Wahrheit aus der göttlichen Welt. Ich habe es euch klarzumachen versucht, so gut wie möglich.
Nun, meine lieben Freunde, gehet alle hin in Frieden, begleitet vom Segen Gottes. Denn der Segen des Heils durchdringt euch alle. Und wenn ich nun vom Segen des Heils spreche, so bedeutet das, dass solche Wesen in eure Nähe gebracht wurden, die diese Heilskraft in sich tragen. Es sind Wesen, die sich in der göttlichen Welt aufhalten, die diese Kräfte des Heils noch mehr fördern. Sie tragen den Segen des Heils zu euch hin. Und wenn euch jeweils gesagt wird: “Der Segen Gottes begleitet euch”, dann seid ihr umgeben von einer solch wunderbaren Kraft, die in euch eindringen will. Diese Kraft wurde euch gebracht von himmlischen Wesen, auch von Menschengeistern. Denn so viele Möglichkeiten stehen der geistigen Welt offen, und sie versteht die Bande zu knüpfen, sodass kein Wesen unnütz ist.
So siehst du wieder aufs Neue, welch wunderbare Aufgabe du hast. Und wenn du glaubst, dass du im Leben keine grosse Rolle spielst, dass man deiner kaum achtet, dann irrst du dich. Denn du bist ein notwendiger Diener im Heilsplane Gottes geworden. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 2.6.1956 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragen zum Vortrag vom 2. Juni 1956
Josef, Fragebeantwortung vom 6. Juni 1956
Fragen zum Vortrag vom 2. Juni 1956
Lieber Josef, du hast gesagt, dass Menschengeister, während ihr irdischer Leib ruht, sich für eine bestimmte Aufgabe zusammenfinden. Können sie die Aufgabe selber bestimmen, die sie erfüllen möchten?
Josef: Mit der Zeit, nicht aber anfangs – das heisst, es müsste schon ein Wesen sein, das als wirklich guter und edler Mensch lebt, damit es von sich aus das Richtige wählen könnte. Denn gewöhnlich ist es so, dass ein Drang und Wunsch nach irgendeiner Betätigung besteht beim Menschen, womit sich sein Geist jeweils tatsächlich befasst in jener Zeit. Es ist dann ein gewisses Durchsickern in das tägliche Leben, dass der Mensch das Verlangen nach einer besonderen Beschäftigung hat. Das Verlangen kann in ihm so stark sein, dass er in gewissem Sinne Bilder aus dem Geistigen sieht, wobei er nicht weiss, ob es nicht ein Wunschbild oder Fantasie ist. Es ist eben tatsächlich so, dass er vom geistig Erlebten stückweise etwas mit sich nehmen kann.
Kannst du noch einmal das Wichtigste über Wirken und Erleben des Menschengeistes sagen?
Josef: Es sind diese drei Punkte. Erstens einmal muss der Menschengeist mitwirken im Heilsplane Gottes, was nicht heisst, dass es ein gewaltsames Arbeiten ist. Er wird in die Ordnung eingereiht und zur Arbeit im Heilsplane herangezogen. Diese Arbeit ist aber nicht immer solcher Art, dass sie ihm Freude bereitet und ihn erhebt. Er muss zuweilen durch die verschiedensten Sphären ziehen, wo Erlebnisse auf ihn warten, die nicht immer erbauend sind. Aber wenn er erkennt, dass er im Heilsplane Gottes eingereiht ist, wird er die ihm zugewiesene Arbeit nach bestem Willen und Können ausführen.
Dann habe ich gesagt, dass er zeitweise in dieses Arbeiten hineingezogen wird. Nicht ständig hat er zu arbeiten. Dazwischen ist ihm wieder Gelegenheit gegeben, sich seinem persönlichen, gelingenden, freudigen Schaffen hinzugeben. Er darf sich also einer höheren Tätigkeit widmen, etwas Aufbauendem, Schönem, das ihm Freude macht. Denn die himmlische Welt ist so wunderbar, und es gibt dort so vieles immer wieder neu zu gestalten, zu formen und zu ändern.
Dann wird auch viel Zeit der Pflege seiner Seele gewidmet. So wird dem Menschengeist das zugeführt, was gut für ihn ist. Zur Pflege der Seele gehört das, was ich erwähnt habe, dass ein Menschengeist mitunter etwas für ihn Schmerzhaftes tun muss. Einem andern wiederum werden zur Pflege seiner Seele wunderbare Dinge verabreicht, geistige Speise, und er darf es mit Freuden erleben. Auch diese Freude kann ein Menschengeist erleben, dass er gestärkt wieder zurückkehrt in seinen Leib.
Erfüllen die Menschengeister, die ihre Aufgaben unter Menschen haben, diese im eigenen Lande, oder kommen sie auch in andere Länder?
Josef: Der Raum ist nicht so, wie ihr Menschen ihn euch vorstellt, und der Menschengeist ist nicht an einen Raum in der Weise gebunden. Er kann also in andern Ländern, bei andern Völkern in dieser Zeit seine Aufgabe erfüllen, je nachdem, ob er von den himmlischen Boten zu einer solchen eingeteilt ist.
Haben die Menschengeister mehr Einfluss auf das irdische Geschehen als die Geister der Verstorbenen?
Josef: Nein. Sie haben wohl eine gewisse Möglichkeit einzuwirken, besonders auf die Menschen, da sie ja die gleichen Kräfte haben wie sie. Sie können auch Segen bringend sein für Feld und Flur oder bei Haustieren. Aber dazu braucht es noch die Tätigkeit verschiedener höherer Geister.
Was geschieht mit Menschengeistern schlechter Gesinnung?
Josef: Die Geister schlechter Menschen werden zum grössten Teil in Schulen geführt. Sie sollen dort von der Gesetzmässigkeit aufnehmen. Es werden ihnen Belehrungen erteilt. Ihre Gefühle werden geweckt. Man sucht sie zu verfeinern, wie ich erklärt habe, indem sie zu leidenden Menschen geführt werden, damit sie die Gefühle der Hilfsbereitschaft in sich wachrufen.
Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ein solcher Menschengeist, der sich im Leben so wenig bemüht, gut und edel zu sein, in der geistigen Welt nicht jene Höhen erreicht, um dort an jenem freudigen Schaffen teilzuhaben. Sondern die ganze Sorgfalt bei einem solchen wird seiner Seele zuteil, wie ich erklärt habe.
Andere Menschengeister aber, die auch in geistigen Schulen unterrichtet werden, werden dann, wenn sie im Leben als Menschen Fortschritte gemacht haben, zu Aufgaben im Heilsplane Gottes herangezogen.
Können wir bei dieser Betätigung während des Schlafes auch reelle Fortschritte machen? Oder müssen wir diese gleichzeitig noch im täglichen Leben erobern?
Josef: Ja, freilich muss auch im täglichen Leben Schritt gehalten werden. Beides muss sich die Waage halten. Denn bestimmt ist es nicht so, dass der Geist eines Menschen gut ist und in die höheren Welten gelangt, wenn er, nachdem er wieder Besitz ergriffen hat vom Körper, ein leichtfertiges oder schlechtes Leben führt als Mensch. Wenn ein Menschengeist Herrliches erleben will, muss er sich auch Mühe für ein rechtes Leben geben. Die Entwicklung des Geistes ist so, wie er sich als Mensch zum Ausdruck bringt.
Ist das, was unser Geist während des Schlafes, also durch seine Betätigung in der geistigen Welt, lernen kann, uns später auch von Nutzen, wenn wir gestorben sind?
Josef: In erster Linie kommt es darauf an, ob sein Leben dadurch besser geworden ist. Ich habe betont, dass der Menschengeist nach der vollständigen Trennung vom Körper, also nach dem Tode, nicht unbedingt in höhere Welten gehen darf, wohin er vorher jeweils eindringen durfte. Denn als Menschengeist darf er dort manches so viel wie als Gast erleben. Ist er aber ganz getrennt vom Leibe, dann ist er der andern Gesetzmässigkeit unterworfen.
Mit der Zeit wird er bestimmt jene Welten auch durchwandern und erleben dürfen. Es braucht dazu vielleicht ein neues Leben. Vielleicht kann er in der geistigen Welt seine Läuterung vollenden, sodass er später in die höheren Welten eingehen darf.
Wie verhält es sich mit Menschen in Naturvölkern, die keine Religion nach unserem Verständnis kennen? Was geschieht mit diesen Menschengeistern?
Josef: Es ist nicht gesagt, dass jene Menschen in ihrem Charakter unbedingt schlecht sein müssen. Es gibt dagegen inmitten eurer hohen Kultur, wie ihr es nennt, sehr schlechte Menschen. Also jene, die du meinst, werden in der geistigen Welt auch unterrichtet wie ihr, und sie steigen ebenfalls Stufe um Stufe empor. Doch jeder wird auf seiner Stufe unterrichtet.
Lehrwanderungen in der jenseitigen Welt
Josef, 23. April 1960
Lehrwanderungen in der jenseitigen Welt
Wie die Schutzengel den Geist des Menschen in der Zeit des Schlafes führen und mit ihm sein Leben besprechen, damit er seine Aufgaben auf Erden besser erfüllen kann.
Josef: Liebe Geschwister, heute möchte ich von den nicht bewussten Erlebnissen des Menschengeistes sprechen, die er haben kann während der Zeit, da der irdische Körper ruht. Es gibt unter den Geschöpfen Gottes welche, die glauben, Gott Ratschläge erteilen zu müssen [und sagen zu können, wohin sie in dieser Zeit gehen wollen]. Wir möchten diese Anmassung vergleichen mit dem Verhalten eines ungezogenen Kindes, das auch versucht, seinen Eltern Ratschläge zu geben – man misst dem keine Bedeutung bei. So auch in der geistigen Welt: Man misst solchem Denken verschiedener Menschen keine Bedeutung bei; denn in den Gesetzen ist alles aufs Wunderbarste bis ins Kleinste sorgfältig ausgearbeitet.
Mancher mag sich auch seine Gedanken darüber machen: “Was nützt es mir, was mein Geist in der Zeit der Befreiung vom Leibe erlebt, wenn ich doch nichts davon ins Bewusstsein bringe?” Da möchte ich euch in dieser Stunde auch die Antwort geben durch Erklärungen und Bilder, die euch zeigen, dass alles, was im geistigen Reiche getan wird, nur sinnvoll ist – es ist der Mensch mit seinen Gefühlen, der es nicht verstehen kann. So versuche ich doch, diesbezüglich einige Hinweise zu geben und euch verständlich zu machen, dass solche geistigen Erlebnisse wichtig sind und worauf es dabei ankommt.
Nun, bei diesen Wanderungen kann das einzelne Wesen keine Bedingungen stellen. Die geistige Welt wacht sorgfältig über die Menschenkinder, und so führt sie auch die Geister der Menschen dahin, wo es für sie gut ist. Ein grosser Teil dieser Menschengeister darf in den verschiedensten Aufstiegsstufen nur Beobachter sein. Sie beobachten Einzelschicksale oder das Ergebnis eines einzelnen Menschenschicksals und erleben so die Höhen und Tiefen. Dieses spricht sie besonders an. Sie haben hier keine Ratschläge zu erteilen, sondern nur zu beobachten, nur zu bewundern. Die geistige Welt will damit erreichen, dass diese Wanderer etwas aus diesen Erlebnissen lernen. Denn die Gefühle und die Aufnahmefähigkeit dieser Wanderer sind sehr verschieden. Während der eine sehr empfindsam ist, braucht es für einen andern sehr viel, um ihm Eindruck zu machen. Und gerade da, wo es so viel braucht, um seine Gefühle etwas aufzurütteln, vermag eben recht wenig in die Tiefe der Seele zu dringen. Das Geschehene, das, was sie miterleben mit den andern, soll die Wurzeln ihrer Seele erfassen. Sie sollen lernen, mitzufühlen und zu verstehen; sie sollen daraus ihre Schlüsse ziehen können, um es selber besser zu machen, besser zu wollen. Man darf nicht glauben, dieses Erlebnis wäre sinnlos, da es nicht in das Tagesbewusstsein des Menschen dringt; denn die Seele bleibt erfüllt davon.
Der Leib bildet ja für den Geist ein grosses Hindernis; der Geist besitzt eine viel grössere Beweglichkeit, wenn er frei ist vom Leibe. Doch mancher Menschengeist, der so als Beobachter in diesen verschiedenen Welten ist, wünscht für sich eine unbegrenzte Beweglichkeit. Das gibt es aber nicht, denn auch diese Wesenheiten stehen unter der Ordnung Gottes. So verdunkelt man ihnen die Wege, die zu gehen für sie nicht gut sind. Die führende Geisteswelt weiss ganz genau, wie viel dem einen und andern offenbart werden kann. Man soll also nicht annehmen, dieses Beobachten wäre so zu verstehen, dass man unbegrenzte Möglichkeiten hätte, in allen Welten überall einzukehren. Die Richtlinien, was ein Menschengeist erleben darf, werden von den führenden Geistern Gottes genau bestimmt.
Ich habe euch schon dahin gehend unterrichtet, dass es doch sehr auf die Entwicklung des Menschen ankommt. Je nach seinem Willen, den er in seinem Alltag zum Ausdruck bringt, wird er im Geiste mit andern zusammengeführt. Es ist selbstverständlich, dass die Geister von rücksichtslosen Menschen, die auch Gott verneinen und nicht imstande sind, einem andern etwas zuliebe zu tun, wohl nicht unter liebenswürdige Wesenheiten eingeteilt werden. Sondern man nimmt Stellung zu ihrer unwürdigen Lebensweise, und man versucht ihnen eine Antwort zu geben für ihr tägliches Leben. Klar ist, dass der Geist andere Erkenntnisse besitzt als der Mensch und manches Mal wünscht, er würde besser leben können. Aber gerade darin liegt ja die grosse Prüfung und die Notwendigkeit dieser Scheidewand. Bedenkt einmal: Wenn ihr als Menschen alles wüsstet, was euer Geist in der Zeit der körperlichen Ruhe in diesen Welten erlebt, wo er Gottes Macht und Herrlichkeit kennenlernt, wenn ihr also wüsstet, worauf es im Leben ankommt, wie könntet ihr da anders als Gott gefällig handeln? Es könnte doch nicht mehr von einer Prüfung des Einzelnen gesprochen werden, wenn er sich bewusst wäre, was ihn erwartet. Es muss dieses Ungewisse sein; es muss im Menschen selbst sein, damit aus seiner Seele diese Erlebnisse und diese Gefühle, die man zu verfeinern versucht, hervordringen können. Sie sollen sich durch den irdischen Leib hindurchschaffen und auf diesem Wege zum Vorschein kommen, sodass es der Mensch selbst ist, der entscheiden muss: “Will ich das annehmen, oder will ich das verwerfen?” Auf diese Weise prüft man den einzelnen aufs Wunderbarste. Und trotzdem geht doch eine wunderbare und deutliche Stimme durch die Menschen, eben gerade durch dieses herrliche, nicht bewusste Führen durch die Geisterwelt Gottes. So ist es der Menschengeist, der, befreit von seinem Leibe, ein Wanderer bleibt in diesen geistigen Höhen.
Ich möchte euch nun verschiedene Einblicke geben, auf welche Art und Weise die Geisterwelt Gottes diese Menschengeschwister führt. Sorgfältig eingeordnet in kleinere und grössere Gruppen führt man sie – ich kann sagen – durch die Strassen der Ewigkeit. Da gibt es einen grossen Weg, wir nennen ihn den Weg der Busse. Auf diesem Weg oder auf dieser Strasse der Busse werden Menschengeister zusammengerufen und von ihrem geistigen Führer oder Schutzengel begleitet; jedem ist nun ein höheres Geistwesen zugedacht. Auf dieser Strasse der Busse wandert man nicht stumm nebeneinander, sondern dieser göttliche Führer nimmt sich des Menschengeistes an, und er bespricht mit ihm sein Leben, seine grossen Fehler, die er hat. Der geistige Führer wünscht, dass dieser Menschengeist in den Besitz der Kraft gelangt, um sein Laster oder Untugenden ablegen zu können. Es würde aber nichts helfen, oder es wäre sinnlos, wenn der geistige Führer auf diesen betreffenden Geist nur einreden würde, wenn er ihm Vorwürfe machen und ihm sagen würde, wie er sich belaste und was für Folgen sein Verhalten habe und so weiter. Nein, die Geister Gottes versuchen immer nur sinnvoll zu handeln. So führen sie dem Menschengeist sein Laster oder seine Untugend ganz klar und deutlich vor Augen. Und zwar tun sie es so, dass in diesem betreffenden Menschengeist selber der Abscheu davor geweckt wird. Und das gelingt den Geistern Gottes auf folgende Weise. Sie sagen ihm: “Siehst du, was in Harmonie mit Gott und mit uns ist, ist so erhaben, so schön. Die guten Geister des Himmels verbreiten einen Wohlgeruch, während ein disharmonischer, Gott fernstehender Geist einen üblen Geruch verbreitet, genau wie der Teufel selbst. Die Welt der Disharmonie ist eine Welt des Schreckens, und furchtbar ist ihr Gestank. So entwickelt sich dieser Gestank auch aus dem Leib des disharmonischen Geistes. Laster verursachen Krankheiten, stinkende Wunden.”
Nun hat dieser Menschengeist das Laster, das er im Menschenleib ausführt, in der Weise als Gestank zu erleben. Im Geiste möchte er es verwerfen, er will dieses Laster ja nicht, aber schwach wird er im Leibe. Nun sagt man ihm: “Betrachte dich, betrachte deine Gestalt, deine Hände, und rieche daran” – und übel wird ihm selbst von diesem furchtbaren Gestank, sodass Abscheu und Ekel ihn erfassen. Die führenden Himmelsboten erklären ihm: “Siehst du, alles, was von Gott getrennt ist, lebt in Disharmonie und kann nicht in einem Wohlbefinden sein. Du musst dafür sorgen, dass dein geistiger Leib gesundet; deine Wunden müssen heilen.” So kann nun ein solches Erleben vielen einen Eindruck machen. Es erfasst die Wurzeln ihrer Seele, und so sagen sie: “Ich will mit meiner ganzen Kraft versuchen, mich durchzusetzen.” Gleichzeitig bitten sie um die Hilfe der Geister, dass sie ihnen im täglichen Leben den Weg zeigen, damit sie von diesem Laster abkehren.
Ja, ihr sollt nicht glauben, eine einzige Wanderung würde genügen, um vielleicht nur etwas Weniges ins Bewusstsein des Menschen zu bringen. Jahrelang, vielleicht jahrzehntelang, wird er immer wieder auf dieselbe Strasse geschickt. Und man sagt ihm: “Versuche hier zu überlegen, tue doch Busse.” Busse tun heisst umkehren. Nun, er möchte. Manchmal oder vielerorts gelingt es einem nach Jahrzehnten, ein furchtbares Laster abzuschütteln. Er fängt an sich selbst davor zu ekeln, er will nicht mehr daran denken. In erster Linie ist dazu der gute Wille des Menschen notwendig. Er muss wollen, dieses oder jenes zu lassen. Dann wird die geistige Welt das Ihrige dazu tun. Und Menschen, die oft jahrelang mit einer Untugend zu kämpfen haben, vernehmen die Stimme des Gewissens, ja, die Seele versucht von diesen geistigen Erlebnissen etwas ins Bewusstsein zu bringen. Aber die Menschen selbst versuchen es zu vertuschen durch viele Ausflüchte und viele Entschuldigungen, die sie für sich haben. Darum ist es oftmals ein langer und schwerer Weg bis zur Umkehr. Die Geisteswelt Gottes weiss aber, dass sie viel erreichen kann, wenn sie solche Wanderer immer wieder an denselben Ort zurückführt und über ihre Laster spricht; sie steht ihnen bei und gibt Kraft. Nun ist es Sache des Menschen, es anzunehmen. Es gibt welche, die verharren in ihren Lastern bis zum Ende des Lebens. Sie dürfen dann in der andern Welt nicht klagen, sie wären von der Geisteswelt nie gemahnt worden, sie hätten nie eine Unterstützung bekommen. Man zeigt ihnen den Weg der Busse, den man mit ihnen gegangen ist während des Lebens in diesen Stunden, und man sagt ihnen, wie oft das Gewissen rebellierte gegen dieses und jenes Tun.
Die Geisteswelt Gottes versucht also einem jeden so viel wie nur möglich beizustehen. Und oft ist es ein Gewinn, den sie davonträgt. Denn immer wieder gibt es Menschen, die zur Einsicht kommen und besser werden. Die Geister Gottes versuchen ja auch, sich deren Mitmenschen zu nähern und sie zu inspirieren, damit auch diese den Betreffenden Trost geben oder womöglich ihnen Vorwürfe machen – auch Mitmenschen sind Werkzeuge Gottes. So gibt es also für diese Menschengeister einen Weg, es gibt diese Strasse der Busse, und es sind nicht wenige, die ihn zu gehen haben.
Einen weiteren Weg möchte ich beleuchten, den der Menschengeist auch geht: Es ist der Weg der Gnade, des Vergebens. Es gibt unter den gläubigen Menschen so viele, die fest an der Seite Christi und Gottes stehen, und es gibt wirklich fromme Menschen. Sie werden auch geführt im Geisterreiche und können so zu den Quellen der Erkenntnis oder zu noch besserer Erkenntnis kommen. Diesen Weg legen sie ebenfalls mit ihren geistigen Führern zurück, und diese erzählen ihnen vom Willen Gottes. Sie machen es ihnen klar, dass Gott bereit ist, die grosse Liebe und Ausdauer der Menschen zu vergelten; sie erklären ihnen: “Seht mal: Bei euch Menschen werden beispielsweise im Krieg Geiseln genommen, und es wird gedroht, sie zu töten. Unschuldige sollen das Opfer sein, weil andere irgendetwas getan haben, das den Geiselnehmern missfällt. So etwas tun kann nur eine teuflische Welt, nur Menschen, die von der dunklen Geisteswelt geführt werden. Wir legen euch nun die andere Seite vor, das, was die Gotteswelt tut – sie macht das Gegenteil, sie sagt: ‘Deinetwillen, weil du so viel geleistet hast, was die himmlische Welt erfreut, soll dir das vergolten werden – vielleicht im Kreise deiner engsten Familie, vielleicht zugunsten von jemandem, mit dem du in einem früheren Leben zusammen warst und der der Gnade bedarf. Was du geleistet hast, soll andern zugutekommen; bei ihnen wollen wir versuchen, ein Stück des Leidens oder des Karmas zu lindern, ihnen wollen wir die Gnade geben, weil du es verdient hast.’”
So versucht die Engelswelt auch diese Menschengeister auf einen Weg zu bringen und zu einer solchen Quelle zu führen, um ihnen diese Offenbarung zu machen. Man sammelt sie und erklärt ihnen: “Es ist so notwendig, dass dieses euch auch offenbart wird.” Denn diese feinen Gefühle von göttlicher Liebe und Vergeltung müssen in den Einzelnen eindringen, er muss davon erfasst werden. Und glaubt, solche sind hocherfreut und beglückt, dass die Geisteswelt Gottes ihnen so Wunderbares zugutekommen lässt, sie freuen sich. Nun wird die Tiefe der Seele beeindruckt, sie nimmt von diesem Geschehen in sich auf, sie ist erfreut über all das Wunderbare – es macht ihnen grossen Eindruck, und sie geben das Versprechen ab, doch auch solche Vergeltung zu geben. Und wenn sie dann wieder einverleibt sind, dringt da und dort ein Hauch dieses Erlebten zum Vorschein. Der Mensch kann plötzlich gut sein und vergeben. Er vergilt das, was ihm Böses angetan wird, nicht mit Bösem; denn aus seiner Seele heraus steigt jetzt jene gesammelte Kraft, und er wirkt so, wie die führenden Geister es ihn gelehrt haben; er vergibt, wie ihm gezeigt wurde, auf welche Art und Weise der Himmel vergibt. So sind diese Wanderungen so verschieden.
Auf wieder andere Wege werden solche geführt, die allzu geschäftig sind und sich dadurch von Gott immer mehr entfernen. Wie unendlich viele solcher Menschen gibt es! Denn durch ihr bequemes und schönes Leben, das sie haben dürfen, wird ihnen alles geboten, und so fragen sie nicht nach dem Woher und dem Wohin, nach dem, was nach dem Erdenleben kommt. Und auch da sind es eben wieder die Geister Gottes, die jene sammeln auf diese Wege und ihnen dort Erklärungen geben, Erklärungen von der Notwendigkeit ihrer Umkehr, von der Bedeutung des Geisteslebens – dass das Glück nicht im Erdenreiche unter diesen irdischen Gütern allein zu finden sei. Und wenn dann diese geistigen Führer neben einem solchen Menschengeist herschreiten und ihn fragen: “Was gewinnst du aus deinem Leben?”, dann müssen sie ihm sagen: “Wenn du so weiterlebst, gibt es keine Gewinne.” Sie zeigen ihm aber das wahre Leben, das tugendhafte Leben, und sie erklären ihm: “An deiner Stelle, wo du lebst, hast du die Möglichkeit, auf diese Art und Weise zu leben und so zu gewinnen.” Immer wieder werden diese Menschengeister auf den gleichen Weg genommen, immer wieder wird ihnen dasselbe vorgeführt. Dies alles soll ihnen einen tiefen Eindruck machen, ihre Seele muss dieses Erlebnis in sich aufnehmen können.
Die Geisterwelt Gottes hat dem Einzelnen so viel zu sagen, und sie kann mit dem Einzelnen in den Kontakt kommen. Sie betrachtet sein Leben und führt ihn dementsprechend in der Geisteswelt. Doch glauben manchmal viele, sie könnten Bedingungen stellen; denn sie sind ja so gewaltig neugierig, sie möchten doch dieses und jenes erfassen können. Und so oft muss ihnen gesagt werden: “Nein, so weit geht es nicht. Wir haben ganz andere Absichten mit dir; für dich ist es viel notwendiger, diesen Weg zu gehen.” So führt man den Einzelnen und erklärt ihm von seinem Leben. Man sagt ihm, wie notwendig es ist, dass er die Gefühle des Friedens auch wirklich in sich aufnimmt; man erklärt ihm auch, wie notwendig es ist, dass er dem Mitmenschen etwas bedeutet. Hier erklärt man das Leben. Auf diese Art und Weise erreicht die Geisteswelt Gottes viel.
Es mag geschehen, dass man gewisse unzufriedene Geschöpfe, die im Erdenreiche miteinander leben, zusammenführt, damit sie im Geistigen gemeinsam auf diesen Wegen zu wandern haben – jeder begleitet von seinem Engel –, und dass sie aufgefordert werden, einander die Hand zu reichen, einander zu verstehen. Und wenn da und dort einer eine grosse Schuld auf sich trägt, gibt man ihm Gelegenheit, sie gutzumachen. Man erklärt ihm: “Diese Schuld, die du begangen hast, musst du versuchen gutzumachen, zuerst einmal im geistigen Reich.” Man will seine Seele wachrufen und ihm im Geistigen den Weg zeigen; da gibt es so viele Möglichkeiten, dass man etwas gutmachen kann. Dann wird er aufgefordert: “Versuche nun, diese Gutmachung auch in deinem menschlichen Leibe durchzusetzen. Ordne alles, was um dich ist. Wenn du dann zurückkommst, ist es gut für dich, wenn du auch in deiner Seele Ordnung hast.” Wie manchem, der da geführt wird und in irgendeiner Beziehung vom menschlichen Leben her eine Last auf sich trägt und damit nicht fertigwird, wird geholfen, die Last zu lösen. Man sagt ihm, welchen Weg er zu gehen hat, wie er denken und handeln muss. Und man offenbart ihm auch, wenn diese Schuld getilgt ist. Dann soll auch dieses in das Innerste der Seele dringen, damit der Mensch nicht den Rest seines Lebens bangt, ob Gott ihm wohl vergeben habe, was er einst getan. Denn immer gibt es Menschen, die nicht damit fertigwerden, dass sie einmal eine Last auf ihre Seele geladen haben. Die Geisteswelt Gottes gibt Gelegenheit, in diesen stillen Wanderungen gutzumachen. So soll dann dieses auch auf den Menschen seinen Einfluss haben. Er muss mit neuer Kraft und neuem Mut seine Arbeit ausführen und immer versuchen, zu verbessern und grössere Leistungen zu vollbringen. Dann wird er bestimmt die Antwort bekommen und in dieser Wanderschaft zu grösseren Leistungen aufgerufen werden. Denn diese Arbeiten in der stillen Zeit und die Gespräche der Engel Gottes mit diesen Wanderern sind ja so verschieden – je nach dem Denken und Handeln des Einzelnen.
Und wenn du nun dein eigenes Leben überdenkst und deine Interessen betrachtest, dann sollst du dich selbst auch fragen: “Wohin werde ich wohl geführt? Ist wohl meine Tätigkeit in dieser stillen Zeit zu meiner Seele Heil?” Darüber könntet ihr auch meditieren. Man kann auch darum bitten, in eine besonders nutzvolle Arbeit eingeführt zu werden. Doch über all das wachen immer die göttlichen Wesen. Für den Menschen ist es eine grosse Notwendigkeit, stets nach diesen geistigen Höhen zu streben. Dann wird er auch dementsprechend geführt und wird er seine Belohnung finden. Und wie viele Menschen sind es, die eine Antwort hören möchten. Es kommt der eine und andere mit seinen Problemen und Sorgen auch zu dir, und durch diese deine Erkenntnis kannst du ihm die Antwort geben. Du hast auch die Möglichkeit, für jene zu beten, die du in grossen Fehlern siehst.
Ich habe am Anfang gesagt, man solle nicht glauben, sagen zu können, wohin man in diesen stillen Wanderungen gehen möchte, und dass alle auf den schönen und bequemen Wegen wandern dürfen. Nein. Die Wanderungen gehen oft auch in die Welt der Dunkelheit hinunter. Menschengeister haben sich sogar mit jenen Wesenheiten dort zu beschäftigen und haben auch ihre Lehren daraus zu ziehen. Sie haben aber nicht ständig in diesen Tiefen zu verbringen, sondern sie dürfen abwechslungsweise auch die geistigen Höhen gewinnen und so den Unterschied kennenlernen zwischen Gut und Böse, zwischen Schön und Unschön – das soll auch die Tiefe ihrer Seele erfassen, und sie sollten auch etwas davon ins menschliche Bewusstsein bringen, dass es kein würdiges Leben ist, das man führt, wenn man dem Nächsten ständig zur Last fällt mit seinem Gerede, mit seinem Tun. Vielmehr sollte man ein beliebter und freier Mensch werden. Das ist dann auch ein Zeichen dafür, dass man in jenen stillen Stunden seine besondere Belehrung hat.
So, meine lieben Freunde, versucht doch auch einmal darüber zu meditieren und eure Wünsche auszusprechen. Bittet, und es wird euch gegeben; doch ihr sollt nicht glauben, dass ihr heute etwas aussprechen könnt und morgen wird es erfüllt. Im Weiteren soll deine Bitte eine Bitte bleiben und kein Befehl an Gott sein. Vergiss nie, die Geisteswelt Gottes nimmt keine Befehle entgegen. Versuche, in solcher Liebe und Ausdauer zu sein, wie die himmlischen Boten es mit dir sind. Auf diesen Strassen der Ewigkeit erlebt man so viel Wunderbares. Man kann auch seine Sehnsüchte nach den herrlichsten Dingen stillen. Denn Menschengeister werden auch in Stätten der Gastlichkeit geführt. Dort dürfen sie heute als Gast einkehren, und morgen sagt man ihnen: “Du sollst selbst Gastgeber sein.” Und dieses heisst wiederum: Wenn du als Gast in eine solche Stätte einkehrst, dann ist man voller Liebenswürdigkeit mit allen, mit denen man zusammenkommt. Und dieses Erleben, dieses wahre Verständnis, muss auch die Tiefe der Seele erfassen, denn es soll auch ins tägliche Leben zurückgetragen werden. Und wenn man selbst als Mensch der Gastgeber zu sein hat, dann soll man wissen, was alles und wie viel man dem andern anzubieten hat und welche Freude man in dieser Gastlichkeit, in der geistigen Gastlichkeit, erlebt. Das alles sind Erlebnisse, die nicht ohne Wirkung sind.
So will es die Gotteswelt, dass diese feinen Gefühle sich in der Seele verankern können. Und wo könnten sie besser gefunden werden als im Zusammensein mit der göttlichen Welt. Und so soll man es dann durch den Leib zum Vorschein bringen und so den Beweis erbringen, dass man ein Kind Gottes ist, dass man seine Zugehörigkeit zum Hause Gottes hat, wo Gott in seiner Liebe und seinem Verständnis so unendlich gross ist – davon muss man Zeugnis geben.
Das sind einige Antworten darauf, warum sich der Mensch nicht aller Einzelheiten dieses Erlebens bewusst wird. Doch jede Seele empfängt in diesen stillen Stunden, und es sollte sich ihr zum Heile entfalten. Und je mehr man durch den Leib versucht, mit grossen Anstrengungen mitzuwirken für das Gute und Schöne, umso besser und mehr entfaltet es sich. So reift die Seele heran und mit ihr die Erkenntnis. Und das ist es, was es für euch braucht. Von diesen geistigen Einflüssen des Jenseits auf jeden Einzelnen, von allem, was ihm gegeben wird, von diesen Eindrücken, die er erfasst, muss doch wenigstens ein geringer Teil durch den menschlichen Leib dringen können: auf der einen Seite die Abscheu vor Laster und Untugend und auf der andern Seite das wunderbare Glücksgefühl und das Erleben. Die geistigen Spenden, die man ständig empfängt, sollen dazu dienen, den Menschen in seinem täglichen Leben zu kräftigen, ihm Mut und Ausdauer zu überbringen. So kann er das Geschehen, das über ihn kommt, besser verstehen; er kann so seinem Leben wahre Erfüllung bringen. Je nachdem wie du verlangst zu denken in deinem vollen Bewusstsein, wirst du in jenen stillen Stunden empfangen dürfen. So soll dein Trachten und Sinnen immer nach dem Schönen und Guten sein, so fliesst es als Dank in der Geisteswelt in deine Seele hinein.
So, liebe Freunde, habe ich versucht, diese Stunde euch wiederum auf eine besondere Art und Weise eine Belehrung und eine Antwort zu geben. So möge der Segen Gottes über euch allen sein. Der Segen des Heils durchströme euch, damit ihr gesunden könnt an Leib und Seele. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 23.4.1960 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Der geistige Tag der Seele
Lene, 17. Januar 1968
Der geistige Tag der Seele
Legt sich der Mensch in der Nacht zur Ruhe, kommt die Seele in die Geisteswelt: Es bricht für sie der geistige Tag an; sie führt Gespräche mit ihresgleichen und mit geistigen Lehrern – mit ihrem Schutzgeist, mit Strafengeln, mit Engeln des Lobes. Wenn es für die Seele Tag geworden ist, kann es ihr auch ermöglicht werden, mit verstorbenen Angehörigen zusammenzukommen.
Lene: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, wir möchten in dieser Stunde zusammen meditieren. Daher bitte ich euch: Versucht, alles hinter euch zu lassen, was euch irgendwie beschäftigt, und folget mir im Geiste. Denkt nicht an das, was zu Hause ist, nicht an eure Geschäfte und dergleichen. Versucht jetzt, mir zu folgen.
“Trachte zuerst nach dem Reiche Gottes, alles andere wird dir gegeben” (Mat. 6, 33). Darüber wollen wir meditieren. Für euch ist das nicht so eine einfache Angelegenheit. Ihr seid manchmal guten Willens, ihr möchtet zuerst nach dem Reiche Gottes trachten, aber ihr steht ja in einer Welt, die viel von euch verlangt. Ihr steht in einer Welt, die von euch das verlangt, was dieser Welt gehört. Aber das, was dieser Welt gehört, gehört eben nicht unbedingt dem Reiche Gottes. So haben wir mit euch Menschen wohl Verständnis und Geduld, indem wir euch immer wieder auf das notwendige geistige Leben aufmerksam machen. Das heisst, dass ihr versuchen sollt, euch von dem Schweren, von dem Irdischen, etwas abzuwenden. Dann wird es euch möglich gemacht, für das Reich Gottes zu wirken. Wenn ihr zuerst nach dem Reiche Gottes trachtet, wird euch das andere dazugegeben. Das heisst also: zuerst die Gesetze Gottes erfüllen und sich nach dem Reiche Gottes ausrichten. Ich sagte schon, dass es nicht so leicht ist. Ich will euch nur darauf aufmerksam machen, dass zu dem, was der Seele geistiger Reichtum ist und den Menschen an und für sich bereichert und geistig hebt, die hohen Ziele des Lebens gehören und die dementsprechenden Eigenschaften. Man soll nach dem Reiche Gottes trachten. Ich brauche im Einzelnen nicht allzu ausführlich zu werden, um euch klarzumachen, was dazu gehört.
Aber wir wollen ja miteinander meditieren – von diesem Irdischen entfliehen. Der grösste Teil von euch muss doch arbeiten, um das Brot zu verdienen. Abends werdet ihr müde von der Arbeit sein. Das nehmen wir an. Es gibt auch Menschen, die nicht zu arbeiten brauchen oder die nicht arbeiten und die dennoch müde werden. Es ist wunderbar eingerichtet von Gott: Wenn es dunkel wird, wird es dem Menschen weniger schwerfallen, sich in die Ruhe zu begeben. Er kann aber seinen Tag verlängern, indem er die Dunkelheit mit seinem künstlichen Licht durchbricht. So begibt er sich erst dann zur Ruhe, wenn es ihm genehm ist oder wenn er glaubt, nun müde genug zu sein. Das ist der eine Teil vom Wirken des Menschen; er arbeitet in seiner Welt, und er soll daneben die andere Welt nicht vergessen.
Dann ist da noch etwas, das auch Anspruch erhebt. Es spielen nicht nur diese Äusserlichkeiten beim Menschen eine Rolle. Neben dem äusseren Menschen, der nach äusserlichen Dingen verlangt, ist ja auch etwas im Menschen – es ist die Seele, die ihr Recht fordert. Ich muss es jetzt ganz ausdrücklich sagen: Die Seele fordert ihr Recht. Nicht nur ich, sondern wir wissen, dass ihr Menschen Geist und Seele oft nicht richtig definieren könnt. Wir könnten ja auch vom Geiste sprechen, aber ich möchte euch klarmachen, dass ihr Menschen auch Geister seid – ihr seid Menschengeister. Ich möchte jetzt nicht die Persönlichkeit des Menschengeistes ansprechen, sondern die Persönlichkeit der Seele oder die seelische Persönlichkeit. Darunter sind eben der Wille, das Gefühlsleben zu verstehen. Gerade dieser Wille, dieses Gefühl spielen beim ganzen Menschen eine sehr bedeutende Rolle.
Wenn sich der Mensch zur Ruhe legt und er schlafen darf, dann wird die Seele zu ihrem Recht kommen. Der Schlaf kann zeitlich nicht auf eine Norm gebracht werden, denn die Zeit, wo der Mensch zu ruhen hat, kann unbestimmt sein. Nicht jeder Mensch braucht gleich viel Schlaf; der eine holt sich im Schlaf seine Kräfte in verhältnismässig kurzer Zeit, ein anderer braucht einen ausgedehnten Schlaf. Das ist individuell. Die Hauptsache aber ist, dass die Seele des Menschen auch zu ihrem Recht kommt. Denn am Tag, wenn ihr arbeiten müsst und mit andern zusammenkommt, könnt ihr euch untereinander aussprechen. Ihr lebt ja zusammen. Das ist etwas ganz Besonderes, etwas für sich. Und das Leben der Seele ist auch etwas für sich. Während der Mensch seine Arbeit wohl meistens am Tage tätigt, tätigt die Seele ihre Arbeit auch während des geistigen Tages. Dieser geistige Tag für die Seele beginnt, wenn es für euch Menschen dunkel geworden ist. Ihr bezeichnet diese Zeit als Nacht. Wir möchten die Seele nicht mit diesem Wort in Zusammenhang sehen; wir möchten nicht sagen, dass die Seele ihre Tätigkeit in der Nacht ausübt, sondern für sie ist es der geistige Tag. Was hat die Seele, wenn es für sie Tag geworden ist? Was erlebt sie?
Ich möchte noch ergänzen, dass es auch Menschen gibt, die am helllichten Tage schlafen, sei es aus beruflichen Gründen oder seien es Kranke, die auch tagsüber des Schlafes bedürfen. Oder Menschen, die sich zur Gewohnheit gemacht haben, sich während des Tages zu bestimmten Stunden niederzulegen. All das mag für jene Menschen, so sie es regelmässig tun, doch auch als geistiger Tag bezeichnet werden. Denn die Seele erlebt dann in ihrem Bereich, in ihrer Seelenwelt, Gespräche mit ihresgleichen. Sie übt Tätigkeiten aus – sie lebt und wirkt im Reiche des Geistes, ohne dass von diesem Erlebten unbedingt etwas in das Bewusstsein des Menschen gelangt.
Wir wollen miteinander meditieren. Ich spreche auch eine bildliche Sprache, die von euch verstanden werden soll. Denn ihr geht ja schon lange in unsere Schule. Wir wollen nicht den Wortschatz üben, der in eurer Welt gebräuchlich ist. Ihr sollt euch erheben, damit ihr andere Worte versteht, was damit gemeint ist. Denn wir können euch sagen, eure Seele gleicht einem Acker. Dieser Acker wird eben vom ganzen Menschen bepflanzt. Er – der ganze Mensch – setzt den Samen in diesen Acker. Mit dem Menschen meine ich also den ganzen Menschen, der im Alltag tätig ist. Er gleicht einem Sämann, der seinen eigenen Acker bepflanzen muss.
Seine Saat, die er im täglichen Leben zusammenbringen oder erwerben muss, wird er in seinen eigenen Acker legen. Nun kommt es darauf an, ob er wohl guten Samen oder ob er nur wenig davon hat. Er soll ja im täglichen Leben diesen Samen erwerben. Es ist das, nach dem man trachten muss, wie ich anfangs betonte. Man soll zuerst nach dem Reiche Gottes trachten, nach seiner Gerechtigkeit, nach seiner Güte, nach dem Verständnis – nach all den Tugenden, die man vom anderen erwartet, die er haben sollte. All diese Tugenden sind bildlich gesprochen Samen, die man für seinen eigenen Acker braucht. So legt man diese Samen in seinen eigenen Acker.
Die Seele führt Gespräche. Wenn der Körper ruht, wenn die Seele ihren Tag hat, führt sie Gespräche mit ihresgleichen; sie führt Gespräche mit geistigen Lehrern, mit Engeln Gottes, mit Strafengeln, mit Engeln des Lobes und der Zufriedenheit. Sie unterhält sich über vieles; allerlei Gespräche werden geführt. Es fehlt nicht an Gesprächen verschiedener Art. Je nachdem, ob man geistig arm oder reich ist, wird eben das Interesse der Jenseitigen sein. Einen geistig Armen muntert man auf. Man sagt ihm, was zu tun ist, wie er seinen Reichtum mehren kann, wie und was er tun muss, damit es zu einer guten Ernte kommt. Er wird aber auch getadelt; er wird Strafe empfangen, wenn er ungehorsam ist. Es wird auch Strafe angedroht. So kommen diese Jenseitigen mit den Seelen ins Gespräch, wenn für sie der geistige Tag angebrochen ist, und machen sie auf ihre Tätigkeit aufmerksam, die sie ausüben müssen.
Nun ist es so, dass im Leben des Menschen nicht nur einmal geerntet wird. Bei den meisten Menschen sind es verschiedene Entwicklungsstufen, und es gibt auf jeder Entwicklungsstufe einen gewissen Abschluss. Dann kann eben diese geistige Ernte eingebracht werden. Sie wird sodann auf die Reife geprüft und auf ihren Wert. Es wird damit in der jeweiligen geistigen Entwicklung einen Abschluss geben. Die Entwicklung kann aufs Neue beginnen, es beginnt eine neue Phase. Wiederum muss man heraustreten, um Samen zu erwerben. Gewöhnlich ist es so: Wenn ein Abschluss stattgefunden hat, wird es einem leichterfallen, wieder zum notwendigen Samen zu kommen. Man wird ihn recht bald in solchem Masse zur Verfügung haben, dass man seinen Acker wieder von Neuem bestellen kann. Solche Menschen werden von der Geisterwelt Gottes besonders geschätzt. Denn jene, die in ihrem Leben verschiedene Entwicklungsstufen zum Abschluss bringen können und jeweils wieder eine höhere Stufe einnehmen, werden auch immer zu wertvollerer Ernte gelangen. Der Same wird von einer Ernte zur andern immer kostbarer und wertvoller.
Es ist aber die Pflicht des Besitzers, dass er von seinem kostbaren Samen, den er erworben hat, welchen unter seinesgleichen bringt. Er muss also als Mensch andern von diesem Samen anbieten. Dieser Same muss von den Mitmenschen angefordert werden. Das ist bildlich gesprochen und heisst in menschliche Worte gekleidet: Hat er jene geistige Entwicklungsstufe erreicht und ist er voller guten Eigenschaften, ist es seine Pflicht, seinen Mitmenschen von diesen göttlichen Eigenschaften zu übertragen, sie zu beeinflussen, damit sie sich diese guten Eigenschaften zu eigen machen können. Es wird also vom Menschen eine Tätigkeit verlangt. Er muss für das Reich Gottes wirken. Er darf sich nicht abschliessen und niemandem etwas von seinen Kostbarkeiten überreichen. Die himmlische Welt stellt ihre Kostbarkeiten ebenfalls zur Verfügung, und so muss es der Mensch auch tun.
So wird die Seele angesprochen, wird mit der Seele verhandelt. Denn eine bedeutende Rolle spielen das Gemüt und der Wille, der in der Seele ist. Es ist so, dass auch die Seele über sich selbst trauert, das heisst über den ganzen Menschen. Ich kann es nur so erklären: Es geschieht oft oder manchmal, dass ihr euch über eure eigenen Taten ärgert und ihr es nicht verstehen könnt, dass ihr so ungeschickt gehandelt habt. Ihr ärgert euch dann über euch selbst. Das ist eine gewisse Selbsterkenntnis. Die Seele ist traurig. Ich kann hier nicht von Ärger sprechen, sondern sie trauert, weil der ganze Mensch es nicht fertiggebracht hat oder nicht fertigbringt, das auszuführen, was im höheren Willen des Menschen ist. Da die Seele in diesem höheren Willen lebt – im geistigen Tag, wenn sie aufwärtsstrebt –, hat sie das Verlangen, dass nur hoher Sinn, hohes Leben getätigt wird. Daher ist sie sehr oft über sich selbst in Trauer.
Ich muss hier die Erklärung geben, dass Menschen Veranlagungen haben können zu Depressionen, zu Unwilligkeiten und zu anderen Untugenden – dass dies Veranlagungen sind, die vererbt worden sind. Diese Veranlagungen könnten bekämpft und überwunden werden. Wenn aber die Seele schon in Trauer ist, weil sie nicht zum geistigen Ziel kommt, ihr edles Ziel nicht erreicht, dringt von dieser Trauer etwas in das Bewusstsein des ganzen Menschen. So kann sich die Veranlagung von Depressionen durch die innere Trauer der Seele auch noch steigern.
Diese Lebensverneinung eines Menschen kann auch oft daher kommen, dass die Seele des Menschen unzufrieden ist, weil sie sich nicht zurechtfindet. Sie kann nicht begreifen, was sie alles erfüllen sollte, weil sie sich nicht belehren lassen will. Sie kann auch auf diesem Wege in eine Trauer kommen. Von diesem geistigen Erlebnis kann etwas in das Bewusstsein des Menschen hinübergelangen, sodass es sein Wunsch ist, das Leben beendet zu sehen. Die Seele ist nicht fähig, den Trost zu empfangen oder den Tadel anzuhören; sie lässt sich nicht führen, wenn für sie Tag ist, weil der Wille eigensinnig ist. Ist man nicht guten Willens, wird es für die Seele schwer.
Die Seele hat ihren Besitz in ihren Tiefen; ihre Erlebnisse sind in der Tiefe verwurzelt. Erlebnisse aus früheren menschlichen Leben oder aus früheren Läuterungszeiten können einer Seele bewusst werden. Die Veranlagungen der Seele oder des Geistes, wenn wir es so sagen wollen, die ganze Persönlichkeit – Seele und Geist –, spielen dabei eine Rolle, weil die Beschaffenheit der Seele, ihre Empfindlichkeit so ausgeprägt ist, dass es ihr möglich ist, diese Empfindungen zu haben, dass diese Erlebnisse zurückkommen oder gegenwärtig werden, sodass man mit seiner eigenen geistigen Vergangenheit nicht fertigwird, sich nicht trösten lässt.
Was auch Schweres auf der Seele des Einzelnen ruhen mag, mit dem Aufstieg sollte dies überwunden werden. Den Seelen wird erklärt, dass sie nicht rückwärtszublicken hätten, sondern vorwärtsschauen sollen. Aufwärts sollen sie streben, das wird ihnen gesagt. Wenn man ihnen diese Belehrung gibt, liegt es am Einzelnen, diesen Trost, diese Belehrung anzunehmen – oder man kann eben damit nicht fertigwerden. Dies ist eine Eigenheit der Persönlichkeit, die auch überwunden werden kann. Die hohe Geisteswelt gibt sich Mühe, dass solches überwunden wird. Daraus erkennt man, dass nicht Gewalt angewendet werden soll und dass es in der Entwicklung kein Schema gibt. Es kommt auf die Persönlichkeit des Einzelnen an, was er bejahen und verneinen will. Er kann also überlegen, kann klug handeln, oder aber er ist nicht fähig, vorteilhaft oder klug zu handeln. Dies alles sind Eigenheiten, die jedem Wesen gegeben sind und die nun mit dem Aufstieg überwunden werden müssen. Der eine überwindet rascher, weil er ein froheres Gemüt hat, grössere Zuversicht, stärkeren Glauben, grössere Hoffnung. Es kommt darauf an, wie sich die Seele diesen hohen Lehrern gegenüber benimmt und ob sie willens ist aufzunehmen. Daraus erkennt man, dass diese Seelen nicht von sich aus Alleswisser sind oder ihnen nicht etwa keine Hindernisse im Weg stehen würden. Jedes, das im Aufstieg ist, hat auf seine Art und Weise Hindernisse kleinerer oder grösserer Art zu überwinden, bis es jenen Grad der Vollkommenheit erreicht hat.
Es ist eine grosse Tätigkeit, die die Seelen ausüben können, wenn es für sie Tag ist. Die Geisterwelt Gottes neigt sich zu ihren Geschwistern hin, um sie zu führen. Es ist ihr sehr daran gelegen. Was beim Menschen im Schlafe vor sich geht, ahnen die Menschen nicht. Sie sind sich des geistigen Tages nicht bewusst, der über ihre Seele hereinbricht. Wenn es dunkel geworden ist, beginnt für den Menschen die Ruhezeit. Aber für die Seele bricht der Tag an, und dann fängt man an, sich mit ihr zu beschäftigen. Es sollte selbstverständlich sein, dass das Interesse der Geistgeschwister im Jenseits gross ist am persönlichen Aufstieg eines solchen Menschengeistes, der im geistigen Tage lebt. Denn die Jenseitigen haben bei einem jeden Menschen bedeutende Arbeit zu leisten. So kann auch die Seele ihre Erlebnisse haben, wenn sie in der jenseitigen Welt weilt.
Wenn es für die Seele Tag geworden ist, kann sie mit verstorbenen Angehörigen zusammenkommen. Sie werden so weit ihr Interesse zeigen, wie es ihnen erlaubt ist, dieser Seele behilflich zu sein. Nur zum Vergnügen oder aus besonderen Wünschen heraus wird es nicht gestattet sein, sich mit jenen zusammenzufinden, die man sich besonders erwünscht. All dies geschieht in einer geistigen Ordnung. Man kann darum bitten – ob diese Bitte dann erfüllt wird, bestimmt die höhere Geisteswelt. Eine Seele, die in ihrem geistigen Tage wirkt, lebt unter einer göttlichen Führung; zu ihrer Seite stehen die Geister Gottes. Sie sind daran interessiert, dass solches getätigt wird, was zu ihrem persönlichen Nutzen ist und was sinnvoll ist. Solches geschieht bei jenen Seelen, die im Aufstiege sind, die sich um das Aufwärtskommen bemühen.
Es gibt auch eine gleichgültige Seelenwelt, das heisst solche Seelen, für die es Tag geworden ist, die sich aber nicht um die geistige Ordnung kümmern. Sie erkennen nun, dass sie im menschlichen Leben den Glauben nicht haben und niemals zuerst nach dem Reiche Gottes trachten. Sie sehen, dass sie eigentlich Nutzniesser im Reiche Gottes sind und dass der Lebenswille des Menschen und seine Einstellung zum Leben so einseitig, so hart und beständig ist, dass die Seele nichts ausrichten kann. So ist die Seele bei den einen unzufrieden, bei anderen aber gibt sie sich dem Leben oder Wirken des äusseren Menschen einfach hin. Solche Seelen haben auch ihre Besuche, erhalten auch ihre Ermahnungen und teilweise schon Strafen. Sie aber vermögen nicht, etwas für ihr höheres Leben zu leisten, denn sie stehen geistig in einer solch tiefen Entwicklungsstufe, wo es ihnen an Kraft und gutem Willen fehlt. Hier wendet sich dann die hohe Geisteswelt mit ihren hohen geistigen Interessen von ihnen ab. Sie überlässt sie wohl auch der geistigen Führung, aber in dieser Führung können sie sich nicht geistig bereichern. Sie bekommen keine Kraft, die ins Bewusstsein des Menschen dringt und sie ermahnt, sich anders zum Leben einzustellen. Es sind dann Menschen, die ihren Acker veröden lassen, die keinen kostbaren Samen besitzen. Dieser Acker wird mit Unkraut besät. Solche Seelen, die dieses erkennen, wenn es für sie Tag geworden ist, befassen sich nicht weiter damit, sondern warten auf die Dinge, die auf sie zukommen.
Darum bemüht sich doch die Geisterwelt Gottes so, Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen und sie für die Ordnung zu verpflichten. Es ist die Pflicht eines aufsteigenden Menschengeistes, dass er seinen Samen, der durch seine Entwicklung, durch seinen Eifer, durch seine Bemühungen, durch seinen Glauben, durch seine guten Taten so wertvoll geworden ist, dass er diesen wertvollen Samen nicht vergraben darf, sodass er niemandem zugutekommt. Dieser wertvolle Same muss verbreitet werden und kann verbreitet werden auf eine wunderbare Art und Weise, indem man in seinem Leben in allen Dingen zuerst nach dem Reiche Gottes trachtet. Auf diesem Wege wird man dem Mitmenschen zum leuchtenden Beispiel; auf diesem Wege verbreitet man den kostbaren, göttlichen Samen und zeigt die unvergänglichen, wertvollen geistigen Schätze. Diese wertvollen, unvergänglichen Schätze, die mit dem irdischen Auge nicht gesehen werden, werden von der Seele des Menschen erkannt und geschätzt. Menschen, deren Seele es empfindet, wo Kostbarkeit ausgetragen wird, sollen für diese dargebotene Kostbarkeit dankbar sein. Sie sollen sie dankbar entgegennehmen und nacheifern, um Gleiches zu gewinnen, damit man ein reicher Sämann wird und einen kostbaren Acker besitzt, denn es kommt die Zeit und die Stunde, wo gemessen und gewogen und auf diese Werte geprüft wird.
So, liebe Geschwister, denkt darüber nach. Und es soll euch klar werden: Wenn ihr euch zur Ruhe begebt, dann beginnt für euer Seelenleben geistiger Tag. Für eure Seele scheint das Licht, das geistige Licht. Dieses geistige Licht will nicht nur die Seele erhellen, sondern den ganzen Menschen durchfluten. Von seinem herrlichen Licht, das aus dieser Ewigkeit stammt, von diesem herrlichen Licht soll Belebung in den ganzen Menschen kommen – Belebung, dass er Kraft findet im Glauben und Kraft, die hohen Ziele des Lebens zu finden.
Liebe Geschwister, versucht darüber nachzudenken und zu meditieren. So möge der Segen Gottes euch führen, möge das göttliche Licht euch durchwärmen, möget ihr gestärkt von dannen gehen und glückliche, lebensbejahende Menschen werden. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 17.1.1968 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Heft 4/2022
21 Seiten, 21 × 29,7 cm