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Wie sich Segen über Generationen entfaltet
Beschreibung
Für die Gotteswelt ist es eine grosse Freude, wenn ein Mensch opferbereit ist und er so eine bedeutsame Aufgabe erfüllt. Sie belohnt ihn mit einem Segen, der weit herausstrahlt und sich auch auf die Kinder und Kindeskinder übertragen kann. Im ersten Vortrag in diesem Heft berichtet Geistlehrer Josef von einer Familie, deren Kinder dank einem grossen gottgefälligen Werk ihrer Eltern mit einem besonderen Segen gezeichnet wurden, welcher bei einem jeden von ihnen im nächsten Erdenleben zur Auswirkung kam. Der zweite Vortrag handelt von der Fürsorge eines Sohnes für seinen betagten Vater und vom göttlichen Segen, der sich aufgrund dieses Liebeswerks auf seine ganze Familie ausbreitete. Im dritten Vortrag geht es um eine Mutterseele, die nach ihrem Tode Einblick erhält in die geistige Herkunft ihrer 15 Kinder und dabei auch erfährt, warum ihr die beiden jüngsten Söhne so viel Sorgen bereitet hatten. Dank ihrer geistigen Verdienste darf sie diese beiden Wesen in ihrem Aufstieg in der Jenseitswelt weiter fördern.
Themenheft 3/2025: Wie sich Segen über Generationen entfaltet
Inhalt
Warum manchem viel Segen schon in die Wiege gelegt wird
Josef, 3. Oktober 1959
Warum manchem viel Segen schon in die Wiege gelegt wird
Für die Gotteswelt ist es eine grosse Freude, wenn ein Mensch opferbereit ist und so eine bedeutsame Aufgabe erfüllt. Sie belohnt ihn mit einem Segen, der weit herausstrahlt und sich auch auf Kinder und Kindeskinder übertragen kann. Im folgenden Vortrag berichtet Geistlehrer Josef von einer Familie, deren Kinder dank einem gottgefälligen Werk ihrer Eltern eine Gutschrift für das nächste Erdenleben erhielten. Sie alle wurden mit einem besonderen Segen gezeichnet, der ihnen bei ihrer Wiedergeburt schon in die Wiege strahlte und sich im Laufe des Lebens auf unterschiedliche Weise auswirkte.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, es gibt im Leben des Menschen so viele Unebenheiten, und diese müssen geglättet werden. Gott belohnt alles Gute, das Böse hingegen findet seine Bestrafung. Ich kann euch jeweils anhand der göttlichen Gesetze Einblick geben in diese wunderbare Vielfalt, wie die Geisteswelt ein jedes persönlich richtet und jedes an seinen Platz stellt, wo es hingehört, wenn es in die wirkliche Heimat zurückkommt. Ich erkläre euch jeweils von den Wirkungen, die sich aus einem ‘unebenen’ Leben ergeben. Aber ich möchte es nicht unterlassen, auch von wirklich guten Menschen zu sprechen, die in ihrem Leben wunderbare Aufgaben erfüllen. Die Geisteswelt ist stolz auf solche wunderbaren Menschen, die grosse Aufgaben erfüllen.
Gott verlangt nicht von jedem gleich viel. Dem einen ist eine schwerere Last gegeben, während bei einem andern die Last ganz gering ist. Vom einen verlangt Gott viel an Beweisen, an geistigem Schaffen, vom andern verlangt er weniger. Ihr könnt sehen, es wird vom einen zum andern immer genau abgewogen. Freilich ist die Geisteswelt beglückt über einen Menschen, der aus freien Stücken mehr zu leisten vermag, als ihm zugemutet wurde.
Wenn die Geisteswelt den Menschen betrachtet, dann sieht sie bei jedem eine lange Vergangenheit, und nach dieser Vergangenheit wird jedes Wesen eingeteilt. Aber jeder Mensch bleibt für die gute Geisteswelt eine Persönlichkeit, und sie ist bemüht, jeden Menschen, ob er gut ist oder schlecht, zu begleiten. Freilich bestehen Unterschiede in dieser Verbindung. Bei den guten Menschen ist sie anders als bei den Gott verneinenden, belasteten Menschen; bei den guten sind es andere Wesen, die ihnen nahestehen. Aber auch der belastete, Gott verneinende Mensch hat seine Geister um sich, die um ihn werben; denn es ist der Geisteswelt Gottes nicht gleichgültig, was er tut, und sie gibt ihn auch nicht auf. Immer wieder versucht sie, ihn zu inspirieren und die Möglichkeit zu schaffen, dass er seine Anschauung ändert und sich wandelt. Sie tut alles, was in ihrer Kraft liegt. Ihr könnt auch bei einem grossen Verbrecher gewisse Qualitäten finden. Es sind die guten Geister, die ihm zur Seite sind, und es sind gewisse Kräfte in ihm, die sich durch die Arbeit dieser guten Geister auswirken. Anderseits aber sind es dann wieder seine grossen Schwächen, die überhandnehmen, sodass er das höhere Leben nicht erkennt. Ihr wisst, es ist ein ständiger Kampf.
Ich sagte am Anfang, dass sich die gute Geisteswelt über fromme Menschen freut, die grosse Aufgaben erfüllen, die also opferbereit sind. Ich möchte euch heute ein Beispiel geben und von einem Elternpaar berichten. Dieses Geschehen liegt schon einige Jahrhunderte zurück. Diese Eltern hatten eine grössere Kinderschar, was sie aber nicht davon abhielt, noch ein anderes, fremdes Kind anzunehmen. Sie taten dies nicht etwa der irdischen Belohnung wegen, sondern aus Nächstenliebe. Sie wollten zu ihrer grossen Kinderschar noch ein fremdes Kind aufnehmen und es wie ein eigenes betrachten. Diese beiden Menschen waren sich bewusst, dass mit dem Eintritt dieses Kindes in ihr Haus auch weitere Sorgen und Probleme mit eintreten würden. Aber auch das sollte sie nicht daran hindern, dieses Werk der Nächstenliebe zu erfüllen. Denn es waren zwei fromme Menschen mit grosser Hilfsbereitschaft. So nahmen sie ein solches Kind auf. Die Verhältnisse waren arm; es brauchte viel, um jeden Tag das nötige Brot zusammenzubringen. Aber es gelang in einer Art, wie es dazumal eben üblich war.
Nun, ich sprach von dem Opfer. Damals scheute man nicht davor zurück, ein solches Werk zu erfüllen. Wenn wir dagegen die heutigen Menschen betrachten und ihren Fortschritt in der Technik sehen und überhaupt ihr Leben, dann erkennen wir ja die grossen, gewaltigen Unterschiede zu damals. Wenn damals auch eine grosse Kinderschar vorhanden war, dann überlegte man nicht lange, man hatte schnell Platz für sie. Es hatte nicht jedes Kind sein eigenes Bett. Man legte zwei, drei und mehr Kinder in dasselbe Bett und fand dies ganz selbstverständlich.
Seit damals hat sich das Rad der Entwicklung gedreht. Heute will man in erster Linie frei sein, man will seine Bequemlichkeiten haben, und mit dieser Freiheit und Bequemlichkeit leidet unwillkürlich der Opferwille. Im Weiteren ist es heute im Allgemeinen nicht mehr möglich, in der Weise einfach ein fremdes Kind zu den eigenen dazuzunehmen, weil man andere Verhältnisse, andere Wohnbedingungen hat; es wäre nicht gestattet, noch mehr Kinder in der Wohnung zu haben und so weiter. So sind schon in dieser Beziehung die Möglichkeiten für diesen Opferwillen so gering.
Bedenkt, wie die Geisteswelt jubelt, wenn zwei Menschen aus Nächstenliebe ein solches Kind aufnahmen, weil sie an die Worte des Erlösers dachten: “Nehmt ihr eines der Ärmsten in meinem Namen auf, so nehmt ihr mich auf” (Mat. 18, 5). Denn darum ging es diesen Menschen; sie wollten die engste Verbindung pflegen mit Christus, sie hatten nicht eine oberflächliche Verbindung zur Gotteswelt und keinen oberflächlichen Glauben. Sie wollten ein Liebeswerk erfüllen und fragten nicht nach Lohn.
Die geistige Welt, sie sah ja die Sorgen dieser Familie, und sie war dementsprechend in ihrer Nähe und wusste ihren Segen nach besten Möglichkeiten zur Entfaltung zu bringen. Denn es war so: Mit dem Einzug dieses Kindes waren auch Sorgen mit ins Haus gekommen, denn dieses Kind unterschied sich in seiner Wesensart von den andern; es war schwächlich und immer kränklich. Krank zu sein, ist für Menschen in Armut, wo man ihnen nicht die nötigen Medikamente und die nötige Pflege geben kann, etwas Schlimmes. Damals waren die Verhältnisse ganz anders als heute, und trotzdem versprachen diese Eltern, dieses fremde Kind zu hegen und zu pflegen wie ein eigenes und nie zu bedauern, es aufgenommen zu haben. Und so wachte diese Mutter Nächte hindurch noch bei diesem kranken Kinde. Man gab ihm alle Liebe, alle Aufmerksamkeit. Man hegte es wie ein eigenes Kind, denn sie lebten in diesem Glauben, dass Christus ihnen dadurch ganz nahe sei. Und sie konnten es mitfühlen, wie schwer es für dieses Kind gewesen wäre, wenn es nicht in ihre liebevolle Pflege gekommen wäre. So brachten sie alle Kraft und Energie auf, und dieses Kind wuchs mit den andern heran – es blieb immer das schwächste.
Für diese Eltern brauchte es ungeheuer viel Opfermut. Verzicht hatten sie doch zu leisten zugunsten ihrer Kinder. Opfer über Opfer hatten sie zu bringen. Und die Geisteswelt Gottes wollte ihnen auch das geringste Opfer im höchsten Masse segnen. Sie war ja in ihrer nächsten Nähe durch ihr Verlangen, mit Christus verbunden zu sein, durch ihren Glauben an den Erlöser. Die Geister Gottes kamen und zeichneten die ganze grosse Familie. Ein Engel des Himmels, dessen Aufgabe es ist, diese besonderen Zeichnungen zu gestalten, kam und erklärte: “Was diese Eltern an diesem Kinde getan haben, soll ihnen dereinst reichlich gesegnet sein. Und nicht nur bei ihnen soll der Segen verbleiben, sondern er soll auch ausgehen zu ihren Kindern und zu den Kindeskindern. Weit verbreitet werden soll dieser Segen, der durch die edle Tat dieser beiden erworben wurde.” Und jedes dieser Kinder wurde gezeichnet für das nächste Leben; jedes hatte eine sogenannte Gutschrift für das nächste Leben. In welcher Weise sich dieser Segen beim Einzelnen dann entfalten würde, wusste man noch nicht. Denn dies würde sich bei jedem genau an das Leben anpassen, in das es hineinkommen würde. Denn sie würden zerstreut und in die verschiedensten Verhältnisse hineingeboren werden; sie alle würden in ganz verschiedene Bedingungen hineinkommen. Aber dieser Segen sollte sich erfüllen. Dieses war gezeichnet für ein jedes.
Als dann diese beiden Seelen, Vater und Mutter, in die göttliche Welt kamen, wurden sie mit Jubel begrüsst. Ihre Aufopferung wurde ihnen reichlich belohnt. In eine herrliche Welt durften sie eintreten. Alles war ihnen fremd und unglaublich – dieser Glanz, diese Schönheit, dieses wunderbare Leben; so etwas hatten sie in ihrem Leben nie gekannt. Es wurde ihnen erklärt: “Das ist der Himmel in seinem Glanz und seiner Herrlichkeit. Das ist der Himmel in seiner Vergeltung für das Gute.” Wie erfreut waren sie! Wohl bedurften auch sie der Belehrung, denn wie alle andern Wesenheiten, die von der Erde zurückkommen, waren sie ja nicht unterrichtet über den Heils- und Erlösungsplan. Doch sie hatten ein starkes Verlangen, in die Nähe des Erlösers zu kommen und Gott zu schauen. Es musste ihnen klargemacht werden, wie weit der Weg noch sei, bis sie Gott schauen können. Und es wurde ihnen auch erklärt, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um dem Erlöser zu begegnen. Aber es wurde ihnen doch dieser wunderbare Himmel eröffnet mit diesen Herrlichkeiten, und sie waren glücklich. Prachtvoll gewandete Himmelswesen nahmen sich die grösste Mühe, sie zu unterrichten. Sie brauchten nicht in die Schulen zu gehen wie alle andern, nein, diese Engelwesen kamen zu ihnen in ihr Haus, in ihren Garten; sie nahmen sich die Mühe, um den Weg zu ihnen zu finden und sie zu belehren, zu unterrichten.
Dies war eine grosse Freude für diese beiden Seelen, und als man ihnen erklärte: “Ihr seid jetzt noch nicht in der schönsten Wohnung des Himmels”, da hatten sie nur ein Verlangen, noch mehr zu leisten, um Gott gefällig zu sein, und weiter zu wirken, damit alle Geschwister den Weg ins Haus Gottes finden. Denn wie betrübt wurden sie, als man sie über die leidenden, unglückseligen Wesen im Reich der Finsternis aufklärte, die von Gott abgekehrt sind und nichts von diesem Glanz, von dieser Herrlichkeit ahnen und des Trostes bedürfen.
So wollten sie zu diesen Ärmsten hingehen und auch in dieser Beziehung eine Aufgabe erfüllen; sie wollten mit ihnen beten und ihnen erklären, welchen Weg sie selber im Erdenreich gegangen waren und was ihre Belohnung dafür gewesen sei, welch herrlichen Himmel sie erleben dürfen. Ja, dann und wann durften sie zu diesen Ärmsten niedersteigen, doch nie allein; nur immer in Begleitung von erhabenen Wesenheiten durften sie ihnen Trost bringen in der Finsternis. Sie erzählten ihnen aus ihrem Leben, und für diese unglücklichen Wesen war es eine grosse Erquickung, von einem solchen Opferwillen zu hören.
Nun, diese beiden Geister, die sich diesen herrlichen Himmel verdient hatten, wurden in den verschiedensten Aufstiegsstufen immer wieder vorgestellt wegen ihrer wunderbaren Tat, die sie vollbracht hatten. Sie hatten in ihrem Erdenleben so vieles geleistet, sie mussten auf so vieles verzichten, und sie hatten dieses Werk erfüllt im Glauben an Gott und an den Erlöser. So war und ist es notwendig, dass die Gotteswelt, wenn sie jeweils von Sphäre zu Sphäre niedersteigt, solche verdienstvollen Wesenheiten mit sich führt, damit diese selbst Zeugnis geben von ihrem früheren Leben, von ihrem Schaffen und von der Herrlichkeit Gottes, die sie jetzt erleben dürfen.
Wenn solche Wesen zu diesen Ärmsten hinkehren, werden sie von Mitleid ergriffen. Und diese Ärmsten bitten sie: “Wenn du wieder in deiner Wohnung bist, wenn du wieder die Möglichkeit hast, diesen Höchsten des Himmels zu begegnen, dann vergiss mich nicht.” Und sie glauben nun, dass es genüge, wenn sie ihnen ihren Namen nennen, den sie auf Erden getragen haben, und erklären: “Ich habe auf Erden da und da gewohnt, und das und das waren meine Fehler. Ich bitte dich, suche meinen Bruder, suche meine Mutter, meinen Vater, und sage ihnen, dass sie sich doch aufmachen und den Weg zu mir suchen sollen, um mich zu befreien.” Und sie bitten und flehen: “Leiste du für mich Fürbitte.”
Diese guten Seelen sind so von Mitleid erfüllt, und sie behalten die Namen, die ihnen genannt werden, sie vergessen sie nicht. Und da sie ja nicht allein zu Besuch bei diesen Ärmsten sind, sondern andere Wesenheiten sie begleitet haben, bitten sie ihre Begleiter: “Denkt auch daran. Helft auch mit bei dieser Fürbitte.” Und sie tragen es ein in ihr Buch, das sie mit sich führen, um dann darüber zu sprechen, wenn sich die Gelegenheit bietet, wenn man einem Höheren des Himmels begegnet. Dieser freut sich über diese guten Seelen und ihren erneuten Opferwillen, und er spricht ihnen sogar wiederum liebevolle Worte zu. Sie nutzen dann die Gelegenheit und erzählen ihm von den Erlebnissen, die sie in diesen verschiedensten Sphären gehabt haben, und von den Bitten, die ihnen aufgetragen wurden. Und dann mag der Engel Gottes fragen: “Wer ist es? Wie sagst du, dass sein Name ist?” Und sie sprechen ihn aus, während ihr Begleiter aber ganz andere Bezeichnungen gibt. Denn im geistigen Reiche ist jedes Wesen – das wisst ihr durch meine früheren Erklärungen – eingereiht in einen Plan, in eine besondere Familie und hat sein besonderes Erkennungszeichen. Für diese guten Seelen mag dies bedeutungslos sein, aber ihre geistigen Begleiter, die hinter ihnen stehen, haben Kenntnis davon und erklären: “Dies ist ein Wesen, das eingereiht ist oder gezeichnet ist im Plane Soundso.” Sie geben dann alle näheren Bestimmungen kund, und der Engel Gottes weiss Bescheid.
Er mag dann in einem Falle sagen: “Lasst ihm Zeit, seine Seele bedarf der Reinigung. Er muss zur Erkenntnis gelangen. Doch erinnere mich später wieder daran.” Und für eine solch bittende Seele ist es nicht immer so einfach, solche Worte zu hören, denn sie ist ja im Verlangen, zu helfen, alles zu fördern, allen diese Liebe und diese Freiheit zu geben und sie zu befreien von allen Schmerzen und Unbequemlichkeiten. Dann muss man vernehmen: “Seine Seele bedarf der weiteren Läuterung; lasst ihn noch da, wo er steht.”
Aber diese Guten kehren ja wieder zu den Leidenden zurück, und diese fragen: “Habt ihr für mich gebetet?” Und was müssen sie ihnen antworten? “Ja, ich versuche ständig, für dich zu bitten. Ich will alles tun, was in meiner Möglichkeit liegt.” Und oftmals ist es dann auch der Begleiter, der sagt: “Auf höhere Anweisung hin bedarfst du der weiteren Läuterung. Noch bist du nicht so weit, dass du befreit werden darfst.”
Nicht in allen Fällen ist es unbedingt so. Es kann auch sein, dass ein solch gütiger Geist beim nächsten Empfang oder bei der nächsten Begegnung mit diesen höheren Geistern des Himmels sein Verlangen vorbringt und für eine leidende Seele Fürbitte einlegt und dann ein solcher Hoher des Himmels zu ihm sagt: “Lass dich einmal betrachten. Was hast denn du in deinem Leben für den Himmel gearbeitet?” Und er durchschaut ihn. Alles ist offenbar, nichts geht verloren. Was im menschlichen Leben getan wurde, trägt der Geist offen mit sich. Und nun sieht der Engel das grosse Werk, das er erfüllt hatte, seine grosse Hingabe, seine Aufopferung, und er spricht: “Ja, du hast Grosses geleistet. So sollst du auch geben dürfen. Gehe hin und befreie ihn oder befreie sie aus jenen Qualen.” Das heisst aber nicht, dass diese befreiten Wesen nun Einzug halten dürften in die schönen Himmel; es heisst nur: “Befreie ihn oder befreie sie von den Qualen” – und sie dürfen hinaustreten und in eine neue Welt kommen, die ihnen keine Schmerzen mehr bereitet, in der aber immer noch vieles ist, was man gerne anders haben möchte. Doch man fühlt sich schon glücklich, weil man hier frei ist von Schmerz und Unbequemlichkeit. Und das wurde erreicht durch die Fürbitte von Seelen, die im Leben Grosses geleistet haben.
Ich möchte aber auch von den Kindern sprechen, die dann so eines nach dem andern in die göttliche Welt heimgekehrt sind. Man erkennt das grosse Werk ihrer Eltern auch an ihnen, der Segen ist offenbar. Die Geisteswelt rühmt die Eltern und erklärt den Kindern: “Seht das grosse Werk, das sie erfüllt haben. Auch ihr solltet fähig sein, ein Werk zu erfüllen; wenn ihr wieder den Weg zur Erde machen müsst, sollt ihr Ähnliches tun.” Und man erklärt einem jeden: “Siehst du, dank deinen Eltern hast du einen Segen in dir, der sich entfalten wird. Auf welche Art und Weise dies geschehen wird, offenbart sich erst in deinem nächsten menschlichen Leben.”
Diese Kinder werden nun ebenfalls zu andern Wesen hingeführt, in Sphären hinein, wo uneingereihte, unglückliche Geister sind. Diesen wird erklärt, dass diese Kinder durch die grosse Tat der Eltern eine Gutschrift hätten für das kommende Leben. Das soll den irrenden Wesen doch den Weg zeigen und sie ermuntern, sich einreihen zu lassen und den Worten Folge zu leisten, die ihnen gegeben werden. Immer wieder werden diese Kinder und ihre Eltern zu solchen Unglücklichen geholt und als Beispiel hingestellt, um diesen zu zeigen, was erreicht werden kann, wenn man so grosse Opfer bringt – dass dies Gott gefällig ist und sein Segen eine unendliche Entfaltung findet.
Nun möchten wir die Zeit übergehen, da diese Kinder in der jenseitigen Welt in die verschiedensten Sphären hineingekommen sind – es waren ja alles gottbejahende Wesen, und entsprechend ihren Taten und ihrem Leben fanden sie Einlass in den geistigen Wohnungen. Nach Ablauf einer gewissen Zeit mussten sie aber wiederum in ein neues Erdenleben gehen, und bei allen war offensichtlich, dass sich bei ihnen dieser Segen zu entfalten hatte.
So konnte beispielsweise der eine diesen Segen auf die Weise in Empfang nehmen, dass ihm sein Brot reichlich gesegnet war. Dies durfte ihm gegeben sein. Dieser Segen hatte sich genau den Umständen und den Verhältnissen anzupassen, in die diese Kinder hineingeboren wurden.
Ein anderer sprach im Laufe seines Lebens eine Bitte aus – und ich möchte vorausschicken, dass alle diese Kinder in ihrem neuen Leben gottbejahend waren, denn ihre Seele war durchdrungen und gestärkt in dieser Gottbejahung, sodass sie dementsprechend auch wieder eine Verbindung zur Gotteswelt pflegten und einen starken Glauben hatten –, also dieser eine bat darum: “Gib meinem Nachbarn Gesundheit. Befreie ihn von seinem Leiden.” Er bat darum. Und die Engelswelt wusste ja Bescheid über diesen Segen. Sie hatte ja sein Leben betrachtet, und alles war in Ordnung, und sie schützte und behütete ihn auch – aber das sollte nicht zum besonderen, gezeichneten Segen gehören, nein; dieser Segen sollte sich in einer ausserordentlichen Art und Weise entfalten können. Und man wurde einig: Sein Gebet sollte Erhöhung finden, denn der Segen sollte ausgebreitet werden. Und so konnte es geschehen, dass dieser Nachbar gesund wurde – auf diese Fürbitte hin.
Ein anderer wiederum kam und bat um persönlichen Schutz, da er durch seine Tätigkeit, die er ausübte, ständig in Gefahr war. Bei ihm sollte sich dieser Segen entfalten in Form dieses Schutzes. Dieser Mensch nahm es aber nicht als selbstverständlich hin. Er dankte Gott, immer behütet und beschützt zu sein in seiner gefährlichen Arbeit.
Dieser Segen entfaltete sich bei allen und übertrug sich auf ihre Kinder. Auch sie sollten im Schutze dieses persönlichen Segens sein.
Ein anderer betete für einen Verstorbenen, der sich schwer belastet hatte. Er wollte Fürbitte für ihn leisten. Und die Engelswelt liess auch hier den Segen walten und brachte ihn zu diesem belasteten Wesen hin. Das heisst aber nicht, dass dieses Wesen nun von seiner Busse befreit worden wäre, sondern es wurde ihm vermehrt Trost gegeben. Engel durften ihm mehr als andern zur Seite stehen und diesen Balsam bringen und Belehrungen geben. Denn diese unglücklichen Wesen verlangen doch danach, dass die Engel des Himmels ihnen beistehen, bei ihnen bleiben, mit ihnen beten, sie nicht verlassen, ihnen doch ein wenig Licht bringen in ihre Finsternis. Und so mag dann bei einer solchen armen Seele ein Lichtlein leuchten, das sie immer daran erinnert, dass Gott gnädig ist und jede Seele aufnehmen will, wenn sie bereit ist zu sühnen. Auch auf diese Art und Weise konnte sich der Segen entfalten.
Und so geschah es. Dieser Segen hatte sich beim Einzelnen genau seinen Verhältnissen und Umständen angepasst, so, wie es möglich war, in Erscheinung zu treten, sodass das Einzelne es ahnte: “Mir wurde eine wunderbare göttliche Hilfe zuteil.” Dessen waren sie sich bewusst, aber Ursache und Wirkung konnten sie nicht kennen.
Mit dieser heutigen Erklärung möchte ich eben Ursache und Wirkung darlegen und aufzeigen, wie wunderbar es ist, wenn ein Mensch so vieles leistet – dass über ihm ein gewaltiger Segen ruht. Und unter diesem Segen verstehen wir nicht nur Worte oder dass einer nur allein in den Genuss der Schönheiten des Himmels kommt, sondern unter Segen Gottes verstehen wir viel mehr.
Segen Gottes bringt Entfaltung. Wenn durch Menschen ein Werk erstellt wurde, das Gott gefällig ist, dann wird sein Gefallen durch diesen Segen kundgetan. Und dieses ist etwas so Wunderbares. Denn es ist nicht nur so, dass alles schlimme Denken des Menschen seine Bestrafung findet und seine Wiedergutmachung haben muss – auch alles edle Streben und Hoffen, alles edle Verlangen hat seine Wirkung; es bringt seinen Segen. Und je mehr sich der Mensch aufzuraffen versucht, etwas Besonderes zu leisten, desto mehr kommt er auch in den Genuss dieses besonderen Segens. Und bedenkt, wie herrlich es doch ist, dass sich ein solcher Segen nicht nur im engsten Kreise abspielt, sondern weit herausstrahlt und sich entfaltet, dass, wenn du wiedergeboren wirst, dir dieser Segen schon in die Wiege strahlt und er sich ja auch auf deine Kinder auswirken kann. So will es Gott, dass sein Segen sich verbreitet und dass die verdienstvollen Menschen unter diesem Segen leben dürfen, sie, ihre Kinder und ihre Kindeskinder. Das ist Gottes Güte – so unendlich herrlich ist der Himmel mit seinen Gaben.
Denkt darüber nach, wie vieles zu tun ist im Leben, um diesen Segen zu empfangen. Doch immer wieder wird euch Gelegenheit gegeben, ihn zu erhalten. Und dann sollt ihr euch weiter überlegen: Dieser Segen ist eine Waffe gegen die düstere Geisteswelt. Sie sieht die Entfaltung des Segens, und sie ist machtlos dagegen. Denn es ist Gottes Wort, es sind seine Befehle – es ist nichts dagegen zu tun. So vieles kann sich ergeben aus den hohen Tugenden. Aus dem hohen Leben des Menschen kann sich der Himmel schon auf Erden abspielen. Wie lange es aber noch dauert, welch weiter Weg es noch ist, bis der Himmel oder das Reich Gottes auf Erden kommt, erkennst du selbst.
Nun, liebe Freunde, gab ich euch wiederum einen besonderen Einblick in Gottes heiligsten Willen, in seine Gesetze, in seine Macht, in seine Herrlichkeit. Der Segen Gottes begleite euch alle auf all euren Wegen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 3.10.1959 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Jede gute Tat findet ihre Vergeltung
Josef, 5. Juli 1958
Jede gute Tat findet ihre Vergeltung
Was ein Mensch an guten Werken vollbringt, was er an Aufopferung und Überwindung leistet, wird belohnt – nichts wird vergessen. Der folgende Erlebnisbericht handelt von der Fürsorge eines Sohnes für seinen alten Vater und vom göttlichen Segen, der sich aufgrund dieser Liebe auf die ganze Familie ausbreitete.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, ich versuche diese Stunde euch wiederum die göttlichen Gesetzmässigkeiten zu erklären. Letztes Mal [am 28. Juni 1958] sprach ich von einem Menschen, der sich das Leben genommen und dann im geistigen Reich dafür zu sühnen hatte. Ich möchte euch aber auch ganz deutlich vor Augen führen, wie wunderbar Gott das Gute, das der Mensch tut, belohnt. Wenn ihr mir aufmerksam zuhört, werdet ihr diese Gesetzmässigkeiten immer deutlicher erkennen, und es wird für euer Leben und für euren geistigen Aufstieg von grossem Nutzen sein.
Ein alter Vater war kränklich und pflegebedürftig geworden. Da er alleinstand, nahm ihn einer seiner Söhne in seine kinderreiche Familie auf. Der Sohn wie auch dessen Frau waren wahrlich fromme Menschen. Es war ihnen eine Freude, dem Vater noch einen schönen Lebensabend zu bereiten. In keiner Weise sollte er verspüren, dass sie seiner überdrüssig wären. So nahm er voll Dankbarkeit die aufopfernde Liebe seiner Angehörigen entgegen. Es muss aber gesagt sein, dass noch andere Söhne da waren, die sich jedoch ihres Vaters nicht annahmen, obschon es ihnen in materieller Hinsicht eher möglich gewesen wäre, ihn aufzunehmen. So tat es ausgerechnet dieser Sohn, dessen materielle Verhältnisse infolge seiner Kinderschar nicht überaus günstig waren. Doch er und seine Frau waren wahrhaft fromme Menschen, und im Gedenken an den Erlöser Jesus Christus nahmen sie den Vater zu sich und pflegten ihn.
So kam dann die Stunde des Scheidens auch für ihn, und so hatte er nun Gelegenheit, das ihm angetane Gute zu vergelten. Sein Schutzgeist, der ihn durchs Leben begleitet und ihn nun begrüsst hatte, stand ihm zur Seite. Und zum Schutzgeist wandte er sich nun und sprach: “Du hast doch gesehen, wie mein jüngster Sohn sich so für mich geopfert hat und wie seine ganze Familie mir zugetan war. Ich bitte dich, erflehe du den Segen Gottes für ihn und seine Familie, für sein gutes Werk, das er an mir erfüllt hat.” Der Engel Gottes sprach: “Fürwahr, er hat Gutes an dir getan, und der Segen soll kommen über ihn, über seine Kinder und Kindeskinder.” Es waren dies Worte eines Engels Gottes, dem das Recht zustand, diesen Segen auszusprechen. Und die andern Geister, welche diese Worte vernahmen, erfüllten das, was er gesagt hatte; denn seine Worte waren ihnen gewissermassen zum Befehl geworden. So trat eine kleine Schar von Geistern Gottes in das Haus der frommen Menschen ein und zeichnete alle zusammen, Mann und Frau und jedes Kind. Der Segen sollte über sie kommen und noch auf die Kindeskinder. Und es wurden ihnen die Pfade bereitet, dass der Segen durchfliessen und nichts in Vergessenheit geraten konnte.
Dazu möchte ich nur kurz erwähnen, dass so viele Menschen dazu neigen, unter dem Segen Gottes eine materielle Besserstellung zu erwarten. Gewiss, Gott mag den einen und andern auch in dieser Weise segnen; es mag dann geschehen, wenn der Mensch selbst das Seinige dazu tut und die Möglichkeit dafür besteht, dass der Segen sich in der Weise erfüllen kann. Doch möchte ich jetzt vom geistigen Segen sprechen, den dieser Vater in der Gotteswelt für seine Lieben erbeten hatte, die sich seiner so angenommen hatten. Und dieser Segen erfüllte sich an der ganzen Familie jenes Sohnes auf eine wunderbare Art und Weise.
Da aber kamen auch die älteren Söhne, einer nach dem andern, in die geistige Welt, und sie wurden von ihrem guten Vater begrüsst. Doch er musste ihnen sagen, dass sie nicht dieselbe Heimat hätten, dass sie nicht in der gleichen Sphäre leben dürften wie er; er versprach ihnen aber, sich von Zeit zu Zeit bei ihnen zu melden. Nun aber sahen diese Söhne, welch ein Segen Gottes ständig zu ihrem jüngsten Bruder und all seinen Angehörigen floss und wie wenig geistigen Schutz und geistige Hilfe ihre Familien hatten. Da fingen sie an, jene göttlichen Wesen zu fragen, die zu ihrem Trost in ihre Nähe kamen und sie unterrichteten: “Warum haben denn unsere Angehörigen nicht denselben Schutz? Kann unser Vater wohl nicht auch dafür sorgen, dass mehr Segen und Glück zu ihnen kommt?” Und sie baten: “Bringt doch die Nachricht unserem Vater, er möge auch für sie den Segen erbitten, wie er es für unseren jüngsten Bruder getan hat.” So musste jedem klargemacht werden: “Er hat viel getan für seinen Vater, während ihr euch von ihm abgewandt hattet und nicht das Geringste für ihn tatet, obschon es euch leichter gefallen wäre, für ihn aufzukommen.”
Da erst erkannten sie, wie sehr sie sich verschuldet hatten, da sie den Vater vergessen, da sie so egoistisch nur für sich gelebt und ihren jüngsten Bruder wegen seiner gütigen Haltung belächelt und ihn gar wegen seiner Kinderschar verspottet hatten. Nun bekamen sie es zu fühlen, dass sie zu keinem Opfer bereit gewesen waren und alle Bequemlichkeit im Leben nur für sich beansprucht hatten. Sie fanden auch nicht die Kraft, um höhere und edlere Gedanken aufzubringen; denn sie hatten nicht den Glauben wie der jüngere Bruder, der diese Verbindung mit Gott so pflegte, der als wahrer Christ lebte und seine Aufgaben erkannte. Er sollte jetzt doch den Lohn der göttlichen Welt empfangen.
Traurig versuchten die Brüder, von sich aus ihre Angehörigen aufzusuchen und zu schützen oder ihnen Kraft zu überbringen; aber sie vermochten manche Krankheit und manches Unglück nicht abzuwehren. Und wenn sie darüber klagten, wurde ihnen erklärt: “Es mangelt euch an geistiger Kraft, es ist euch nicht möglich, euren Angehörigen den geistigen Schutz angedeihen zu lassen; denn zuerst müsst ihr versuchen, euch selbst in die Ordnung Gottes einzureihen. Dazu müsst ihr über euer gelebtes Leben nachdenken. Auch ist euer Verlangen, nur euren Angehörigen zu helfen, egoistisch. Ihr möchtet nur ihnen zu einem besseren Leben verhelfen, während euch alle anderen Menschen gleichgültig sind.” So musste jeder Einzelne von einem Geist Gottes aufgeklärt werden: “Wenn du von einem solchen Verlangen getrieben wirst, jedem unglücklichen, Hilfe suchenden Menschen beizustehen, wird in dir eine geistige Kraft wachsen, und dann wirst du imstande sein, davon zu geben, ohne Unterschied.”
Ja, meine lieben Freunde, wer nur danach verlangt, einzig und allein den Seinen Trost und Hilfe zu bringen, wird nicht den Erfolg haben, den er sich wünscht. Hier steht die göttliche Welt nur dabei und beobachtet all das, was geschieht. Ihr wurdet schon darüber aufgeklärt, dass diese belasteten Geister den Weg zu den Menschen finden können und dass sie die in ihnen wohnende Kraft auf den einen und andern mehr oder weniger übertragen können. In erster Linie aber übertragen sie die Kräfte ihrer Leidenschaften auf die Menschen. An wahrhaft geistiger Kraft aber vermögen solche nur wenig zu übertragen. Ja, sie wird so gering sein, dass sie nicht genügt, dem Menschen eine offensichtliche und spürbare Besserung zu verschaffen. Manchmal mag vielleicht vorübergehend eine Besserung eintreten – vorübergehend. Denn nur wo die Engel Gottes mitbeteiligt sind, kann ein Werk gelingen.
So mussten diese Söhne unterrichtet werden, und sie wurden zur Stätte der Sühne geführt, damit sie gutmachen konnten. Die Engel Gottes führten sie aber auch zu jener frommen Familie des Bruders hin, damit sie an ihr lernen sollten; sie sollten ihr Glück sehen und sich über das Glück und den Segen dieser Kinder freuen. Es bedurfte jedoch einer langen Zeit, bis sie so weit waren. Dann aber, als sie sich am Glück der andern freuen konnten, wurden auch sie geistig frei und gekräftigt. Und von da an vermochten auch sie von den göttlichen Kräften auszutragen und die Menschen immer mehr darin einzuhüllen.
Hierbei kommt es immer sehr auf die Gesinnung des Einzelnen an. Und wenn sich Menschen oft bitter darüber beklagen, dass sie diese geistige Kraft nicht ständig über sich fühlen oder dass ihre Kinder nicht so sind, wie sie es wünschten, da möchten wir antworten: Es kann der Segen über dich und deine Kindeskinder kommen, er kann dir und deinen Kindern und Kindeskindern aber auch genommen werden; du aber wirst die Kinder haben, die du haben darfst. In deinen Kindern siehst du in Vergangenes, in deine früheren Leben hinein. Und wenn es nicht so ist, wie du es wünschst, verzweifle nicht. Sei dankbar dafür, dass Gott dir die Antwort so deutlich und anhaltend, so ausdauernd gibt; denn du hast so viel Gelegenheit zu verbessern. Das ist eine deutliche Antwort vom Himmel.
Wie glücklich schätzen sich Eltern, die Freude an ihren Kindern haben dürfen. Zwar wird es mancherorts auch nicht richtig geschätzt – dort nicht, wo man nichts von dieser innigen Verbindung zur Gotteswelt weiss, und dort, wo man das Sprechen Gottes vom Himmel nicht vernimmt, weil der Abstand zu Gott so gross ist. Wenn du gesunde und glückliche Kinder haben darfst, die dir Freude bereiten, dann sollst du von Dank erfüllt sein; denn es ist auch eine Antwort für dich seitens deiner Vergangenheit, und jedes hat, ob so oder so, das Seinige zu seiner Vervollkommnung beizutragen. Auch hüte dich vor dem geistigen Hochmut, wenn dir dankbare Kinder gegeben sind, denn sie könnten dir auch zur Prüfung gegeben sein, weil du dadurch auch die Möglichkeit hast, diesen Segen weiter auszubreiten. Ja, jedem wird das gegeben, was ihm gehört und zu seinem geistigen Aufstieg dienen kann.
Und wenn alleinstehende Freunde da sind, welche nicht das Glück haben, eigene Kinder zu haben, so sollen sie jetzt nicht glauben, dass ihrer nicht auch wunderbare Aufgaben warten. Gott hat sie nicht vergessen. Auch ihnen ergeht es so, dass ein lieber Verwandter oder Freund in der geistigen Welt in Dankbarkeit ihrer gedenken kann und seinen Schutzengel oder die Boten Gottes darum bittet: “Seht dort jenen Menschen, er hat so viel Gutes an mir getan, gebt ihm den Segen.” Der Engel Gottes kann auch in die Lage kommen, sagen zu dürfen: “Ich will alles an ihm segnen und die, die mit ihm sind; und ich will ihn segnen weit über dieses Leben hinaus, fürs nächste Leben noch, auf dass das Gute seine Belohnung findet.”
Keiner glaube, dass seine Aufgaben gering wären. Jedem sind Aufgaben gestellt, und zwar nach seinem Leistungsvermögen – was aus seinen Verhältnissen heraus wachsen und erwartet werden kann. Die geistige Welt sorgt dafür, sie wird immer und bei jedem mit dem Segen des Gedeihens stehen und ihn in der Weise führen. So möge dies doch für viele von euch eine Antwort sein.
Nun, es kam auch die Stunde, wo dieser gute Sohn im Jenseits empfangen wurde. Voll der Freude begrüsste ihn sein Vater nebst diesen herrlichen Wesen, während seine Brüder den herrlichen Empfang nur aus einiger Entfernung mit ansehen durften. Sie sollten sehen, wie all das Gute, das der Bruder getan, seine Belohnung fand. Sie durften aber nicht Anteil haben an dem wunderbaren Empfang und an der Herrlichkeit ihres Bruders. Noch waren sie weit von ihm entfernt – er stand geistig weit über ihnen.
Dieser gute Bruder durfte mit vielen Engeln Gottes Freundschaft schliessen, mit all jenen, die beauftragt waren, den Segen Gottes überall hinzutragen. Und dieser Gute durfte erleben, durfte sehen, wie die Engel Gottes in diesem herrlichen Plane Geister zeichneten, welche während eines späteren Erdenlebens in seine Familie hineingeboren werden sollten. Nun durfte er schon Freundschaft mit ihnen halten im göttlichen Reiche, und er sollte ihnen beistehen mit seiner geistigen Kraft. Und es war ihm ermöglicht, Segen bringend in die Häuser seiner Kinder und ihrer Lieben zu gehen.
So bringt das Gute diese wunderbare Vergeltung. Und die Engel Gottes sind immer bereit, alles in Erfüllung zu bringen, was ihnen von höheren Geschwistern aufgetragen wird; denn was sie verkünden, ist ihnen Befehl – Gottes heiligster Wille ist es, und er wird überall hingetragen. Ihr könnt euch ja nicht so recht vorstellen, wie wunderbar das Gute des Menschen, seine Aufopferung, seine vielen Überwindungen, Vergeltung findet. Nichts wird vergessen.
Nun betrachten wir zusammen noch das Leben zweier Schwestern. Die eine war sehr geizig, die andere sehr freigebig. Da sie in ihren Anschauungen sehr auseinandergingen, machten sie sich gegenseitig ständig Vorwürfe. So lebten sie in keinem harmonischen Verhältnis zusammen. Nun, sie begegneten sich auch wieder im Jenseits, und von dieser Begegnung möchte ich sprechen.
Es waren die Schutzgeister der beiden Schwestern, welche sie zur Begrüssung zusammenführten. Nun sah die Geizige, dass neben ihrer Schwester nicht nur ihr Schutzgeist stand, sondern noch eine ganze Schar von Geistern Gottes, die ihr das Geleit hierher gegeben hatten, während bei ihr nur der Schutzgeist stand. Da wollte sie wissen, warum ihrer Schwester ein solch schönes Geleit gegeben wurde, und sie wurde belehrt: “Du hattest in deinem Leben alles so knapp bemessen, und deine guten Taten sind so gering, dass ich sie dir allein zu vergelten vermag. So musst du mit mir allein vorliebnehmen.” Und der Engel Gottes eröffnete ihr, wann sie einer guten Tat fähig gewesen war, und rühmte sie derselben; zwar sei sie sehr gering, aber doch auch des Lobes wert. Nun, so schnell war das Lobenswerte abgetan, und der Engel stellte sich an ihre Seite und sprach: “Nun sollst du mit anhören, wie es deiner einst so freigebigen und jetzt so glücklichen Schwester ergeht.”
Zuerst lobte sie der Gottesengel wegen ihrer vielen guten Taten, dann trat aus der Schar ein Wesen hervor und sprach: “Ich möchte dich dafür loben, dass du so viel Gutes getan und alles so reichlich bemessen hast. Zum Lohne wirst du mit mir zur Lobpreisung Gottes in vorderster Reihe stehen.” Und ein anderer Geist Gottes trat hervor und sprach zu ihr: “Ich möchte dich loben für deine grosse Liebe und Güte, welche du deinen Geschwistern und Mitmenschen entgegengebracht hast. Dafür trage ich mit dir die Fackel des Friedens, und du wirst Menschen mit diesem Segen erfreuen. Beim nächsten Ausgang zu den Menschen wirst du meine Begleiterin sein.” Und es kam der nächste Geist Gottes und sprach: “Ich lobe dich um deiner Güte, deiner Liebe und um deines Wohlwollens willen; und mein Haus soll auch das deine sein. Beim nächsten Fest sollst du die Erste sein, die geladen wird.” Und ein anderer Geist des Himmels kam und sprach: “Ich lobe dich deiner Güte, deiner Freigebigkeit, deines guten Herzens wegen. Du wirst das nächste Mal mit mir gehen, das Licht des Friedens unter die Menschen zu tragen.” So kamen sie, einer nach dem andern, und brachten dieser guten Seele geistige Geschenke ähnlicher Art. Sie war überglücklich, und eigentlich staunte sie darüber, dass man ihr diese grosse Aufmerksamkeit schenkte wegen ihres Lebens und dass man ihr so viele gütige Worte gab. Sie fand, sie hätte als Mensch nur ihre Pflicht getan. So staunte sie über diese reichliche Belohnung.
Die andere hatte zuzuhören; sie musste auch mit ansehen, wie die gute Schwester sodann von Engeln Gottes mitgenommen wurde, um mit ihnen die Fackel des Friedens auszutragen und von einem anderen Reiche aus wiederum Wohlwollen in die Herzen der Menschen zu bringen.
Daraus könnt ihr ersehen: Wenn ein Mensch eine grosse Tugend hat, findet er dafür seine Belohnung. Und wenn er dann vom irdischen Körper befreit im geistigen Reiche steht, dann nähern sich ihm die Engel der Tugenden und bringen ihm weitere dazu, auf dass er von weiteren Tugenden durchdrungen wird. Ich möchte damit sagen, er erhält gleichsam als Geschenk weitere Tugenden; denn durch diese eine grosse Tugend hat er sich den Zugang erschlossen zu weiteren Tugenden. Und es liegt in Gottes gewaltiger Güte, dass er es so eingerichtet hat, dass dem so viel gegeben werden darf, der selbst so frei war und zu geben vermochte in dieser oder jener Art. Im geistigen Reiche wird er mit Tugenden beschenkt.
So geschah es mit dieser guten Schwester. Nun aber sollte die andere von der Engelswelt belehrt werden, dass sie frei werden sollte von ihrem Geiz. Und so mussten sich die Wege der beiden wieder kreuzen. An ihrer guten Schwester sollte die andere lernen. Man schenkte ihr auch grosse Aufmerksamkeit. Man führte sie da- und dorthin, und sie musste überwinden und musste lernen zu geben, um frei zu werden.
Ihre Schwester aber hatte eine wunderbare Aufgabe im Heilsplan Gottes erhalten. Sie konnte in verschiedene Sphären ziehen, zu Not leidenden Geistern wie zu Menschen. Wo es dem einen in der Weise mangelte, durfte sie hingehen und vieles bringen – zu Menschen und zu unglücklichen Geistern. Denn nun hatte sie nicht nur die Tugend der Freigebigkeit in sich, sondern auch die Friedfertigkeit, das Wohlwollen, die Freude. So vieles sollte sie jenen überbringen, und sie sollte sie einhüllen in diese wunderbare Kraft und diesen Segen. Hier ist dieser guten Seele durch die Engel des Himmels so viel Kraft zugeführt worden. Und ihr wurde es dadurch möglich, diese Kraft mit Erfolg weiterzuverbreiten. Nicht allein braucht sie zu den Menschen zu gehen, sondern in Begleitung von Gottesengeln darf sie gehen, die ihr noch viel zu erklären haben. Beim einen werden sie ihr sagen: “Siehst du, dieser Mensch verdient es noch nicht, deinen und unseren Segen zu empfangen. Es ist hier noch zu früh. Warten wir noch eine Zeit, und dann werden wir ihn wieder besuchen. Finden wir dann seine Verhältnisse geändert, seine Gesinnung gebessert, dann gib ihm von deinem und von unserem Segen.” Aber sie suchen auch Menschen auf und sagen: “Hier gib, was in deiner Kraft und Möglichkeit an göttlichen Kräften liegt; schütze und behüte diese Menschen.”
So sprechen die Engel Gottes, und so führen sie die ins geistige Reich eingetretenen Seelen, die solche wunderbare Belohnung für ihr tugendhaftes Leben empfangen dürfen. Es soll für den Menschen ein Trost sein, wissen zu dürfen, dass all das, was er im Stillen Gutes tut, von Gott gesehen wird und seine Belohnung finden wird. Es sei dies eine Antwort an Freunde, die auch so in stiller Weise wirken. Da möchte ich noch einflechten: Wer dazu neigt, das herumzusprechen, was er an Gutem vollbringt, der hat den Lohn dahin, denn er hat ihn schon empfangen. Es wäre schade, wenn all jene, die in der Stille wirken, nicht einen besonders herrlichen Segen von der Gotteswelt empfangen dürften.
Da kannst du über dich selbst nachdenken, du hast Zeit dafür. Dein Leben und deine Aufgaben wollen wir dir erleichtern. Wir wollen dir die Freude am Leben erwecken. Du sollst den Sinn des Lebens erkennen. Du sollst nicht voller Angst und Bange sein wegen deiner Zukunft, sondern du sollst dir denken: “Ich bin froh, wenn Gott mich holen will, dann will ich auch weiterhin sein getreuer Diener sein.” So weit sollst du kommen, dann wird es dir einmal leicht um den Abschied sein von dieser Welt. Du sollst nicht an das irdische Reich gefesselt sein, sondern an das geistige Reich Gottes sollst du dich fesseln; denn wenn du dich verkaufst an den Glanz dieser Welt, dann bist du lange an das irdische Reich gebunden, und das ist so schade. Denn wenn du in diesem gebundenen Zustande vom Körper befreit bist, wirst du noch dasselbe Verlangen haben nach all den irdischen Dingen und sie immer wieder aufsuchen; während derjenige, der frei und gelöst ist, der sich nach den himmlischen Dingen richtet, sich darauf freut, sich in den Heilsplan Gottes einreihen lassen zu dürfen. So soll es geschehen.
Und wenn es nun eine Pause gibt [Ferienzeit] und ich eine längere Zeit hindurch nicht mehr zu euch sprechen kann, sollt ihr nicht glauben, dass diese Verbindung unterbrochen wäre. Nein, die Fäden sind zu euch allen geknüpft, und ihr seid von uns nicht verlassen. Es tragen die Engel Gottes den Segen zu all jenen hin, die im frommen Verlangen danach trachten, Gottes getreue Diener zu sein.
So walte der Segen Gottes und der Segen des Heils über euch allen, damit ihr gesundet an Leib und Seele. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 5.7.1958 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)
Was eine gute Mutter an Segen für ihre Kinder erwirken kann
Josef, 18. April 1959
Was eine gute Mutter an Segen für ihre Kinder erwirken kann
In diesem Vortrag berichtet Geistlehrer Josef von einer Mutterseele, die Einblick erhält in die geistige Herkunft ihrer 15 Kinder. Sie erkennt dabei die Ursache, weshalb ihre zwei jüngsten Söhne ihr so viel Sorgen bereitet hatten. Dank ihrer geistigen Verdienste wird es ihr in der Jenseitswelt ermöglicht, diese zwei Wesen im Aufstieg zu fördern.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, nach einem reich erfüllten Leben verliess eine Mutterseele dieses Erdenreich und zog, von Engeln und von Verwandten und Freunden geführt, in eine schöne Welt ein. Dort wurde ihr die Kunde gebracht, dass nach einer bestimmten Zeit weitere Engel Gottes an sie herantreten und über sie Gericht halten würden. Vorerst werde man ihr aber etwas Ruhe gönnen; sie könne sich in dieser Sphäre umschauen und nach weiteren Bekannten suchen. Die Engel erklärten ihr: “Du hast vielen Kindern das Leben geschenkt, und für ein jedes Kind wirst du ein geistiges Geschenk bekommen. Du hattest ein schweres Leben, und es bestand in grossen Opfern. Die Engel, die über dich richten werden, werden dich belohnen; sie werden aber auch von deinen Fehlern sprechen, die du begangen hast.”
Diese Worte machten auf diese Seele einen tiefen und auch etwas beängstigenden Eindruck; denn sie hatte doch geglaubt, bei diesen Engeln Gottes, von denen sie in Empfang genommen wurde, verweilen zu dürfen – und jetzt sprach man von jenen, die über sie richten würden. Sie musste immer wieder daran denken und hatte vor dieser Aburteilung etwas Angst. Sie betete, Gott möge ihr vergeben und ihr gnädig sein.
Als dann die Frist abgelaufen war, traten diese anderen Engel an sie heran, begrüssten sie und erklärten ihr, dass sie wohl die Geschenke bekommen würde für ein jedes Kind. Sie sprachen auch von den Fehlern, von dem, was sie im Leben falsch gemacht hatte, und erklärten, dass dieses natürlich der Bereinigung bedürfe. Aber durch ihre grosse Aufopferung habe sie es verdient, in einer schönen Welt zu leben. Ihr Leben sei reich an Sorgen gewesen, und nicht alle ihre Kinder hätten ihr Freude bereitet. Jedes habe sich vom andern unterschieden, und so habe sie sich jedem persönlich widmen müssen; sie habe sich in jedes einfühlen, jedem Verständnis entgegenbringen müssen, um ihm den Weg zeigen zu können. Und so erklärten ihr diese Engel Gottes: “Du weisst, deine älteste Tochter hat dir besondere Freude bereitet, während zwei deiner Söhne dir viel Sorgen gemacht haben. Wir werden dir einmal Einblick geben, woher denn alle deine Kinder gekommen sind.”
In der ersten Zeit nach ihrer Heimkehr in die Jenseitswelt war diese Seele noch nicht näher über den Heilsplan unterrichtet worden. Sie hatte auch kein Verlangen gehabt, mehr darüber zu wissen; denn sie war noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt und mit ihrer Familie, die sie zurückgelassen hatte. Sie hätte daher weitere Belehrungen niemals aufnehmen können. Aber dies änderte sich nun, als dieser erste Abschnitt vorüber war und diese andern Engel über sie gerichtet und ihr erklärt hatten: “Wir geben dir jetzt als Belohnung einmal ein helles Gewand; in diesem Gewand sollst du jetzt in dieser Sphäre einhergehen.” Nach der Anweisung dieser höheren Engel wurde es ihr jetzt erlaubt, in dieser Sphäre frei zu wandeln, während vorher ihre Umgebung begrenzt gewesen war. Nun fing sie an, Interesse für ihre neue Welt zu bekommen, und sie wünschte, in die Weiten dieser Sphäre einzutreten. Sie fing an, nach Bekannten zu suchen – sie fand sie aber nicht. Sie freute sich an dieser farbenfrohen und herrlichen Umgebung, und sie sah viele Wesen, die gleich wie sie anfingen zu suchen und sich zu erkundigen. Ihr Interesse an diesem geistigen Leben war nun erwacht.
Von dem Zeitpunkt an, da die Engel Gottes von ihrer Belohnung gesprochen und ihr gesagt hatten, dass sie hier in dieser schönen Sphäre verweilen dürfe, sollte sie nun auch Einsicht erhalten in die verschiedenen Leben ihrer Kinder; sie sollte erfahren, woher sie kommen. Bevor man aber daranging, ihr diese Erklärung zu geben, wurde ihr klar und deutlich vorgeführt, woher denn sie selbst kam. Man griff auf zwei ihrer früheren Erdenleben zurück. Diese wurden ihr nun erklärt von jenen Engelwesen, die sie als erste in der Jenseitswelt empfangen und in diese Sphäre geführt hatten, während die erhabenen Engel des Gerichtes – so könnte ich sie bezeichnen – wieder entschwunden waren. Nun erzählte man ihr von ihrem eigenen Aufstieg, von ihrem Gewinn von Leben zu Leben. Dann fing man an, auch die Leben ihrer Kinder zu beleuchten und es ihr ganz deutlich vor ihr Auge zu führen. Dieses geschah auch zur Belehrung [über den Heilsplan]. Denn sie sollte nicht, wie es üblicherweise bei den Geistern im Aufstieg geschieht, in erster Linie gemeinsam in Schulen darüber unterrichtet werden. Sondern sie sollte diesen Unterricht zu einem Teil in der Weise erhalten, indem sie Einblick in die Leben ihrer Kinder erhielt.
Nachdem sie Einblick in ihre eigenen Leben erhalten hatte, zeigte man ihr als Erstes das frühere Erdenleben ihrer ältesten Tochter. Dazu war es notwendig, ihr auch Einblick in die Geisteswelt zu geben und zu zeigen, aus welcher Sphäre diese Tochter gekommen war, um dann ihren Platz im Erdenleben einzunehmen. So zeigte man ihr ein wunderschönes Kinderparadies und erklärte ihr: “Siehst du, bevor sie deine Tochter wurde, war sie in diesem Kinderparadies. Wir möchten dich aber auch bekannt machen mit ihren vorhergehenden Eltern.” Und die Engel führten diese früheren Eltern herbei und stellten sie der Mutterseele vor. Man freute sich, man war begeistert voneinander. Nun sollte diese Seele weiter unterrichtet werden: “Siehst du, deine Tochter lebte nur zwei Jahre bei diesen Eltern, dann wurde sie dem Erdenreich entrissen. Für die Eltern bedeutete es Schmerz; aber dieses Erdenkind bedurfte nur dieser zwei Jahre, die seiner geistigen Entwicklung zugutekamen. Seine weitere Entwicklung sollte sich nun in diesem glücklichen Kinderparadies vollziehen.”
Jetzt durfte diese Mutterseele Einblick nehmen, wie dieses Kind im Kinderparadies gelebt hatte, umgeben von diesen herrlichen Gotteswesen. Sie sah es bei seinen Spielen, und sie durfte sehen, wie es gross wurde. Diese Rückschau spielte sich wie ein Film vor ihren geistigen Augen ab. Dann sah sie dieses Kind älter, wie es mit andern, gleichaltrigen Kindern gemeinsam unterrichtet wurde. Darauf zeigte man ihr, wie es nach einem weiteren Zeitabschnitt von einzelnen Engeln Gottes geschult wurde, und wieder etwas später, wie es als herangewachsenes Geistwesen ersten Aufgaben zugeführt wurde. Immer war es in Begleitung von herrlichen Engeln, die ihre Aufgaben in der Himmelswelt bei den aufsteigenden Geistern erfüllten – diese Tochter suchte also mit diesen Engeln nicht das Erdenreich auf, sondern sie erfüllte ihre Aufgabe im Jenseits.
Beim Betrachten dieser Bilder sprach die Mutter: “Ich verstehe nun, warum mir diese Tochter so viel Freude bereitet hat. Denn es kann nicht anders sein: Durch diese sorgfältige Betreuung der Engel Gottes wurde sie von der Liebe so durchdrungen, sie wurde so herrlich in der Liebe geführt und gestärkt, dass all das in ihrer Seele verankert wurde und in ihrem darauffolgenden Menschendasein zum Ausdruck kommen konnte.” Und der Engel bestätigte es und sprach: “Siehst du, wie notwendig es ist, dass da und dort in eine Familie auch ein solch gutes Geistwesen einverleibt wird. Nach Möglichkeit bringen wir solche aus verschiedenen Aufstiegsstufen im Leben zusammen, um sie so miteinander zu verbinden.”
So war es auch in der Familie dieser Mutterseele geschehen, und sie freute sich, dass sie ein Kind aus dieser wunderbaren Welt haben durfte. Die Engel erklärten ihr auch: “Siehst du, die vorhergehenden Eltern hatten durch den frühen Verlust ihres Kindes ihren Schmerz zu tragen; aber sie hatten auch ihre Freude und auch einen gewissen Vorteil dadurch, dass ihr Kind in diesem Paradiese aufwachsen durfte. Denn diese Tochter wurde später, als sie herangewachsen war, auf ihre Eltern auf Erden aufmerksam gemacht, und sie wünschte, dass ihnen der Beistand gegeben werde; und von den Engeln Gottes beauftragt, trug man die Kraft zur Überwindung und zum Erwerb des täglichen Brotes und für alles, was im Leben des Menschen von Notwendigkeit ist, in die Nähe dieser Eltern – all dies durch das Bitten dieses dann herangewachsenen Geistes.”
In der Weise wurde diese Mutterseele unterrichtet; in die Erklärungen wurden weitere Belehrungen eingeflochten: “Siehst du, im jetzigen Leben deiner Tochter warst du ihre leibliche Mutter, und in ihrem vorletzten Leben waren jene ihre Eltern, die dir vorgestellt wurden.” So konnte es ihr verständlich werden, dass doch alle, die sich im Himmelreich zusammenfinden, Geschwister sind, dass man allen ganz nahesteht und man keine sogenannten Ansprüche auf dieses oder jenes Wesen machen darf, weil man auf Erden einmal in engster Verbundenheit gelebt hatte. Der Anspruch auf diese engste Verbindung und auf ihre Vorteile steht doch allen zu. Durch diese Erkenntnisse kommt man einander näher und weiss, dass man einem jeden seine volle Aufmerksamkeit zu geben hat. Denn in der jenseitigen Welt gibt es Heimgekehrte, die den Fehler machen und glauben, nur mit ihren Verwandten und Freunden in engster Verbindung verweilen zu dürfen, und zu allen andern machen sie einen sogenannten Abstand. Sie fühlen sich ihnen fremd und haben keinen engen Kontakt zu ihnen; sie wünschen keinen Kontakt, weil sie glauben, dass die einstige Verbundenheit auf Erden auch im Geistigen noch von grösster Bedeutung wäre. Und so muss dann ihnen allen klargemacht werden, dass man wohl aufeinander hoffen darf und man ein bestimmtes engeres Verhältnis zu einem Wesen haben kann, dass der Wunsch nach einer solchen Verbundenheit aber nicht aus einem Egoismus herauskommen darf, sondern aus einem wirklichen Verlangen nach Liebe, nach geistiger Freundschaft und Verbundenheit kommen muss. Und das darf nicht ausschliessen, dass man auch einem andern dieses Wohlwollen, dieses Verständnis, diese Aufmerksamkeit gibt. Man soll also im Geisterreiche jenen andern nicht fremd gegenüberstehen und von ihnen nichts wissen wollen, sie nicht führen wollen. Die Geisteswelt versucht es also allen klarzumachen: Genauso wie man sich als Mensch näherkommen soll, soll man auch als Geist in der Jenseitswelt versuchen, dem andern näherzutreten, um einander zu helfen.
So wurde diese Mutterseele von den Engeln belehrt, und wie erfreut war sie darüber, dass sie auf Erden eine solche Tochter um sich haben durfte. Und sie erkundigte sich schon nach ihrer Einkehr ins Reich Gottes und wollte wissen, ob sie mit ihr zusammenleben dürfe. Die Engel konnten ihr darauf noch keine Antwort geben. Sie gaben ihr wohl tröstliche Worte und erklärten: “Siehst du, deine Tochter ist ein so guter Mensch. Sie hat sich auch in ihrem jetzigen Leben wieder den Himmel verdient. Aber betrachten wir nun die Geschehnisse weiter.”
Sie sollte jetzt Einblick erhalten, aus welcher Sphäre ihre beiden Söhne gekommen waren. Und dafür ging es tiefer hinunter, sie verliessen also diese prachtvollen geistigen Höhen. Die Mutterseele wusste ja, wie verschieden die Charaktere ihrer Kinder waren und wie viel Sorgen sie mit einigen gehabt hatte, wie viel Schweres sie im Leben mitgemacht hatte. Nun wollte der Engel also – und dies ist auch zu eurer Belehrung – die Herkunft dieser beiden Söhne beleuchten, ihr Leben, woher sie gekommen waren und warum man so viel Sorgen mit ihnen gehabt hatte. Nun ging es immer tiefer hinunter, und es wurde immer trüber, bis der Engel Gottes in einer trübseligen Welt haltmachte. Hier waren Geister zusammen, sie waren in Unfrieden miteinander, und sie waren unzufrieden mit sich selbst. Wohl kamen dann und wann Engel des Himmels zu ihnen, um sie aufzurichten und mit ihnen zu beten. Dadurch vermochten dann die einen sich zeitweise dem Gebete hinzugeben, andere wiederum konnten es nicht – das eine Mal war man geneigt zu beten, das andere Mal nicht.
Der Engel gab dieser Mutterseele Einblick in die gewaltigen Weiten dieser Sphären mit ihren vielen, vielen Geistern, die in gleicher Weise belastet waren, und er sprach: “Ich möchte dir nicht wehtun; ich will dir nicht sagen, welche Lasten deine Söhne aus ihrem vorherigen Leben mitgenommen haben, dass sie in einer solch trübseligen Welt leben mussten. Es würde dich allzu sehr schmerzen, zu sehen, welcher Vergehen sie sich schuldig gemacht hatten. Es ist vorerst auch nicht notwendig für dich, dass du es siehst; es soll genügen, wenn wir dir erklären: Sie sind belastet von einem Erdenleben ins andere gegangen und von da in diese Sphäre gekommen.” Die Engelswelt hatte die Unseligen in dieser trüben Welt immer wieder besucht und ihnen die Botschaft von den christlichen Festtagen der Menschen gebracht. Sie hatte ihnen immer wieder Erklärungen gegeben über die Geburt des Herrn, über sein Leiden und Sterben, über seine Auferstehung. Oft waren es aber nur wenige, die zuhörten; diese Unseligen konnten es nicht, sie waren von Unruhe geplagt und verstanden es nicht. Doch die Güte Gottes ist so wunderbar, und sie weiss, dass für diese Seelen das Notwendigste eine Wiedergeburt, ein Wiedergeborenwerden, ist. Und so hatte man diese zwei herausgegriffen aus dieser Sphäre, um sie in die Familie dieser Mutterseele zu geben; denn die Engel Gottes sagten: “Diese Eltern haben ja schon so viele Kinder, und sie sind in der Erfüllung ihrer Lebensaufgabe. Sie werden auch diese Aufgabe erfüllen und auf sich nehmen, haben wir ihnen doch auch einen Geist aus den Höhen gebracht, der ihnen eine Stütze sein soll, ihnen Trost bringen kann und es versteht, diese unangenehmen Angelegenheiten im menschlichen Leben zu schlichten.” Und so hatten sich die Engel geeinigt, dass zwei aus dieser düsteren Geisteswelt in diese Familie geboren werden sollten. So war ein Kind nach dem andern zu diesen Eltern gekommen, bis fünfzehn Kinder zusammen waren – und diese letzten beiden stammten aus den unteren Aufstiegsstufen.
So wurde es dieser Mutter veranschaulicht, und sie durfte sehen, mit welcher Sorgfältigkeit diese beiden Wesen auf ihr neues Erdenleben vorbereitet wurden. Sie wurden von den Engeln Gottes aus ihrer Sphäre herausgenommen, und es wurde ihnen erklärt, dass ein neues Erdenleben für sie bestimmt sei und sie doch ihre Energie, ihren Mut und ihre Kraft zusammennehmen und sich unter den Willen Gottes stellen sollten; denn wenn sie Verdienste in diesem neuen Erdenleben gewinnen würden, würde es ihnen zum grössten Vorteil sein. Und die Gotteswelt wünsche ja nur, dass sie durch ein weiteres Erdenleben dieser niederen Stufe entfliehen und in eine höhere Ebene eintreten könnten. Diese Erklärungen machten diesen beiden doch etwas Eindruck, und sie liessen es geschehen und bejahten das, was die Engelswelt ihnen erklärte.
Und so kam es: Sie traten ein in diese schon kinderreiche Familie, in der die älteren Kinder die Aufgabe hatten, den jüngeren beizustehen, ja sie sozusagen zu erziehen. Denn die Eltern selbst mussten für den Unterhalt der Familie sorgen, und es war ihnen gar nicht möglich, sich dem Einzelnen so zu widmen. So hatte die älteste Tochter diese wunderbare Aufgabe übernommen und mit grosser Liebe und Fürsorge diese Jüngsten betreut. Und trotzdem: Im späteren Leben hatten sich beide wiederum belastet; sie hatten ihr Leben nicht so geführt, wie es die Mutterseele gewünscht hatte, die ihre beiden Söhne immer getadelt und ihnen erklärt hatte, was unrecht sei. So hatten dann diese beiden auch in diesem Leben wiederum eine Last auf sich geladen; aber diese Last war nicht mehr so schwer wie im vorhergehenden Leben, sie war schon um ein Bedeutendes geringer geworden. Daher war für sie bestimmt, dass sie bei ihrer Rückkehr ins Geisterreich einen Schritt vorwärts machen konnten. Aber trotzdem betrübte es diese Mutterseele, dass diese beiden jüngsten Kinder im Gegensatz zu den andern von einer solchen Tiefe heraufgekommen waren und es nicht möglich gewesen war, sie noch besser zu führen, dass sie mehr gewinnen konnten.
Die Mutterseele hatte nun eine Bitte an diese belehrenden Engel und sprach: “Erlaubt es mir doch, eine Aufgabe auf mich zu nehmen; ich möchte ein Stück von ihrer Last tragen. Erlaubt es mir, dass ich ihnen helfe, das Schwere zu tragen, damit ihnen ein Teil dieser Bürde erlassen wird und sie nicht nur diesen kleinen Aufstieg in der Geisteswelt machen dürfen, sondern dass ihnen ein grösserer Schritt ermöglicht wird.” Und die Engel sprachen: “Du sprichst Worte, die nur aus der gütigen Seele einer Mutter kommen können, die bereit ist, für ihre Kinder alles zu tun. Wir aber sind nicht berechtigt, zu sagen: ‘Ja, trage ein Stück Last für sie.’ Wir werden deinen Wunsch aber weitertragen. Wir werden zu jenen hingehen, die über dich Gericht gehalten haben; wir fragen sie nach ihrer Meinung.” Und die Mutter betete und wünschte nur, dass sie doch etwas auf sich nehmen dürfe, um für die beiden Jüngsten eine Erleichterung zu erreichen. Sie wollte doch nicht, dass diese nach ihrem Tode in eine solche niedere Welt kommen müssten; sie hätte sie so gerne bei sich in ihrer schönen Welt gehabt; sie wollte sie mit Liebe betreuen und glaubte, dass sie doch bestimmt auf sie hören würden. So glaubte sie, das Recht zu haben, dieses zu wünschen.
Die Engel gingen zu ihren hohen Brüdern und Schwestern und kamen zurück mit der Nachricht: “Liebe Schwester, es ist nicht alles so gestattet, wie du es dir wünschst, denn es hat alles genau nach dem Gesetze Gottes zu gehen. Aber es soll doch etwas von deinem Willen erfüllt werden. Wenn deine Söhne wieder ins Geisterreich zurückkommen, werden sie in die Sphäre kommen, wo sie wirklich hingehören, und sie werden durch die Läuterung schreiten müssen, die zu ihrem Heil ist. Durch Gottes Güte wird ihnen ein Teil der Schuld vergeben, wie es bei jedem Heimgekehrten geschieht; aber das Übrige haben sie gemäss den Bestimmungen im Heilsplan selbst zu tragen. Was du tun kannst, ist Folgendes: Wenn du wieder für ein neues Erdenleben bestimmt wirst, dann darfst du diese Last als Mensch im Erdenleben für sie tragen. Im Geisterreich müssen sie aber durch diese Läuterung schreiten.”
Im Weiteren wurde erlaubt, dass durch die Güte Gottes ihre Läuterungszeit gekürzt werde. Dies wurde gestattet wegen des aufopferungsvollen Lebens dieser Mutterseele, wegen ihrer grossen Güte und Hilfsbereitschaft, wegen ihres Erbarmens. Gott gibt diese Gnade und diese Möglichkeit, wenn so darum gefleht und gebeten wird; es soll ein Teil der schweren Läuterung im Jenseits gekürzt werden, und einen weiteren Teil der Bürde darf diese Mutterseele freiwillig auf sich nehmen und dann im neuen Erdenleben tragen. Dies wurde ihr offenbart, und sie hatte die Möglichkeit, dazu Ja oder Nein zu sagen. Es ging also nicht so, wie sie geglaubt hatte, dass sie als Geist einfach eine schwere Arbeit leisten könnte, um den beiden den Aufstieg zu erleichtern. Nein, das ging nicht. So war sie aber bereit, im neuen Erdenleben ein Stück Last zu tragen von jenen beiden, die im Erdenreich ihre Kinder gewesen waren.
Sie hatte ja von Anfang an, als sie in die Geisteswelt heimkehrte, darum gebeten, für immer mit all den Ihrigen in dieser glücklichen, schönen Welt zusammen sein zu dürfen. Die Engel Gottes konnten ihr damals aber noch nicht sagen, dass dies nicht möglich sei; sie ahnten ja schon um ihren Wunsch, und sie wissen, wozu eine solche hingebungsvolle Mutterseele bereit ist, was sie auf sich zu nehmen und zu tun bereit ist. Nun, sie durfte bei der Rückkehr jedes ihrer Kinder anwesend sein und durfte jedes führen. Sie wusste ja schon zum Voraus genau, wohin es ging; sie wusste ja schon längst, woher sie kamen. So erwartete sie mit Sehnsucht die Heimkehr eines jeden ihrer Kinder, und ihre Freude war jedes Mal gross, wenn eines ins Reich Gottes zurückkam. Bei jedem ihrer Angehörigen wusste die Mutterseele so viele tröstliche Worte zu geben und ihnen den Übertritt vom Diesseits ins Jenseits zu erleichtern und sie in der ersten und schwersten Zeit [der Anpassung und Läuterung] zu führen. Sie freute sich auf den Eintritt ihrer Tochter, sie freute sich aber auch auf den Eintritt jener beiden Jüngsten.
Und als dann diese beiden auch kamen, freuten sie sich über ihre wunderschöne Mutter. Sie verriet ihnen aber nichts davon, dass sie sich schon bereit erklärt hatte, einen Teil von ihrer Last auf sich zu nehmen. Sie hätten dies ja gar nicht verstanden; denn sie mussten zuerst in ihrer Sphäre durch eine schwere Läuterung gehen. Erst später, wenn sie dann vom Leid und von der Not beeindruckt und ergriffen sein würden, sollte es ihnen klargemacht werden durch diese Mutterseele. Sie durfte sie dann herausnehmen aus dieser Sphäre und sie in eine höhere Ebene hineinführen; und sie durfte ihnen erklären: “Gott hat es mir erlaubt, eure Leidenszeit zu kürzen.” Diese Mutterseele wird immer wieder den Weg zu diesen beiden finden, und sie werden auf ihre Mutter hören, ihr Glauben schenken und sich anstrengen, das zu erfüllen, was von ihnen gefordert wird.
Ja, liebe Freunde, wenn ihr darüber nachdenkt, könnt ihr erkennen, wie die Geisterwelt Gottes auf jeden angewiesen ist, der mit solchen geistigen Verdiensten ins Himmelreich kommt. Er wird im gegebenen Momente an einem wichtigen Posten eingesetzt, damit er da seine Aufgabe erfüllt, und die Engelswelt bestärkt solche Heimgekommenen in ihrer Aufopferung. Und so geht man Hand in Hand, und eines zieht das andere zu den Höhen empor. Dabei geschieht aber alles auf das Genaueste nach den Gesetzen Gottes, nach seinem heiligen Willen. Seine Gnade, um die immer gefleht wird und auch gefleht werden soll, wird da ausgegossen und gegeben, wo sie verdient wird. Denn diese Gnade ist etwas Heiliges; sie wird jenen zuteil, die sich darum verdient gemacht haben.
So, liebe Freunde, habt ihr heute wieder Einblick bekommen in das Leben in der jenseitigen Welt, in das Wirken der Engel Gottes, in den Aufstieg der Geister. Dies alles möge euch in eurem Leben aufs Neue Mut und Kraft geben. So ihr ein gottgefälliges Leben führt, könnt ihr euch auf das Leben in der geistigen Welt nur freuen, denn man hat schon wichtige Aufgaben für euch bereit. Doch ein jeder wird zuerst geprüft, ob er fähig ist, eine solche Aufgabe zu erfüllen. Er wird sie erfüllen können, wenn er schon im Menschenleben erfüllt, was von ihm verlangt wird.
So, liebe Freunde, richtet euch empor, und bittet darum, dass der Segen Gottes sich in eurem Leben einspielt, dass ihr von ihm immer begleitet seid. So werdet ihr die Kraft finden, all das zu erfüllen, was im Willen Gottes liegt.
So, liebe Freunde, waltet der Segen Gottes mit euch allen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 18.4.1959 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
In allem Leben ist Segen, der sich entfalten möchte
Lene, 17. September 1961 (Ausschnitt)
In allem Leben ist Segen, der sich entfalten möchte
Lene: [...] Liebe Geschwister, ich verkünde euch in dieser Stunde das Wort des Herrn: “Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt” (Mat. 28, 20). Darüber wollen wir meditieren. Wie viele Menschen, auch gläubige, können diese Worte Christi nicht verstehen: “Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.” Die Menschen sehen Christus nicht, doch sie sehen die Gefahren, die Welt in Bedrängnis und Unfrieden. Und er soll da sein? Wie ist es möglich? So wollen wir diesen Worten nachsinnen.
In allem Leben liegt Segen. Dieser Segen kommt von Gott. Im Segen liegt der Wille Gottes, sein Wort. Und wenn dem einen das Leben auch nicht wertvoll erscheint, die Worte sind auch für ihn gültig: “Und ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.” Denn wo der Mensch auch geht, überall ist Leben. Leben und Segen trägt die Fliege in sich, der Käfer, der Wurm. Leben ist in ihnen – gottgewolltes Leben. In allem Leben ist Segen. Segen kann sich entfalten. Für das eine ist der Tag nahe, wo diese Entfaltung geschehen darf. Für das andere liegt der Tag fern, aber er wird kommen, es wird Entfaltung geben – Entfaltung. Segen wird sich erweitern, Segen wird zur Freude.
Wenn ihr durch die Wiesen schreitet, wenn ihr eure Felder betrachtet, wie herrlich grün sie sind, so vergisst man, dass Leben darin ist. So viel Leben, so viel Segen im einzelnen Gräslein. Auch es wartet auf die Entfaltung. Wenn ihr über diese Wiesen schreitet, erkennt ihr, dass in allem Leben Segen liegt. Es ist gottgewollt, Gott gibt den Segen. Denn du sollst dein Brot haben, du sollst leben. Man will, dass du lebst. So entfaltet man überall um dich den Segen. Um dich ist allseits Leben – beim einen ist der Tag der Entfaltung nahe, beim andern fern. Auch bei dir ist Segen, auch bei dir wartet der Tag auf die Entfaltung. Beim einen kommt diese Entfaltung schnell und vermehrt sich, ist der Segen Gottes vielfältig, vermehrt sich immer wieder und geht immer wieder aufs Neue auf. Bei einem andern geht diese Vielfalt nur einmal im Leben auf.
Wenn man weiter darüber nachdenkt und sich fragt: “Woher kommt der Segen?” Gott gibt euch den Segen. Jesus Christus bemüht sich um euch. Er will bei euch bleiben bis zum letzten Tag eures Lebens. Mancher kann es nicht fassen, denn er ist zu weit weg, zu ferne, zu entfernt – glaubt er. Er kann aber die Nähe Christi spüren, wenn er eins wird im Denken, im Wollen mit der göttlichen Welt. Denn Christus ist es, der durch seine heiligen Geister in die Nähe des Menschen gelangt und zum Menschen spricht. Und wir sagen ihm: “Du bist nicht einfach irgendwer; durch den Willen Gottes lebst du. In dir ist Segen. Du bist aus Gott. Du sollst nicht irgendwer sein, wir möchten dich zum Stellvertreter machen, zum Stellvertreter des Gottesreiches.” Du sollst dir deiner Aufgaben in deinem Leben bewusst werden. Stellvertreter Gottes, du bist ein Hauch von Gott, du hast den Segen in dir, und der Segen will aufgehen und sich entfalten. Er soll aufgehen.
Das Leben ist heilig. Du solltest einem Baume gleichen, der in guter Erde steht, der sich dadurch wunderbar entfalten kann, der weithin seine Äste ausbreitet und den Menschen Schutz bietet, vielleicht vor Hitze, vor Sturm – man möchte ihn als Schutz betrachten. Man fühlt sich zu gewissen Zeiten hingezogen zu diesem schönen, weit ausladenden Baum. Ja man riecht sogar den angenehmen Duft dieses Baumes, und man preist ihn herrlich.
Ja, es sind Vergleiche: Leben, Segen, Stellvertreter Gottes, schutzbietender Mensch. Nicht alle können Stellvertreter Gottes sein – nicht alle Menschen können in ihrem Leben eine hohe Stellung einnehmen. Es gibt das arbeitende Volk, man sucht Zuflucht, man beschwert sich an den obersten Stellen, man hofft, Schutz und Gehör zu finden. Es gibt Menschen in gewissem Ansehen, mit gewisser irdischer Macht. Nicht nur im menschlichen Leben, auch im Geistigen gibt es solche Stellungen. Sie werden aber weder vor der Öffentlichkeit ausgerufen noch gepriesen.
Jeder, der starken Glaubens ist, kann sich zu einem Stellvertreter Gottes machen. Das muss er werden – er soll der Schutzbietende sein. Denn nicht alle sind Stellvertreter Gottes. Viele Irrende, Suchende, Tadelnde, Ungläubige suchen einen Halt, suchen Obdach, Sicherheit – sie suchen. Und der Mensch, der einen tiefen Glauben hat, wird von der heiligen Geisteswelt als Stellvertreter des Reiches Gottes gezeichnet.
Es ist keine Überheblichkeit, wenn man im Stillen wirkt, wenn man sein geistiges Bewusstsein etwas höherstellt. Man will dem andern Schutz bieten. Nicht aus eigener Kraft gewinnt man diese Stellung. Man muss in der Veranlagung, im Denken und Wollen dem Reiche Gottes gleich werden. Dann können die Engel das Wort ihres Königs und des himmlischen Vaters in Erfüllung bringen. Sie gehen hin und suchen Wohnung bei ihnen. So ist es möglich, das Wort zu verstehen, denn es kommt zum Menschen – es gelangt in den Menschen hinein. Das Reich Gottes kommt immer näher. Der Mensch muss sich seiner Stellung bewusst werden und seiner Verbindung zur Göttlichkeit. Es soll ihm nicht unmöglich werden, an das Wort des Gottessohnes zu glauben, “Ich bin bei euch alle Tage”, denn des Herrn Kraft und Wille dringen so nahe heran an den Gottmenschen, an das Kind Gottes. Es soll ein Teil des göttlichen Reiches in sich tragen. Dieses Reich soll sich mehr entfalten, soll seine Tore öffnen und den andern Schutz und Schirm geben. So viele suchende Menschen sind es.
Ein göttlicher Mensch, ein Stellvertreter im Reiche Gottes, darf keine Verfehlungen begehen. Er muss nach besten Möglichkeiten seinem obersten Herrn dienen, denn sonst wird er abgesetzt als Stellvertreter in seinem Reiche. Würdige sollen es sein; das Reich Gottes will die Würdigen aussuchen, will sie auswählen, denn unter den Menschen findet sich gar mancher würdig und hebt sich selbst in eine Stellung hinein. Das hat nichts mit der Geisterwelt Gottes zu tun. Die Geisterwelt Gottes tritt leise an den Menschen heran. Sie versucht, ihn zu führen nach dem Willen Gottes, und sie versucht, ihm klarzumachen, dass der Herr bei den Menschen ist. Denn sein Reich ist gross, und sein Wort ist gewaltig – und was dem Vater gefällt, gefällt dem Sohn.
So breitet sich das Reich aus und seine Macht, auch wenn es nicht sichtbar wird für das Auge des Menschen. Denn fromme Menschen leben im Segen, sie leben in der Erinnerung an den Erlöser. Fromme Menschen erinnern sich immer wieder an die Leidenszeit des Erlösers. Wie nahe steht er ihnen? Ganz nahe ist er. Er ist bei ihnen.
Solche Menschen, die von der geistigen Welt aufgefordert werden, diese Stellung einzunehmen, haben viel zu tun, um ihr eigenes Reich immer rein zu halten von unreinen Einflüssen, von widerwärtigen Besuchern. Da, wo man steht, muss dieses Reich gepflegt werden. Es ist Gottes Wille. Wer in hohen Diensten steht, hat viel zu tun und streng mit sich zu sein. Er muss dem andern voller Nachsicht und voller Liebe begegnen. Stellvertreter sein im Reiche Gottes heisst von der wahren Liebe spenden, wie es der Vater und der Sohn tun. Man soll ihnen gleich werden. Stellvertreter Gottes sein heisst Nachsicht üben und Hilfe spenden. Versuche, jenen Ärmsten zu stützen, der kraftlos ist. Weise ihn nicht von dir, gib ihm immer Gelegenheit, neu anzufangen, aufzustehen.
So will es das Reich Gottes, wenn man als hoher Diener in dessen Diensten steht. Werde dem Erlöser gleich, gehe ihm nach. Wenn nun der einzelne Mensch an sein eigenes Leben denkt, das oft bedrängt war, an seine Leidenszeiten, so glaubt er, es wären Entschuldigungen für ihn. Aber auch er kann ein Stellvertreter Gottes sein. Auch in ihm ist das Leben voller Segen. Auch wenn er krank ist und in Bedrängnis lebt, liegt in ihm der Segen der Entfaltung, in jeder Lebensart. Und der Herr ist ihm nahe: “Der Herr ist bei ihnen bis zum Ende der Welt.” Oder ich könnte sagen, der Herr ist bei dir bis zu deinem letzten Tage. Denn in dir ist die Erinnerung an sein Werk. Du weisst um den Sinn des Lebens, weisst einigermassen, wie wertvoll das Leben ist. Du kennst einigermassen die Aufgaben als Mensch, die Gott einem jeden stellt. Der Gläubige ist es, den ich meine, der diese Worte hört. Für ihn gelten die Worte “Ich bin bei euch”. Der Segen liegt im Leben – er soll sich entfalten.
So tue ein jeder das Möglichste, um gehoben zu werden. Er soll hinaufgezogen werden in diese Stellung. Er soll einer gütigen Mutter gleich werden, die alle ihre Kinder voller Liebe betreut. So soll es der Gottesmensch tun: alle Geschwister in gleicher Art und Weise behandeln und sie voller Liebe betreuen. Denn der Segen ist es, der sich entfalten möchte. Durch den guten Willen des Menschen gibt es eine Entfaltung. [...]
Aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 17.9.1961 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner an der Meditationswoche in Wildhaus (Vorlage: Tonbandabschrift)
Heft 3/2025
21 Seiten, 21 × 29,7 cm