Träume und ihre Ursachen

 

Ein Schwerpunktthema der Geisteslehre ist die Meditation und die Pflege der Seele. Im folgenden Ausschnitt erklärt Geistlehrerin Lene an einem Beispiel, wie der Mensch mit seinem täglichen Denken und Handeln seine eigene Seele beeinflusst, sei es zum Guten oder sei es zu ihrem Nachteil.

 

Lene: Liebe Geschwister, wenn ihr morgens erwacht, erinnert ihr euch vielleicht an das, was ihr geträumt habt. Es mag vielleicht ein Durcheinander gewesen sein; Sinnloses ist noch in eurer Erinnerung, und ihr könnt nicht verstehen, wie man überhaupt so unmögliche Dinge träumen kann, zu denen man gar keine Beziehung und für die man kein Verstehen hat.

Ihr werdet doch jeweils von uns unterrichtet, dass dann, wenn der Leib des Menschen ruht, sein Geist geführt wird von den Geistern Gottes, von aufsteigenden Geistgeschwistern oder dass er Gespräche führt mit ihnen, vielleicht sogar mit verstorbenen Verwandten – also mit denen, die nun eine Aufgabe an euch zu erfüllen haben. So habt ihr öfters schon darüber nachgedacht, warum man denn von dem, was man mit den Geistern Gottes erlebt hat, nichts ins Bewusstsein bringt, warum man von diesen Begebenheiten nichts mehr weiss, während aber das Niedere, das Unschöne, das Durcheinander dann doch ins Bewusstsein kommt.

Es ist so, dass der Mensch sich in einem ständigen Auf und Ab befindet; einmal steht er auf einer gewissen Höhe, dann wird er wieder in die Tiefe gerissen – es ist ein ständiges Auf und Ab in seinem Wandeln als Mensch. Er wird in die Tiefe ­gerissen, wenn er ein unharmonisches Denken hat, wenn er im Unfrieden mit der Umgebung lebt, wenn er sich nicht Gott ­zuwenden kann, wenn er hass- und neiderfüllt ist. Wenn er also in einem disharmonischen Verhältnis steht, wird er geistig in eine Tiefe gerissen. Auch gewisse betrübliche Erlebnisse können ihn in eine solche Tiefe bringen. Er kann die Höhen erreichen durch gehobenes Denken; durch das Hinwenden zum Göttlichen schwingt er sich also wieder auf gewisse geistige Höhen. So ist ein ständiger Wandel beim Menschen, einmal bewegt er sich in diesen ­höheren Ebenen, ein anderes Mal kommt er wieder in die Tiefe.

So wie kein Mensch dem andern gleicht, so kann man dies auch vom Menschengeist sagen. Jeder Geist, der im Menschen wohnt, ist ganz anders in seiner feinstofflichen Beschaffenheit. Gerade dieses Auf und Nieder hinterlässt seine Spuren in dieser feinstofflichen Beschaffenheit. Mit dieser feinstofflichen Beschaffenheit meine ich das Äussere des Geistes, sein Aussehen – ich rede also vom inneren Menschen. Der Geist hat eine Gestalt, die derjenigen des Menschen doch ähnlich ist. Diese Gestalt ist in ihrer feinstofflichen Form vorhanden. Wenn sich nun der Mensch das eine Mal innerlich erhebt und dann wieder hinabsinkt, dann beeinflusst er durch diese Wechselhaftigkeit seinen geistigen Leib. Dieses Sich-auf-und-nieder-Bewegen heisst also, sich das eine Mal in den niederen Schwingungen zu bewegen, das andere Mal sich durch gehobenes Denken in die höheren Schwingungen hineinzubringen. Diese Wechselhaftigkeit bringt eben ihren Schatten in oder an den geistigen Leib. Wird der Mensch schwach, weil er zu wenig geistige Überzeugungskraft in sich hat, so kommt er durch seine Tätigkeiten oder Erlebnisse – eben durch seine Schwächen – in eine niedere Schwingung. Ist er stark, kann er sich von den Schwächen erheben, sie überwinden und emporsteigen zu den Höhen. So ist ein ständiger Wechsel von den Höhen zu den Tiefen, was nicht ohne Einfluss bleibt auf das geistige Leben und auf den geistigen Leib.

Wenn ihr euren menschlichen Körper schützen wollt, müsst ihr euch je nach den Jahreszeiten besonders kleiden. Vor Nässe und Kälte, auch vor allzu starken Sonneneinflüssen, also vor äusseren Einflüssen müsst ihr euren irdischen Leib schützen, damit er nicht Schaden nimmt. So ist es mit dem geistigen Leibe; auch er wird von aussen beeinflusst – von geistiger Seite her. Wie euer irdischer Leib gegen schädliche Einflüsse von aussen empfindlich ist, sind auch die Seele und der geistige Leib empfindlich gegen Schäden von aussen.

So kommt es dazu, dass ein Wirrwarr geträumt wird und diese Träume teilweise so sinnlos sind, dass man damit nichts anfangen kann und sie den einen oder andern vielleicht sogar in eine Depression bringen, weil er ein solches Durcheinander erlebt hat. Dieses Durcheinander geschieht auf diese Weise, wie ich es euch erklärt habe: Das Auf und Ab ergibt ein Durcheinander in den Schwingungen, und diese erzeugen jene Bilder, die man eben im Traum erlebt.

Es kann ein Erlebnis, das Jahrzehnte zurückliegt, das vielleicht bis in die Kindheit zurückführt, tief in der Seele eines Menschen haften und kann den geistigen Leib wie die Seele, also den ganzen inneren Menschen, schädigen. Solche Erlebnisse sind im Innern des Menschen, also in seiner Seele, haften geblieben und haben auch seinen geistigen Leib gezeichnet. So wie der irdische Leib gezeichnet werden kann durch Schäden von aussen, so wird auch der geistige Leib durch Schäden von aussen gezeichnet. Der innere Mensch steht dann in einem unharmonischen Verhältnis zum äusseren. Komplexe entstehen. Und heute ist man ja so weit, dass man die Tiefen der Seele zu ergründen versucht. Es soll euch also klar sein, dass alles Erlebte und alles bewusst Gestaltete in der Seele und am geistigen Leibe gezeichnet wird. Und dieses kann nicht ausgelöscht werden; diese Geschehnisse sind in der Seele gezeichnet, auch wenn sie aus dem Gedächtnis eines Menschen entschwunden sind. Gelegentlich vermögen solche nach Jahrzehnten plötzlich wieder zum Vorschein zu kommen. Wenn man aber diese geistige Lehre kennt und sein Leben dementsprechend einrichtet, kann man Verschiedenes dafür tun, um diese Schäden zu beheben.

Wenn der Mensch morgens erwacht, dann ist es im Allgemeinen so, dass er zuerst an seine Arbeit denkt, an das, was ihm der Tag bringen wird, was er leisten muss, welche Aufgaben er zu erfüllen hat, ob der Tag ihm Angenehmes oder Unangenehmes bringen wird. Über solche Dinge denkt der Mensch gerne nach, weil er ja seinen Tag oder seine Arbeit einzuteilen hat. So ist es also der äussere Mensch, der sich schon in seine Welt hineinstürzt – und der innere Mensch, die Seele, kommt zu kurz. So wie es den Menschen im Allgemeinen frühmorgens verlangt, Speise zu sich zu nehmen, um sich für den Tag oder die ersten Stunden zu kräftigen, so würde es auch die Seele nach einer Speise verlangen. Doch die Seele erhält nur selten, nur von frommen Menschen, von Gläubigen – und auch nicht immer von ihnen –, diese Speise, die sie haben möchte, um sich kräftigen zu können. Diese Speise des Geistes besteht darin, dass man morgens Gott seinen Gruss entbietet, ihm sein Herz und seine Seele zuwendet und nicht zuerst den Äusserlichkeiten. Dem Geiste soll man es ermöglichen, dass er mitbeten kann, dass man gemeinsam dankt für das, was Gott gegeben, und bittet, dass man den ganzen Tag unter seinem Segen stehen darf. Durch solche gehobenen Gedanken gibt man der Seele eine geistige Speise und eine Kräftigung. So erhebt man sich in die Höhe, man wendet sich Gott zu, dadurch, dass ihm der erste Gedanke gilt.

Auf diese Art und Weise tut man das Seinige, um irgendwelche Schäden in seinem Innern zu beheben. Man muss sich darüber klar werden, dass die Hinwendung zu Gott einer Sonnen­bestrahlung gleicht, einer Erwärmung der Seele. Die Seele also empfängt, wonach sie verlangt. So wie es für den Leib des Menschen gut ist, wenn er geschützt wird, wenn er die Wärme erhält, die er braucht, um in jeder Beziehung gesund zu bleiben, so verlangt auch die Seele nach ihrem Schutz. Und so kann auf diese Art und Weise das Innere des Menschen gesund erhalten bleiben, und er kann in seinem Denken und Wollen von Tag zu Tag mehr gehoben werden. Und darum geht es, um diese geistige Gehobenheit. Es geht doch darum, dass der Mensch die Prüfungen des Lebens besteht, um einen Platz in der geistigen Welt einnehmen zu dürfen, wo er in Freude und Seligkeit leben kann.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 15.11.1967 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich

 
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