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Themen
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 1/2025 zum Thema Aufklärung über verlorenes Grundwissen
Geistige Welt 1/2025
Aufklärung über verlorenes Grundwissen
Beschreibung

Die christliche Lehre hat im Laufe der Jahrhunderte vieles von ihren ursprünglichen Glaubenswahrheiten verloren. Vieles ist für viele unverständlich geworden. Viele, die glauben möchten, zweifeln und haben viele Fragen. Warum etwa musste Christus, der Sohn Gottes und höchste geschaffene Geist, denn tatsächlich die Menschwerdung annehmen? Von was hat er, der doch als der Erlöser gepriesen wird, die Menschheit wahrhaft erlöst? Aus welchem Grund musste er die Menschen, wie es heisst, mit dem Vater versöhnen? Was war da einst vorgefallen? Und was hat Christus denn tatsächlich erfüllt, wenn er am Kreuze die bedeutungsvollen Worte ausrufen konnte: “Es ist vollbracht!”? Antwort auf diese Fragen, Antwort auf die Frage nach dem Sinn unseres Daseins, findet man nur, wenn man zurückgreift zu den Anfängen des wirklichen Lebens, in den Ursprung der Schöpfung, in eine Zeit, da es noch keine irdische, materielle Welt gab.

Themenheft 1/2025: Aufklärung über verlorenes Grundwissen

Inhalt
Wovon hat Christus die Menschheit erlöst?

Josef, 7. März 1981

Wovon hat Christus die Menschheit erlöst?

Aus welchem Grund musste Christus als der höchste geschaffene Geist die Menschwerdung annehmen und die Menschen mit Gott versöhnen? In der Christenheit wird von der Erbsünde gesprochen. Aber was ist denn mit dieser Erbsünde gemeint? Die Antwort findet man nur, wenn man in den Ursprung der Schöpfung zurückkehrt, in eine Zeit, als es noch keine irdische, materielle Welt gab.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, die Sinnbilder Christi sind für die Christenheit von grosser Bedeutung. Sie sind aber nur dann bedeutungsvoll, wenn sie verstanden werden. Zur Zeit Christi wurden diese Sinnbilder kaum verstanden; darum baten die Apostel jeweils den Meister, er möge sie ihnen erklären. Und er versuchte dies so gut wie möglich zu tun. Manchmal verstanden sie es, und manchmal wussten sie mit dem, was ihr Meister gesagt hatte, gleichwohl nichts anzufangen. Doch sie hatten Vertrauen in ihren Meister und glaubten an ihn. Sie waren ihm treu ergeben und glaubten: “Was der Meister sagt, das hat seine Richtigkeit.”

Nun, liebe Geschwister, es ist ja auch heute noch so, dass diese Sinnbilder, die Christus gegeben hat, kaum verstanden werden. Daher haben die Christenmenschen von heute so viele Fragen. Und auf all diese Fragen gibt es auch eine Antwort, und zwar eine verständliche Antwort – auf eine richtig gestellte Frage gibt es auch eine richtige, verständliche Antwort. Wenn man aber die Christenheit von heute betrachtet und sieht, auf welche Art und Weise die christliche Lehre verkündet wird, so stellt man fest, dass Gläubige an vielen Dingen zweifeln. Dabei sind diese Sinnbilder, die Christus gegeben hat, alle von grosser Bedeutung für die Christenheit.

Die Christenheit feiert die Geburt des Herrn, und im Gebet wird Christus als der Erlöser gepriesen. Frage: Von was hat Christus die Menschen erlöst? Er sei, so wird verkündet, der Erlöser der ganzen Menschheit. Und wahrhaftig ist es so, Christus ist der Erlöser der ganzen Menschheit, gleich welcher Religion ein Mensch zugehörig ist. Und es heisst auch, Christus habe die Menschheit mit dem Vater versöhnt. Ja warum hat er denn die Menschen mit dem Vater versöhnt? Wieso musste er die Menschen mit dem Vater versöhnen, aus welchem Grund? Das alles sind Fragen, und auf diese Fragen gibt es eine Antwort. Man soll doch einmal darüber nachdenken, warum man Christus als den Erlöser preist. Es musste doch zuvor etwas in jener anderen, geistigen Welt geschehen sein, dass Christus in das menschliche Dasein treten musste, um eine Erlösung zustande zu bringen.

Christus selbst sagte jeweils zu seinen Jüngern, wenn er solche Sinnbilder darlegte: “Ich hätte euch noch viel mehr zu sagen, ich hätte euch so vieles noch zu sagen, aber ihr könnt es nicht tragen” (vgl. Joh. 16, 12). Was heisst das: “Ihr könnt es nicht tragen”? Er meinte damit, die Last sei zu schwer, wenn er ihnen die ganze Wahrheit kundtun würde. Diese Wahrheit konnten sie noch nicht verstehen. Darum musste Christus sagen: “Ich werde euch den Geist der Wahrheit senden, und er wird euch über das unterrichten und euch aufklären” (vgl. Joh. 14, 26).

Die vorhandene Last war also noch zu schwer, als dass sie mit den Erklärungen, die Christus gegeben hatte, hätte abgelegt werden können. Und diese Last ist auch nach all diesen Jahrhunderten noch nicht entschwunden – diese Last ist auch heute noch da. Auch heute noch vermögen in diesem Sinne die Menschen es nicht zu tragen, wenn ihnen die ganze Wahrheit kundgetan wird.

Allein, so viele Dinge, die geschehen sind, so viele Sinnbilder, die Christus gegeben hat, können den Gläubigen erklärt und verständlich gemacht werden. Doch dazu muss man ihnen etwas mehr erklären als nur sagen, dass Christus, der Sohn Gottes, der Erlöser ist. Die Menschheit, und im Besonderen die Christenheit, muss eben ihre Aufklärung bekommen.

Es wird in der Christenheit von Sünde, von der “Erbsünde” gesprochen. Was ist denn mit der Erbsünde gemeint? Wissen die Menschen heute, nach bald zweitausend Jahren, was Erbsünde bedeutet? Eine richtige Antwort vermögen sie kaum zu geben. Dabei kann ich sagen: Kein Mensch auf der ganzen Welt trägt heute noch eine Erbsünde auf sich, kein Mensch, gleich welchem Glaubensbekenntnis er angehört. Es gibt keine Erbsünde mehr. Aber es gab sie. Um diese Sünde [nämlich die Sünde des Abfalls] zu tilgen, ist Christus in das menschliche Dasein getreten und hat die Menschheit mit Gott versöhnt.

Allein, werden einem nur leere Worte gegeben, vermag man dies nicht zu verstehen. Verstehen kann man es nur, wenn in den Ursprung der Schöpfung zurückgegriffen wird. Denn wenn von einer Versöhnung gesprochen wird, muss doch wahrhaftig einst etwas geschehen sein, muss eine Schuld vorhanden gewesen sein. Und woher kam diese Schuld? Christus ist ja für die Menschheit gestorben, und in der Christenheit wird er als der Erlöser gepriesen – also kann keine Rede mehr sein von einer sogenannten Erbsünde. Darüber muss man aber Bescheid wissen, und verstehen kann man diese Zusammenhänge nur, wenn man zurückgreift in den Ursprung der Schöpfung.

Christus selbst sagte doch: “Ich war, ehe diese Welt war” (vgl. Joh. 17, 5 und 24). Also gab es einmal eine Zeit, wo diese [materielle] Welt nicht vorhanden war oder nicht in dem Zustand wie heute; es gab kein Leben, wie es heute auf diesem Planeten vorhanden ist, keine solchen Verhältnisse, wie sie heute sind, kein Leben, in keiner Art, in keiner Form. “Ich war, ehe diese Welt war” – darüber soll man sich seine Gedanken machen. Wenn man doch an Christus glaubt und ein gläubiger Christ ist, soll man Antwort bekommen auf all diese Dinge.

Christus sprach auch: “Ich bin in diese Welt gekommen, um zu retten, und nicht, um zu richten” (vgl. Joh. 3, 17). Er wollte nicht verurteilen, er wollte retten; aber das muss doch seine Ursache gehabt haben. Und die Antwort hierauf bekommt man nur, wenn man in den Ursprung der Schöpfung hineingeht und versucht, sich diese Welt in ihrem Ursprung vorzustellen. Dann kommt man zu der Erkenntnis, dass es eine Ursache gehabt hat, dass eine solche Welt aufgebaut werden musste und menschliches Leben auf dieser Erde möglich gemacht werden konnte. Das Menschsein auf dieser Erde muss doch einen Sinn haben und einen Zweck erfüllen [nämlich den Gefallenen den Weg zurück ins göttliche Reich zu ermöglichen].

Über all dies muss man in erster Linie nachdenken. So hatte Christus eben diese Worte gesagt: “Ihr könnt es nicht tragen, die Last der ganzen Wahrheit ist viel zu gross.” Und ich würde sagen: Sogar für manchen Zuhörer hier ist die Last etwas zu schwer, um das zu begreifen und zu verstehen. Allein, an den heutigen Menschen werden ganz andere Ansprüche gestellt bezüglich seines Denkens, seines Handelns und seines Schaffens. Was ist er heute in dieser Welt nicht alles imstande zu leisten! Und daher sollte es dem Menschen von heute auch möglich sein, zum Ursprung der Schöpfung zurückzukehren und sich seine Gedanken zu machen, warum es menschliches Leben und Leben überhaupt auf dieser Erde geben musste.

So hat Christus in einer symbolischen Darlegung verheissen: “Der Geist der Wahrheit wird euch über diese Dinge unterrichten; und wenn der Geist der Wahrheit zu euch spricht, sollt ihr nicht meinen, das, was gesagt wird, stamme vom Menschen [der als Mittler dient], er sage es. Nein, es ist der Geist der Wahrheit, der euch unterrichtet. Aber dieser Geist der Wahrheit kann nur dann zu den Menschen kommen, wenn ich zurückkehre zum Vater. Wenn ich beim Vater bin, dann kann ich euch den Geist der Wahrheit senden. Wenn ich aber nicht zu ihm komme, wenn ich nicht zu ihm gehe, kann ich euch diesen Geist der Wahrheit nicht senden.” (Vgl. Joh. 16, 7 und 13.) Und wenn Christus ausdrücklich sagte: “Wenn ich beim Vater bin, dann werde ich euch den Geist der Wahrheit senden”, so heisst das: Vorher konnte er es nicht tun, er musste zuerst wieder beim Vater sein [also das Erlösungswerk vollbracht haben]. Darüber habe ich euch im Laufe der Jahre immer wieder Erklärungen gegeben.

Christus hat in symbolischer Darlegung so wunderbar erklärt: “Der Geist der Wahrheit wird die Welt überführen von der Sünde, von der Gerechtigkeit und vom Gericht” (vgl. Joh. 16, 8). Dieses sagte er den Seinen; die Jünger aber verstanden es nicht, und so erklärte er es ihnen mit wenigen Worten. Aber glaubt, obwohl die Jünger nachher sagten: “Ja jetzt begreifen wir es, du hast es deutlicher gesagt”, vermochten sie es trotzdem nicht richtig zu verstehen – so wenig wie heute ein Mensch es versteht, der zum ersten Mal hierherkommt und diese meine Worte hört. Wenn Christus sagte: “Und der Geist der Wahrheit wird die Welt überführen von der Sünde” – ja welche Sünde war damit gemeint? Darauf gibt es eine Antwort, aber sie ist noch verschleiert: Der Geist der Wahrheit wird sagen, was es mit dieser Sünde auf sich hat, wo diese Sünde geschehen ist und von welch grosser Bedeutung diese Sünde war und was eben mit dieser Sünde gemeint war [nämlich der Abfall, die Trennung von Gott].

Eine Grundbedingung in der Verkündigung der christlichen Lehre wäre es, dass man die Gläubigen darüber aufklärt, was sich in den Andeutungen und Erklärungen, die Christus gab, auf die Vergangenheit, auf seine Gegenwart oder auf die Zukunft bezog. Denn Christus gab einerseits Andeutungen und Erklärungen, die ihre Richtigkeit für die Vergangenheit hatten, so, wenn er auf den Ursprung der Schöpfung hindeutete. Christi Erklärungen haben also ihre zeitliche Bestimmung. Die einen bezogen sich auf die Vergangenheit, das heisst auf die Zeit lange vor seiner Menschwerdung. Er sprach anderseits auch vom Geschehen in der Zeit, wo er lebte, von der damaligen Gegenwart, von solchen Geschehnissen und ihrer Bedeutung, und er gab symbolische Darlegungen, die ihre Bedeutung für diese Gegenwart hatten, als er auf Erden lebte. Zudem sprach Christus auch von der fernen Zukunft. Doch was hat man in der christlichen Lehre daraus gemacht? Man hat alles zusammengetan, man hat Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vermengt. So finden die Menschen in dieser Lehre keinen Unterschied zwischen den Zeiten des Ursprungs der Schöpfung, der zeitlichen Gegenwart Jesu und dem auf die Zukunft Bezüglichen. Man kennt diese zeitlichen Unterschiede [auf die sich Christi Erklärungen beziehen] ja gar nicht.

Es ist jedoch etwas Grundsätzliches, auch ein Wissen darüber zu haben, wie diese Geschehen zeitlich einzuordnen sind: was Bedeutung hat und gehabt hat in der Vergangenheit, was aus der Vergangenheit gekommen ist; und was jene gegenwärtige Zeit, als Christus gelebt hat, für die ganze Entwicklung, für den ganzen Aufstieg bedeutet; und auch was die Zukunft den Menschen bringen wird. Denn es gibt eine Schau in die Zukunft hinein, wenn auch nicht bis in alle Einzelheiten. Dies alles muss aber unbedingt einmal klargelegt werden.

Wenn nun zum Christenmenschen vom Ursprung der Schöpfung gesprochen wird und ihm Erklärungen gegeben werden, warum es notwendig geworden war, eine Erde zu schaffen mit den verschiedenen Stufen von Leben, so muss ihm auch erklärt werden, dass auch dieses Leben von heute eine Ursache hat. Er muss zudem wissen, dass es eine Ursache gehabt haben muss, dass Christus ins menschliche Dasein gekommen ist.

Wenn Christus in diesen symbolischen Darlegungen davon sprach, dass “der Geist der Wahrheit die Welt überführen werde von der Sünde” [aufklären werde über die Sünde], so liegt eben die Last, das Schwere, darin, dass es dem Menschen von heute noch schwerfällt, diese Worte zu begreifen und zu verstehen. Diese grosse Sünde – oder die “Erbsünde”, wenn es besser verstanden wird – ist nicht auf dieser Erde geschehen, diese Sünde geschah anderswo. Das muss dem Menschen verständlich gemacht werden. Das mag nicht leicht sein. Denn da ist nämlich noch jemand, der diese Welt regiert und dafür besorgt ist, dass die Wahrheit nicht so ohne Weiteres Verbreitung findet. Damit komme ich in meinen Erklärungen immer näher an den Ursprung heran: wo diese Sünde geschehen ist, nämlich in der geistigen Welt, und wer der Anführer dieser Sünde war – es ist Luzifer, der Fürst der Welt. Christus hat daher verheissen: “Die Geister der Wahrheit, sie werden euch unterrichten und die Welt überführen von der Sünde.” Also soll der Christenmensch von heute wissen, dass es eine Ursache hat, dass er auf dieser Erde lebt und dass auch er einst – ich sage ausdrücklich: einst – gezeichnet war von dieser Sünde des Abfalls [der Trennung von Gott]. Doch von dieser Sünde ist er erlöst und befreit worden durch Christus.

In der Christenheit bringt man das im Gebet zum Ausdruck, man lobt und preist den Erlöser. Doch man soll auch wirklich wissen, wovon Christus die Menschheit erlöst hat. So mögen wohl heutige Lehrer die Gläubigen orientieren; dabei versuchen sie, Dinge [aus der christlichen Lehre] herauszunehmen. Sie glauben, es den Menschen klarmachen zu können, indem sie viel von Liebe, von Verständnis reden, das dem Mitmenschen gegeben werden soll, und davon, was man tun darf und was man lassen soll. Aber das ist nur der weitere Aufbau der christlichen Lehre, das ist bestimmend geworden, da sind Gesetze zum Ausdruck gekommen [doch von der Lehre vom Ursprung weiss man nichts].

Christus sprach auch: “Und nicht nur von der Sünde wird euch der Geist der Wahrheit überführen, auch von der Gerechtigkeit.” Und was meinte Christus wohl mit den Worten “von der Gerechtigkeit”? Er sagte den Aposteln: dass er wieder zum Vater zurückkehren werde, das sei Gerechtigkeit, und er werde dort wieder seine Stellung einnehmen, wie er sie vor seiner Menschwerdung innegehabt habe; er werde wieder der sein, der er einst war, ehe er in das menschliche Dasein getreten, denn er sei gewesen, ehe die Welt war. Das sagte er deutlich: “Ich kehre wieder zum Vater zurück, und ich bin wieder der, der ich war; und ich habe wieder die Rechte, die ich einst hatte.” Damit wollte er sagen: “Auch in meiner Abwesenheit, als ich in dieses menschliche Dasein getreten war, gab es niemanden in den Himmeln, der meinen Platz einnehmen konnte. Und das”, sprach Christus, “das ist Gerechtigkeit, dass ich wieder zum Vater zurückkehre, dass ich wieder meinen Platz einnehme.” Dieses erklärte Christus seinen Jüngern, und dieses bestätige ich euch. So sollt auch ihr euch eure Gedanken darüber machen.

Christus selbst sagte: “Ich bin von oben, ihr aber seid von unten” (vgl. Joh. 8, 23). Von wo “unten” seid ihr denn, als er das seinerzeit gesagt hat? Das hatte ja auch seine Bewandtnis und seine Gründe, dass Christus dazumal zu den Menschen sagte: “Ich bin von oben, ihr aber seid nicht von oben, ihr seid von unten.” Ja wieso von unten? Um es ganz deutlich auszudrücken: Ihr seid aus der Hölle. Doch sagt man denn heute solches dem Christenmenschen? Gibt man es ihm zu verstehen, sodass er wirklich weiss, wer er ist und woher er kommt? Denn erst dann kann er begreifen und verstehen, warum Christus sagte: “Ich bin von oben, ihr aber seid von unten.”

Und geht man diesem Herrenwort nach, so stellt sich die Frage: “Wieso sind denn die Menschen von unten, wenn es doch heisst, die Menschen seien ‘Geschöpfe Gottes’?” Damit kommt man wieder auf diesen Ursprung zurück, dass sie alle einst “oben” waren. Aber durch die Sünde, die sie sich dort aufgebürdet hatten, wurden sie aus diesen Himmeln hinausgestossen und mussten ihren Weg nach unten antreten. Und so blieben sie eben unten, bis dieser Zeitpunkt gekommen war, dass die Barmherzigkeit und die Güte Gottes zum Ausdruck kommen konnte, als man die Zeit für gekommen hielt, einen Weg zu schaffen, damit die Gestürzten wieder in die Himmel zurückkehren konnten. Doch dieses musste erkämpft werden. Und diesen Kampf konnte eben Christus als der Sohn Gottes ausführen – er hatte sich dafür bereit erklärt. Denn da war ja [sein Widersacher] ein gefallener Himmelsfürst, Luzifer, der Fürst der Welt. Christus konnte aber den Kampf gegen diesen einstigen Himmelsfürsten nur im Geistigen aufnehmen.

Christus sollte also den Beweis erbringen, sodass alle, die einst [vor dem Abfall] ihm gehörten, wieder die Möglichkeit haben sollten, zu ihm zurückzukehren. So trat er in ein menschliches Dasein und erklärte den Menschen da, wo er lebte: “Ich bin der Sohn Gottes”, und er verlangte, dass sie an ihn glauben sollten.

Wohl ist [durch Christi Erlösungstat] der Weg zum Himmel auch für die Ungläubigen gebahnt, doch haben jene Menschen durch ihren Unglauben selbst ein Hindernis in ihre eigene Seele gelegt. So verhindern jene, die nicht an ihn glauben, selbst ihren Aufstieg, weil sie im Unglauben leben. Denn auch das wird als Sünde bezeichnet, wenn Menschen von heute, die der Christenheit zugehörig sind, nicht glauben wollen. Sie zeichnen sich selbst, sie schaden ihrer Seele und behindern so ihren geistigen Aufstieg.

Auch ich könnte sagen, ich hätte euch noch so vieles zu erklären; doch ich habe ja Zeit. Denn auch ihr vermögt nicht alles auf einmal zu verstehen – nur langsam wird es dem einen und andern möglich, durch die Erklärungen, die ich euch gebe, Verständnis aufzubringen.

Christus hatte als Mensch diesen Kampf einmal selber durchgefochten, indem er fest in seinem Glauben blieb, obwohl der Fürst der Finsternis versuchte, ihn von seinem Glauben abzubringen. Denn der Fürst der Finsternis erkannte ja Christus in seinem menschlichen Dasein, und er wusste auch, was Christus wollte: ihm sein Reich schmälern.

Der Fürst der Finsternis verdunkelt wahrlich der Menschheit den Weg nach oben; er sucht, den Weg beschwerlich zu machen und die Welt zu verdunkeln. Er möchte das Licht, das Christus gebracht hat, löschen. Er hat kein Interesse daran, dass die Menschen Glauben finden an Christus und seine Lehre. Er möchte sein eigenes Reich bewahren.

Christus aber hatte schon zu Lebzeiten als Mensch gesagt, als er vom Gericht sprach: “Der Fürst der Finsternis ist schon gerichtet” (vgl. Joh. 16, 11). Er hatte in seiner Vorschau doch erkannt, welche Gesetze er seinerzeit noch im Himmelreich mit dem Vater ausgebaut hatte und dass diese Gesetze in Kraft treten, wirksam würden, wenn er als Mensch seine Aufgabe erfüllte und dann als Geist in das geistige Reich des Fürsten der Finsternis eindrang und ihm dort diese Gesetze verordnete. Doch ehe Christus dem Widersacher diese Gesetze darlegen konnte, gab es einen Kampf, denn so ohne Weiteres war der Fürst der Finsternis nicht einverstanden, Christus in sein Reich eindringen zu lassen. Aber Christus schaffte es; als Sohn Gottes, als Erlöser aller gefallenen Wesen trat er in das Reich der Hölle hinein. Und dort fand der Kampf statt – der Kampf zwischen Christus und dem Fürsten der Finsternis. Beide wurden durch den Kampf äusserlich, in ihrer geistigen Gestalt, gezeichnet – Christus wie auch dieser Satan. Doch Christus blieb Sieger, mit einer gewaltigen Heerschar von Geistern Gottes war er in die Hölle eingedrungen.

Und Luzifer – wie dieser Satan heisst – wusste genau: “Christus kommt im Auftrage Gottes, und da bin ich machtlos”; und es fing ihn an zu ängstigen, denn er bangte um sein eigenes Leben. Doch wer sagt das dem Christenmenschen? Nicht nur jene Geistwesen, die an der Seite Luzifers standen, kämpften. Luzifer selbst wusste, um was es ging und dass es so weit ginge, dass er um sein Leben kommen würde – und sein Leben wollte er nicht hergeben. Daher war Luzifer bereit, vor Christus niederzuknien und die Gesetze anzunehmen, wie es von ihm gefordert wurde.

Dieses ist das Gericht, von dem Christus zu seinen Lebzeiten [vorausschauend] sprach: “Der Fürst der Finsternis ist schon gerichtet.” Dieses Gericht wird als das “Letzte Gericht” bezeichnet oder als der “Jüngste Tag”. Was aber haben die Menschen aus diesem Letzten Gericht und aus diesem Jüngsten Tag gemacht? Sie warten noch darauf. Daher ist nun dieses so wichtig, was ich anfangs betont habe, dass man in der christlichen Lehre erkennen muss, für welche Zeit die Worte Christi ihre Bedeutung haben. Man darf die Zeiten nicht durcheinanderbringen, denn so gibt es keine Klarheit und auch kein Verständnis.

Ist die Christenheit einmal über die wahre christliche Lehre orientiert und unterrichtet, dann erhält alles einen ganz anderen Sinn, und man betrachtet manches anders. Man muss dann auch eingestehen, dass so vieles falsch verkündet worden ist. Und man wird einsehen, dass da einer ist, der das grösste Interesse daran hat, dass diese Unwahrheiten so lange wie möglich verkündet werden. Und das ist der Fürst der Finsternis, der Fürst der Welt, der heute noch auf dieser Erde regiert – und auf welche Art und Weise! Und Menschen sind seine Werkzeuge.

Christus aber lehrte die Güte und die Liebe, sagte er doch: “Wenn einer von dir den Rock fordert, gib ihm noch den Mantel dazu” (vgl. Mat. 5, 40). Das ist es, worauf man weiterbauen kann. Das Ganze bekommt dann eine ganz andere Kraft und hat einen viel stärkeren Einfluss auf den Menschen. Dadurch wird der Mensch imstande sein, das Rechte zu fördern und das Unrechte zu meiden. Von innen heraus muss er gedrängt werden, er muss das Verständnis dafür erlangen.

Wenn Christus gesagt hat: “Wenn einer dich auf die Wange schlägt, halte ihm noch die andere hin” (Mat. 5, 39), so ist dies nicht wörtlich gemeint, dass sich ein Mensch von heute auf diese Weise verhalten müsse. Gemeint ist vielmehr, dass er für das Unrecht, das ihm angetan wird, keine Vergeltung übt, dass er bereit ist, Verständnis und Liebe zu zeigen. Nicht Unrecht soll gefördert werden, sondern Gerechtigkeit muss gefördert werden.

Gefördert werden aber muss auch die Wahrheit der christlichen Lehre, damit die Menschen von heute endlich erkennen können, was Wahrheit ist und was diese Herrenworte bedeuten. Christus ist wahrhaftig das Licht der Welt, er hat der Welt Licht gebracht. Er hat den Weg geebnet, dass der Einzelne wieder zurückkehren kann. Aber hier walten die Gesetze, alles nimmt seinen gerechten Weg. Das Unrecht, das ein Mensch in seinem Leben tut, hat er wiedergutzumachen. Bis zum letzten Heller muss er alles zurückzahlen (vgl. Mat. 5, 26).

Ja, liebe Geschwister, auch darüber liesse sich so vieles sagen. Verstehen wird man es erst dann, wenn man den Ursprung kennt, wenn man sich in diesen Ursprung der Schöpfung hineinversetzt, wenn man sich damit befasst. Dann erkennt man plötzlich den Sinn seines eigenen Lebens.

Doch mancher hat schon so oft nach dem Sinn des Lebens gefragt und auch Gottes Gerechtigkeit angeklagt; er sagt: “Es heisst, ‘Gott ist gerecht’, aber wo ist denn seine Gerechtigkeit? So viel Unheil geschieht doch auf dieser Welt.” So fangen schwache Menschen an zu zweifeln und sagen: “Es gibt keinen Gott; denn würde es einen Gott geben, dann würde er diese Ungerechtigkeiten nicht zulassen.” Dabei wissen solche Menschen nicht, dass es einen gibt, der sich Fürst der Welt nennt, der seine Rechte hat; und dass es am Menschen selbst liegt, zu entscheiden, in welches Lager er eintreten will – ob er den luziferischen Einflüssen nachgeben will oder ob er das Gerechte, das Gute, das Edle tun und fördern will.

So möchte ich euch nun, liebe Geschwister, auf die Geburt des Herrn hinweisen und auf jene Erinnerungstage, die immer wieder gefeiert werden. Da wird der Christenheit verkündet, welcher Jubel dazumal herrschte und dass Christus der Menschheit Erlösung gebracht hat, dass die Menschheit erlöst worden ist. Der Erlöser wird gepriesen. Und dabei weiss man nicht einmal, wovon man erlöst worden ist. Das ist das Traurige. Daher müssen die Menschen einmal das Grundsätzliche der christlichen Lehre und etwas von den Gesetzen Gottes kennenlernen. Und sie müssen auch erfassen können, dass es Geister Gottes der Wahrheit gibt – dass diese Geister Gottes der Wahrheit aber sehr bescheiden sind.

Und wer hat denn nicht die grösste Freude daran, wenn jemand kommt und von sich behauptet, Gott selbst spreche aus ihm? Ein solcher macht doch dem Satan die grösste Freude damit. Und wenn solche Menschen behaupten, dass höchste Geister, ja Christus selbst aus ihnen sprechen, so wissen sie nicht, welche Sünde und welche Belastung sie auf sich laden. Hat doch Christus selbst gesagt: “Und es werden welche kommen und sagen, dass ich es bin, und sie werden in meinem Namen reden, doch glaubt ihnen nicht” (vgl. Mat. 24, 23). [Vergleiche hierzu Geistlehrer Josefs Ausführungen auf S. 49 f. und insbesondere auf S. 205 ff. im Band “Geistige Welt 1981”.]

Ich sage euch: Christus ist in der Nähe des Vaters, und er hat dort seinen Platz wieder eingenommen, und er ist besorgt um die Seinen, die im Aufstiege sind. Er ist stets im Gespräch mit den geistigen Wesen, die ihre Aufgabe im Heilsplan Gottes erfüllen müssen, die Menschen aus ihrem Leben herausnehmen, um sie, so sie es verdient haben, in eine höhere Stufe hineinzuführen oder um sie zu zeichnen für all das, was sie in ihrem Leben falsch gemacht haben.

Christus selbst war sehr bescheiden, bescheiden in seinem Auftreten, in seinem Leben. Als einer ihn einmal “guter Meister” nannte, wollte er nicht einmal das hinnehmen, und er sagte ihm: “Wer ist gut? Niemand ist gut ausser dem Vater.” (Mark. 10, 17–18.) So bescheiden zeigte sich Christus. Das schwere Leiden nahm er auf sich, um die Menschen zu befreien. Und wie verhalten sich Menschen von heute? Wenn ihnen nur ein Wort gesagt wird, das ihnen nicht gefällt, können sie schon Rache nehmen, Vergeltung üben. Ja, liebe Geschwister, wahrer christlicher Glaube – der muss im Leben auch geübt werden.

Jeder muss versuchen, von der grossen Last seinen Teil abzutragen – von der Last, von der Christus sprach, als er Erklärungen gab und sagte: “Ihr vermögt es nicht zu tragen, weil es viel zu schwer ist für euch.” Und wie viel ist denn [wohl inzwischen] abgetragen worden? Liegt es nicht am Christenmenschen von heute, von dieser Last etwas abzutragen?

Es ist die Pflicht des Christenmenschen, die Wahrheit zu fördern – die Wahrheit, sage ich –, und das ist nicht so leicht. Das hat der eine oder andere von euch schon selbst erfahren. Aber Geister Gottes sind bereit, dem Menschen beizustehen. Wenn sie seinen Glauben, seine Ehrlichkeit und seine Tapferkeit erkennen, werden sie ihn fördern; Geister Gottes werden all das fördern, was zur Wahrheit führt. All das wird gefördert, was in Gottes Gefälligkeit liegt. So muss die Zeit anbrechen, wo diese Wahrheit durchdringt. Doch es braucht dazu noch lange Wege, bis zu diesem Moment, wo man sagen kann, man geht der Vollkommenheit entgegen.

Ja, liebe Geschwister, so versuche ich mit meinen Worten in euch zu dringen. Denn das, was ich euch auf diese Art und Weise erkläre, gehört zum Notwendigsten. Der Glaube muss in seiner Wahrheit erfasst werden, und in seiner Wahrheit kann er nur erkannt werden, wenn man in den Ursprung der Schöpfung zurückkehrt. Dann erkennt man wahrhaftig die Notwendigkeit dieses Daseins und die Wahrheit über die Erlösung, die Christus gebracht hat, und dass er die Menschheit befreit hat von jener Sünde des Abfalls. Seither ist ein jeder frei und hat die Möglichkeit, aus eigener Kraft emporzusteigen, um wiederzugewinnen, was er einst verloren hat. Durch den Sieg Christi über Luzifer ist der Mensch nicht mehr Knecht Gottes, sondern er hat die Kindschaft Gottes wiedererlangt.

Nun, liebe Geschwister, denkt über all diese Dinge nach, das ist eine Notwendigkeit. Dann werdet ihr auf den rechten Weg kommen, und euer Leben wird sich anders gestalten. Dementsprechend wird dereinst auch euer Heimweg sein. Denn Engel Gottes wollen die Menschen zurückbegleiten; aber nicht überall und nicht bei einem jeden Menschen ist es gestattet, ihn zu holen. Mancher geht den Weg in die geistige Welt allein – suchend, fragend, unglücklich. Und wer trägt die Schuld daran?

So, liebe Geschwister, möge Gottes Segen euch auf eurem Lebensweg begleiten. Möget ihr erleuchtet werden und gestärkt in eurem Glauben und standhaft sein. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 7.3.1981 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Die wahre Bedeutung des Letzten Gerichts

Josef, 13. November 1982

Die wahre Bedeutung des Letzten Gerichts

Unter gläubigen Christen herrscht die Vorstellung eines Letzten Gerichts, das in einer fernen Zukunft, am sogenannten Ende der Welt, stattfinden werde. Geistlehrer Josef beleuchtet in diesem Vortrag verschiedene Aussagen Jesu Christi und zeigt auf, dass dieses Letzte Gericht in Wahrheit bereits längst stattgefunden hat – nämlich damals, als Christus nach seinem irdischen Tode in das Reich seines Widersachers eindrang und nach siegreichem Kampf die Bedingungen festlegte: eine neue, unabänderliche Gesetzgebung, die für den gesamten Aufstieg der Gefallenen ihre Gültigkeit hat.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, die Welt ändert sich ständig. Die Menschen ändern ihr Wirken, ihr Denken, ihr Wollen; so gestalten und verändern sie die Welt. Was die Menschen nicht verändern können, ist die Wahrheit der christlichen Lehre. Sie mögen in viele Dinge eingreifen, sie anders gestalten, anders formen. Aber die Wahrheit der christlichen Religion bleibt dieselbe, sie wird nicht geändert. So sagte es Christus selbst: “Himmel und Erde mögen vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen. Kein Strich und kein Punkt wird vergehen von all dem, was ich gesagt habe.” (Mat. 5, 18 und 24, 35.) Und gemeint ist damit die Wahrheit der christlichen Lehre. Das will aber nicht heissen, dass nicht auch in der jetzigen Zeit Unwahrheiten verkündet werden. Die Wahrheit aber ist vorhanden, und es ist dem Geist der Wahrheit vorbehalten, sie zu offenbaren. Und so mag es noch so lange dauern und mag noch viel Zeit vergehen – die Wahrheit wird doch offenbar werden. Denn Christus ist nicht umsonst gestorben. Er hat die Wahrheit gebracht. Aber diese Wahrheit will man nicht erkennen.

Wenn ich zu euch spreche, versuche ich, euch Erklärungen zu geben, euch zu höherer Erkenntnis zu führen. Es wird mir nicht leicht gemacht. Nicht jeder hier Anwesende ist bereit, das aufzunehmen, was ich zu sagen habe. Man hört wohl – und ich hoffe, man hört es –, was ich zu sagen habe. Über das, was ich heute rede, habe ich auch schon gesprochen. Und ich muss es immer wieder tun; denn ich vermag dieses kostbare Gut nicht einfach nur ein Mal dem Menschen vorzuführen, und dann hat er es erfasst. Nein, es muss ihm immer wieder und wieder gesagt und erklärt werden. Denn es sind [seit dem Erdenleben Christi] zu viele Jahre vorübergegangen, und die Wahrheit ist dem Christenmenschen nicht gegeben worden.

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit versucht [im Vortrag vom 4. September 1982], euch im Geiste vor den gekreuzigten Christus zu führen. Ich habe die Worte erklärt, die er am Kreuz ausgerufen hat: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” (Mat. 27, 46). Ich habe schon öfters die Erklärung darüber gegeben, aber ich bin überzeugt, dass hier Anwesende sind, die die Antwort nicht kennen. Und ich weise nur kurz darauf hin, möchte ich doch die Wahrheit sagen; denn die Wahrheit kann man nicht genügend hinausrufen. Aber man versteht das alles nur dann, wenn man mehr als nur ein Mal hierherkommt, wenn man mehr als nur ein Mal eine solche Erklärung vernimmt; denn es ist doch wahrhaftig eine ganze Lehre. Begreifen und verstehen kann man es erst, wenn einem der Sinn des Lebens erklärt wird, der Sinn der Menschwerdung Christi und der Sinn der Schöpfung überhaupt. Der Mensch muss zum Ursprung zurückgeführt werden, und von dort aus muss aufgebaut und ihm Erkenntnis gegeben werden. Man kann nicht einfach nur vom gekreuzigten Christus reden und davon, was er für die Menschheit getan hat. Denn es gibt ja Menschen, die zweifeln daran, dass er überhaupt gelebt hat. Sie bezweifeln es, oder sie wissen überhaupt nicht: Wovon hat er denn die Menschen erlöst? Fragt doch einmal in eurer Umgebung – das empfehle ich euch immer wieder, nur zum Beweis –, fragt einmal eure Mitmenschen: “Kannst du mir sagen, wovon uns Christus erlöst hat?” Und dann müsst ihr doch mit Bedauern feststellen, dass sie keine Antwort wissen. Sie nennen sich Christen, doch sie kennen keine Antwort.

Nun, Christus hat am Kreuz noch weitere Worte gesagt, die ebenso bedeutend sind wie jene, die ich kürzlich erklärt habe. Und zwar sind es die Worte: “Es ist vollbracht!” (Joh. 19, 30). Mit letzter Kraft hat Christus sie in jene Zeit hineingerufen – in jene Zeit und in die heutige Zeit. Ja diese Worte haben bis zum Ende der Welt ihre Gültigkeit: “Es ist vollbracht!” Aber was ist vollbracht? Wenn ihr jemanden danach fragt, dann wird man euch zur Antwort geben: “Ja das Leiden war für Jesus vorüber. Seine Schmerzen, das ganze Leid, das er tragen musste, haben ihr Ende gefunden.” Nein, es ging nicht um das. Ich möchte euch nur daran erinnern: Wenn jemand von euch einen bedeutenden Auftrag erhält, und er erfüllt ihn, dann geht er zu seinem Auftraggeber und meldet es ihm: “Ich habe meinen Auftrag erfüllt.” So ist es bei euch Menschen, und so war es auch bei Christus, er rief es hinaus: “Es ist erfüllt!” Er hat den Auftrag, den ihm der Vater gegeben hatte, erfüllt. Er rief die Worte aus: “Es ist vollbracht”, und er neigte sein Haupt zur Seite und starb – das heisst, der Geist Christi trennte sich vom Leibe.

Er wurde in Empfang genommen von Engeln Gottes, die ihn für den bevorstehenden Kampf in der Hölle einkleideten. Und nun ging dieser Siegeszug zur Hölle, die Engel begleiteten ihn zu diesem Sieg, der für ihn bevorstand. Denn Christus hatte als Mensch auf Erden um etwas gekämpft, und nun ging sein Weg zur Hölle. In dieser Hölle wurde jetzt von Geist zu Geist gekämpft, und es wurde nun Gericht gehalten, dieses sogenannte Letzte Gericht, auf das man in der Christenheit [irrtümlicherweise] noch immer wartet.

Ich möchte euch daran erinnern: Wenn zwei Mächte miteinander Krieg führen, so wird der Verlierer seine Niederlage zugestehen müssen. Der Sieger wird versuchen, ihm das Eingeständnis der Niederlage abzunehmen. Auch bei euch stehen sich Verlierer und Sieger gegenüber, und es gibt einen Vertrag, in dem der Verlierer bestätigt, dass er den Krieg verloren hat. Man will sicher sein, der Sieger will es bestätigt haben, der unterlegene Gegner muss es zugeben: “Ja, ich habe verloren.” Das ist bei euch Menschen so. Hier ging es aber um einen Kampf in der geistigen Welt: Christus ging in die Hölle, weil dort eben etwas bereinigt werden musste. Von dem Zeitpunkte an, wo er am Kreuz die Worte ausgerufen hatte: “Es ist vollbracht”, da war die Menschheit schon von ihrer [Ur-]Sünde befreit, da hat die Erlösung ihren Anfang genommen. Aber dies musste bestätigt werden – genau wie bei euch.

Ihr Menschen lebt mit eurem fleischlichen Leib und wirkt in eurer vergänglichen Welt. So hatte auch Jesus wirken müssen. Der Sohn Gottes nahm in dieser Welt, die für den Menschen als Prüfstation erstellt worden ist, Leid auf sich [und er bewies seine Gottestreue] – und so ging es dann zu diesem Kampf in der Hölle, wo von Geist zu Geist oder von Geistern zu Geistern gekämpft wurde.

Ich möchte euch dies noch verständlicher darlegen; denn es ist nicht gesagt, dass mir alle glauben, was ich sage, denn es sind ja immer so viele Zweifler da. Wenn es heisst, dass von Geist zu Geist gekämpft wurde, so kann das ja nur möglich sein, wenn bereits vorher im geistigen Reich von Geistern zu Geistern eine Auseinandersetzung stattgefunden hatte. In der Jenseitswelt, in der geistigen, feinstofflichen Welt, in der göttlichen Welt, hatte einst diese Auseinandersetzung stattgefunden. Schon verschiedentlich versuchte ich es euch darzulegen: Ihr sollt euch überlegen, wie unendlich lange damals dieser Streit gedauert hatte; wie unendlich lange Luzifer mit seinem Anhang wirkte, bis er es fertigbrachte, die verschiedenen geistigen Völker in diesen himmlischen Welten zu beeinflussen und so viele Wesenheiten zu überzeugen. Es hat doch wahrhaftig lange gedauert, bis der Zeitpunkt kam, wo Luzifer glaubte, sein Anhang wäre nun so gewaltig, dass er gegen Christus vorgehen und ihm seine Stellung [als König der Geisterwelt Gottes] streitig machen könnte.

Überlegt euch einmal, welch ungeheure Scharen von geistigen Wesen sich damals auf die Seite Luzifers stellten. Denn es sind ja diese [aus dem Himmel gestürzten] geistigen Wesen, die ins menschliche Dasein kommen und ihren Aufstieg antreten müssen, um wieder ins Reich Gottes zurückkehren zu können. Und Christus ist es, der diesen Sieg gegen seinen Widersacher errungen hat; er musste diesen Kampf gegen Luzifer in der Jenseitswelt, in der Hölle, ausfechten. Mit einer Schar von Geistern Gottes, die er mit sich nahm, kämpfte Christus gegen den Satan und seine Helfershelfer. Und dort, in der Hölle, unterlag Luzifer.

Und dann, nach seinem Sieg, hat Christus eben diese Bedingungen festgelegt, was man das Letzte Gericht nennt. Er selbst hatte während seiner Lehrzeit immer wieder gesagt: “Ich bin das Gericht” (Joh. 9, 39 und 5, 22). Ja, er war das Gericht; und dass man dieses Gericht das Letzte Gericht nennt, soll heissen, dass daran nichts mehr geändert wird, nichts verbessert oder neu hineingeschoben wird, wie es bei euch Menschen üblich ist. Sondern dieses Gericht ist das letzte Gericht, das gehalten wurde, und diese Gesetzgebung kann nicht umgestossen werden. Es wurden damals die Bedingungen festgelegt – unabänderlich. Das ist das Letzte Gericht, und diesem Letzten Gericht entrinnt niemand. Denn in diesem Letzten Gericht, in seiner Gesetzgebung, ist so viel enthalten: Der ganze Aufstieg ist festgelegt, auf welche Art und Weise sich dieser Aufstieg vollzieht. Die Herrscherrechte Luzifers wurden geschmälert, und er musste es zugeben, dass er besiegt wurde. Seine Herrscherrechte, die ihm noch zustehen, sind aber immer noch viel zu gross, sodass das Leben der Menschen auf dieser Welt für sie eine Prüfung ist. Ihr Leben ist eine Prüfstation; denn da haben sie zu beweisen, wohin sie ihrer Gesinnung nach gehören – ob sie in das Lager Christi eintreten oder ob sie ihrer Gesinnung entsprechend auf die luziferische Seite treten. Denn es gibt für jene, die sich in ihrer Gesinnung nach Christus ausrichten und ihm anhangen, einen Aufstieg. Auch für die andern, die in ihrer Gesinnung noch Luzifer anhangen, gibt es einen Aufstieg; aber ihr Aufstieg und ihr Leben vollzieht sich nicht auf die gleiche Weise wie bei jenen, die auf der Seite Christi stehen.

So ist es dem Menschen, der da lebt, überlassen zu entscheiden, und er prägt mit seinem Leben, das er lebt, seine geistige Zukunft. Wüssten jene Menschen, die sich des Mordes, des Totschlags, des Raubs und anderer Vergehen schuldig machen, was auf sie wartet, würden sie sich eines andern besinnen. Aber was hat man diesen Menschen anzubieten? Was hat man ihnen zu sagen? Wie kann man sie zum Glauben führen, wenn man die Wahrheit nicht kennt, wenn man von diesem geistigen Aufstieg überhaupt nichts weiss? Wenn man keine Kenntnis davon hat, dass man alles, was man an Unrecht tut, wiedergutzumachen hat? Und dass es keine Lüge gibt in der Jenseitswelt? Hat man seinen fleischlichen Körper abgelegt, dann ist alles offenbar, was je gesprochen und gehandelt wurde. Und dann kommt die Geisterwelt Gottes, und sie spricht das entscheidende Wort. Und sie stellt dann diesen verstorbenen Menschen, diesen aufsteigenden Geist, dahin, wo er hingehört. Schmerzlich kann die Zeit seiner Läuterung werden, je nach seinem zurückgelegten Leben.

Wie oft hatte Christus von dieser Welt gesprochen. Er sagte: “Diese Welt hat nichts an mir” (vgl. Joh. 14, 30). Er sagte auch: “Und der Menschensohn weiss nicht einmal, wo er sein Haupt hinlegen kann in dieser Welt” (Mat. 8, 20). Damit wollte er sagen: “Ich habe keine Anrechte auf diese Welt. Mir gehört diese Welt nicht. Den Menschen, die da leben, habe ich den Weg geebnet. Sie können wieder ins Himmelreich zurückkehren, sie können wieder Erben Gottes werden. Für sie bin ich gestorben. Für sie habe ich gelebt, gekämpft; ich habe sie erlöst von den uneingeschränkten Herrscherrechten Luzifers.” Denn Luzifer hatte [vor seiner Niederlage] uneingeschränkte Rechte auf die Menschen, die da in dieses irdische Dasein kamen. Er quälte sie auch dementsprechend, belegte sie mit Krankheiten aller Art. Darum haben die Menschen damals, als sie in grosser Not gelebt, auf einen Messias gehofft. Propheten [die aus der Gotteswelt in ein menschliches Dasein traten] hatten jeweils vorübergehend bei ihnen gelebt und sie getröstet und vom Messias geredet. Diese Propheten brachten den Menschen Hoffnung; sie sprachen vom Messias, dass einer kommen werde und sie aus ihrer Bedrängnis befreie und sie zurückkehren könnten zu Gott.

Aber was hatten die führenden Menschen jener Zeit – die Schriftgelehrten, die Pharisäer –, die sich mit Geistern befassten, ihren Mitmenschen zu sagen? Sie sprachen vom strafenden Gott, vom zürnenden Gott, von einem Gott, der die Menschen verfluche. Das verkündeten sie. Und wenn es heute noch Menschen gibt, die so etwas glauben, dann sind sie wahrhaftig weit, weit von der himmlischen Welt entfernt. Würden sie doch nur einigermassen überlegen und sich fragen: “Ist denn das möglich? Kann es denn sein, dass dieser Gott den Messias verspricht und seinen eingeborenen, geliebten Sohn in diese Welt sendet, der so viel Leid auf sich nehmen muss, wenn er doch die Menschen verdammt?” Das ist doch nicht stimmig – da sollten doch die Menschen überlegen und darauf kommen, dass da etwas nicht stimmt. Aber die jenseitige Welt ist für sie so weit entfernt und nicht beweisbar – wie sie behaupten. Dabei ist sie beweisbar. Doch sie wollen nichts wissen von dieser jenseitigen Welt, obwohl Christus in seinem Wirken auf diese andere Welt hingewiesen hatte. Er sagte doch: “Ich bin von oben, ihr seid von unten” (Joh. 8, 23), was heisst: “Ich komme vom Himmel. Ihr aber kommt von der Hölle.”

Nun, diesen Trost [von einem gütigen Gott] wollten die Pharisäer den Menschen nicht geben. Sie sprachen vom zürnenden Gott, und so hatte es Christus auch dementsprechend schwer, sich zu behaupten.

Es ist so bedauerlich, dass die Christenheit die Ursache, den Grund der Menschwerdung Christi nicht erkennt, dass sie es nicht erfassen kann, was einst in der geistigen Welt alles geschehen ist. Dabei hatte Christus bei verschiedenen Gelegenheiten versucht, auf jene andere Welt und ihre Verhältnisse hinzuweisen. So sagte er beispielsweise über Johannes den Täufer: “Er war zuerst; aber ich war vor ihm” (vgl. Joh. 1, 15 und 30). Christus war zuerst, er war vor Johannes. Wo war er zuerst? Fragt doch einmal einen Christenmenschen. Es steht doch in der Bibel. Anderes zitieren sie ja auch aus der Bibel. Warum können sie keine Antwort geben? “Er war vor mir; aber ich war zuerst.” Johannes war vor Christus ins menschliche Dasein gekommen, aber in der geistigen Welt war Christus zuerst. Denn er war der Anfang [der Schöpfung]; er ist der aus Gott Geborene, er ist Gottes Sohn. Und so sagte er auch: “Ehe Abraham war, war ich” (Joh. 8, 58). Wie haben sich doch die Juden darüber aufgehalten, als er dieses sagte: “Ehe Abraham war, war ich.”

So hatte Christus auf diese andere Welt hingewiesen, auf eine andere Welt als diese materielle Welt, wo die Menschen leben. Nicht das Irdische, Materielle ist das Unvergängliche, das Ewige – sagte doch Christus: “Ich bin das ewige Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, obgleich er stirbt.” (Joh. 10, 28 und 11, 25.) Auch mit diesen Worten deutete er auf die Jenseitswelt hin, auf diese geistige Welt, für die er für die Seinen gestorben ist. Denn die Menschen, gleich welcher Religion sie angehören, sind alle dem Reiche Christi zugehörig. Er ist für alle gestorben, er hat für alle die Erlösung gebracht. Und die Erlösung hat er gebracht, indem er [als Mensch] standhaft geblieben ist. Er wurde seinerzeit doch angeklagt wegen Gotteslästerung; die Juden wollten nicht glauben, dass er der Sohn Gottes ist. Und zu jener Zeit konnte ein Mensch wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt werden. Darum habe ich am Anfang auch gesagt: Die Zeiten ändern sich, und das Denken des Menschen und sein Wollen ändern sich auch.

Ich möchte aber jetzt noch auf etwas hinweisen. Einen Funken Wahrheit hat wohl die Kirche – eine bedeutend wirkende Kirche – auch gekannt, einen Funken Wahrheit. So wird verlangt, dass das Kleinkind schon getauft wird. Mit diesem Kleinkind muss die Familie vor der Kirchentüre stehen bleiben; man darf mit dem ungetauften Kind nicht in die Kirche eintreten, man muss ausserhalb der Kirche warten, ausserhalb. Und dann kommt der Priester, und dieser Priester spricht ein paar erlösende, befreiende Worte, die darauf hindeuten oder mit denen deutlich ausgesprochen wird, dass dieser Täufling Eigentum des Teufels wäre und dass man ihm zuerst die Kindschaft Gottes übertragen und dem Teufel die Herrscherrechte über dieses Kind wegnehmen müsste. Wenn der Priester diese Worte der Klärung gesprochen und damit dieses Kleinkind dem Besitzrecht des Satans entrissen hat, dann darf man mit diesem Kinde in die Kirche eintreten, dann darf die Taufe vollzogen werden. Also wusste man ein Körnchen Wahrheit. Ein kleines Körnchen von Wahrheit ist doch dabei, aber es ist nicht im richtigen Sinne, wie es da aufgefasst wird. Denn die Menschheit ist durch den Tod Christi ja bereits erlöst; der Teufel hat über keinen Menschen mehr ein uneingeschränktes Herrscherrecht. Aber man wusste ein Körnchen Wahrheit, man wusste etwas davon [dass man einst beim Abfall unter die Herrschaft Luzifers gekommen war]. Aber man macht eben alles durcheinander, wie ich euch auch schon längst erklärt habe: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, die verschiedenen Geschehen in diesen Zeitabschnitten werden durcheinandergemacht. Da nimmt man heraus, was einem passt, und versucht es dann den Gläubigen vorzusetzen. Stellt euch doch einmal vor: Ein solches Kleinkind soll nun Eigentum des Satans sein und erst dann, wenn der Priester ein paar befreiende Worte gesprochen hat, soll es dann nicht mehr dem Satan gehören! Dabei sagte doch Christus in seiner Lehrzeit: “Lasset die Kleinen zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich” (Mat. 19, 14). Dieses steht auch in der Bibel. Warum zitiert man das nicht? “Lasset die Kleinen zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich.”

Mit dem, was ich euch nun erklärt habe, will ich nur sagen, dass man so unwissend gar nicht gewesen ist – gewesen ist. Aber je mehr Zeit verfliesst, desto weiter entfernt man sich von der Wahrheit, sofern nicht jemand [ein Geist der Wahrheit] kommt und es erklärt und darlegt, wie es wahrhaftig ist.

Und war es früher auf dem Lande, wo der Friedhof um die Kirche ist, nicht auch so: War ein Kindlein ohne Taufe gestorben, musste es ausserhalb der Kirchhofmauer sein Grab haben – denn es gehörte ja nach jenem Glauben nicht in die Kindschaft Gottes. Man wusste also etwas davon, dass man einst – ich sage: einst – Eigentum des Teufels war. Bevor die Erlösung stattgefunden hatte, war jeder Mensch Eigentum des Satans. Ebendeshalb ist Christus ja gekommen als Erlöser. Er wollte die Seinen wieder zurückgewinnen in sein Reich; er wollte Luzifer die [uneingeschränkten] Herrscherrechte über sie absprechen.

Wenn ihr betrachtet, wie heute die christliche Lehre verkündet wird, so seht ihr, wie gleichgültig die Menschen ihr gegenüber sind. Denn sie werden nicht beeindruckt davon, sie werden nicht angesprochen von diesem Glauben. Denn es fehlt diesem Glauben an Substanz; dieser Glaube hat ja keinen Inhalt. Gebt der christlichen Lehre die Wahrheit zurück, das, was ihr gehört, dann würden Menschen auch anders leben. Wenn man aber den Sinn des Lebens nicht kennt, dann kann man einem Menschen auch nicht helfen. Und wenn heute Menschen [in medialen Kreisen] versuchen, bei der Geisteswelt anzupochen, dann werden sie Antwort bekommen. Aber die Frage ist, ob es auch die Wahrheit ist. Um die Wahrheit muss gekämpft werden. Das möchte ich laut und deutlich gesagt haben. Mit Religion werden genug Geschäfte gemacht. Die Wahrheit muss erkannt werden. Und es gibt nur eine Wahrheit. Sie muss in sich stimmig sein und übereinstimmen mit allem [was Christus gelehrt hat].

Christus hat so verschiedene Gleichnisse gegeben – anders als in Gleichnissen konnte er das, was er den Menschen sagen wollte, ja gar nicht darlegen. Aber er tröstete sie, indem er sagte: “Ich werde euch den Geist der Wahrheit senden” (Joh. 15, 26 und 16, 13). Aber so leicht findet der Geist der Wahrheit nicht Zugang bei den Menschen. Die Menschen bestimmen vieles selbst. Nicht alle sind geistig aufgeschlossen und auf einer solchen geistigen Entwicklungsstufe, dass es ihnen ganz selbstverständlich und klar ist, dass es gar nicht anders sein kann [als dass Geister des Himmels den Menschen in der Wahrheit unterrichten möchten]. Es ist doch wahrhaftig so schade, dass Menschen nicht erfasst werden können im Glauben und sie gleichgültig sind.

Ich möchte noch auf Folgendes aufmerksam machen: Es gab in der Christenheit auch eine Zeit, da es zur Todsünde erklärt wurde, wenn man sonntags den Gottesdienst nicht besuchte. Hat sich nicht die Zeit gewandelt? Sind es doch die Menschen selbst, die eingreifen ins Geschehen – einerseits. Aber es kann nur Wahrheit geben. Wie vieles ist da dem Menschen als Todsünde erklärt worden, wie hat man Gewalt auf den Menschen ausgeübt! Das hat sich aber geändert. Menschen von heute sind nicht bereit, unter Zwang zu glauben. Sie wollen überzeugt sein. Sie wollen innerlich in einem Verhältnis stehen zum Geistigen; das Geistige darf ihnen nicht etwas Fremdes sein. Denn die Wahrheit, die man aus der christlichen Lehre empfangen kann, gibt manchem Menschen Trost, Hoffnung, Zuversicht. Sie gibt ihm auf so vieles Antwort – Antwort aus der Wahrheit, aus dem Glauben an die Wahrheit. So wie Christus gesagt hat: “Ich bin das Leben und die Wahrheit” (Joh. 14, 6). Er hat die Wahrheit gebracht. Die Gebote Gottes erklärte er den Menschen, was zu tun und was zu lassen ist.

Finden Menschen wieder eine Beziehung zum wahren Glauben, dann ändern sie auch ihr Leben. Ihr Leben wird einen andern Sinn haben. Sie werden manches als etwas Kostbares und Wertvolles betrachten, an dem sie sonst im Alltag achtlos vorübergehen. Wenn man nur überlegt, wie viel Leid der Mensch aus Unkenntnis der Tierwelt zuführt. Würde man einem sagen: “Ehe du mit deinem Geist in einen Menschenleib einziehen durftest, warst du in einem Tierleib”, was würde er wohl zur Antwort geben? Wer sich nicht schon längere Zeit mit dem geistigen Aufstieg befasst hat, kann das nicht begreifen, nicht verstehen. Und so sage ich immer: Wunderbar ist die Schöpfung Gottes, wunderbar ist es eingerichtet – dieser Aufstieg, dass die Gefallenen zurückkehren können ins himmlische Reich. Aber dass man die Kraft erhält und den notwendigen Mut, den es oft braucht im Leben, dafür braucht es den Glauben; denn diese Kraft und diesen Mut schöpft man aus dem Glauben und aus der Wahrheit. Die christliche Lehre hat eine ganz andere Bedeutung, wenn man die Wahrheiten kennt, die Christus gesagt hat, wenn man weiss, was es bedeutet: “Ich bin das Licht der Welt” (Joh. 8, 12). Christus ist doch wahrhaftig das Licht der Welt, auch heute noch. Aber das muss man verstehen.

Die Menschen sind so sehr an die Materie, an alles Fleischliche gebunden. Wenn sie einmal so weit sind, dass sie sich loslösen können von all dem, was auf dieser Welt vergänglich ist, und sie sich in ihrem Denken in diese andere Welt hineinbegeben, dann wird es ihnen verständlich werden, dass sie nicht nur einen Fleischesleib besitzen, der bei ihrem Tode von ihnen genommen wird, von ihnen abfällt und zu Staub und Asche wird; es wird ihnen verständlich werden, dass das Wertvolle, das Sinnreiche, das Sinnvolle, das, was inwendig im Menschen ist, nicht vergehen kann, sondern sein Fortbestehen hat. So viele wissen das nicht. Daher kann sich einer glücklich schätzen, wenn er dieses Wissen hat. Denn die Welt sieht anders aus, wenn man sie mit geistigen Augen betrachtet. So sagte Christus: “Sie haben Augen und sehen nichts. Sie haben Ohren, und sie hören nichts.” (Mat. 13, 13.) Ja, es ist genau so. Aber man hat auch geistige Augen und geistige Ohren. Doch mit diesem geistigen Auge wird man dann sehen können, wenn man den beschwerlichen Leib nicht mehr trägt. Dann hat man eine andere Schau, und dann wird man staunen.

Der Gläubige wird glücklich sein, dass er geglaubt hat, dass er glauben konnte und Erkenntnis hatte. Und der andere, er steht in einer fremden Welt und hat keine Ahnung, wohin er geführt wird und was ihm bevorsteht. Er kann diese Erleichterung nicht empfinden, die derjenige hat, der im wirklichen Glauben gelebt hat. Denn einem Heimgekehrten, der als Mensch glauben konnte und auch geglaubt hat, der der Wahrheit nachgegangen ist und die Wahrheit gesucht hat, dem soll in der jenseitigen Welt auch dementsprechend begegnet werden. Denn gleich von Anfang an, gleich nachdem Christus gestorben und in die Himmel zurückgekehrt war, fingen die Christen doch an zu zweifeln. Und wie viel Unrecht wurde getan im Namen Gottes. Wie wurde gesündigt im Namen Gottes. Darum habe ich gesagt: Die Zeit hat sich geändert. Und die Zeit ändert sich weiter. Die Wahrheit verändert sich nicht, sie bleibt dieselbe. Aber zu dieser Wahrheit zu kommen, ist nicht so leicht. Man findet sie nicht einfach auf der Strasse, und sie wird einem nicht gleich ins Haus gebracht. Was man so findet und was so gebracht wird, muss nicht die Wahrheit sein, die ich meine. Wohl wird es behauptet, aber nicht belegt. Und ich möchte sagen: Die geistige Wahrheit kann doch auch belegt werden. Ja, ihr könnt darüber nachdenken, doch es würde jetzt zu weit führen, euch dies näher auszuführen.

Zudem ist es ja auch so: Man kann auch eine Wahrheit bezweifeln und sie abtun. Auch das kann man. Auch ihr könnt das erleben. Ihr könnt Wahrheiten von euch geben, und andere streiten den wahren Sinn davon ab, sie bezweifeln die Wahrheit. Um die göttliche Wahrheit muss gekämpft werden.

Nun dauert es ja gar nicht mehr lange, und es wird dieser Welt wieder verkündet: “Jubelt und singt, denn euch ist der Heiland geboren” (Luk. 2, 10–11). Da spricht man einerseits vom Erlöser und Messias, der gekommen ist, um die Menschen zu befreien und zu erlösen, ihnen das Heil zu bringen. Das verkündet man an einem Tag, und zwei oder drei Tage später ist es wieder vergessen. Man spricht etwas und glaubt selbst nicht daran; man spricht die Wahrheit und glaubt sie selber nicht. So ist es bestellt um den christlichen Glauben. Aber zu eurem Trost sei es gesagt: Es wird dennoch eine Erfüllung geben. Es muss das Ende der Welt kommen, und damit ist nicht der Untergang der Welt gemeint, sondern das Ende der Herrschaft Luzifers. Seine Herrschaft muss ihr Ende finden. Aber wann wird das sein? Weit weg liegt die Zeit dafür, weit, weit weg.

Denn bedenkt, wie lange es brauchte, bis die Erde mit ihrer Natur so weit war, wie sie heute ist – Milliarden von Jahren. Und es steht dieser Welt noch vieles bevor. Denn sie wird regiert und beherrscht vom Teufel. Er findet unter den Menschen willige Werkzeuge, die ihm Gehorsam leisten. Dabei unterscheiden auch die irdischen Gesetze zwischen Recht und Unrecht. So sollten doch die Menschen wenigstens die irdischen Gesetze erfüllen und nicht so wirken und leben, wie viele es tun, die Kriege führen, nur um zu herrschen und zu beherrschen, um anderen den Besitz zu nehmen. Nein, liebe Geschwister, man soll sich nicht an fremdem Eigentum versündigen. Was nützen dem Menschen alles Gold und alle Werte dieser Welt, wenn er in die Jenseitswelt kommt? Da wird nicht gefragt, wie viel er zurückgelassen hat, was alles ihm gehörte. Nein. Nach den Werken wird gefragt, nach den guten Taten wird gefragt. Man fragt ihn, ob er als würdiger Mensch in diesem Dasein gelebt habe, ob er durch sein Leben Gott und Christus die Ehre erwiesen habe. Darüber sollte man sich auch seine Gedanken machen.

So, liebe Geschwister, versuche ich vom einen zum andern Mal, euch Klarheit zu bringen über die Lehre Christi, euer Verständnis für diese Wahrheit zu wecken, euch zu führen auf dem Weg zu Gott. Was an Unklarheiten verkündet wird, möchte ich euch klarlegen. Ich lege euch aus, was gemeint ist mit dieser Welt, von der Christus immer wieder gesprochen hat, und was gemeint ist mit den Worten: “Es ist vollbracht” – nämlich dass Christus seinen Auftrag erfüllt hat, mit dem er in dieses menschliche Dasein gegangen war. So versuche ich euch immer wieder etwas zu erklären, und ich muss diese Erklärungen stets auch wiederholen.

Das wird man auch in Zukunft tun müssen. Denn ich sehe kein Ende ab, dass man den Menschen diese Erklärungen nicht mehr geben müsste. Bei den Menschen ist zu vieles von Unwahrheiten durchdrungen, und zu schwer wird es anderseits demjenigen gemacht, der die Wahrheit verkündet. Denn Luzifer hat doch kein Interesse daran, dass die Wahrheit Verbreitung findet. Aber es wird ihm nicht gelingen, ihre Verbreitung zu verhindern. Menschen ringen nach Erkenntnis, und wenn einmal dem einen oder andern meiner Zuhörer nur ein Satz, den ich erklärt habe, verständlich geworden ist, dann wird er aufmerksam und sagt sich: “Da muss doch etwas daran sein.” Dann fängt er an, sich damit zu befassen. Es kann ihn einfach etwas Bestimmtes ganz besonders beeindrucken, während er von vielen anderen Dingen, die ich erkläre, nicht erfasst wird. Aber es genügt mir, wenn ich ihm in einer Beziehung eine Erklärung geben kann und er sie annimmt, weil es ihm verständlich geworden ist. Um das geht es. Es geht um die Wahrheit. Und es geht auch darum, auf welchem Wege diese Wahrheit ihre Verbreitung findet. Denn das Wertvolle findet auch ihr nicht auf der Strasse.

Nun, liebe Geschwister, überlegt euch, was ich zu euch gesprochen habe. Und bittet um höhere Erkenntnisse, ringt um höhere Erkenntnisse. Dann werdet ihr zu glücklichen Menschen werden, ihr werdet froh und glücklich. Denn diese vergängliche Welt hat ihre Bedeutung für sich – und die geistige Welt ist die Welt der Hoffnung, der Zuversicht, des Glücks und des wahren Friedens. So möge Gottes Segen in euch dringen. Möget ihr geführt und gelenkt werden zum Guten und behütet und beschützt vor Not und Gefahr. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 13.11.1982 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Sinn und Ziel des irdischen Lebens

Josef, 3. September 1977

Sinn und Ziel des irdischen Lebens

Durch das Erlösungswerk Christi wurde die Menschheit von der Sünde des Abfalls befreit. Dank Christus sind die Tore des Himmels wieder offen und ist eine Rückkehr in die ursprüngliche, geistige Heimat möglich. Doch den Weg zurück in den Himmel muss sich jeder Mensch selber erkämpfen. Das Leben in dieser materiellen Welt bietet die Möglichkeit des geistigen Aufstiegs, um die verlorenen Werte und Tugenden wieder zurückzugewinnen.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, nach längerer [Sommer-]Pause wird es euch wieder möglich, mir regelmässig zuzuhören. Ich habe Freunde, die immer anwesend sind, um mir zuzuhören. Ich habe Freunde, die von weit her reisen, um meine Worte zu vernehmen. Ich habe auch Freunde, die von weit her kommen, die sich mit diesem Geistesgut noch nicht so sehr vertraut gemacht haben und das Verlangen hegen, auch einmal anwesend zu sein. Dann habe ich Freunde – ich nenne sie auch meine Freunde –, die eigentlich nur aus Neugierde hierherkommen, um einmal mitzuerleben, wie das so vor sich geht.

Meine Aufgabe am Menschen überhaupt besteht darin, ihm den Sinn des Lebens zu erklären, so gut mir dies möglich ist. Jeder Mensch sollte den Sinn seines Lebens erkennen können. Er kann es aber nicht, wenn er von den Anfängen des geistigen Lebens nichts weiss, sie nicht erkennt. Wer in die Anfänge des Lebens eindringen will, muss diese Welt hier hinter sich lassen.

Wer frommen Herzens, frommer Seele ist, betet zu Gott, zum Schöpfer, zum Vater. Er nennt den Schöpfer “Vater”. Diesen Vater findet er jedoch nicht in dieser Welt hier. Vielmehr betet der Fromme, der Gläubige, zum Vater im Himmel. Damit bezeichnet er den Ort, wo sein Vater wirklich ist. Also muss er diese Welt überspringen, um in jene geistige Welt einzutreten, wo der Vater wohnt und wo auch der Erlöser ist. Denn als Christ weiss er – sollte er wissen –, dass Christus, Gottes Sohn, der Erlöser ist. Man spricht von einer Erlösung, man spricht davon, dass die Menschheit durch Christus mit Gott wieder versöhnt wurde. Daraus geht aber doch hervor, dass es einmal eine Zwistigkeit, eine Unruhe, einen Streit, eine Trennung gegeben hat. Diese fand aber nicht auf dieser Welt statt, sondern im geistigen Reiche – dort, wo alles Leben seinen Anfang genommen hat. Dort hinein muss man mit seinen Gedanken gehen. Von dorther kommt die Antwort.

Will ich dem Menschen Erklärungen bringen, dann muss ich auf diese Anfänge zurückgreifen. Ich muss von den Anfängen des Lebens etwas erklären. Denn sonst stünde ich mitten in einer Darlegung, der die Anfänge fehlen, und so ergäbe sich kein Zusammenhang. Die Anfänge des wahren geistigen Lebens sind jedoch dem Christenmenschen nicht offenbar. Kennt er die Anfänge des Lebens nicht, dann fehlt ihm wahrhaftig vieles, und er kann mit Erklärungen mitten aus dem Zusammenhang heraus nichts anfangen – er versteht solche Erklärungen nicht und wendet sich ab vom Gottesglauben.

Darum ist es für den Christenmenschen eine Notwendigkeit, auch die Anfänge wirklichen Lebens kennenzulernen. Dazu muss er in jene andere Welt eintreten, in die Welt, wo er Gott findet. Mit seinen Sorgen und Problemen sucht er den Weg zu Gott und bittet ihn um Hilfe. Wenn er in Not ist, will er an Gott als den liebenden und hilfreichen Vater glauben. Dieser Vater aller Menschen weilt in der unsichtbaren Welt, in eben jener Geisteswelt, wo das Leben seinen Anfang nahm.

Ich versuche so, den Menschen Gott näherzuführen. Dadurch kann und wird er gläubiger werden. Er kann sich Gott zuwenden. Er erkennt eine Heimat, die für ihn als Mensch zwar nicht greifbar ist, von der er aber als einer beglückenden Zukunft hören darf. Eine herrliche Welt wartet auf ihn – seine wirkliche Heimat. Diese Heimat will alle wieder aufnehmen, denn dorthin, wo alles Leben seinen Anfang genommen hat, kehrt mit der Zeit alles Leben wieder zurück. Die Menschen in dieser Welt sind aber so materialistisch eingestellt, sie haben ein so materialistisches Denken, dass sie nur glauben, was sie sehen und greifen können. Arme Menschen sind sie im Grunde genommen. Für uns ist es eigentlich unfassbar, dass es überhaupt Menschen gibt, die nicht an eine Ewigkeit glauben, sondern meinen, mit dem irdischen Tode wäre alles aus. Solche Menschen werden es nach dem Tode nicht so leicht haben. Denn dann wird jene Geisteswelt auf sie einwirken, und sie müssen erkennen, dass alles anders ist, als sie gemeint hatten. Dann werden sie von Sorgen geplagt – sie fangen an zu überdenken, was sie im Erdenleben wohl falsch gemacht haben; sie denken an die Strafe, die ihrer warten könnte, wenn es wirklich noch eine andere Herrschaft gibt als die weltliche, die von Menschen ausgeübt wird.

Darum muss es möglich werden, dass die Menschen schon auf dieser Welt im Geiste erkennen, dass es ein höheres Leben gibt. Dass in ihnen ein Geist wohnt, der lediglich in einen irdischen Leib eingehüllt ist. Dass aber dieser Leib vergänglich ist, während der Geist zu den Anfängen des wirklichen Lebens zurückkehrt – damit meine ich, dass der Geist des Menschen in die geistige Welt heimkehrt, in die Welt des lebendigen Gottes. Denn im Menschen wohnt ein lebendiger Geist. Dieser Geist verlässt [beim Sterben] ja nur den irdischen Leib, um in seine wahre Heimat zurückzukehren.

Menschen werden von Sorgen und Nöten geplagt. Es mag sein, dass diese Sorgen nur die Folge einer falschen Lebensweise sind. Es kann aber auch sein, dass die Geisteswelt jene Menschen so durchs Leben führt, wie sie es verdienen. Dann erleben sie das Leben auf dieser Welt als vom Schicksal, von Krankheit oder von sonstigen Sorgen und Nöten geplagt.

Auf solche Probleme kann man eine Antwort finden. Es geht aber viel mehr darum, den Menschen in dieser Welt Zuversicht, Trost, Hoffnung zu bringen – Hoffnung auf ein besseres Leben. Freilich muss man für dieses bessere Leben einiges schon im irdischen Leben vollbringen.

Ihr seid Christen und feiert die christlichen Festtage. Ihr kennt die Evangelien, und die Gleichnisse, die Belehrungen, welche Christus gegeben hat, sind euch bekannt. Bekannt sind sie euch – doch sie in Wirklichkeit zu verstehen und zu deuten vermag man nur, wenn man auf die Anfänge des geistigen Lebens zurückgreift. Dann wird man so manche Antwort erhalten. Manches von dem, was einem bis dahin fremd geblieben war, wird dann verständlich.

Christus, der Sohn Gottes, der Erlöser der Menschheit, spielt eine Rolle von alles überragender Bedeutung. Eine bedeutende Rolle spielen aber auch seine Worte, die er der Menschheit gegeben hat, die von ihr aber nicht ohne Weiteres verstanden werden. Es gilt, auf die Worte zu horchen, mit denen Christus verkündet hat, der Geist der Wahrheit werde kommen (Joh. 14, 16–17; 15, 26; 16, 13). Diese Worte muss man erklären, auslegen, deuten. An diese Worte muss man glauben, ihnen muss man nachgehen.

Man sollte sich auch überlegen, auf welche Weise die christliche Lehre verbreitet und ausgelegt worden ist – was man aus den Worten gemacht hat, die Christus sinnbildlich gesprochen hatte. Fragen soll man sich, ob jene Menschen, die meinten, diese Worte auslegen zu können, wahrhaftig von einem Geist Gottes inspiriert gewesen sind. Denn würde der Glaube auf Wahrheit beruhen, dann hätte er auch Bestand, und die Menschen würden um Frömmigkeit ringen, um Gott wohlgefällig zu werden. Sie trügen in sich das Verlangen, Gott nahezukommen, ihm nahe zu bleiben, wenn man es verstanden hätte, den christlichen Glauben in seiner Wahrheit zu verkünden.

Ich habe im Laufe der Zeit versucht, in dieser Hinsicht so manches zu offenbaren. Ich versuchte, die Himmelswelt zu öffnen und euch verständlich zu machen, auf welche Weise man diese andere Welt erlebt und was man von ihr erwarten darf. Ich habe erzählt, wie Geister Gottes bereit sind, den Menschen auf seinem Lebensweg zu begleiten, ihm zu dienen, den Gläubigen zu inspirieren, ihn vom Bösen abzuhalten, ihn auf den Weg der Wahrheit zu bringen. Geister Gottes geben sich mit dem Menschen ab. Sie befassen sich mit jenen Menschen, die sie für würdig halten, weil sie erkennen, dass es sich bei ihnen um wirkliche Diener Gottes handelt, die auf dem rechten Weg wandeln. An solchen Menschen sind Geister Gottes sehr interessiert. Aber fast immer, zumindest grösstenteils, haben die Menschen von sich eine zu gute Meinung. Sie vermeinen, das Recht zu haben, sich selbst auf ein Podest zu stellen, weil sie sich für gut halten. Was aber gut ist, darüber entscheidet die Geisteswelt Gottes.

Wo die Geisteswelt Gottes mit einem Menschen in inniger Verbindung steht, versucht sie, ihn in der Wahrheit zu führen. Sie gewährt dem Menschen Schutz. Doch nicht der Mensch entscheidet, wo sich ein Geist Gottes einfindet. Gottes Geister gehen da hin, wo sie es für gut befinden. Heisst es doch: “Der Geist Gottes weht, wo er will” (Joh. 3, 8). Darüber bestimmen nicht Menschen, sondern die Geisteswelt Gottes sucht sich ihre Wege selbst.

Ich habe in letzter Zeit versucht, euch Worte und Gleichnisse Christi zu erklären. In diesem Zusammenhang muss ich wiederholen, dass Christus gewisse Redewendungen immer wieder gebraucht hat. Er äusserte sie an verschiedenen Orten und bei verschiedenen Gelegenheiten. Manchmal hat auch das, was er öfters erklärte, nicht immer dieselbe Bedeutung gehabt. Ich will nur ein Beispiel herausgreifen. Einerseits hat Christus gesagt: “Wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen” (Joh. 7, 34; 8, 21; 13, 33). Bei einer anderen Gelegenheit sagte er: “Wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen” (Joh. 14, 3 und 17, 24).

Menschen, die die Geistlehre nicht kennen, finden hier einen Widerspruch, oder sie versuchen, diese Worte Christi irgendwie auszulegen. Dabei hat Christus diese Worte doch bei zwei ganz verschiedenen Gelegenheiten und in ganz verschiedenem Zusammenhang gesagt.

Als Christus sagte: “Wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen”, wies er darauf hin, dass er in die Unterwelt, in die Hölle, hinabsteigen würde. Dorthin konnte er weder seine Zuhörer noch seine Jünger mitnehmen. Wie bedeutungsvoll sind heute für einen gläubigen oder einen suchenden Menschen diese Worte: “Wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen.” Damit deutete er auf jene Zeit hin, da er vor Luzifer stehen und mit ihm den Kampf ausfechten würde, um ihm für die Zukunft seine Bedingungen aufzuerlegen. Für den Christenmenschen ist es doch etwas so Bedeutungsvolles, aus diesen Worten die Bestätigung entnehmen zu können, dass Christus einen Auftrag hatte, den er an ebenjenem Orte erfüllte, von dem er sagte: “Dorthin könnt ihr nicht kommen.”

Bei einer anderen Gelegenheit hingegen hatte Christus darauf hingewiesen: “Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen” – also in die himmlische Welt hinein, heim zum Vater, dahin, in jene Welt, in der alles Leben seinen Ursprung hat. In jene Welt, in der man Glückseligkeit erlebt, in der Friede herrscht – dorthin sollt ihr kommen.

Freilich deutete Christus auch darauf hin, dass er den Weg bereiten müsse, der den Eintritt in diese Glückseligkeit ermögliche. Doch für die Menschen von dazumal waren diese Hinweise Christi so schwer verständlich wie für die Menschen von heute. Dabei sind die Menschen von heute doch nicht mehr so schlichten Gemütes und von so bescheidenem Denken, wie es damals der Fall war. Die Menschen von heute sind kritisch, sie überlegen. Dadurch sollte es ihnen doch auch möglich sein, die Gründe für all dies zu erkennen. Diese Erkenntnis würde für sie von hohem Nutzen und grosser Bedeutung sein. Denn in den Evangelien findet man immer wieder die Bestätigung für jenes andere, für das wirkliche Leben. Auch wenn viele Bibelstellen nicht mehr ihren ursprünglichen Sinn haben, weil dieser durch die Übersetzungen verfälscht worden ist, so ist trotzdem noch viel Wahrheit in der Heiligen Schrift erhalten geblieben.

Des Öftern wiederholte Christus: “Ich bin das lebendige Brot. Ich bin das lebendige Wasser. Wer an mich glaubt, der wird leben, obgleich er stürbe.” (Joh. 6, 35; 4, 10; 11, 25.) Wissen muss man, was damit gemeint ist. Glauben an Christus haben heisst, dereinst aufgenommen zu werden von den Getreuen, von den Engeln Gottes – von jenen, die im Auftrage Gottes und Christi handeln. Wer als Mensch auf dieser Erde, obwohl er von jener anderen Welt so weit entfernt ist, seinen Glauben besitzt, die Wahrheit gefunden hat und sich nach dem Willen Gottes ausrichtet, der findet Aufnahme. Er tritt in eine glückselige Welt ein. Mit Freuden und Jubel wird er empfangen. Sein Haus, in dem er wohnt, wird ein Haus des Glückes und des Friedens sein. Dort geht er aus und ein, dort ist er wahrhaft glücklich.

Auf dieser Welt ist der Mensch weit, weit vom Schöpfer entfernt; weit entfernt ist er von Christus und seinen Geistern, die ihm treu ergeben sind. Doch es gilt, Glauben zu haben und sich nach ihnen auszurichten. Ein solcher Mensch wird es dereinst nicht zu beklagen haben. Denn er kehrt nach seinem irdischen Tode ja in die Geisteswelt ein, in seine wirkliche Heimat. Als Geist kehrt er zurück in diese für den Menschen unsichtbare Welt, wo das Leben seinen wahren Anfang nahm. Seinen irdischen Körper überlässt er der Vergänglichkeit, doch das, was in ihm lebendig ist, tritt ein ins lebendige Reich Gottes.

Für diesen Glauben, für diese Wahrheit kämpfen wir Geister Gottes. Wir kämpfen, weil selbst fromme und gläubige Menschen nichts von Geistern Gottes hören wollen. Es ist ihnen fremd, dass ein Engel auch ein Geist ist. Von Engeln darf man reden, nicht aber von Geistern. Hieraus erkennt man, wie es um das Wissen und die Erkenntnis des Menschen bestellt ist. Ein Engel ist ein Geist. Gott ist Geist – man soll ihn in der Wahrheit und im Geiste anbeten. Christus ist Geist. Zu ihm, in sein Reich, will man doch zurückkehren – in das ewige Leben. So sind die Menschen eben voller Widersprüche, und darum ist es auch meine Aufgabe, es dem Menschen verständlich zu machen. Verständlich machen kann man es ihm aber nur, wenn man sich mit vielen Dingen auseinandersetzt und dabei zu erklären versucht, welchen Sinn die Worte Christi gehabt haben und was sie bedeuten.

Etwas, was gläubige Christen auch ständig durcheinanderbringen und nicht zu unterscheiden vermögen, betrifft die Zeit, auf welche sich die Worte Christi bezogen. Er hat Worte gesprochen, die für die Gegenwart bestimmt waren. Er gab Belehrungen und Gleichnisse, die für die nähere und fernere Zukunft galten. Dann hatte Christus aber auch Erklärungen gegeben, die für alle Zeiten gültig waren und sein werden. Es gilt also, auseinanderzuhalten, was für die Gegenwart bestimmt war, in der Christus lebte und für die diese Worte ihre besondere Bedeutung und Gültigkeit besassen; zum andern das, was an seinen Gesprächen und Auslegungen für die nahe und ferne Zukunft von Bedeutung, Wichtigkeit und Notwendigkeit war, und schliesslich solche Herrenworte, die für alle Zeiten gültig sind.

“Ich bin bei euch bis an der Welt Ende”, sprach Christus (Mat. 28, 20). Diese Worte sind zeitbedingt. Denn diese Welt hat eine Aufgabe, eine Entwicklung, die zeitbedingt ist. Das Ende der Welt ist dann gekommen, wenn die Herrschaft der Welt beendet ist, also wenn jener, der über diese Welt regiert und seine Herrschaft ausübt [Luzifer], keine Möglichkeit mehr besitzt, sie zu regieren. Mit diesem Ende der Welt ist also keineswegs der Untergang der Welt gemeint, sondern damit ist das Ende der Herrschaft des Bösen gemeint. Dies wird dann so weit sein, wenn sich alle Menschen geistig so vorwärts- und aufwärtsentwickelt haben, dass sie nach ihrem irdischen Tode bei der Rückkehr in das geistige Reich dort verweilen dürfen und nicht mehr zur Erde zurückkehren müssen. Die Worte Christi – was er mit dem Ende der Welt meinte – muss man also richtig verstehen.

Als Christus die Worte sprach: “Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen”, galten diese für die damals gegenwärtige Zeit, in der Christus lebte. Damit deutete er auf etwas hin, was er erst noch in Ordnung bringen wollte.

Wenn er dann aber sagte: “Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen”, galten diese Worte für die nahe und die ferne Zukunft, nämlich für die Menschen dieser Welt.

Solches muss man unterscheiden von jenen Worten Christi, die für alle Zeiten Gültigkeit haben. Für alle Zeiten gilt sein Wort “Ich bin das Licht des Lebens” (Joh. 8, 12).

In der Schrift wird auch gesagt, Gott habe für die gefallenen Engel keine Schonung walten lassen (2. Pet. 2, 4). Dies heisst aber doch, dass sie, die aus den Himmeln gestürzt worden waren, eben einst Engel gewesen sind. Des Weiteren ist dort gesagt, sie seien in die Unterwelt hineingestossen worden, um sie dort für das Gericht zu verwahren. Auch dieses hat einen zeitlichen Bezug und ist von vielsagender Bedeutung. Wenn Gott, wie es heisst, gegen die gefallenen Engel keine Schonung geübt hat, so bedeutet dies doch, dass die aus den Himmeln Gestürzten eben einst Engel waren, die aber jetzt in der Unterwelt zu leben und auf das Gericht zu warten hätten. Wer darüber etwas nachdenkt, findet die Übereinstimmung mit den Erklärungen, die ich gegeben habe. Denn das Gericht – das Letzte Gericht – wurde eben dort unten gehalten. Wenn es heisst, sie seien dort für dieses Gericht aufbewahrt worden, so könnte man auch sagen: Sie wurden dafür zurückgestellt.

Wer etwas geistige Erkenntnisse besitzt, wird sich auch darüber klar, dass Christus, als er Luzifer seine Bedingungen stellte, doch nicht einfach die Hölle entleeren konnte. Wohl hat er willige Geister mitgenommen, sodass sie mit ihm aus der Hölle aufsteigen konnten, und es gab auch willige Geister, die darauf schon in der oberen Stufe der Hölle gewartet hatten.

Um nicht falsch verstanden zu werden, muss ich dies deutlich erklären. Geistige Wesen hatten sich einst [beim Abfall] auf so verschiedene Art und Weise schuldig gemacht. Je nach ihrer Schuld waren sie vom Gesetz erfasst und bestraft worden und nahmen sie einen dementsprechenden Platz [in der Hölle] ein. Wer sich aufs Schwerste vergangen hat, muss dort lange warten – so lange, bis die Geisterwelt Gottes es für gut befindet, über diesen und jenen Gericht zu halten, sodass er jetzt seinen geistigen Aufstieg antreten kann. Das Gesetz bestimmt die Zeit, während welcher die Bewohner der Hölle dort zu verbleiben haben. Wenn es dann so weit ist, werden sie herausgeholt und gefördert. Auch dies muss man wissen.

In den Worten [des Petrusbriefes] “Für das Gericht werden sie aufbewahrt” ist Wahrheit. Warten müssen die Gefallenen, bis für den einen und anderen die Zeit gekommen ist, dass man es für gut befindet, ihn herauszunehmen. Das Urteil ist doch nicht ein und dasselbe für alle, sondern verschieden ist die Strafe ausgefallen.

Die Gesetze, die in diesen Bereich hineingetragen wurden und nach denen Gericht gehalten wurde, gingen streng nach Ordnung und Gerechtigkeit. Ein jeder musste das erleben, was er sich durch seine Einstellung von einst verdient hatte. Alles hing ab von seinem Ungehorsam, von seiner Tätigkeit einst in der himmlischen Welt, als es darum ging, Christus seinen Platz streitig zu machen. Nicht alle waren gleich verschuldet. Auch bei euch ist es ja so, dass, wer gerichtlich belangt wird, je nach seinem Verschulden verurteilt wird. Ist das Verschulden gross, ist es auch die Strafe. Ist das Verschulden gering, wird er auch wenig bestraft. So ist es auch in der Gotteswelt.

Hätte man in der christlichen Lehre diese Wahrheit den Menschen von allem Anfang an offenbart, stünde es heute anders um den Glauben. Die Menschen möchten glauben, aber sie finden nicht die Kraft dazu, es fehlt ihnen an Einsicht, sie wollen überzeugt werden. Was wir dem Menschen zurufen, ist: Ein jedes kann selbst etwas dazu tun, um zu höheren Erkenntnissen zu gelangen. Der Mensch soll Gott darum bitten, dass er ihm Kraft zu höherer Erkenntnis zufliessen lässt. Auch um ein gütiges Herz soll der Mensch Gott bitten. Er soll darum bitten, dass er die Kraft in sich aufbringt, dem Mitmenschen mit Verständnis für seine Probleme und Nöte zu begegnen. Immer soll der Mensch versuchen, im Nächsten das Gute zu sehen, gegen sich selbst aber sehr kritisch zu sein. Gut mit dem Mitmenschen – streng mit sich selbst. So schafft der Mensch der Geisterwelt die Möglichkeit, sich ihm zu nähern, ihn zu führen und ihm das zukommen zu lassen, um was er bittet. Im Vaterunser heiligt er Gott, den Vater, und bittet um Vergebung seiner Schulden, indem er zugleich verspricht – verspricht! –, dem andern zu vergeben.

Liebe Geschwister, Gott entgegenzugehen, Gott nahezukommen, das ist wohl der Wunsch eines jeden gläubigen, auf Gott hin ausgerichteten Menschen. Vermag er dies, dann wird auch seine Gesinnung edel und vornehm. Lobt die Mitwelt einen Menschen seiner vornehmen Gesinnung wegen, dann steht dieser bestimmt auf einer erhöhten Geistesstufe.

Gott und Christus sind in der Gesinnung eins miteinander. Sie sind bereit, Liebe zu geben. Sie sind bereit zu verzeihen. Sie sind bereit, aufzunehmen, den Menschen Segen zu geben. Sie sind gütig und voll der Liebe. Aber in allem, in aller Liebe, in allem Frieden, waltet Gerechtigkeit. Auch in der Liebe Gottes kommt die Gerechtigkeit zum Ausdruck.

Liebe Geschwister, ich habe euch heute Abend so manches gesagt. Versucht, darüber nachzudenken. Versucht, über den Sinn eures Lebens nachzusinnen. Versucht, im Geiste dahin einzukehren, wo alles Leben seinen Anfang genommen hat. Tut ihr dies, so macht ihr einen grossen Schritt vorwärts – und dieses ist doch der Wunsch der Geisterwelt Gottes.

Gottes Segen möge über euch alle kommen. Gesunden sollt ihr, wer da krank ist, sei es an Leib oder Seele – im Herzen, in der Seele, in seinem Gemüte nach oben ausgerichtet. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 3.9.1977 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)

Heft 1/2025
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm