Verstorben bei einem Autounfall

 

Was geschieht mit uns nach dem Tod? Diese Frage beschäftigt den Menschen seit jeher. Antwort darauf können jene geben, die die Schwelle vom Diesseits zum Jenseits bereits überschritten haben. Der folgende Erlebnisbericht stammt von einer Verstorbenen namens Kathrin. Sie schildert auf medialem Weg, was sie nach ihrem Abscheiden von der Erde in der Jenseitswelt erlebte.

 

Kathrin: Ich habe den Auftrag, zu euch zu reden. Ich schildere meinen Weggang von dieser Welt und meine Eindrücke in der ersten Zeit meiner Einkehr.

Ich bin eines plötzlichen Todes von dieser Welt abberufen worden. Zum Wochenende fuhr mein Mann mit mir und beiden Kindern weg, und da ereignete sich das folgende Unglück: Wir waren auf einer Hauptstrasse gefahren, und es war nicht allzu lange Zeit verstrichen seit unserem Weggang von zu Hause, da kam mit grosser Wucht ein Auto auf uns zu. Ich erinnere mich noch an die Worte meines Mannes, der sagte: “Mensch, was is’ in dir gefahren!?” Ganz aufgeregt sahen wir das Unglück, das auf uns zukam, denn in rasendem Tempo fuhr dieser Wagen auf uns zu. Und wir, das heisst mein Mann, sah keinen Ausweg – es ging so rasch, und schon war der Zusammenstoss da. Mehr wusste ich nicht, ich hatte noch die letzten Worte meines Mannes vernommen, die ich eben gesagt habe. Dann war Folgendes geschehen: Meine kleine Tochter, die auch Kathrin hiess, und ich waren sofort tot. Das andere Kind hiess Lisbeth, und mein Mann hiess Wilhelm – mein Mann war schwer verletzt, Lisbeth hatte keine Verletzung.

Nun, als Erstes hörte ich die Worte, die um uns oder um mich gesprochen wurden – sehen konnte ich aber nichts, ich vernahm nur, dass es hiess: “Die beiden sind tot. Das grössere Kind ist unverletzt, und der Mann scheint schwer verletzt zu sein.” Das hörte ich und noch vieles Weitere; aber ich kann mich dieser Worte nicht mehr so genau erinnern. Aber ich hörte auch, wie man sagte: “Es ist am besten, man führt sie gleich ins Leichen­haus.” Da konnte ich meine Augen auftun – denn zuerst hörte ich nur, aber ich sah nichts. Als sich meine Augen auftaten, erschrak ich. Ich lag ja auf einer Bahre, leblos, und etwas entfernt die kleine Kathrin. Ich war noch in gebückter Stellung, und plötzlich fühlte ich mich von Händen betastet, die mich aufrichteten. Dann aber hörte und sah ich, wer um uns war: Es war die Polizei da und die Sanität, es waren Wagen da, es waren Leute da, und immer hörte ich: “Die beiden sind tot.” Und dann sagte ich: “Nein, ihr meint doch nicht mich, ich bin doch nicht tot”, und ich wiederholte immer: “Ich bin doch da, ich bin doch nicht tot!”

Da sprach mich eine Gestalt an, die mir fremd war und die, wie es mir schien, nicht zu den Leuten gehörte, die um mich waren; denn sie sah nicht so menschlich aus wie die andern. Diese Person sagte zu mir: “Doch, du bist gestorben, du bist umgekommen. Du siehst ja deinen Leib hier, er ist tot.” Ich erwiderte: “Das stimmt doch nicht, ich bin doch da, ich lebe doch.” Und da sah ich auch das Kind, und man sagte mir: “Siehst du, auch die kleine Kathrin ist tot.” Ich antwortete: “Es ist unmöglich, das kann doch gar nicht stimmen, denn ich bin da, und ich lebe – was wollt ihr denn behaupten, dass ich tot bin.”

Da sah ich aber, wie man meinen Körper in das Auto einlud und dazu noch die kleine Kathrin, und ich stand noch an Ort und Stelle. Ich sah den Wagen wegfahren, und ich sah auch, wie man meinen Mann wegfuhr. Ich blieb noch lange Zeit an diesem Unglücksort. Aber dann allmählich waren die Leute weggegangen, und ich stand noch allein da. Dann wurde es mir doch bewusst: “Ja, du bist doch umgekommen.” Ich erinnerte mich ja: Da war ein Auto auf uns zugekommen, und wir waren ja sehr beunruhigt darüber. Aber ich konnte es nicht fassen, dass ich tot sein sollte, da ich ja anwesend war, da ich ja sprechen konnte. Wie sollte ich denn tot sein? Das konnte ich nicht verstehen. Dann klärte man mich auf: “Dein Geist ist aus deinem Leib entwichen. Dein Leib wird der Erde übergeben; aber die Seele, das, was dich lebendig macht, das kehrt ins Reich der Lebendigkeit zurück.” Dann sagte ich: “Lasst mich doch, ich möchte wissen, wie es meinem Manne ergeht, ich will zu meinem Mann.” Man antwortete mir: “Wenn es dir beliebt und du deinem Manne folgen willst, kannst du das tun.” Und ich erklärte: “Wenn ich wirklich tot bin, dann muss ich mich auch um die Zukunft meines Mannes kümmern”, und ich folgte dann den Spuren des Autos und fand ihn im Spital.

Ich kümmerte mich auch um Lisbeth, und ich überlegte: “Was geschieht nun mit Lisbeth?” Da musste ich feststellen, dass meine Schwester sich ihrer annahm. Meine Schwester nahm die Lisbeth zu sich, und sie waren sehr traurig und weinten, weil ich und die kleine Kathrin gestorben waren. Ich begab mich in das Haus meiner Schwester und wollte sehen und hören, was alles vor sich ging. Und so erlebte ich dann auch meine eigene Beerdigung. Nun kehrte ich zeitweise ins Krankenhaus zurück, zeitweise ins Haus meiner Schwester.

Und da musste ich immer wieder zum Friedhof gehen, wo mein Grab war. Man hatte die kleine Kathrin und mich in dasselbe Grab gelegt. Ich sah nun, wie die Leute von Zeit zu Zeit oder regelmässig immer wieder die Gräber ihrer Angehörigen aufsuchten. Und da wartete ich auch darauf, wer denn kommen würde und jetzt einen Besuch bei meinem Grabe machen würde. Es kam meine Schwester, aber sonst waren es nur wenige. Meine Eltern kamen auch dann und wann, aber nicht so oft. So zog es mich immer wieder in das Spital, wo mein Mann lag. Mich bekümmerte so sehr seine Zukunft, aber es plagte mich auch, was mit meiner kleinen Lisbeth geschehen sollte. Und ich weinte und klagte.

Als ich da wieder auf dem Friedhof war, kam mir ein fremdes Wesen entgegen und bat mich, ich möchte doch jetzt diesen Ort verlassen; ich sollte jetzt ins ­geistige Reich eintreten, wo ich auch hingehöre. Dann sagte ich, ich würde gerne dahin mitkommen, doch ich hätte auf Erden ja noch Aufgaben zu erfüllen. Ich war aber von grosser Unruhe geplagt; ich wusste nicht recht, was ich tun sollte. Sollte ich nun diesem Wesen Gehorsam leisten? Ich überlegte: “Ja, ich kann ja mal mit ihm gehen.” Und so ging ich mit diesem Wesen. Es führte mich nun an einen für mich ganz fremden Ort, und es fragte mich: “Möchtest du dich denn nicht um deine kleine Kathrin kümmern?” Ja gewiss, das war auch mein Wunsch, ich wollte wissen, wie es der kleinen Kathrin ergeht. Aber ich war so voller Unruhe. Das eine Mal sagte ich, dass ich zur Kathrin gehen möchte, das andere Mal wollte ich zu meiner Schwester, wieder ein anderes Mal zu meinem Manne – ich war einfach durcheinander, ganz unruhig.

Das sah dieses Wesen und bot mir an, ich möchte ihm folgen in sein Haus. Dort könne ich mich etwas ausruhen und etwas stärken; in der Zwischenzeit würde sich vieles beruhigen, und für die Gesundung meines Mannes werde von der geistigen Welt schon gesorgt; seine Verletzungen seien nicht lebensgefährlich, und der kleinen Lisbeth würde es auch gut ergehen – ich müsse mich nun unbedingt mit den neuen Verhältnissen abfinden. Dann sagte ich: “Ja, das will ich.” Aber es zog mich doch immer wieder in meine Wohnung auf Erden zurück. Ich glaubte, ich müsste dort zum Rechten sehen, obwohl mein Mann nicht zu Hause war – er lag immer noch im Spital.

Da begleitete mich ein für mich fremdes Wesen und gab es mir immer mehr zu verstehen, dass es eigentlich sinnlos sei, dass ich mich noch mit diesen Dingen ­befasse. Es seien genügend höhere Geistwesen da, die jetzt um das zukünftige Leben meiner Hinterbliebenen besorgt sein werden. So liess ich mich dann wieder überreden, und dieses Wesen führte mich dann zu meiner kleinen Kathrin, dahin, wo sie lebte.

Nun hatte ich erwartet, dass die kleine Kathrin, wenn sie mich zum ersten Mal wieder sehen würde, sofort nach mir rufen und nach mir verlangen würde. Aber sie lächelte nur, als sie mich sah, und nahm weiter keine besondere Notiz von mir. Ich war darüber enttäuscht. Sie war doch mein Kind, und ich erwartete, dass es seine ganze Anhänglichkeit mir gegenüber zeigte. Ich stellte aber auch fest, dass das Haus und die Umgebung, wo das Kind lebte, sehr schön waren und dass es ihm und allen andern, die hier lebten, wahrhaftig an nichts fehlte. Sie hatten so viele Dinge zum Spielen, und es waren sehr vornehme Wesen da, die sich mit all diesen Kindern unterhielten. Sie sangen, spielten und musizierten mit ihnen. Die Kinder trugen farbenprächtige Kleidchen, hatten Blumenkränzchen um ihre Köpfchen, die häufig auch zum Spiele angezogen wurden. Und meine kleine Kathrin war ganz begeistert von dieser grossen Abwechslung an Spielen und Spielsachen, die da geboten wurden, sodass sie kein besonderes Verlangen nach ihrer Mutti hatte. Sie freute sich an diesen schönen Wesen, die mit ihr spielten. Diese schönen Wesen waren ebenfalls ganz bunt angezogen. Nach meiner Auffassung war es zu bunt, ich hielt es für etwas geschmacklos; aber es war ja eben eine andere Welt. Diese Wesen hatten zum Teil auch Schmuckstücke an den Armen und waren mit farbigen Bändern geschmückt, der halbe Arm und die Beine waren geziert damit, und auch um den Hals trugen sie Ringe. Die Kleinen, die da spielten, hatten an diesen Spielgefährten oder Pflegerinnen die grösste Freude.

Meine Kathrin war vier Jahre alt, aber da hatte es auch jüngere Kinder. Mit diesen Kleinen spielten diese nach meiner Auffassung allzu bunt gekleideten Wesen. Diese Pflegerinnen waren ganz auf sie abgestimmt, sie waren so zärtlich und so liebevoll. Und diese Kinder – nur die Kleineren durften es – zogen ihnen die Bänder ab, nahmen die Ringe von den Armen, von den Beinen und spielten selbst damit. Also musste ich dann erkennen, dass diese bunte Aufmachung eigentlich als Spiel für die Kleinen gedacht war. Da konnte ich mit der Zeit auch verstehen, warum diese Kleinen keine Sehnsucht mehr nach ihrer Mutti hatten, denn es wurde ihnen ja so viel Abwechslung, so viel Spielzeug geboten. Es waren auch kleine Tiere da, die ihnen zur Verfügung standen und die sogar mit ihnen spielten. Und so schienen diese Kinder eben überglücklich zu sein, und es wurde mir verständlich, dass meine kleine Kathrin keine Sehnsucht nach ihrer Mutti hatte.

Ich sah also, Kathrin war wohlversorgt; sie hatte ein solch schönes Leben in so schöner Gesellschaft und genoss auch eine gute Erziehung. Dieses ist mir ganz besonders aufgefallen: die so angenehme Atmosphäre. Es war hier kein Hasten, kein Unwille, es ging alles so ruhig, ja gemütlich, so friedvoll – es war so, als würde die Zeit überhaupt keine Rolle spielen. So konnten diese Kleinen in Frieden gedeihen und wachsen, sie hatten wahrhaftig den Engelsfrieden um sich. Also musste ich mir um Kathrin keine Sorgen machen. Aber meine Sorge galt doch der Lisbeth und meinem Mann.

Ich glaubte nun, es wäre meine Aufgabe, eine Frau für Wilhelm zu suchen, denn Lisbeth musste doch wieder eine Mutti haben. Und so ging ich wahrhaftig auf die Suche. Ich erinnerte mich an meine Freundin – sie hatte eine Schwester, und ich glaubte, diese Schwester könnte eine Frau für Wilhelm sein. Aber ich musste feststellen, dass diese betreffende Person schon einen Bräutigam hatte. Und nun glaubte ich, diese beiden auseinanderbringen zu dürfen, denn ich war so egoistisch. Dazumal sah ich dies natürlich nicht ein, denn mir ging es nur um meine Familie, um meinen Mann, um mein Kind. So glaubte ich, dass die Schwester meiner Freundin die richtige Person wäre.

Dann versuchte ich, mich einmal an diesen Bräutigam heranzumachen. Wie man das macht, habe ich andern Geistwesen abgeschaut. Ich habe mich ja in diesem Erdenreich auch umherbegeben, bin von einem Ort zum andern gegangen, zu meinen Bekannten, und ich habe mich in der Stadt umgeschaut. Ich wollte mich ja überzeugen, ob ich wirklich gestorben war, ­indem ich feststellen wollte, wie es denn die andern machten – ob sie alle so gehorsam wären und jetzt als Geist im geistigen Reiche lebten oder ob sie nicht auch das Verlangen hätten wie ich, zu sehen, was sich auf der Erde abspielt, und zum Rechten zu schauen.

Da erlebte ich viele Dinge, und ich wollte mich in all diesen Dingen auch vergewissern. Ich sah also allerlei, ich sah böse Gestalten mit einem bösen Einfluss auf den Menschen – sie näherten sich ihm und suchten ihn zu beeinflussen, für eine bösartige Idee zu gewinnen. Ich sah, wie diese Böswilligen den Menschen vom rechten Wege abbringen wollten und es auch taten. Anderseits sah ich aber auch die vornehmen Wesen, die ­Engelsgestalten, die sich dem Menschen näherten. Sie ­näherten sich ihm gerade dann, wenn einer von den Böswilligen so lange bei einem Menschen verweilte und auf ihn eingeredet hatte. Da kam der Engel und mahnte den Menschen und versuchte, ihm die üblen Gedanken auszureden. Da sah ich, wie ein Mensch manchmal unsicher wurde und wie er – wie es in der menschlichen Sprache heisst – ein schlechtes Gewissen bekam. Denn das eine Mal tat er das, was der Bösartige ihm zuflüsterte, dann kam der Gute, sprach es ihm aus, und dann wusste er nicht: “Soll ich dieses, soll ich jenes?” Er war in Unsicherheit geraten. Da stellte ich fest, dass es eigentlich immer auf den Menschen selbst ankam. Er musste immer entscheiden, zu was er sich entschliessen wollte. Es schien mir genau so, wie wenn Menschen zusammen sind und der eine dieses sagt, der andere das Gegenteil, und da weiss der dritte eigentlich nicht, wem er Glauben schenken soll, was recht und was unrecht ist, und er am Schluss selbst die Entscheidung treffen muss, was er glaubt, was richtig ist oder was er tun muss. Genauso machten es die Geistwesen: Sie sprachen auf den Menschen ein und beeinflussten ihn, doch die Entscheidung lag immer beim Menschen selbst.

Dann machte ich die Feststellung, dass es ja immer darauf ankam, zu was der Mensch neigte, wie sein ­Wesen war. Das hatte ich genau beobachtet, denn ich wollte meine Lehren daraus ziehen; ich wollte ja etwas erreichen. So beobachtete ich diese Dinge und sah, dass die einen Menschen gutgläubig waren und sich rasch überreden liessen, während andere willenlos waren. Ich sah aber auch welche, die starrköpfig waren. Ich sah, wie Engel Gottes auf solche Menschen einredeten und versuchten, sie zu überzeugen, und wie deren Starrköpfigkeit es nicht zuliess, das, was ihnen gesagt wurde, anzunehmen. So konnte man auf der ganzen Lebenslinie eines Menschen ein und dieselbe Beobachtung machen. Wenn ein Mensch zum Beispiel eine gewisse Grosszügigkeit in allen Dingen zeigte, so konnte ein Geist mit dieser Grosszügigkeit rechnen – dass, wenn er diesen Menschen für etwas gewinnen konnte, dieser auch hierin die Grosszügigkeit zum Ausdruck brachte. Also kam es immer auf die eigene Art, auf das wahre Wesen des Menschen an. So versuchten denn die Geister, ihnen eben zuzusprechen – das taten die guten wie die bösen. Die guten versuchten, jemanden von seiner Meinung abzulenken, abzubringen, wenn diese falsch war; und die bösen versuchten das Ihre, wenn sie sahen, dass ein Mensch dazu neigte, eben das Gute zu tun, das Gute zu fördern.

Ich habe nun mit der Zeit festgestellt, wie man vorzugehen hat, um Menschen zu überzeugen, um sie für eine Idee zu gewinnen. Ich war aber nicht die Einzige, die Menschen diese Aufmerksamkeit schenkte, um die Lehren daraus zu ziehen. Andere taten es auch – und jeder, der das tat, hatte in irgendeiner Weise etwas im Sinn und wollte es für seinen persönlichen Vorteil ausnutzen. Und so kannte ich ja auch das Wesen meines Mannes, und ich glaubte, dass er wohl beeinflussbar wäre.

Zuerst aber versuchte ich einmal, zwischen den beiden Brautleuten Unfrieden zu stiften, denn ich wollte sie auseinanderbringen. Die Schwester meiner Freundin sollte die Frau meines Mannes werden, und da konnte ich diese beiden nicht in der Harmonie und in der Liebe unterstützen. So habe ich eine verbotene Taktik angewandt, weil ich glaubte, dass es zu meinem persönlichen familiären Vorteil wäre. Dann aber, als ich darangegangen war, diesen Mann mit Eifersucht zu erfüllen und dafür zu sorgen, dass er seiner Braut Vorwürfe machte, da wurde ich gemahnt, dass sich dieses nicht gehöre. Es sei weder gerecht noch sei es meine Aufgabe, so etwas zu tun, und ich würde bestraft werden, wenn ich so eine Ungerechtigkeit begehe. Ich hätte nicht das Recht, zwei Menschen, die in Harmonie miteinander lebten, mit Gewalt auseinanderzubringen und zu beeinflussen. Wenn ich ein guter Geist wäre, würde ich das nicht tun. Wenn ich nun trotz der Mahnung meinen Einfluss weiter geltend mache, dann würde mir der Weg zum Kinderparadies, zu meiner kleinen Kathrin, künftig gesperrt.

Dann klagte ich und sagte, ich müsste unter allen Umständen eine Frau für meinen Mann suchen. Man belehrte mich aber, dass das nicht meine Angelegenheit sei. Mein Mann werde selbst eine Frau suchen, ohne mich. Ich beharrte auf meiner Meinung, doch ich sagte: “Gut, ich will diesen Verlobten nicht weiter belästigen und beeinflussen.” Aber sooft es mir möglich war, hielt ich mich in der Nähe der beiden auf. Es war mir wohl bewusst, dass ich meinen Einfluss auf sie nicht geltend machen durfte, aber ich glaubte doch, dass es irgendwie Gelegenheit gebe, meinen Mann auf die Schwester meiner Freundin aufmerksam zu machen. Und so habe ich mich dann mit meinem Mann beschäftigt. Ich habe sein Denken beeinflusst, ich habe ihm immer wieder in Erinnerung gerufen, er solle doch an die Schwester meiner Freundin denken. Ich versuchte es auf diese Weise und glaubte, damit nichts Unrechtes zu tun. Aber ich musste feststellen, dass mein Mann gar kein Interesse an der Schwester meiner Freundin hatte. Wohl dachte er durch meine Kraft und Beeinflussung an sie, aber nicht mit dieser Absicht, wie ich sie hatte.

Dann kam die Zeit, da mein Mann aus dem Spital entlassen wurde. Er hatte ziemlich lange dort verweilen müssen; und was sich also in der Zwischenzeit abgespielt, habe ich euch ausführlich erklärt. Nun konnte also mein Mann wieder nach Hause, aber meine Tochter blieb noch bei meiner Schwester. Jetzt schien es für meinen Mann ganz selbstverständlich zu sein, sich eine neue Frau zu suchen. Er hatte seine Bekannten und seine Freunde von früher, und so kam er auch in Gesellschaft von jungen Mädchen. Aber mir schien keine gut genug für ihn zu sein, und ich versuchte, ihn immer wieder davon abzulenken. Nun aber musste ich feststellen, dass er den festen Gedanken und den festen Willen gefasst hatte, ein ihm bekanntes Mädchen zu heiraten. Damit war ich nicht einverstanden.

Nun ging ich auf meinen Mann zu – ich war immer wieder von Zeit zu Zeit in seiner Nähe, ich war ja noch an ihn und an das Haus und an alles, was auf der Erde war, gebunden; ich war ja noch nicht so lange tot. Dann aber wurde ich ganz energisch gerügt, und man verbot mir jetzt den Eingang in das Haus meines Mannes. Man gab es mir deutlich zu verstehen, dass es nun das letzte Mal sei, dass ich mich mit diesen Gedanken befasst hätte. Es sei nicht meine Angelegenheit, eine Frau für meinen früheren Mann zu suchen. Er habe nach seinem eigenen Willen zu entscheiden und habe für seine Wahl selbst die Verantwortung zu tragen – mich gehe das gar nichts an. Ich war etwas betrübt darüber, aber ich musste mich diesem strengen Befehl fügen, ich musste gehorchen; denn man sagte mir, es wäre das letzte Mal, dass man mich gemahnt habe. Wenn ich nicht gehorchen würde, würde mir als Strafe der weitere Zutritt zum Kinderparadies geschlossen sein. Also dachte ich: “Gut, ich überlasse es jetzt Gott und seinen Helfern, dass sie den richtigen Weg suchen und ihn bereiten.” Und so sagte ich: “Ich vertraue auf Gott und seine Hilfe, und ich werde nicht wieder zurückkehren, bis es mir erlaubt wird.” Mit diesem Entscheid schien man mit mir zufrieden zu sein.

Dass es mir aber nicht so ganz ernst war, sahen diese höheren Geistwesen wohl, und sie baten mich, ihnen zu folgen. Ich hätte es unbedingt nötig, mich etwas auszuruhen, denn es sei doch etwas viel Kummer gewesen, der über mich gekommen sei – dafür hätten sie Verständnis. Seit dem Unfall sei ja erst eine kurze Zeit verstrichen, und ich sei noch zu sehr mit dem Geschehen verbunden. Ich müsse nun versuchen, mich etwas davon zu lösen. So empfahlen sie mir, mit ihnen zu gehen und mich für eine bestimmte Zeit in einem Hause aufzuhalten, wo ich mich ausruhen könne. Sie würden mir eine Stärkung geben, und ich würde schlafen können – und nach dem Schlafe würden all diese Dinge anders aussehen. Und so gehorchte ich, denn ich fühlte mich schwach und unsicher. Denn ich wollte doch immer wieder zurück – es zog mich einfach zurück; und anderseits wollte ich doch auch gehorsam sein. Also ging ich mit diesen Engelwesen. Sie führten mich in ein Haus hinein, in einen grossen Raum. Es war eine angenehme Atmosphäre darin, und ich nahm einen so wohltuenden Geruch wahr. Man gab mir eine Stärkung, die ich gerne entgegennahm, und dann konnte ich schlafen.

Wie lange ich geschlafen hatte, wusste ich nicht – nach dem Erwachen kümmerte ich mich nicht mehr um die Zeit. Ich fühlte mich ganz anders, frei und froh; ich fühlte mich nicht mehr gebunden an das, was ich zurückgelassen hatte. Wohl lag die Erinnerung noch in meinem Denken, aber ich hatte nicht mehr eine solche Sehnsucht wie vorher. Ich fühlte mich durch diesen Schlaf wahrhaftig gestärkt. Als ich erwachte, wurde mir wieder eine Erfrischung dargeboten, und meine Kraft wurde noch mehr gestärkt. Und jetzt wollte ich mich dieser neuen Welt anpassen.

Natürlich hatte ich nicht vergessen, wo sich meine kleine Kathrin befand. Ich wollte wissen, ob sie auch des Schlafes bedurft hatte. Man bejahte es und sagte: “Aber es war nicht so wie bei dir. Als sie von der Erde zu uns kam, gab man ihr auch eine Erfrischung und eine Beruhigung, doch sie schlief nur kurze Zeit. Dann wurde sie betreut, wie du es gesehen hast. Du konntest dich ja selbst überzeugen, dass sie sich ganz wohl fühlt. Aber da sie noch so klein ist, bedarf sie noch dann und wann des Schlafes, und so wird sie auch zur Ruhe gebettet von den Engeln Gottes.”

Also sollte ich mich nicht weiter um sie kümmern. Ich sah ja, wie alles in bester Ordnung war. Auch meine Sorge um meinen Mann und um die Kleine, die ich auf Erden zurückgelassen, war nicht mehr so gross. Ich fühlte wohl noch eine grosse Anhänglichkeit zu ­ihnen, aber es war ja so: Als ich aus meinem Schlaf erwachte, da standen meine bereits früher verstorbenen Angehörigen bei mir, die mich begrüssten, die sich freuten und sich bereit erklärten, bei den Meinen zum Rechten zu sehen und mir dann und wann von ihnen zu berichten. Sie redeten mir zu, ich solle doch ruhig bleiben und mich glücklich fühlen in meiner jetzigen Welt; ich müsse mich nicht mehr um all das kümmern, was ich zurückgelassen. Dafür seien nun die Engelwesen zuständig, die in der Ordnung Gottes stünden und zum Rechten sehen würden.

So hatte ich Vertrauen, und die Freude über die Begrüssung meiner Verwandten war gross. Ich lud sie ein, mich ins Kinderparadies zu meiner Kathrin zu begleiten. Ich erzählte ihnen von der dortigen Pracht, wie diese Kindlein gehegt und gepflegt werden und wie sie gar keine Sehnsucht nach ihren irdischen Eltern hätten, da ihnen so viel Abwechslung geboten werde.

Dann sprach ein Engel zu mir über meine zukünftige Betätigung. Er sagte, ich müsse auch in eine Arbeit eingereiht werden, und da ich als junge Mutter ein Kind im Kinderparadies hätte, würde man mir empfehlen, auch in einem Kinderparadies tätig zu sein. Da müsse man auch zum Rechten sehen, und all die vielen Gegenstände und Spielsachen, die für die Kleinen ­benötigt würden, müssten auch angefertigt werden. Wenn ich mich zu einer solchen Aufgabe bereit erkläre, könne ich dort eine Arbeit übernehmen. Ich erkundigte mich sogleich: “Darf ich dann in der Nähe meiner Kleinen sein?” Darauf sagte man mir: “In allernächster Nähe gerade nicht, aber du hast immer wieder Gelegenheit, sie beim Spiel und auch bei ihrem Unterricht zu beobachten. Denn sie wird wachsen, und sie wird in der Schule unterrichtet werden. Man kann nicht immer nur in Spiel und Freude leben. Wenn die Kinder heranwachsen, grösser werden, führt man sie in ein anderes Kinderparadies, mit grösseren, gleichaltrigen Kindern zusammen, um sie gemeinsam zu unterrichten und zu erziehen.”

Ich stimmte dem allem zu. Es war mir recht so, wenn ich nur von Zeit zu Zeit die Kleine sehen durfte, wie sie heranwuchs und wie sie lebte. Und da war es für mich noch eine grosse Freude, mit meinen Verwandten zusammen diesen Besuch zu machen. So haben wir uns dabei ausgiebig unterhalten. Ich durfte wiederum erfahren, dass meine Kleine nicht etwa Sehnsucht nach ihrer Mutti hatte, sondern dass sie sich ganz wohl fühlte. Man sagte mir auch, dass sie nicht mehr allzu lange in diesem Paradies verweile, sondern recht bald in ein anderes geführt und dort mit Gleichaltrigen unterrichtet würde. Aber ich war schon zufrieden, ich durfte sie ja sehen, und sie hatte wahrhaftig eine sorgfältige Erziehung.

Meine Angehörigen erzählten mir von ihrer Tätigkeit und von ihrem Frieden, den sie in der geistigen Welt gefunden hatten, und dass sie hochbeglückt seien, jetzt hier zu wohnen. Wir versprachen, uns dann und wann gegenseitig zu besuchen. Und dann mussten wir uns ja auch wieder verabschieden. Doch meine Angehörigen brachten mir dann von Zeit zu Zeit Nachricht von dem, was auf Erden geschah. Ich hatte mich wohl gelöst von alldem, doch hatte ich immer wieder darum gebeten, dass meine kleine Lisbeth, die ich zurückgelassen, eine gute Mutti bekam. Und so waren es meine Verwandten auf Erden, ganz besonders meine Eltern, die sich um ihre Enkelin kümmerten. Und dann, später, brachte man mir auch die Nachricht, dass mein Mann sich wieder verheiratet und Lisbeth zu sich genommen hatte, dass die Grosseltern ihren guten Einfluss auf die Frau ausübten. Die Grosseltern hielten mein Kind auch dazu an, sich seiner Mutti im Himmel zu erinnern, sie nicht zu vergessen.

So bekam ich immer wieder Nachricht, wie es den Meinen auf Erden erging. Und so übe ich noch meine Tätigkeit aus, abwechslungsweise einmal in dem Kinderparadies, wo die ganz Kleinen sind, dann werde ich wieder in einem anderen benötigt, wo meine Aufgabe etwas anderer Art ist. So habe ich ja eine wunderschöne Aufgabe. Diese Tätigkeit übe ich also noch aus. Was meiner noch wartet, weiss ich nicht. Ein Geist Gottes sagte mir, es gehe jetzt zuerst darum, mein ganzes Wesen mit Liebe und Opferbereitschaft zu erfüllen, und dafür eigne sich für mich das Kinderparadies besonders gut. Da könne man sich eben in seinem ­Wesen den dort wirkenden Engeln angleichen. Man könne hier so viel erlernen und beeinflusst werden von der grossen Ruhe, Hingabe und Aufopferung. Davon sollte ich erfüllt werden, dann hätte man für mich später eine dementsprechende Aufgabe, wo ich das, was ich in diesem Himmel erfasst habe und wovon ich durchdrungen wurde, zur Entfaltung bringen könnte. Mein ganzes Wesen sollte also von grosser Hingabe und Zärtlichkeit erfüllt werden. Und das ist es, was ich euch zu berichten hatte: vom Leben, das ich jetzt lebe und das mich beeindruckt, und wie es mir ergangen ist, wie ich anfangs nicht glauben konnte, dass ich gestorben war.

Und wenn es euch interessiert, zu erfahren, wie lange es her ist, seit ich durch den Unfall in die geistige Welt kam – ich persönlich konnte es nicht berechnen, weil ich kein Zeitmass mehr habe wie ihr, aber man erklärte mir, nach eurer Zeitrechnung wären es erst circa acht Jahre her.

So wartet auf mich, wie ich glaube und man es mir andeutete, eine wichtige und schöne Tätigkeit, die ich im Heilsplan Gottes erfüllen darf. So möchte ich mich von euch verabschieden mit einem “Grüss euch Gott”.

Erlebnisbericht von Kathrin vom 6. März 1968 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich


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Fragen und Antworten zum Jenseits

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